Foto: VdK RLP
Mainz (kobinet)
Zu seinem 80jährigen Bestehen hat der Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz mit einem Sharepic auf Facebook die Situation in Sachen Barrierefreiheit in Deutschland auf den Punkt gebracht. "80 Jahre VdK RLP – wir sind vorangekommen, aber nicht am Ziel. 1969 landet der Mensch auf dem Mond. Ein riesiger Schritt für die Menschheit. Und heute? Menschen im Rollstuhl scheitern noch immer an Bahnsteigen, Stufen und fehlender Unterstützung. Das ist kein technisches Problem – das ist eine Frage des Willens. Seit 1946 setzen wir uns als VdK Rheinland-Pfalz unermüdlich dafür ein, dass Teilhabe selbstverständlich wird. Wenn wir zum Mond fliegen können, sollten wir auch barrierefreie Mobilität schaffen", heißt es vonseiten des VdK Rheinland-Pfalz auf Facebook. Dass dieser Wille zur Barrierefreiheit auf Erden immer noch nicht sonderlich ausgeprägt ist, zeigte zuletzt der scharf kritisierte Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetz. Dieses soll nach der Sommerpause des Bundestages verabschiedet werden.
Die LIGA Selbstvertretung fürchtet nicht nur aufgrund der unengagierten Gesetzgebung und dem Kniefall vor der Wirtschaft, so dass Unternehmen von jeglichen Maßnahmen zur Barrierefreiheit und angemessenen Vorkehrungen ausgenommen werden sollen, dass das Rad in Sachen Barrierefreiheit sogar zurückgedreht wird. Wenn im Personenbeförderungsgesetz die 2013 verankerte Zielmarke vom 1. Januar 2022 für einen barrierefreien Nahverkehr nun gestrichen werden soll, sei dies ein erneutes Armutszeugnis für Deutschland. Wahrscheinlich, so heißt es vonseiten der LIGA Selbstvertretung, betreten Menschen noch vorher den Mars bevor wir in Deutschland umfassende Barrierefreiheit hergestellt haben.





Auf dem Weg zum Mars – aber am Bahnsteig in Friedberg stranden?
Das Sharepic des VdK bringt es auf den Punkt: 1969 flogen Menschen zum Mond. Doch 2026 scheitern wir in Deutschland immer noch an Stufen, steilen Rampen und kaputten Aufzügen. Es ist kein technisches Problem – es ist eine Frage des politischen und gesellschaftlichen Willens.
Wie absurd dieser Mangel an Wille ist, zeigt ein Blick auf die Realität vor Ort:
Gleichzeitig klopfen sich Politik und Bahn-Manager gegenseitig auf die Schultern, wenn in Friedberg der neue ICE L feierlich mit Apfelsaft auf „Wetterau“ getauft wird. Ein Zug, der stolz für seinen stufenlosen Einstieg gefeiert wird. Die pure Realsatire daran: Der Bahnhof Friedberg selbst ist in weiten Teilen nicht barrierefrei!
Was nützt der modernste, rollstuhlgerechte Superzug auf den Schienen, wenn der Weg auf den Bahnsteig eine unüberwindbare Hürde bleibt? Es ist das perfekte Sinnbild deutscher Teilhabepolitik: Glanzvolle Symbolpolitik auf der Schiene, aber verrottende Infrastruktur vor Ort.
Dass die Bundesregierung zeitgleich gesetzliche Fristen zur Barrierefreiheit im Nahverkehr streichen will und private Unternehmen beim Behindertengleichstellungsgesetz weiterhin aus der Pflicht nimmt, verdeutlicht die Marschrichtung: Barrierefreiheit wird nicht als Grundrecht behandelt, sondern als optionaler Luxus, den man bei Haushaltslöchern stornieren kann.
Ehe Deutschland flächendeckend barrierefrei wird, betritt die Menschheit wahrscheinlich eher den Mars. Es wird Zeit, dass wir aufhören, Ausreden zu feiern, und endlich anfangen, Grundrechte umzusetzen – lückenlos, vom Bahnhofszugang bis in den Zug.