Kassel (kobinet)
Dennis Falk aus Kassel nutzt einen Rollstuhl.
Er hat schlechte Erfahrungen mit dem Schaddel gemacht.
Der Schaddel ist ein Fahr-Dienst von der KVG in Kassel.
Der Fahr-Dienst soll für alle Menschen da sein.
Auch für Menschen mit Behinderung.
Dennis Falk erzählt von seinen Erfahrungen.
Barriere-frei soll nur am Tag sein
Barriere-frei bedeutet: Nichts steht im Weg und alle Menschen können überall hinkommen.
Jeder kann alles benutzen, auch Menschen mit Rollstuhl oder anderen Hilfs-Mitteln.
Dennis Falk schreibt über seine Erfahrungen mit dem Schaddel in Kassel.
Dennis Falk nutzt einen Rollstuhl und arbeitet.
Er hat Assistenz und Beatmung.
Er hat ein besonderes Auto.
Manchmal kann er sein Auto nicht nutzen.
Dann braucht er andere Fahr-Möglichkeiten.
Dafür gibt es den Schaddel in Kassel.
Der Schaddel ist ein Fahr-Dienst von der KVG.
Der Schaddel soll flexible Mobilität für alle Menschen ermöglichen.
So steht es in der Werbung.
Dennis Falk hat in den letzten Tagen schlechte Erfahrungen gemacht.
Die Erfahrungen haben ihn wütend gemacht.
Sie zeigen: Barriere-freie Mobilität funktioniert oft nicht.
Das Auto fährt ohne den Fahr-Gast weg
Am 15. Mai 2025 hatte Dennis Falk eine Fahrt gebucht.
Der Fahrer kam zu früh.
Der Fahrer rief Dennis Falk an.
Der Fahrer legte sofort wieder auf.
Dennis Falk kam wenige Minuten später zum Auto.
Das Auto fuhr einfach weg.
Dennis Falk hatte die Fahrt gebucht.
Dennis Falk blieb allein stehen.
Es hat geregnet.
Dennis Falk hatte keine Fahrt.
Niemand hat ihm etwas erklärt.
Dennis Falk buchte eine zweite Fahrt.
Der gleiche Fahrer kam 20 Minuten später.
Die Rampe für den Rollstuhl funktionierte nicht richtig.
Der Fahrer kannte sich nicht mit der Rampe aus.
Der Fahrer kannte sich nicht mit den Gurten aus.
Ohne Dennis Falks Begleit-Person wäre alles noch schwieriger gewesen.
Polizei-Einsatz in der Nacht statt barriere-freier Fahrt
Zwei Nächte später wurde alles noch schlimmer.
Es wurde auch gefährlich.
Ein Fahrer sollte Dennis Falk um 0:45 Uhr abholen.
Der Fahrer konnte den Rollstuhl nicht sicher machen.
Die Gurte funktionierten nicht.
Oder der Fahrer wusste nicht, wie die Gurte funktionieren.
Die Zentrale hatte eine schlechte Lösung:
Dennis Falk sollte über 2 Stunden draußen warten.
Es waren 6 Grad kalt.
Dennis Falk sollte warten, bis ein anderes Auto kommt.
Dennis Falk sagte: Das geht nicht.
Ich kann nicht ohne Sicherung fahren.
Ich kann nicht 2 Stunden in der Kälte warten.
Die Leute am Telefon haben Dennis Falk angeschrien.
Dann wurde die Polizei gerufen.
Die Polizei hat Dennis Falk nicht geholfen.
Ein Polizist hat Dennis Falk beleidigt.
Der Polizist sagte: Fahren Sie halt ohne Gurte.
Sie sind nicht der Einzige im Straßen-Verkehr.
Dennis Falk war empört über diese Aussage.
Der gleiche Polizist sagte: Es kommt nur Scheiße aus deinem Maul.
Dennis Falk sagte: Das ist eine Beleidigung.
Der Polizist sagte: Ich darf das.
Am Ende musste Dennis Falk ohne Sicherung fahren.
Das war sehr gefährlich.
In der ersten Kurve ist der Rollstuhl gerutscht.
Bei einem Unfall hätte das schwere Folgen haben können.
Ausgrenzung in der Nacht
In der nächsten Nacht wollte Dennis Falk wieder eine Fahrt buchen.
Er rief an.
Der Mitarbeiter sagte: In der ganzen Nacht gibt es kein Auto für Rollstuhl-Fahrer.
Es gab keine Alternative.
Es gab keine Hilfe.
