Fladungen (kobinet)
Die Aktion Mensch hat einen News-Letter geschrieben.
Ein News-Letter ist eine Nachricht mit Infos.
Man bekommt ihn oft per E-Mail.
In dem News-Letter steht eine Ankündigung.
Die Aktion Mensch will in Unna bauen.
Es soll ein neues Wohn-Quartier entstehen.
Ein Wohn-Quartier ist ein Stadt-Teil.
In diesem Stadt-Teil wohnen viele Menschen.
Es gibt dort Häuser und Wohnungen.
Oft gibt es auch Geschäfte und Parks.
Das Wohn-Quartier soll inklusiv sein.
Inklusiv bedeutet: Alle Menschen gehören dazu.
Niemand wird ausgeschlossen.
Menschen mit und ohne Behinderung leben zusammen.
Das ist normal und gut.
Ab Ende 2025 soll es fertig sein.
Dort sollen 30 Wohn-Einheiten entstehen.
Die Wohn-Einheiten sollen barriere-frei sein.
Barriere-frei bedeutet: Ohne Hindernisse.
Alle Menschen können überall hin.
Menschen mit Behinderung können dort wohnen.
Menschen ohne Behinderung können dort auch wohnen.
Das ist das Ziel von der Aktion Mensch.
In dem News-Letter ist ein Link.
Der Link soll zu mehr Infos führen.
Aber der Link führt zu einem anderen Projekt.
Das andere Projekt ist in Berlin-Wilmersdorf.
Das Projekt dort ist schon fertig.
Die Aktion Mensch wirbt mit bestimmten Wörtern.
Sie sagen: inklusives Wohn-Haus.
Sie sagen: bunte Mischung.
Sie sagen: gelebte Teil-Habe.
Teil-Habe bedeutet: Mit-machen bei etwas.
Oder teil-haben an etwas.
Diese Wörter sind nicht klar.
Die Bedeutung ist unklar.
Das Problem ist: Die Aktion Mensch nennt es Inklusion.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen machen mit.
Niemand wird ausgeschlossen oder vergessen.
Aber es ist keine echte Inklusion.
Es sind Modell-Projekte.
Modell-Projekte sind Test-Projekte.
Man probiert neue Ideen aus.
Man schaut: Funktioniert das gut?
Wenn ja, macht man es auch woanders.
Modell-Projekte können nicht inklusiv sein.
Inklusion bedeutet etwas anderes.
Bei Inklusion können alle Menschen überall mit-machen.
Das ist ganz normal.
Es gibt keine Sonder-Wege.
Es gibt keine Vor-Auswahl.
Alle Menschen haben die gleichen Rechte.
Modell-Projekte sind anders.
Sie sind etwas Zusätzliches.
Sie sind abgegrenzt.
Sie sind zeitlich begrenzt.
Sie sind räumlich begrenzt.
Sie sind nicht der normale Betrieb.
Modell-Projekte können Eingliederung fördern.
Eingliederung bedeutet: Verschiedene Menschen werden eine Gruppe.
Alle können überall mitmachen.
Sie können Barriere-Freiheit erproben.
Sie können Begegnung ermöglichen.
Aber sie ersetzen keine echte Inklusion.
Sie können sogar schädlich sein.
Das normale System denkt dann: Wir tun ja schon etwas.
Das Projekt in Berlin zeigt das Problem.
Im März 2024 sind 28 Personen eingezogen.
Das Wohn-Haus ist neu gebaut.
Es gibt eine inklusive Wohn-Gemeinschaft mit 10 Zimmern.
Dort wohnen Studierende und Menschen mit Behinderung zusammen.
Die Studierenden bekommen günstige Miete.
Dafür müssen sie Hilfs-Leistungen machen.
Hilfs-Leistungen sind Hilfen für Menschen.
Diese Menschen brauchen Unterstützung im Alltag.
Zum Beispiel beim Einkaufen oder bei der Arbeit.
