Berlin (kobinet)
3 Autoren haben uns einen Text geschickt.
Die Autoren heißen **Martin Zinkler**, **Margret Osterfeld** und **Heinz Kammeier**.
kobinet findet: Dieser Text ist wichtig.
Viele Menschen sollen ihn lesen.
Wir unterstützen die Meinung der Autoren.
**Martin Zinkler**, **Margret Osterfeld** und **Heinz Kammeier** schreiben:
Es gab 3 schlimme Angriffe in Deutschland.
In Magdeburg am 20.12.2024.
In Aschaffenburg am 22.01.2025.
In Hamburg am 23.05.2025.
Bei allen Angriffen starben Menschen.
Die Täter hatten etwas gemeinsam.
Das vermutet man.
Man ist sich aber nicht sicher.
Es ist noch nicht bewiesen.
Sie kamen aus anderen Ländern.
Oder sie waren bei einem Seelen-Arzt.
Ein Seelen-Arzt hilft Menschen mit seelischen Problemen.
Der Arzt kann Medikamente geben.
Oder Gespräche führen.
Das heißt: Sie bekamen Hilfe für seelische Probleme.
Politiker und Medien diskutieren jetzt viel.
Sie bringen 3 Dinge zusammen:
Mord.
Menschen aus anderen Ländern.
Behandlung bei einem Seelen-Arzt.
Dabei entstehen 3 Ideen:
1. Weniger Menschen aus anderen Ländern bedeutet weniger Morde.
2. Seelen-Ärzte können Morde verhindern.
3. Man kann Listen von gefährlichen Menschen machen.
Diese Menschen kommen aus anderen Ländern.
Und sie waren bei einem Seelen-Arzt.
Wir sagen: Alle 3 Ideen sind falsch.
Trotzdem stehen sie im Vertrag von CDU und SPD.
Parteien schreiben ihre Pläne auf.
Das nennt man: Koalitions-Vertrag.
Das steht in Zeile 2642 bis 2645:
Wir wollen Gewalt-Taten verhindern.
Deshalb wollen wir früh erkennen:
Welche Menschen mit seelischen Problemen sind gefährlich?
Wir führen eine gemeinsame Risiko-Bewertung ein.
Wir führen ein gemeinsames Gefahren-Management ein.
Verschiedene Ämter arbeiten zusammen.
Zum Beispiel: Die Polizei und das Gesundheits-Amt.
Sie tauschen Informationen aus.
Sie helfen sich gegenseitig.
Man denkt an mögliche Gefahren.
Man plant gegen diese Gefahren.
Man bereitet sich auf Probleme vor.
Auch die Innen-Minister haben so entschieden.
Das war im Juni 2025.
Das steht in ihren Beschlüssen hier.
Die Frage ist: Können Seelen-Ärzte wirklich helfen?
Können sie solche Taten verhindern?
Können sie für mehr Sicherheit sorgen?
Die Zahl der Morde in Deutschland wurde kleiner.
Das war von 2016 bis 2019 so.
In den letzten Jahren blieb die Zahl gleich.
Das war von 2020 bis 2024 so.
Das zeigt eine Statistik hier.
Das Ifo Institut hat eine Untersuchung gemacht.
Die Untersuchung ist vom Februar 2025.
Das Ergebnis: Menschen aus anderen Ländern machen nicht mehr Straf-Taten.
Das gilt für Deutschland.
Das gilt auch für andere Länder.
Die Untersuchung findet ihr hier.
Deshalb ist es sehr unwahrscheinlich:
Weniger Menschen aus anderen Ländern bedeuten nicht weniger Morde.
Seelische Probleme sind häufig.
Behandlungen bei Seelen-Ärzten sind häufig.
In Deutschland gibt es jedes Jahr 800.000 Behandlungen.
Diese Behandlungen sind in besonderen Kliniken.
Manchmal werden Menschen gegen ihren Willen behandelt.
Das nennt man: Zwangs-Behandlung.
Jemand muss gegen seinen Willen in eine Einrichtung.
Das passiert nur bei großer Gefahr.
Ein Richter muss das erlauben.
Die Person kann sich selbst verletzen.
Oder andere verletzen.
Das passiert bei 8 von 100 Behandlungen.
Das sind etwa 60.000 Menschen.
Morde passieren sehr selten.
2024 gab es 668 Morde in Deutschland.
Das zeigt diese Statistik hier.
Man bräuchte eine Methode.
Diese Methode müsste sehr genau vorhersagen:
Wer wird einen Mord begehen?
Diese Methode gibt es nicht.
Menschen-Verhalten kann man nicht vorhersagen.
Das gilt besonders in Extrem-Situationen.
Der Spiegel schrieb 2012:
Wir können alle zu Mördern werden.
Die Behörden wollen Anschläge verhindern.
Das ist verständlich.
Aber: Menschen aus anderen Ländern sind nicht gefährlicher.
Menschen mit seelischen Problemen gibt es zu viele.
Man kann nicht erkennen: Wer wird gefährlich?
Man könnte trotzdem Listen machen.
In diesen Listen stehen Menschen aus anderen Ländern.