Der Schaddel wirbt aber damit: Wir bieten auch nachts barriere-freie Mobilität.
Was bleibt?
Dennis Falk fühlt sich ausgegrenzt.
Er fühlt sich unsicher.
Er kann sich nicht auf den Service verlassen.
Dennis Falk braucht barriere-freie Mobilität.
Das ist keine Option.
Das ist eine Voraussetzung für die Teilhabe an der Gesellschaft.
Der Schaddel wirbt damit: Wir sind inklusiv.
Dann muss das auch in der Realität stimmen.
Das muss zu jeder Tages-Zeit gelten.
Das muss in jeder Situation gelten.
Dennis Falk möchte kein Mitleid.
Dennis Falk möchte: Menschen mit Behinderung werden ernst genommen.
Die Fahr-Personen sollen geschult sein.
Die Technik soll funktionieren.
Niemand soll nachts draußen stehen gelassen werden.
Nur weil der Rollstuhl nicht ins System passt.
Dennis Falk wünscht sich auch: Die Polizei soll Freund und Helfer sein.
Auch für Menschen mit Behinderung.
Beleidigungen haben keinen Platz.
Herab-würdigungen haben keinen Platz.
Respekt-lose Aussagen haben keinen Platz.
Gerade in Ausnahme-Situationen sollte man sich auf die Polizei verlassen können.
Man sollte nicht auf Spott treffen.
Man sollte nicht auf Gleich-gültigkeit treffen.
Hinweis der Redaktion:
Am 22. Mai 2025 hat Ferda Ataman auf eine neue Studie aufmerksam gemacht.
Ferda Ataman ist die Unabhängige Bundes-Beauftragte für Anti-Diskriminierung.
Diskriminierung bedeutet: Menschen werden manchmal schlecht behandelt, weil sie anders sind.
Das ist unfair und nicht richtig.
Die Studie heißt: Polizei und Diskriminierung – Risiken, Forschungs-Lücken, Handlungs-Empfehlungen.
Die Studie ist von der Anti-Diskriminierungs-Stelle des Bundes.
Die AntiDiskriminierungsStelle hilft Menschen, die schlecht behandelt werden, weil sie anders sind.
Man unterstützt sie und sorgt dafür, dass alle fair behandelt werden.

Foto: Kooperation Behinderter im Internet e.V./Tom Kallmeyer (Creative Commons BY-SA 4.0)
Kassel (kobinet) Dennis Falk aus Kassel nutzt einen Rollstuhl und hat in letzter Zeit eine Reihe negativer Erfahrungen mit dem Schaddel – einem On-Demand-Fahrdienst der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), der flexible Mobilität für alle ermöglichen soll, gemacht. Hierzu hat er einen Erfahrungsbericht geschickt, den die kobinet-nachrichten im Folgenden veröffentlichen.
„Barrierefrei – aber bitte nicht nachts“
Meine Erfahrungen mit dem Schaddel-Service in Kassel
Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Dennis Falk
Ich bin Rollstuhlnutzer und berufstätig. Mein Alltag ist gut organisiert – mit Assistenz, Beatmung und einem angepassten Fahrzeug. Doch was passiert, wenn ich unterwegs bin, mein Auto nicht nutzen kann und auf barrierefreie Alternativen angewiesen bin? Genau dafür gibt es in Kassel den sogenannten Schaddel – ein On-Demand-Fahrdienst der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), der flexible Mobilität für alle ermöglichen soll. Soweit die Theorie.
In den vergangenen Tagen habe ich als Nutzer dieses Services gleich mehrere Situationen erlebt, die mich sprachlos, fassungslos und wütend zurückließen – und die zeigen, wie wenig barrierefreie Mobilität in der Praxis manchmal zählt.
Abfahrt ohne Fahrgast
Am 15. Mai 2025 hatte ich eine Fahrt gebucht. Der Fahrer kam offenbar zu früh, rief mich einmal kurz an und legte sofort wieder auf. Als ich wenige Minuten später am Fahrzeug war, fuhr dieses einfach weg – trotz bestätigter Buchung. Ich blieb stehen. Im Regen. Ohne Fahrt. Ohne Erklärung.
Als ich eine zweite Fahrt buchte, kam derselbe Fahrer etwa 20 Minuten später erneut – diesmal war die Rampe problematisch, und er kannte sich weder mit der Rampe noch mit den Gurten aus. Ohne meine Begleitperson wäre ich aufgeschmissen gewesen.