Die Hilfe kommt von anderen Personen.
Sie müssen im Alltag helfen.
Das wird als Win-win-Situation beschrieben.
Günstige Miete gegen Hilfe.
Aber das ist nicht gleich-berechtigt.
Das ist eine Hilfs-Struktur.
Die eine Seite hilft.
Die andere Seite bekommt Hilfe.
Das ist nicht gleich-berechtigt.
Das ist eine Betreuungs-Vereinbarung.
Das Projekt hat auch einen Empfangs-Service.
Empfangs-Service bedeutet: Eine Person hilft bei verschiedenen Aufgaben.
Zum Beispiel: Post annehmen oder Termine machen.
Diese Person arbeitet oft in einem Gebäude.
Das ist ein Service für die Bewohner.
Den Service soll eine behinderte Person machen.
Das wirkt mehr wie Dekoration.
Es verändert nicht wirklich etwas.
Die Bewohner haben wenig Mit-Bestimmung.
Teil-Habe ist nur ein Schlag-Wort.
Die Aktion Mensch steuert das Projekt.
Die Stephanus gGmbH betreibt das Projekt.
Das Projekt ist eine Extra-Struktur.
Es hat eine klare Ziel-Gruppe.
Es gibt einen Auswahl-Prozess.
Der Wirkungs-Kreis ist begrenzt.
Die Aktion Mensch nennt das Inklusion.
Das ist mehr als nur ein Sprach-Problem.
Es verändert das Verständnis von Inklusion.
Inklusion wird zu Förderung.
Inklusion wird zu Fürsorge.
Inklusion wird zu Organisation.
Das ist falsch.
Echte Inklusion braucht keine Modell-Projekte.
Echte Inklusion braucht Veränderungen im System.
Es braucht barriere-freien Wohn-Raum auf dem normalen Markt.
Es braucht gesetzlich garantierte Wahl-Freiheit.
Es braucht offene Stadt-Entwicklung.
Es braucht soziale Gerechtigkeit.
Es braucht politischen Gestaltungs-Willen.
Alles andere ist Schein-Politik.
Schein-Politik bedeutet: Man tut so, als würde man etwas machen.
Aber es passiert nichts Wichtiges.
Es ist gut gemeint.
Aber es hat keine Folgen.
Es ändert nichts am System.
Die Aktion Mensch kündigt ein inklusives Wohn-Quartier an.
Sie sollten ehrlich sein.
Es ist ein weiteres Projekt im bestehenden Ausschluss-System.
Ausschluss-System bedeutet: System das ausschließt.
Es ist vielleicht ein wertvoller Beitrag zur Barriere-Freiheit.
Aber es ist kein Modell der Inklusion.
Dieser Text ist in Leichter Sprache nach DIN SPEC 33429.
Fragen?
Ruft an: kobinet-Redaktion.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Im aktuellen Newsletter kündigt Aktion Mensch den Bau eines neuen "inklusiven Wohnquartiers" in Unna an. Ab Ende 2025 sollen dort rund 30 barrierefreie Wohneinheiten für Menschen mit und ohne Behinderung entstehen. Wer dem Link im Newsletter folgt, landet allerdings nicht bei weiterführenden Informationen zu Unna, sondern auf einer Unterseite zum bereits realisierten Wohnprojekt in Berlin-Wilmersdorf. Auch dort wirbt Aktion Mensch mit Begriffen wie "inklusives Wohnhaus", "bunte Mischung", "gelebte Teilhabe" und liefert damit ein Beispiel für eine begriffliche Unschärfe, die dringend aufgeklärt gehört. Denn was hier als Inklusion vermarktet wird, sind in Wirklichkeit wohlfahrtsstaatlich organisierte Modellprojekte. Und ein Modellprojekt, das muss klargestellt werden, kann per Definition nicht inklusiv sein.