Diese Menschen waren bei Seelen-Ärzten.
In solche Listen kämen jedes Jahr 160.000 Menschen.
Stellt euch vor: Es gäbe ein Mess-Gerät für Gefahr.
Dieses Gerät gibt es aber nicht.
Stellt euch vor: Dieses Gerät würde 70 von 100 Mal richtig liegen.
Stellt euch vor: Man würde alle gefährlichen Menschen früh einsperren.
Man macht etwas früh.
Man wartet nicht auf Probleme.
Man will Probleme verhindern.
Zum Beispiel: Man putzt Zähne gegen Löcher.
Trotzdem könnte man die meisten Morde nicht verhindern.
Aber man würde vielen Menschen die Freiheit wegnehmen.
Diese Menschen hätten nie jemandem etwas getan.
Außerdem ist unklar: Hilft es überhaupt?
Werden Menschen weniger gefährlich durch Zwangs-Behandlung?
Sicher ist: Zwang macht seelische Probleme schlimmer.
Zwang kann Menschen wirklich verrückt machen.
Zwang kann Menschen zu Extremisten machen.
Jemand wird extrem in seinen Ideen.
Die Person will ihre Meinung mit Gewalt durchsetzen.
Das ist gefährlich für alle Menschen.
Zum Beispiel: Terror-Gruppen machen junge Menschen zu Extremisten.
Wir würden eine bestimmte Gruppe ausschließen.
Das wäre ungerecht.
Menschen werden unfair behandelt.
Das passiert wegen ihrer Haut-Farbe oder Religion.
Alle Menschen sollen gleich behandelt werden.
Ungerechte Behandlung ist nicht erlaubt.
Das wäre verletzend.
Menschen bekommen einen schlechten Ruf.
Andere Menschen denken schlecht über sie.
Das ist oft ungerecht und verletzend.
Zum Beispiel: Kranke Menschen werden ausgegrenzt.
Das wäre rechtlich fragwürdig.
Aber wir würden schwere Gewalt-Taten trotzdem nicht verhindern.
Was können Seelen-Ärzte wirklich leisten?
Menschen aus anderen Ländern haben oft große Probleme.
Die Flucht war sehr belastend.
Das kann seelische Probleme verursachen.
Oder seelische Probleme verstärken.
Ungleichheit macht seelische Probleme.
Das weiß man gut.
Eine Studie dazu findet ihr hier.
Ungleichheit bedeutet: Manche Menschen haben viel.
Andere Menschen haben wenig.
Das ist ungerecht.
Ungleichheit fühlt sich ungerecht an.
Geflüchtete brauchen staatliche Hilfe.
Sie erleben Ungleichheit besonders stark.
Sie erleben ungerechte Behandlung.
Geflüchtete wissen oft nicht: Darf ich in Deutschland bleiben?
Vielleicht werden sie abgeschoben.
Diese Unsicherheit verstärkt ihre Probleme.
Das kann seelische Probleme verursachen.
Oder verstärken.
Menschen denken: Sind wir nicht alle Menschen?
Ist unsere Würde nicht unantastbar?
Wenn sie Ungleichheit erleben, kann das verrückt machen.
Wenn sie Unfairness erleben, kann das verrückt machen.
Oder Menschen schließen sich extremen Gruppen an.
Diese Gruppen versprechen Lösungen.
Oder Menschen werden so extrem.
Dann machen sie Terror-Anschläge.
Was können und sollten wir tun:
Wir sollten wissen: Wir leben in einer schweren Welt.
Diese Welt hat schwere Probleme.
An diesen Problemen kann man verrückt werden.
Oder Menschen werden zu Extremisten.
Das ist nicht verwunderlich.
Politiker haben Verantwortung.
Sie müssen Ungleichheit verringern.
Sie müssen die Klima-Katastrophe verhindern.
Das sind wichtige Ursachen für Flucht.
Das sind wichtige Ursachen für Vertreibung.
Unsere Gesellschaft muss die Seelen-Medizin gut ausstatten.
Die Verantwortlichen müssen das auch.
Die Seelen-Medizin soll für Betroffene Sicherheit schaffen.
Das bedeutet: Sicherheit beim Geld.
Sicherheit beim Wohnen.
Das nennt man: Housing First.
Das bedeutet: Wohnung zuerst.
Unterstützung bei der Klärung vom Aufenthalts-Status.
Status bedeutet: Darf ich bleiben?
Vertrauen in der Therapie.
Das gelingt so: Freiwillige Behandlungen statt Zwangs-Behandlungen.
Die Vereinten Nationen fordern das.
Die Welt-Gesundheits-Organisation fordert das auch.
Das steht hier.
Die Seelen-Medizin soll nicht für die innere Sicherheit arbeiten.
Aufgaben der öffentlichen Sicherheit sollen nicht an sie gegeben werden.
Die Seelen-Medizin ist für die Gesundheit da.
Sie soll ein Angebot machen.
Sie soll keine Zwangs-Maßnahmen durchführen.
Die Betroffenen sollen sich darauf verlassen können:
Die Seelen-Medizin unterstützt sie ohne Vorbehalt.