Nächtlicher Polizeieinsatz statt barrierefreier Fahrt
Zwei Nächte später wurde es noch absurder – und gefährlicher. Der Fahrer, der mich gegen 0:45 Uhr abholen sollte, konnte meinen Rollstuhl nicht sichern. Die Gurte funktionierten nicht – oder er wusste schlicht nicht, wie man sie korrekt verwendet. Die Zentrale schlug als „Lösung“ vor, ich solle bei sechs Grad Außentemperatur über zwei Stunden draußen warten, bis ein anderes Fahrzeug zur Verfügung stehe. Als ich deutlich machte, dass ich weder ohne Sicherung fahren, noch zwei Stunden in der Kälte verbringen könne, wurde ich am Telefon angeschrien. Schließlich wurde die Polizei gerufen.
Statt Unterstützung erlebte ich dort Beleidigungen. Ein Beamter sagte mir: „Dann fahren Sie halt einfach ohne Gurte. Sie sind ja nicht der Einzige im Straßenverkehr.“ Als ich mich über die Aussage empörte, kam vom selben Beamten: „Es kommt nur Scheiße aus deinem Maul.“
Auf meinen Hinweis, dass das eine Beleidigung sei, entgegnete er nur: „Ich darf das.“
Am Ende trat ich die Fahrt notgedrungen ohne Sicherung an. Bereits in der ersten Kurve rutschte mein Rollstuhl – es war hochgefährlich und hätte im Falle eines Unfalls schwere Folgen haben können.
Ausgrenzung per Ansage
In der Nacht darauf versuchte ich erneut, eine Fahrt telefonisch zu buchen. Der Mitarbeiter am Telefon teilte mir mit, dass in der gesamten Nacht kein einziges Fahrzeug für Rollstuhlfahrer verfügbar sei. Ohne Alternative. Ohne Hilfe. Dabei wirbt Schaddel ausdrücklich damit, auch nachts barrierefreie Mobilität zu ermöglichen.
Was bleibt?
Ein Gefühl von Ausgrenzung. Von Unsicherheit. Von fehlender Verlässlichkeit. Als Rollstuhlnutzer bin ich auf barrierefreie Mobilität angewiesen – nicht als Option, sondern als Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Wenn ein Dienst wie der Schaddel damit wirbt, inklusiv zu sein, dann muss das auch in der Realität gelten – zu jeder Tageszeit und in jeder Situation. Ich wünsche mir kein Mitleid. Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderung ernst genommen werden. Dass Fahrpersonal geschult ist. Dass Technik funktioniert. Und dass niemand nachts draußen stehen gelassen wird, weil sein Rollstuhl nicht in das System passt.
Was ich mir ebenso wünsche: Dass die Polizei ihrem Anspruch als Freund und Helfer gerecht wird – auch gegenüber Menschen mit Behinderung. Beleidigungen, Herabwürdigungen oder respektlose Aussagen haben in solchen Ausnahmesituationen keinen Platz. Gerade wenn alles andere versagt, sollte man sich auf Unterstützung durch Einsatzkräfte verlassen können – nicht auf Spott oder Gleichgültigkeit treffen.
Hinweis der Redaktion:
Am 22. Mai 2025 hat die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung Ferda Ataman auf eine neue Studie „Polizei und Diskriminierung – Risiken, Forschungslücken, Handlungsempfehlungen“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aufmerksam gemacht.

Foto: Kooperation Behinderter im Internet e.V./Tom Kallmeyer (Creative Commons BY-SA 4.0)
Kassel (kobinet) Dennis Falk aus Kassel nutzt einen Rollstuhl und hat in letzter Zeit eine Reihe negativer Erfahrungen mit dem Schaddel – einem On-Demand-Fahrdienst der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), der flexible Mobilität für alle ermöglichen soll, gemacht. Hierzu hat er einen Erfahrungsbericht geschickt, den die kobinet-nachrichten im Folgenden veröffentlichen.
„Barrierefrei – aber bitte nicht nachts“
Meine Erfahrungen mit dem Schaddel-Service in Kassel
Ein persönlicher Erfahrungsbericht von Dennis Falk
Ich bin Rollstuhlnutzer und berufstätig. Mein Alltag ist gut organisiert – mit Assistenz, Beatmung und einem angepassten Fahrzeug. Doch was passiert, wenn ich unterwegs bin, mein Auto nicht nutzen kann und auf barrierefreie Alternativen angewiesen bin? Genau dafür gibt es in Kassel den sogenannten Schaddel – ein On-Demand-Fahrdienst der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), der flexible Mobilität für alle ermöglichen soll. Soweit die Theorie.