Inklusion meint die gleichberechtigte und selbstverständliche Teilhabe aller Menschen an allgemeinen gesellschaftlichen Strukturen, ohne Sonderwege, ohne Vorauswahl, ohne Etikett. Ein Modellprojekt ist hingegen immer etwas Zusätzliches, Abgegrenztes, zeitlich oder räumlich Begrenztes, also etwas, das außerhalb des Regelbetriebs entsteht. Es kann Integration fördern, Barrierefreiheit erproben oder Begegnung ermöglichen, aber es ersetzt nie den strukturellen Anspruch von Inklusion. Im Gegenteil: Modellprojekte können sogar dazu beitragen, dass sich das Regelsystem seiner Verantwortung entzieht, ganz nach dem Motto „Wir tun ja schon etwas“.
Das Berliner Beispiel macht deutlich, wie diese Verschiebung konkret aussieht. Im März 2024 bezogen 28 Personen ein neu errichtetes Wohnhaus der Aktion Mensch in Berlin-Wilmersdorf. Eine inklusive Wohngemeinschaft mit zehn Einzelzimmern ist Teil des Konzepts. Dort wohnen Studierende gemeinsam mit Menschen mit Behinderung, allerdings unter der Bedingung, dass sie einfache Assistenzleistungen im Alltag übernehmen. Das Modell wird als Win-win-Situation beschrieben: günstige Miete gegen Hilfe. Doch was wie nachbarschaftliche Solidarität klingt, ist im Kern eine funktionale Struktur mit klarer Asymmetrie, nämlich Unterstützung gegen Gegenleistung. Das ist kein gleichberechtigtes Miteinander, sondern ein betreuungsnahes Arrangement, eingebettet in eine institutionelle Trägerschaft.
Auch andere Elemente des Projekts, etwa ein Concierge-Service, der ausdrücklich von einer behinderten Person betrieben werden soll, wirken mehr dekorativ als transformativ. Die Mitbestimmungsrechte der Bewohner*innen werden nicht benannt. Partizipation bleibt Schlagwort. Die Steuerung liegt bei Aktion Mensch als Bauherrin und der Stephanus gGmbH als Betreiberin. Das ganze Projekt ist damit nicht Ausdruck inklusiver Stadtentwicklung, sondern eine Parallelstruktur mit klar definierter Zielgruppe, einem vorgelagerten Auswahlprozess und begrenztem Wirkungskreis.
Dass Aktion Mensch solche Projekte unter dem Label „Inklusion“ führt, ist mehr als nur ein sprachliches Problem. Es verschiebt das Verständnis von Inklusion in Richtung Förderung, Fürsorge und Organisation und entfernt es von seinem menschenrechtlichen Kern. Echte Inklusion braucht keine Modellprojekte. Sie braucht strukturelle Veränderungen, barrierefreien Wohnraum auf dem allgemeinen Markt, gesetzlich garantierte Wahlfreiheit, durchlässige Stadtentwicklung, soziale Gerechtigkeit und politischen Gestaltungswillen. Alles andere bleibt Symbolpolitik, gut gemeint, aber letztlich folgenlos.
Wenn Aktion Mensch also in ihrem Newsletter ein „inklusives Wohnquartier“ ankündigt, sollte zumindest ehrlich benannt werden, worum es sich handelt: um ein weiteres Projekt im Rahmen des bestehenden Exklusionssystems. Ein wertvoller Beitrag zur Barrierefreiheit vielleicht. Ein Modell der Inklusion ganz sicher nicht.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Im aktuellen Newsletter kündigt Aktion Mensch den Bau eines neuen "inklusiven Wohnquartiers" in Unna an. Ab Ende 2025 sollen dort rund 30 barrierefreie Wohneinheiten für Menschen mit und ohne Behinderung entstehen. Wer dem Link im Newsletter folgt, landet allerdings nicht bei weiterführenden Informationen zu Unna, sondern auf einer Unterseite zum bereits realisierten Wohnprojekt in Berlin-Wilmersdorf. Auch dort wirbt Aktion Mensch mit Begriffen wie "inklusives Wohnhaus", "bunte Mischung", "gelebte Teilhabe" und liefert damit ein Beispiel für eine begriffliche Unschärfe, die dringend aufgeklärt gehört. Denn was hier als Inklusion vermarktet wird, sind in Wirklichkeit wohlfahrtsstaatlich organisierte Modellprojekte. Und ein Modellprojekt, das muss klargestellt werden, kann per Definition nicht inklusiv sein.