Die Seelen-Medizin meldet sie nicht als Sicherheits-Risiko.
Dann kann die Seelen-Medizin das Vertrauen zurück-gewinnen.
Das Vertrauen von bestimmten ausgegrenzten Gruppen.
Die Medien sollten ihre Bericht-Erstattung überprüfen.
Es ist sinnlos zu sagen: Der Täter ist deutsch.
Oder: Der Täter ist ausländisch.
Oder: Der Täter ist katholisch.
Oder: Der Täter ist muslimisch.
Oder: Der Täter muss Deutschland verlassen.
Oder: Der Täter ist seelisch krank.
Diese Informationen erklären nicht:
Warum hat der Täter das getan?
Besser wäre: Erst keine solchen Informationen geben.
Erst dann Angaben zum Motiv machen.
Motiv bedeutet: Warum hat jemand das getan?
Und zwar dann, wenn man das Motiv sicher kennt.
Zum Beispiel nach Befragungen durch die Polizei.
Oder bei der Bericht-Erstattung über das Gerichts-Verfahren.
Martin Zinkler, Margret Osterfeld, Heinz Kammeier
**Martin Zinkler** ist Seelen-Arzt und Psycho-Therapeut.
Er ist Mitglied in einem UN-Ausschuss.
Dieser Ausschuss verhindert Folter.
Das kürzt man ab mit SPT.
Er ist Mit-Herausgeber der Zeitschrift Recht und Seelen-Medizin.
**Margret Osterfeld** ist Seelen-Ärztin und Psycho-Therapeutin im Ruhe-Stand.
Sie war lange Mitglied in einem UN-Ausschuss.
Dieser Ausschuss verhindert Folter.
Das kürzt man ab mit SPT.
Sie war auch Mitglied der Nationalen Stelle.
Diese Stelle verhindert Folter.
**Heinz Kammeier** ist Jurist und Evangelischer Pfarrer im Ruhe-Stand.
Er war als Seelen-Pfleger in der Seelen-Medizin tätig.
Ein Seelen-Pfleger kümmert sich um die Seele von Menschen.
Er hat Landes-Ministerien beraten.
Die Ministerien haben Gesetze für die Seelen-Medizin gemacht.
Er ist Mit-Herausgeber der Zeitschrift Recht und Seelen-Medizin.

Foto: GDJ In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen
Berlin (kobinet) In Anbetracht der Ereignisse sandten uns die 3 AutorInnen Martin Zinkler, Margret Osterfeld, Heinz Kammeier folgenden Text zu. kobinet findet, das muss an die breite Öffentlichkeit. Wir unterstützen die Auffassung. Martin Zinkler, Margret Osterfeld, Heinz Kammeier: Nach dem Anschlag von Magdeburg am 20.12.2024 (der mutmaßliche Täter ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Migrationsgeschichte), dem Messerangriff in Aschaffenburg am 22.01.2025 (der mutmaßliche Täter ist eine ausreisepflichtige Person, die mehrmals in stationärer psychiatrischer Behandlung war) und zuletzt dem Messerangriff in Hamburg am 23.05.2025 (die mutmaßliche Täterin wurde am Tag zuvor aus einer psychiatrischen Klinik entlassen) wurden in der politischen und medienöffentlichen Diskussion drei verschiedene Themenbereiche miteinander in Verbindung gebracht: Tötungsdelikte – Migrationsgeschichten – psychiatrische Behandlungen. Hierbei ist die Psychiatrie in den Sog des Diskurses über die Innere Sicherheit geraten.
Dabei wurden drei Hypothesen generiert:
- Die Kontrolle von Migration kann Tötungsdelikte verhindern.
- Eine psychiatrische Behandlung kann Tötungsdelikte verhindern.
- Das Erstellen von Profilen von Personen mit Migrationsgeschichte und psychiatrischer Behandlung kann Tötungsdelikte verhindern.
Um es vorwegzunehmen: Alle drei Hypothesen erweisen sich als unzutreffend und finden sich dennoch implizit und explizit im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD (1 https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag2025_bf.pdf: Zeilen 2642 – 2645: „Zur Verhinderung weiterer Gewalttaten, wie in der jüngsten Vergangenheit, wollen wir die frühzeitige Erkennung entsprechender Risikopotenziale bei Personen mit psychischen Auffälligkeiten sicherstellen. Hierzu führen wir eine gemeinsame Risikobewertung und ein integriertes behördenübergreifendes Risikomanagement ein“), sowie in den Beschlüssen der Innenministerkonferenz vom Juni 2025 (2 https://www.innenministerkonferenz.de/IMK/DE/termine/to-beschluesse/2025-06-13_DOK/beschlüsse.pdf?__blob=publicationFile&v=1). Damit stellt sich die Frage, ob die Psychiatrie überhaupt einen Beitrag zur Prävention von solchen Taten und zur Gewährleistung von Sicherheit erbringen kann.
(1) Die Zahl der Tötungsdelikte war in Deutschland von 2016 – 2019 rückläufig und hielt sich in den letzten Jahren auf etwa gleichbleibendem Niveau (2020-2024) (3 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1391075/umfrage/opfer-von-totschlag-in-deutschland/) .