In den vergangenen Tagen habe ich als Nutzer dieses Services gleich mehrere Situationen erlebt, die mich sprachlos, fassungslos und wütend zurückließen – und die zeigen, wie wenig barrierefreie Mobilität in der Praxis manchmal zählt.
Abfahrt ohne Fahrgast
Am 15. Mai 2025 hatte ich eine Fahrt gebucht. Der Fahrer kam offenbar zu früh, rief mich einmal kurz an und legte sofort wieder auf. Als ich wenige Minuten später am Fahrzeug war, fuhr dieses einfach weg – trotz bestätigter Buchung. Ich blieb stehen. Im Regen. Ohne Fahrt. Ohne Erklärung.
Als ich eine zweite Fahrt buchte, kam derselbe Fahrer etwa 20 Minuten später erneut – diesmal war die Rampe problematisch, und er kannte sich weder mit der Rampe noch mit den Gurten aus. Ohne meine Begleitperson wäre ich aufgeschmissen gewesen.
Nächtlicher Polizeieinsatz statt barrierefreier Fahrt
Zwei Nächte später wurde es noch absurder – und gefährlicher. Der Fahrer, der mich gegen 0:45 Uhr abholen sollte, konnte meinen Rollstuhl nicht sichern. Die Gurte funktionierten nicht – oder er wusste schlicht nicht, wie man sie korrekt verwendet. Die Zentrale schlug als „Lösung“ vor, ich solle bei sechs Grad Außentemperatur über zwei Stunden draußen warten, bis ein anderes Fahrzeug zur Verfügung stehe. Als ich deutlich machte, dass ich weder ohne Sicherung fahren, noch zwei Stunden in der Kälte verbringen könne, wurde ich am Telefon angeschrien. Schließlich wurde die Polizei gerufen.
Statt Unterstützung erlebte ich dort Beleidigungen. Ein Beamter sagte mir: „Dann fahren Sie halt einfach ohne Gurte. Sie sind ja nicht der Einzige im Straßenverkehr.“ Als ich mich über die Aussage empörte, kam vom selben Beamten: „Es kommt nur Scheiße aus deinem Maul.“
Auf meinen Hinweis, dass das eine Beleidigung sei, entgegnete er nur: „Ich darf das.“
Am Ende trat ich die Fahrt notgedrungen ohne Sicherung an. Bereits in der ersten Kurve rutschte mein Rollstuhl – es war hochgefährlich und hätte im Falle eines Unfalls schwere Folgen haben können.
Ausgrenzung per Ansage
In der Nacht darauf versuchte ich erneut, eine Fahrt telefonisch zu buchen. Der Mitarbeiter am Telefon teilte mir mit, dass in der gesamten Nacht kein einziges Fahrzeug für Rollstuhlfahrer verfügbar sei. Ohne Alternative. Ohne Hilfe. Dabei wirbt Schaddel ausdrücklich damit, auch nachts barrierefreie Mobilität zu ermöglichen.
Was bleibt?
Ein Gefühl von Ausgrenzung. Von Unsicherheit. Von fehlender Verlässlichkeit. Als Rollstuhlnutzer bin ich auf barrierefreie Mobilität angewiesen – nicht als Option, sondern als Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Wenn ein Dienst wie der Schaddel damit wirbt, inklusiv zu sein, dann muss das auch in der Realität gelten – zu jeder Tageszeit und in jeder Situation. Ich wünsche mir kein Mitleid. Ich wünsche mir, dass Menschen mit Behinderung ernst genommen werden. Dass Fahrpersonal geschult ist. Dass Technik funktioniert. Und dass niemand nachts draußen stehen gelassen wird, weil sein Rollstuhl nicht in das System passt.
Was ich mir ebenso wünsche: Dass die Polizei ihrem Anspruch als Freund und Helfer gerecht wird – auch gegenüber Menschen mit Behinderung. Beleidigungen, Herabwürdigungen oder respektlose Aussagen haben in solchen Ausnahmesituationen keinen Platz. Gerade wenn alles andere versagt, sollte man sich auf Unterstützung durch Einsatzkräfte verlassen können – nicht auf Spott oder Gleichgültigkeit treffen.
Hinweis der Redaktion:
Am 22. Mai 2025 hat die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung Ferda Ataman auf eine neue Studie „Polizei und Diskriminierung – Risiken, Forschungslücken, Handlungsempfehlungen“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes aufmerksam gemacht.




