Menu Close

Raul Krauthausen: Wir sind nicht eure Forschungsobjekte

Sharepic von Raul Krauthausen: Wir sind nicht eure Forschungsobjekte
260723_Forschungsobjekte
Foto: Raul Krauthausen

Berlin (kobinet)

Mit einem auf Facebook verbreiteten Sharepic mit dem Titel "Wir sind nicht eure Forschungsobjekte" bringt Raul Krauthausen eine Stimmung zum Ausdruck, die sich verstärkt unter behinderten Menschen und ihren Selbstvertretungsorganisationen breit macht. "Täglich erreichen mich Umfragen über Umfragen von nicht-behinderten Studierenden, die von mir alles über Behinderung, Pflege, Therapie usw. wissen wollen. Gut gemeint? Möglich. Aber auch nervig. Denn gut gemacht geht oft anders. Wissenschaft ist keine Einbahnstraße und Expert*innenwissen nicht immer kostenlos. Wenn Betroffene an den Umfragen nicht mitwirken wollen, sind sie dann Spielverderber*innen? Es braucht mehr Austausch darüber, mehr Zugänglichkeit zu den Ergebnissen. Welche Ergebnisse einer wissenschaftlichen Umfrage, an der ich teilgenommen habe, erhielt ich zugeschickt? So gut wie keine! Und von denen, die ich bekam, überraschten mich die Ergebnisse nur selten", beschreibt Raul Krauthausen seine Erfahrungen der letzten Jahre auf Facebook.



Link zum Facebook-Eintrag von Raul Krauthausen

Ottmar Miles-Paul von der LIGA Selbstvertretung kann die Erfahrungen von Raul Krauthausen bestätigen: "Oft kriegen wir Anfragen zur Beteiligung an Interviews oder Umfragen, deren Beantwortung uns viel Arbeit macht. Ganz selbstverständlich wird meist davon ausgegangen, dass wir das alles umsonst machen und dafür Zeit haben, obwohl wir so gut wie keine finanziellen Ressourcen haben. Selbst die Mitwirkung in entsprechenden Beiräten, Steuerungsgruppen, etc. wird in der Regel für selbstverständlich erachtet, so dass die Erstattung von Fahrtkosten meist schon als Heldentat der Forschenden bzw. verantwortlichen Ministerien betrachtet wird. Die Beantragung dieser Reisekosten ist jedoch in der Regel ein erheblicher formaler Aufwand und oft nicht einmal richtig barrierefrei. So ist es auch bei Aufwandsentschädigungen. Die paar Euro wiegen meist den bürokratischen Aufwand nicht einmal auf. So weicht die Freude darüber, dass behinderte Menschen an entsprechenden Forschungsvorhaben mitwirken können, nicht selten dem Frust darüber, welcher Aufwand bei äusserst geringer Anerkennung damit verbunden ist."

Was Aktive wie Raul Krauthausen und Ottmar Miles-Paul wahrscheinlich am meisten nervt ist die Tatsache, dass den vielen Forschungen nur selten konkrete Verbesserungen folgen. Forschungsberichte verhallen oft in der Untätigkeit der Politik für echte Barrierefreiheit und Teilhabe und dümpeln nach deren Veröffentlichung vor sich hin. "Besonders in der heutigen Zeit, wo täglich Verschlechterungen angekündigt bzw. umgesetzt werden, ist der Frust groß", weiß Ottmar Miles-Paul zu berichten. Er plädiert für eine andere Forschungskultur mit einer echten Beteiligung behinderter Menschen auf gleicher Augenhöhe mit entsprechender Honorierung der Partizipation. "Denn wenn ich mich in einem Beirat betätige, dann will ich das gut tun, investiere viel Zeit und möchte dafür nicht immer Urlaub nehmen müssen", fasst es der langjähriger Streiter für die Gleichstellung und Selbstbestimmung behinderter Menschen zusammen.

Lesermeinungen

Bitte beachten Sie unsere Regeln in der Netiquette, unsere Nutzungsbestimmungen und unsere Datenschutzhinweise.

Sie müssen angemeldet sein, um eine Lesermeinung verfassen zu können. Sie können sich mit einem bereits existierenden Disqus-, Facebook-, Google-, Twitter-, Microsoft- oder Youtube-Account schnell und einfach anmelden. Oder Sie registrieren sich bei uns, dazu können Sie folgende Anleitung lesen: Link
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Lesermeinungen
Neueste
Älteste
0
Wir würden gerne Ihre Meinung lesen, schreiben Sie einen Leserbrief!x