Laut einer aktuellen Untersuchung des Ifo Institut vom Februar dieses Jahres hat Migration in Deutschland und international keine Auswirkung auf die Kriminalität im
Einwanderungsland (4 https://www.ifo.de/DocDL/sd-2025-digital-03-adema-alipour-migration-kriminalitaet.pdf) . Somit ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich durch eine
striktere Kontrolle von Migration zahlreiche Tötungsdelikte verhindern lassen.
(2) Psychische Probleme und psychiatrische Behandlungen sind häufig. Es finden etwa 800.000 stationäre Behandlungen im Jahr in psychiatrischen Kliniken in Deutschland statt. Auch psychiatrische Klinikaufenthalte gegen oder ohne den Willen der Betroffenen (Zwangsunterbringungen) sind häufig. Ihr Anteil liegt bei etwa 8% der stationären Behandlungen, also bei gut 60.000. Tötungsdelikte kommen dagegen vergleichsweise sehr selten vor: Es handelte sich um 668 im Jahr 2024 (5 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1391075/umfrage/opfer-von-totschlag-in-deutschland/). Man bräuchte nun eine Untersuchungsmethode, die mit einer ziemlich treffgenauen Sicherheit Vorhersagen darüber ermöglicht, wer unter den Personen, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden, ein Tötungsdelikt begehen wird. Eine solche Methode gibt es nicht. Menschliches Verhalten, vor allem in Extremsituationen, ist weder mit hoher noch auch nur mit mittlerer Sicherheit vorhersehbar. „Wir können alle zu Mördern werden.“ (6 Der Spiegel Nr. 36, 2012)
(3) Verständlicherweise wollen die für die Innere Sicherheit zuständigen Behörden Anschläge wie in Magdeburg, Aschaffenburg oder Hamburg verhindern. Aus (1) und (2) ergibt sich aber, dass Personen mit Migrationsgeschichte (Fazit: Sie hat keinen Einfluss auf Kriminalität) und Personen mit einer psychischer Erkrankung (Fazit: Sie tritt viel zu häufig auf, als dass potenzielle Täter aus dieser großen Gruppe von Personen sicher zu erkennen wären) nicht zuverlässig als potenzielle Täter identifiziert werden können.
Trotzdem könnte man versuchen, ein Register von Menschen mit Migrationserfahrung und stationärer psychiatrischer Behandlung zu erstellen. Darin wären pro Jahr etwa 160.000 Personen aufzunehmen. Wenn man ein Risikomessinstrument hätte, das es aber nicht gibt, mit dem man falsch positive Ergebnisse (Menschen, die erfasst werden, aber niemandem was tun würden) bzw. falsch negative Ergebnisse (Menschen, die jemandem was tun, aber nicht als gefährlich erfasst und somit nicht als potentielle Täter erkannt wurden) mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,7 vermeiden könnte, und wenn diese Personen vorbeugend einsperrt würden (Wie lange? Und welches wäre das Entlasskriterium?),
so könnte man die meisten Tötungsdelikte dennoch nicht verhindern. Man würde aber vielen Personen rechtswidrig die Freiheit entziehen, die nie jemandem etwas zuleide getan hätten (7 Vgl. Zinkler, Risikobasierte Allgemeinpsychiatrie: Wirkungen und Nebenwirkungen, in: Recht & Psychiatrie, (2014) 32, 64-68).
Zudem ist völlig unklar, ob die Zwangsunterbringung in einer Klinik, mit oder ohne Behandlung, kurz- oder längerfristig zu einem Rückgang des Risikos führen würde. Sicher ist allerdings, dass durch den psychiatrischen Freiheitsentzug und die erzwungene Behandlung die psychische Belastung der betreffenden Menschen erhöht und mit der Gefahr verbunden wäre, tatsächlich verrückt zu werden und/oder sich zu radikalisieren. Wir würden in diskriminierender, stigmatisierender und auf rechtlich fragwürdige Weise eine bestimmte Gruppe unserer Gesellschaft exkludieren, ohne dass wir dadurch das Risiko schwerer Gewalttaten tatsächlich zu reduzieren vermögen.
Was also kann die Psychiatrie wirklich leisten?
Migration stellt sich bei davon betroffenen Personen als ein überaus belastendes Lebensereignis dar und kann bei ihnen erhebliche psychische Probleme hervorrufen oder bereits latent vorhandene verstärken. Gut bekannt ist zudem, dass soziale Ungleichheit psychische Probleme determiniert und verstärkt (8 https://www.cambridge.org/core/journals/the-british-journal-of-psychiatry/article/inequality-an-underacknowledged-source-of-mental-illness-and-distress/985DE9F19CEA4165BE1E85A022BEFDFB).). Soziale Ungleichheit wird als ungerecht empfunden, sowohl allgemein und global als auch im unmittelbaren Umfeld. Geflüchtete, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, erleben soziale Ungleichheit besonders deutlich und diskriminierend. Zudem verstärkt die Unsicherheit über ihren Aufenthaltsstatus in Deutschland bzw. in Europa mit der drohenden Möglichkeit, ins Herkunftsland oder in ein Drittland abgeschoben zu werden, ihre persönliche migrationsbedingte Instabilität und kann deshalb dazu beitragen, psychische Probleme hervorzurufen oder zu verstärken.
