Staufen (kobinet)
Papst Leo XIV. kommt aus den USA.
Er hat einen wichtigen Brief geschrieben.
Dieser Brief heißt En-zy-kli-ka.
Eine En-zy-kli-ka ist ein wichtiger Brief des Papstes.
Der Papst schreibt darin seine Meinung zu einem Thema.
Darin steht: Künstliche Intelligenz muss entwaffnet werden.
Künstliche Intelligenz bedeutet: Computer können denken und lernen.
Das ist ähnlich wie beim Menschen.
Man sagt auch: KI.
Entwaffnen bedeutet hier: KI soll nicht mehr gefährlich sein.
KI soll keinen Schaden mehr machen können.
Ist KI wirklich eine Waffe?
Der Papst sagt: Ja.
KI ist auf die Menschheit gerichtet.
Menschheit bedeutet: alle Menschen auf der Erde zusammen.
KI kann jederzeit großen Schaden anrichten.
KI ist sehr gefährlich.
Viele Menschen unterschätzen diese Gefahr.
Unterschätzen bedeutet: Man denkt, etwas ist weniger schlimm als es wirklich ist.
Man macht sich zu wenig Sorgen.
Manche sagen: KI hat gute und schlechte Seiten.
Aber KI kann die Menschheit zerstören.
Dann gibt es keine Menschen mehr.
Der Autor dieses Textes ist kein Katholik.
Ein Katholik ist ein Mensch, der an die Lehren der katholischen Kirche glaubt.
Aber er findet: Der Papst hat recht.
KI hat aber auch gute Seiten.
Ein Beispiel ist die App Be My Eyes.
Be My Eyes bedeutet: Sei meine Augen.
Diese App hilft blinden Menschen im Alltag.
Fachleute aus der Wissenschaft warnen ebenfalls.
Ein Beispiel ist Thomas Metzinger.
Er forscht über das Gehirn und das Denken.
Er ist Mitglied der Leopoldina.
Die Leopoldina ist eine Gruppe von Wissenschaftlern in Deutschland.
Diese Gruppe berät die Politik in wichtigen Fragen.
Thomas Metzinger sagt: KI kann sich selbst steuern.
Dann hört KI nicht mehr auf Menschen.
Manche Menschen hängen schon sehr stark an digitalen Geräten.
Sie wirken dabei wie abgeschaltet.
KI kann das Denken der Menschen verändern.
Die schlechte Nachricht: KI schaltet unser Bewusstsein irgendwann aus.
Bewusstsein bedeutet: Du denkst selbst nach.
Du merkst, was um dich herum passiert.
Du triffst eigene Entscheidungen.
Die gute Nachricht: Wir merken es dann nicht mehr.
Der Denker Günther Anders lebte im 20. Jahrhundert.
Ein Denker denkt über wichtige Fragen nach.
Er sucht Antworten auf diese Fragen.
Er sprach nach dem Zweiten Welt-Krieg von einer End-Zeit.
End-Zeit bedeutet: die Zeit kurz vor dem Ende der Menschheit.
Damals meinte er die Atom-Bombe.
Eine Atom-Bombe ist eine sehr starke Waffe.
Sie kann ganze Städte zerstören und sehr viele Menschen töten.
Heute ist KI genauso gefährlich wie die Atom-Bombe.
Der Papst sagt aber auch: KI ist nur in falschen Händen gefährlich.
Er meint: Große Tech-Firmen haben zu viel Macht.
Tech-Firmen sind sehr große Firmen.
Diese Firmen stellen Computer, Programme und digitale Geräte her.
Der Papst sagt: KI muss besser kontrolliert werden.
Kontrollieren bedeutet: Man schaut genau hin und prüft, ob alles richtig ist.
KI soll nicht nur wenigen Firmen gehören.
Der Papst warnt vor einer neuen Denkweise.
Diese Denkweise kommt aus dem Silicon Valley in den USA.
Silicon Valley ist ein Gebiet in den USA.
Dort haben viele große Computer-Firmen ihren Sitz.
Diese Denkweise heißt Trans-humanismus.
Trans-humanismus ist eine Denkweise.
Menschen wollen mit Technik besser, gesünder und unsterblich werden.
Sie wollen Krankheit und Alter mit Technik besiegen.
Der Papst lehnt das ab.
Reicht mehr Kontrolle wirklich aus?
Daran gibt es Zweifel.
Manche KI-Milliardäre haben gute Kontakte zum Vatikan.
Ein Milliardär ist ein Mensch mit sehr viel Geld.
Er besitzt mindestens 1.000 Millionen Euro oder Dollar.
Der Vatikan ist ein kleiner Staat in Rom.
Dort wohnt und arbeitet der Papst.
Peter Thiel ist ein bekannter Tech-Milliardär.
Er bezeichnet sich als Katholiken.
Aber Peter Thiel verdient viel Geld mit KI.
Der Papst sagt: KI ist gefährlich.
Das passt nicht zusammen.
KI wird auch als echte Waffe eingesetzt.
Das zeigt sich in Kriegen.
KI-Waffen treffen sehr genau.
KI-Waffen treffen in kurzer Zeit viele Ziele.
Manche Fachleute bewundern diese Technik.
Das ist erschreckend.
