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Bloody Nose, Empty Pockets

Bild von der Berlinale 2020
Berlinale 2020
Foto: Anke Glasmacher

Berlin (kobinet) kobinet-Korrespondentin Anke Glasmacher berichtet heute über den dritten Film, den sie sich bei der Berlinale angeschaut hat. Sie entführt uns mit ihrem Bericht in den Dokumentarfilm "Bloody Nose, Empty Pockets“ von Bill und Turner Ross mit ihrer Hauptdarstellerin, einer Bar, die "Roaring 20s", in einem Stadtrandviertel von Las Vegas.

Von kobinet-Korrespondentin Anke Glasmacher

"Bloody Nose, Empty Pockets“ von Bill und Turner Ross ist ein Dokumentarfilm mit vorherigem Casting. Ihre Hauptdarstellerin ist eine Bar, die "Roaring 20s". Wir befinden uns in einem Stadtrandviertel von Las Vegas, ohne Glitzer, ohne Glamour, ohne weiße Tiger.

Die Bar ist Zuhause und Ankerpunkt für die Nachbarschaft. Am Tresen kommen sie zusammen, die Philosophen, Verliebten, die Einsamen, Armen und Müden, die Kriegsversehrten, die Lichtgestalten. In der Bar, mit einem Glas in der Hand, lässt sich streiten und versöhnen. So funktioniert jede gute Bar. Und wenn sie schließt, wie es der "Roaring 20s" nun droht, geht ein Stück Stadtleben verloren.

Die beiden Brüder Ross, so erzählen sie nach der Premiere, haben lange an der Idee für den Film gearbeitet, haben überlegt, wo sie drehen und wo sie die Darsteller/innen finden können. Sie sind dann durch zahlreiche Kneipen und Bars gezogen, haben sich an die Theke gesetzt und den Gästen zugehört und überlegt, ob der- oder diejenige zu ihrem Projekt passen könnte. Am Schluss und nach Jahren der Vorbereitung hatten sie die Gäste für ihre Bar "Roaring 20s" zusammen. Gelungen ist ihnen das Portrait einer ganz eigenen Gemeinschaft, der man sich sofort nahe fühlt. Sowohl in ihrer Fröhlichkeit als auch in den stillen Momenten. Ihre Protagonist/innen sind individuell, sind authentisch, und doch könnten sie die eigenen Nachbar/innen sein.

"Bloody Nose, Empty Pockets" erzählt über die soziale Funktion von Büdchen, Spätis und Tante Emma-Läden in unseren Vierteln. Wenn sie verschwinden, fehlen nicht nur fußläufige Einkaufsmöglichkeiten, sondern das, was früher den typischen Marktplatz ausmachte: Ein Ort des Austauschs, des Gesprächs, der Information, ein Ort des Streitens und Friedensstiftens. Die Bar steht für ein Lebensgefühl. Nicht so existentialistisch und stilisiert wie zum Beispiel in dem wunderbaren Film "Coffee and Cigarettes“ von Jim Jarmusch. Das existentialistische Moment in "Bloody Nose, Empty Pockets“ ist echt. Eine, einer nach dem anderen verlässt in den Morgenstunden die Bar. Kein Tom Waits, kein Iggy Pop – wir wissen nicht, wohin sie gehen werden mit ihren Hoffnungen, ihren Tränen und ihrer unerfüllten Liebe. Wir wissen nur: Sie haben ein echtes Leben, das weitergehen wird. Ihnen fehlt ab jetzt nur ein Ort, wo sie zusammenkommen und so sein konnten, wie sie waren.

"Bloody Nose, Empty Pockets” von Bill und Turner Ross (Regie und Kamera) läuft im "Panorama”.

Links zu weiteren Berichten von Anke Glasmacher über die Berlinale 2020

Futur Drei - kobinet-nachrichten vom 27.2.2020

Pinocchio - kobinet-nachrichten vom 26.2.2020

Berlin (kobinet) Kategorien Bericht

Kurzlink des Artikels: https://kbnt.org/selv268

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