Real erlebte Ungleichheit und Unfairness („Sind wir nicht alle Menschen, deren Würde unantastbar ist?“) können einen Menschen verrückt machen. Oder sie können dazu führen, dass sich eine derart psychisch instabil entwickelte Person einer radikalen Religionsgemeinschaft oder einer politischen Ideologie anschließt, die gesamtgesellschaftliche Lösungen verspricht. Oder die Gesinnung der Person radikalisiert sich so weit, bis terroristische Taten nicht nur kein Tabu mehr sind, sondern intrinsisch geradezu gefordert werden.
Was also können und sollten wir tun:
(1) Wir sollten uns bewusst sein, dass wir in einer Welt mit Verhältnissen leben, an denen man verrückt werden kann oder bei denen man sich nicht zu wundern braucht, wenn Menschen sich radikalisieren.
(2) Politische Verantwortung und politische Aufgaben liegen in der Verminderung sozialer Ungleichheit und z.B. der Verhinderung der Klimakatastrophe (als zwei typische Beispiele für entscheidende und veränderbare Ursachen von Flucht und Vertreibung).
(3) Unsere Gesellschaft und die in ihr Verantwortung tragenden Personen und Institutionen sollten die Psychiatrie in ihrer ganzen Versorgungsbreite so ausgestalten, dass sie für die Betroffenen Sicherheit schafft, z.B. materielle Sicherheit, Sicherheit beim Wohnen (Housing First), Unterstützung bei der Klärung des Aufenthaltsstatus und durch Vertrauensbildung in der Therapie. Dies gelingt, wenn freiwillig wahrnehmbare Behandlungsangebote Zwangsbehandlungen oder Zwangsunterbringung ersetzen, so wie es die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation fordern (9 https://www.who.int/news/item/09-10-2023-who-ohchr-launch-new-guidance-to-improve-laws-addressing-human-rights-abuses-in-mental-health-care) und wenn die Psychiatrie eben nicht als Hilfsbehörde für innere Sicherheit zu agieren hat und deren eigentliche, nämlich
ordnungsstaatliche Funktionen mit übernehmen muss. Aufgaben der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sollten deshalb nicht an die Psychiatrie delegiert werden.
Und die Psychiatrie ihrerseits, als eine vornehmlich der Gesundheit dienenden Institution, sollte an ihrem Angebotscharakter fest- und sich der Verpflichtung zur Durchführung obrigkeitsstaatlicher Zwangsmaßnahmen fernhalten. Wenn sich die Betroffenen bei ihrer psychiatrischen Behandlung darauf verlassen können, dass sie vorbehaltlos unterstützt und nicht den Behörden als potenzielles Sicherheitsrisiko gemeldet werden, dann kann die Psychiatrie das Vertrauen von bestimmten marginalisierten Gruppen zurückgewinnen.
(4) Die mediale Berichterstattung sollte ihre Verlautbarungsmodalitäten kritisch überprüfen. Es ist unsinnig und führt zu keinem Erkenntniszuwachs, bei einer Tat anzugeben, ob der Täter deutsch, ausländisch, römisch-katholisch, muslimisch, ausreisepflichtig oder psychisch krank ist. Solche Kennzeichnungen erklären für sich genommen keine Motivation für die begangene Tat. Sinnvoller wäre es, zunächst keine dieser Informationen zu liefern, sondern erst dann Angaben zum Motiv zu machen, wenn solche mit hinreichender Gewissheit vorliegen, z.B. nach Vernehmungen oder bei der Berichterstattung über das Gerichtsverfahren.
Martin Zinkler, Margret Osterfeld, Heinz Kammeier
Martin Zinkler ist Psychiater und Psychotherapeut. Er ist Mitglied im UN-Unterausschuss zur Verhütung von Folter (SPT) und Mitherausgeber der Zeitschrift „Recht & Psychiatrie“.
Margret Osterfeld ist Psychiaterin und Psychotherapeutin i.R. Sie war langjährig Mitglied im UN Unterausschuss zur Verhütung von Folter (SPT) und der Nationalen Stelle zur Folterprävention
Heinz Kammeier ist Jurist und Evang. Pfarrer i.R. Er war als Seelsorger in der Psychiatrie tätig, hat Landes-Ministerien bei der Erarbeitung von Psychiatriegesetzen beraten und ist Mitherausgeber der Zeitschrift „Recht & Psychiatrie“.

