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Den „Masters of War widersprochen“ Number Six

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alte Schreibfeder liegt auf einem Brief
Worte statt Waffen
Foto: Momentmal In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

Staufen (kobinet) Der verteidigungspolitisch gehorsam auf Linie argumentierende SWR-Moderator fragt den wider den Stachel löckenden Buchautor Ole Nymoen ("Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde", siehe Number 4) allen Ernstes: Ob das nicht so eine "pazifistische Haltung oder Verweigerungshaltung" sei, "die ermöglicht wird durch Menschen, die eben das nicht tun und an die Front gehen und kämpfen gegen einen Diktator, der wie Putin die internationale Ordnung, die Souveränität von Ländern und Menschenrechten ignoriert". – Hoppla, frage ich mich da, kann ich dies hier auf den beschaulichen kobinet-Nachrichten nur deshalb so unbehelligt schreiben, weil pflichtbewusste Wehrfähige und verantwortungsvolle Kriegstüchtige in der Bundeswehr an der potentiellen Ostfront mir Putin vom Leib halten? Dieser Zusammenhang ist derart konstruiert, dass ich nicht einmal mein "Sondervermögen Nachdenken" anzapfen muss, um zu erkennen, ein fadenscheiniges Bedrohungsszenario soll all denen ein schlechtes Gewissen machen, die sich noch nicht von der kollektiven Paranoia haben anstecken lassen. Die es nach wie vor wagen, den "Masters of War" und ihrer verteidigungspolitischen Richtlinienkompetenz zu widersprechen.

Militärische Drückeberger, feige Wehrdienstverweiger, Verteidigungsmuffel und Kriegsmiesmacher

Allesamt verabscheuungswürdige Ausgeburten, Personifizierungen gleichsam einer postheroischen Mentalität, der es den Garaus zu machen gilt, soll aus der kriegstüchtigen Gesellschaft etwas werden, wie sie den Masters of War vorschwebt. An deren Spitze nicht wie vormals ein „militärisch-industrieller“ Komplex (der ist, weiterhin mächtig, ins zweite Glied getreten), sondern der „moralisch-militärische Komplex“ der hegemonialen Elite aus Politik, Wissenschaft und Leitmedien. Die Verteidigung von Freiheit und Demokratie – derzeit in der Ukraine, demnächst in ganz Europa – verleiht dem Militärischen und seinem kriegerischen Einsatz moralische Legitimität.
Und so lässt sich moralisch Druck ausüben auf eine friedensverwöhnte Bevölkerung, damit sie ihre Einstellung ändert, kriegsbereit und kriegstüchtig wird, von der postheroischen zu einer heroischen Mentalität zurückkehrt.

„Unlearn Kriegsunlust!“ So die knappe Zielbestimmung des Coachingprogramms, mit dem der „moralisch-militärische Komplex“ massenmedial die Bevölkerung hierzulande und in den europäischen Nachbarländern überzieht. Im neoliberalen Coachingjargon heißt dies, das dysfunktionale Mindset durch ein neues ersetzen, Brainwashing im Schnellwaschgang. Diesem Zweck dient der mentale Dauerbeschuss unserer friedenszeitlich trägen Hirnmasse und die meisten Sender der Botschaft wie auch viele ihrer Empfänger fühlen sich ausgesprochen gut dabei, wähnen sie sich doch auf Seiten der moralisch Guten. Europa muss sich verteidigen! What ever it takes! Es braucht ein gemeinsames Oberkommando, sagt Herfried Münkler und einen europäischen Atomschirm. Einheitliches Beschaffungswesen, Angleichung der Waffensysteme, Erhöhung der Stückzahl, Munition und nochmal Munition! Wenn die Geschichte anklopft, so Lars Klingbeil, muss man die Waffe entsichern, die Tür aufreißen und …

… da steht so ein lausiger Kriegsdienstverweigerer und Wehrkraftzersetzer wie dieser Ole Nymoen vor der Tür und fällt bewaffneten Verteidigern wie Klingbeil, Merz und Münkler glatt in den Arm! Nicht ohne Charme, denn der unbewaffnete Jungspunt hat etwas zu verteidigen, das es Wert ist, verteidigt zu werden: Jene kollektive Kriegsunlust und militärische Kampfunwilligkeit, die sich unsere westliche Wohlstands-Gesellschaft seit dem Ende der 1960-er Jahren angewöhnt hat. Jene postheroische Mentalität, die als geschichtlich einzigartiger zivilisatorischer Fortschritt zu betrachten und wertzuschätzen ist. Ein über Jahrzehnte gewachsener kriegerischer Kampfesunwille, die Weigerung für noch so hohe moralische Ideale bis an die Zähne bewaffnet in einen Krieg zu ziehen (gleichviel ob Verteidigungs- oder Angriffskrieg). „Niemals“, wie Ole Nymoen sagt, „für mein Land kämpfen“ und sterben wollen – in dieser Unbotmäßigkeit kommt ein unschätzbarer und unbedingt bewahrenswerter Eigensinn zum Ausdruck, ein gesunder, weil dem Leben zugewandter Egoismus, eine friedenserhaltende Abneigung und Unlust, sich zu einem fadenscheinigen moralischen Heldentum überreden zu lassen. Und darum finde ich in diesen Tagen der verteidigungspolitischen, ja kriegspropagandistischen Dauerbeschallung nichts bewundernswerter, als die mentale Resilienz und den zivilen Widerstand derjenigen, die denen ins Wort und in den Arm fallen, die besoffen von ihrer eigenen pseudomoralischen Verteidigungs- und Kriegsvorbereitungs-Phraseologie im Begriff stehen, die europäischen Gesellschaften und ihre Bevölkerungen in den Abgrund zu reißen.

P.S. Mein Vorschlag ans Bildungsministerium der künftigen Bundesregierung: An allen weiterführenden Schulen sollte an der 10. Klasse in den Fächern Deutsch und Sozialkunde Ole Nymoems Buch Pflichtlektüre werden, „Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde – gegen die Kriegstüchtigkeit.“ – Damit es in Deutschland nicht demnächst wie im baltischen Lettland heißt: Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klasse werden im Schulunterricht an der Waffe ausgebildet, Kriegsertüchtigung in der Schule als Pflichtfach.
Kein Scherz, hier der Link:
https://www.tagesschau.de/ausland/europa/lettland-russland-verteidigung-100.html