Inklusion meint die gleichberechtigte und selbstverständliche Teilhabe aller Menschen an allgemeinen gesellschaftlichen Strukturen, ohne Sonderwege, ohne Vorauswahl, ohne Etikett. Ein Modellprojekt ist hingegen immer etwas Zusätzliches, Abgegrenztes, zeitlich oder räumlich Begrenztes, also etwas, das außerhalb des Regelbetriebs entsteht. Es kann Integration fördern, Barrierefreiheit erproben oder Begegnung ermöglichen, aber es ersetzt nie den strukturellen Anspruch von Inklusion. Im Gegenteil: Modellprojekte können sogar dazu beitragen, dass sich das Regelsystem seiner Verantwortung entzieht, ganz nach dem Motto „Wir tun ja schon etwas“.
Das Berliner Beispiel macht deutlich, wie diese Verschiebung konkret aussieht. Im März 2024 bezogen 28 Personen ein neu errichtetes Wohnhaus der Aktion Mensch in Berlin-Wilmersdorf. Eine inklusive Wohngemeinschaft mit zehn Einzelzimmern ist Teil des Konzepts. Dort wohnen Studierende gemeinsam mit Menschen mit Behinderung, allerdings unter der Bedingung, dass sie einfache Assistenzleistungen im Alltag übernehmen. Das Modell wird als Win-win-Situation beschrieben: günstige Miete gegen Hilfe. Doch was wie nachbarschaftliche Solidarität klingt, ist im Kern eine funktionale Struktur mit klarer Asymmetrie, nämlich Unterstützung gegen Gegenleistung. Das ist kein gleichberechtigtes Miteinander, sondern ein betreuungsnahes Arrangement, eingebettet in eine institutionelle Trägerschaft.
Auch andere Elemente des Projekts, etwa ein Concierge-Service, der ausdrücklich von einer behinderten Person betrieben werden soll, wirken mehr dekorativ als transformativ. Die Mitbestimmungsrechte der Bewohner*innen werden nicht benannt. Partizipation bleibt Schlagwort. Die Steuerung liegt bei Aktion Mensch als Bauherrin und der Stephanus gGmbH als Betreiberin. Das ganze Projekt ist damit nicht Ausdruck inklusiver Stadtentwicklung, sondern eine Parallelstruktur mit klar definierter Zielgruppe, einem vorgelagerten Auswahlprozess und begrenztem Wirkungskreis.
Dass Aktion Mensch solche Projekte unter dem Label „Inklusion“ führt, ist mehr als nur ein sprachliches Problem. Es verschiebt das Verständnis von Inklusion in Richtung Förderung, Fürsorge und Organisation und entfernt es von seinem menschenrechtlichen Kern. Echte Inklusion braucht keine Modellprojekte. Sie braucht strukturelle Veränderungen, barrierefreien Wohnraum auf dem allgemeinen Markt, gesetzlich garantierte Wahlfreiheit, durchlässige Stadtentwicklung, soziale Gerechtigkeit und politischen Gestaltungswillen. Alles andere bleibt Symbolpolitik, gut gemeint, aber letztlich folgenlos.
Wenn Aktion Mensch also in ihrem Newsletter ein „inklusives Wohnquartier“ ankündigt, sollte zumindest ehrlich benannt werden, worum es sich handelt: um ein weiteres Projekt im Rahmen des bestehenden Exklusionssystems. Ein wertvoller Beitrag zur Barrierefreiheit vielleicht. Ein Modell der Inklusion ganz sicher nicht.