Foto: GDJ In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen
Berlin (kobinet) In Anbetracht der Ereignisse sandten uns die 3 AutorInnen Martin Zinkler, Margret Osterfeld, Heinz Kammeier folgenden Text zu. kobinet findet, das muss an die breite Öffentlichkeit. Wir unterstützen die Auffassung. Martin Zinkler, Margret Osterfeld, Heinz Kammeier: Nach dem Anschlag von Magdeburg am 20.12.2024 (der mutmaßliche Täter ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Migrationsgeschichte), dem Messerangriff in Aschaffenburg am 22.01.2025 (der mutmaßliche Täter ist eine ausreisepflichtige Person, die mehrmals in stationärer psychiatrischer Behandlung war) und zuletzt dem Messerangriff in Hamburg am 23.05.2025 (die mutmaßliche Täterin wurde am Tag zuvor aus einer psychiatrischen Klinik entlassen) wurden in der politischen und medienöffentlichen Diskussion drei verschiedene Themenbereiche miteinander in Verbindung gebracht: Tötungsdelikte – Migrationsgeschichten – psychiatrische Behandlungen. Hierbei ist die Psychiatrie in den Sog des Diskurses über die Innere Sicherheit geraten.
Dabei wurden drei Hypothesen generiert:
- Die Kontrolle von Migration kann Tötungsdelikte verhindern.
- Eine psychiatrische Behandlung kann Tötungsdelikte verhindern.
- Das Erstellen von Profilen von Personen mit Migrationsgeschichte und psychiatrischer Behandlung kann Tötungsdelikte verhindern.
Um es vorwegzunehmen: Alle drei Hypothesen erweisen sich als unzutreffend und finden sich dennoch implizit und explizit im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD (1 https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag2025_bf.pdf: Zeilen 2642 – 2645: „Zur Verhinderung weiterer Gewalttaten, wie in der jüngsten Vergangenheit, wollen wir die frühzeitige Erkennung entsprechender Risikopotenziale bei Personen mit psychischen Auffälligkeiten sicherstellen. Hierzu führen wir eine gemeinsame Risikobewertung und ein integriertes behördenübergreifendes Risikomanagement ein“), sowie in den Beschlüssen der Innenministerkonferenz vom Juni 2025 (2 https://www.innenministerkonferenz.de/IMK/DE/termine/to-beschluesse/2025-06-13_DOK/beschlüsse.pdf?__blob=publicationFile&v=1). Damit stellt sich die Frage, ob die Psychiatrie überhaupt einen Beitrag zur Prävention von solchen Taten und zur Gewährleistung von Sicherheit erbringen kann.
(1) Die Zahl der Tötungsdelikte war in Deutschland von 2016 – 2019 rückläufig und hielt sich in den letzten Jahren auf etwa gleichbleibendem Niveau (2020-2024) (3 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1391075/umfrage/opfer-von-totschlag-in-deutschland/) .
Laut einer aktuellen Untersuchung des Ifo Institut vom Februar dieses Jahres hat Migration in Deutschland und international keine Auswirkung auf die Kriminalität im
Einwanderungsland (4 https://www.ifo.de/DocDL/sd-2025-digital-03-adema-alipour-migration-kriminalitaet.pdf) . Somit ist es höchst unwahrscheinlich, dass sich durch eine
striktere Kontrolle von Migration zahlreiche Tötungsdelikte verhindern lassen.
(2) Psychische Probleme und psychiatrische Behandlungen sind häufig. Es finden etwa 800.000 stationäre Behandlungen im Jahr in psychiatrischen Kliniken in Deutschland statt. Auch psychiatrische Klinikaufenthalte gegen oder ohne den Willen der Betroffenen (Zwangsunterbringungen) sind häufig. Ihr Anteil liegt bei etwa 8% der stationären Behandlungen, also bei gut 60.000. Tötungsdelikte kommen dagegen vergleichsweise sehr selten vor: Es handelte sich um 668 im Jahr 2024 (5 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1391075/umfrage/opfer-von-totschlag-in-deutschland/). Man bräuchte nun eine Untersuchungsmethode, die mit einer ziemlich treffgenauen Sicherheit Vorhersagen darüber ermöglicht, wer unter den Personen, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden, ein Tötungsdelikt begehen wird. Eine solche Methode gibt es nicht. Menschliches Verhalten, vor allem in Extremsituationen, ist weder mit hoher noch auch nur mit mittlerer Sicherheit vorhersehbar. „Wir können alle zu Mördern werden.“ (6 Der Spiegel Nr. 36, 2012)
(3) Verständlicherweise wollen die für die Innere Sicherheit zuständigen Behörden Anschläge wie in Magdeburg, Aschaffenburg oder Hamburg verhindern. Aus (1) und (2) ergibt sich aber, dass Personen mit Migrationsgeschichte (Fazit: Sie hat keinen Einfluss auf Kriminalität) und Personen mit einer psychischer Erkrankung (Fazit: Sie tritt viel zu häufig auf, als dass potenzielle Täter aus dieser großen Gruppe von Personen sicher zu erkennen wären) nicht zuverlässig als potenzielle Täter identifiziert werden können.
