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Forderungen nach mehr Inklusion auf dem Marienplatz

Während der Kundgebung
Während der Kundgebung
Foto: Alexander Drewes

MÜNCHEN (kobinet) Die Kundgebung des Behindertenverbands Bayern auf dem Marienplatz in München stand unter dem Motto "Echte Teilhabe für Menschen mit Behinderung - jetzt!." Bei der musikalisch umrahmten Veranstaltung waren unter Corona-Bedingungen 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer anwesend.

„Seit 12 Jahren warten wir vergeblich auf die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention und es bewegt sich so gut wie nichts“, rief Patricia Koller, Vorsitzende des Bayerischen Behindertenverbands den Demonstrantinnen und Demonstranten zu. Zwar haben Menschen mit Behinderung in diversen Bereichen wie Teilhabe an Schule und Beruf, Gesundheitsversorgung und Barrierefreiheit in der Theorie mittlerweile relativ weitgehende gesetzliche verankerte Teilhaberechte. „Doch was nützen uns Gesetze, wenn sich die Städteplaner, Einrichtungen, Psychiatrien und Behörden nicht daran halten?“, fragte Koller.

Viele Menschen mit Behinderungen hätten nicht die Mittel, um ihre Rechte durchzusetzen. Sie würden diskriminiert. „Wie soll man sich wehren, wenn einen die Gesellschaft nicht mal wahrnimmt?“, so Koller. Für sie ist klar: „Menschen mit Behinderung müssen härter kämpfen als jeder andere.“

Am Bezirk Oberbayern übt sie massive Kritik: „Während sich der Herr Bezirkstagspräsident in der Öffentlichkeit stets prahlend als Wohltäter inszeniert, stinkt es ganz gewaltig hinter der Fassade“, sagte Koller. Der Bezirk verprasse „auf der einen Seite sinnlos Gelder wie aktuell 42.875 Euro für ein Profi-Tennisspiel, was gar nicht zu seinen Aufgaben gehört, aber auf der anderen Seite bekommen Menschen mit Behinderungen die dringend benötigten Hilfen häufig nicht.“

Auch die Grünen-Europaabgeordnete Katrin Langensiepen, die seit ihrer Geburt eine körperliche Behinderung hat, kritisierte, dass die UN-Behindertenrechtskonvention nicht ausreichend umgesetzt werde. So seien öffentliche Verkehrsmittel noch immer nicht barrierefrei. Sie kritisierte zudem die Arbeitsbedingungen in Behindertenwerkstätten und die mangelnde Inklusion an Schulen. „Da brennt es an allen Ecken und Enden.“

Elke Lill, die Mutter eines achtjährigen Asperger-Autisten berichtete am Freitagnachmittag eindrucksvoll, wie Behörden verhindern wollten, dass ihr Kind im laufenden Jahr auf die Sprengelregelschule wechselt. „Dabei scheuten die Behörden auch nicht davor zurück, unwahre Dinge zu behaupten und die Eltern massiv unter Druck zu setzen“, sagte Lill am Rande der Veranstaltung. Das Verwaltungsgericht gab den Eltern nach nervenaufreibenden Rechtsstreit schließlich recht. Der Junge besucht nun die Sprengelregelschule in seiner Nähe.

MÜNCHEN (kobinet) Kategorien Nachricht

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