Trotzdem könnte man versuchen, ein Register von Menschen mit Migrationserfahrung und stationärer psychiatrischer Behandlung zu erstellen. Darin wären pro Jahr etwa 160.000 Personen aufzunehmen. Wenn man ein Risikomessinstrument hätte, das es aber nicht gibt, mit dem man falsch positive Ergebnisse (Menschen, die erfasst werden, aber niemandem was tun würden) bzw. falsch negative Ergebnisse (Menschen, die jemandem was tun, aber nicht als gefährlich erfasst und somit nicht als potentielle Täter erkannt wurden) mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,7 vermeiden könnte, und wenn diese Personen vorbeugend einsperrt würden (Wie lange? Und welches wäre das Entlasskriterium?),
so könnte man die meisten Tötungsdelikte dennoch nicht verhindern. Man würde aber vielen Personen rechtswidrig die Freiheit entziehen, die nie jemandem etwas zuleide getan hätten (7 Vgl. Zinkler, Risikobasierte Allgemeinpsychiatrie: Wirkungen und Nebenwirkungen, in: Recht & Psychiatrie, (2014) 32, 64-68).
Zudem ist völlig unklar, ob die Zwangsunterbringung in einer Klinik, mit oder ohne Behandlung, kurz- oder längerfristig zu einem Rückgang des Risikos führen würde. Sicher ist allerdings, dass durch den psychiatrischen Freiheitsentzug und die erzwungene Behandlung die psychische Belastung der betreffenden Menschen erhöht und mit der Gefahr verbunden wäre, tatsächlich verrückt zu werden und/oder sich zu radikalisieren. Wir würden in diskriminierender, stigmatisierender und auf rechtlich fragwürdige Weise eine bestimmte Gruppe unserer Gesellschaft exkludieren, ohne dass wir dadurch das Risiko schwerer Gewalttaten tatsächlich zu reduzieren vermögen.
Was also kann die Psychiatrie wirklich leisten?
Migration stellt sich bei davon betroffenen Personen als ein überaus belastendes Lebensereignis dar und kann bei ihnen erhebliche psychische Probleme hervorrufen oder bereits latent vorhandene verstärken. Gut bekannt ist zudem, dass soziale Ungleichheit psychische Probleme determiniert und verstärkt (8 https://www.cambridge.org/core/journals/the-british-journal-of-psychiatry/article/inequality-an-underacknowledged-source-of-mental-illness-and-distress/985DE9F19CEA4165BE1E85A022BEFDFB).). Soziale Ungleichheit wird als ungerecht empfunden, sowohl allgemein und global als auch im unmittelbaren Umfeld. Geflüchtete, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, erleben soziale Ungleichheit besonders deutlich und diskriminierend. Zudem verstärkt die Unsicherheit über ihren Aufenthaltsstatus in Deutschland bzw. in Europa mit der drohenden Möglichkeit, ins Herkunftsland oder in ein Drittland abgeschoben zu werden, ihre persönliche migrationsbedingte Instabilität und kann deshalb dazu beitragen, psychische Probleme hervorzurufen oder zu verstärken.
Real erlebte Ungleichheit und Unfairness („Sind wir nicht alle Menschen, deren Würde unantastbar ist?“) können einen Menschen verrückt machen. Oder sie können dazu führen, dass sich eine derart psychisch instabil entwickelte Person einer radikalen Religionsgemeinschaft oder einer politischen Ideologie anschließt, die gesamtgesellschaftliche Lösungen verspricht. Oder die Gesinnung der Person radikalisiert sich so weit, bis terroristische Taten nicht nur kein Tabu mehr sind, sondern intrinsisch geradezu gefordert werden.
Was also können und sollten wir tun:
(1) Wir sollten uns bewusst sein, dass wir in einer Welt mit Verhältnissen leben, an denen man verrückt werden kann oder bei denen man sich nicht zu wundern braucht, wenn Menschen sich radikalisieren.
(2) Politische Verantwortung und politische Aufgaben liegen in der Verminderung sozialer Ungleichheit und z.B. der Verhinderung der Klimakatastrophe (als zwei typische Beispiele für entscheidende und veränderbare Ursachen von Flucht und Vertreibung).
(3) Unsere Gesellschaft und die in ihr Verantwortung tragenden Personen und Institutionen sollten die Psychiatrie in ihrer ganzen Versorgungsbreite so ausgestalten, dass sie für die Betroffenen Sicherheit schafft, z.B. materielle Sicherheit, Sicherheit beim Wohnen (Housing First), Unterstützung bei der Klärung des Aufenthaltsstatus und durch Vertrauensbildung in der Therapie. Dies gelingt, wenn freiwillig wahrnehmbare Behandlungsangebote Zwangsbehandlungen oder Zwangsunterbringung ersetzen, so wie es die Vereinten Nationen und die Weltgesundheitsorganisation fordern (9 https://www.who.int/news/item/09-10-2023-who-ohchr-launch-new-guidance-to-improve-laws-addressing-human-rights-abuses-in-mental-health-care) und wenn die Psychiatrie eben nicht als Hilfsbehörde für innere Sicherheit zu agieren hat und deren eigentliche, nämlich
ordnungsstaatliche Funktionen mit übernehmen muss. Aufgaben der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sollten deshalb nicht an die Psychiatrie delegiert werden.
Und die Psychiatrie ihrerseits, als eine vornehmlich der Gesundheit dienenden Institution, sollte an ihrem Angebotscharakter fest- und sich der Verpflichtung zur Durchführung obrigkeitsstaatlicher Zwangsmaßnahmen fernhalten. Wenn sich die Betroffenen bei ihrer psychiatrischen Behandlung darauf verlassen können, dass sie vorbehaltlos unterstützt und nicht den Behörden als potenzielles Sicherheitsrisiko gemeldet werden, dann kann die Psychiatrie das Vertrauen von bestimmten marginalisierten Gruppen zurückgewinnen.
(4) Die mediale Berichterstattung sollte ihre Verlautbarungsmodalitäten kritisch überprüfen. Es ist unsinnig und führt zu keinem Erkenntniszuwachs, bei einer Tat anzugeben, ob der Täter deutsch, ausländisch, römisch-katholisch, muslimisch, ausreisepflichtig oder psychisch krank ist. Solche Kennzeichnungen erklären für sich genommen keine Motivation für die begangene Tat. Sinnvoller wäre es, zunächst keine dieser Informationen zu liefern, sondern erst dann Angaben zum Motiv zu machen, wenn solche mit hinreichender Gewissheit vorliegen, z.B. nach Vernehmungen oder bei der Berichterstattung über das Gerichtsverfahren.
Martin Zinkler, Margret Osterfeld, Heinz Kammeier
Martin Zinkler ist Psychiater und Psychotherapeut. Er ist Mitglied im UN-Unterausschuss zur Verhütung von Folter (SPT) und Mitherausgeber der Zeitschrift „Recht & Psychiatrie“.
Margret Osterfeld ist Psychiaterin und Psychotherapeutin i.R. Sie war langjährig Mitglied im UN Unterausschuss zur Verhütung von Folter (SPT) und der Nationalen Stelle zur Folterprävention
Heinz Kammeier ist Jurist und Evang. Pfarrer i.R. Er war als Seelsorger in der Psychiatrie tätig, hat Landes-Ministerien bei der Erarbeitung von Psychiatriegesetzen beraten und ist Mitherausgeber der Zeitschrift „Recht & Psychiatrie“.





Für mich als Betroffener ist der Punkt mit der sozialen Ungleichheit der zentrale Hebelpunkt. Wobei man m.E. eigentlich präziser sagen müsste: der sozialen Unsicherheit. Angst essen Seele auf… Und das Problem ist an sich leicht lösbar, wenn erstmal der politische Wille da ist.
Ich verweise hier auf das Manifest der psychiatrisch behandelten Menschen für ein Bedingungsloses Grundeinkommen aus Katalonien, welches eine Mitstreiterin gerade übersetzt hat.
Außerdem lesenswert ist Psychisch gesund durch Grundeinkommen? von Marina Martin beim bundesweiten Netzwerk Grundeinkommen.
Herzlichen Dank an Hubertus Thomasius für diesen Beitrag, der selbstverständlich in die kobinet Nachrichten gehört und erst recht in die breite Öffentlichkeit!
Die Diskussionen über angebliche Zusammenhänge zwischen Migrationshintergründe und psychische Erkrankungen mit Straftaten und Kapitalverbrechen wurden geradezu unerträglich.
Da kommt die sachliche Analyse von Martin Zinkler, Margret Osterfeld und Heinz Kammeier gerade recht.
Ob sie allerdings die breite Öffentlichkeit erreicht, bleibt fraglich. Die Bildzeitung wird den Text nicht veröffentlichen! U.a. weil er wahr ist!
Mich würde interessieren, ob ein Zusammenhang und wenn ja, welcher zwischen psychischen Erkrankungen und Straftaten wie z.B. rücksichtslose Umweltzerstörung, Völkermord, Folter, Menschenrechtsverletzungen und Kriegstreiberei besteht.
Gruß
Stephan Laux
Lieber Stephan,
ein kleiner aber wichtiger Unterschied. „Psychische Erkrankungen“ im klinischen Sinne sind in der Regel nicht die Ursache von „rücksichtsloser Umweltzerstörung, Völkermord, Folter, Menschenrechtsverletzungen und Kriegstreiberei“. Es handelt sich überwigend um „ziemliche normale“ Zeitgenossen. Man kann sie „Normopathen“ nennen. Der ganz normale Wahnsinn!
Hans-Willi
Mir persönlich fehlt es an eine tiefe Analyse zum Thema, denn wenn man sich die Polizeiberichte genau ansieht, entsteht noch einmal ein anderes Bild.
Es gibt sicherlich Psychiater, denen etwas an ihren Patienten liegt, und die ihnen helfen wollen.
Aber den klassischen Psychiatern mit ihren Elektroschocks und Psychopharmaka würde ich nicht vertrauen, erst recht nicht, wenn sie im Sinne von Interessen agieren, die nichts damit zu tun haben, etwas für die Patienten zu tun.
Da scheinen Meinungen auseinander zu gehen:
Ich hätte mir eine Analyse aus der Praxis gewünscht, mit konkreten Lösungsansätzen, die sich umsetzen lassen, insbesondere unter den bekannten Rahmenbedingungen, die sich ebenfalls im Koalitionsvertrag wieder finden, die aus der Praxis bekannt sind.