Der Papst will KI entwaffnen.
Aber manche Menschen feiern KI-Waffen.
Das passt nicht zusammen.
Wider-spruch bedeutet: 2 Dinge passen nicht zusammen.
Sie widersprechen sich.
Was kann man noch tun?
Den Worten des Papstes kann man nicht völlig vertrauen.
Der Papst hat keine echte Macht mehr wie früher.
Ein glaubwürdiges Zeichen ist wichtig.
Glaubwürdig bedeutet: Man kann es wirklich glauben.
Der Papst könnte Politiker aus der Gemeinschaft ausschließen.
Diese Politiker führen Kriege und brechen Regeln.
Das nennt man Exkommunikation.
Exkommunikation bedeutet: Der Papst schließt jemanden aus der Kirche aus.
Diese Person gehört dann nicht mehr zur Kirche.
Pax Christi bedeutet: Frieden Christi.
Pax Christi ist ein christlicher Friedens-Verband.
Der Wunsch ist: Der Papst soll ein echter Friedens-Stifter sein.
Friedens-Stifter bedeutet: jemand, der aktiv für Frieden eintritt.
Noch eine letzte Beobachtung:
Beim Vorstellen der En-zy-kli-ka war ein Gast im Vatikan.
Sein Name ist Chris Olah.
Er ist Chef von Anthropic.
Anthropic ist eine Firma.
Diese Firma baut Computer-Programme mit Künstlicher Intelligenz.
Behinderte Menschen kommen im päpstlichen Brief gar nicht vor.
Mehr dazu gibt es hier:
Deutsch-land-funk: Was der Papst zu Künstlicher Intelligenz zu sagen hat

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) "Artificial Intelligence needs to be disarmed", so wörtlich der aus den USA stammende Papst Leo XIV aus seiner ersten "Enzyklika" zitierend, dem päpstlichen Lehr- und Sendschreiben. Das über die Katholische Kirche hinaus gerade weltweit ein großes Echo findet. Lautet die Kernaussage doch, die Künstliche Intelligenz und also die weltumspannende Supermacht unserer Tage müsse "entwaffnet" werden. – Entwaffnet? Soll das heißen, wir haben es mit einer bewaffneten KI zu tun? Nicht nur das, im Grunde sagt der Papst, die neue weltbeherrschende Supermacht, die KI selbst, die Künstliche Intelligenz ist eine Waffe. Diese Waffe ist auf die Menschheit gerichtet, sie ist entsichert und kann jederzeit losgehen.
Päpstliche Panikmache?
Selber kein Katholik, neige ich diesmal dazu, dem Papst recht zu geben. Ich erkenne in seiner Entwaffnungsforderung keine Dämonisierung, sondern das Bemühen mittels Sprachbild an etwas heranzureichen, von dessen grundstürzender Realitätsmacht wir uns keine Vorstellung machen. Wir reden uns ein, das Bedrohliche, die Gefahren in der KI-Entwicklung ist beherrschbar. Wiegen uns in der Illusion, wie alle vorherige, so habe auch diese Technologie zwei Gesichter und bedeute für uns Menschen Segen und Fluch zugleich. Ohne zu bedenken, dass in diesem Fall am Ende Segen und Fluch womöglich gar keinen Empfänger oder Adressaten mehr haben. Weil die Waffe KI, einmal abgefeuert, der Menschheit den Garaus macht. Eine Menschheit, wie wir sie bisher kannten, wird es dann nicht mehr geben. Auch uns behinderte Menschen nicht, die wir zur Zeit noch von den Segnungen der KI profitieren und sie nicht missen möchten (wie etwa „Be My Eyes“, dieser „tollen“ App für Blinde und Sehbehinderte).
Entwickelt sich KI zum terminalen Zauberlehrlings-Besen?
Der im Handumdrehen die Menschheit hinwegfegt. Oder die vormals Fegenden allenfalls noch mitschleift. Warnungen vor der Gefahr einer Verselbständigung künstlicher Intelligenz bis zu dem Punkt, da sie den „Zauberlehrling“, ihren menschlichen Schöpfer, abschaltet, hört man auch von Stimmen aus Forschung und Wissenschaft (etwa vom Neurophilosophen und Kognitions-wissenschaftler Thomas Metzinger, Mitglied der „Akademie der Wissenschaften Leopoldina“). Und in der Tat haben ich den Eindruck so wie manche Zeitgenoss*innen sklavisch an ihren digitalen und KI-Gerätschaften kleben, sind sie bereits in einem erschreckenden Umfange „abgeschaltet“ (es versteht sich, ich meine nicht diejenigen, die auf überlebensnotwendige digital gesteuerte Rehatechnik angewiesen sind).
Künstliche Intelligenz, so kann man einen gängigen Scherz abwandeln, hat uns betreffend zwei Nachrichten im Gepäck, eine gute und eine schlechte. Zuerst die schlechte Nachricht, die KI dreht uns irgendwann die Glühbirne aus der Bewusstseinslampe. Die gute Nachricht, wenn es soweit ist, spüren und merken wir nichts davon. Dies unterscheidet übrigens die bevorstehende Menschheitsauslöschung durch Künstliche Intelligenz von jener „Apokalypse“, die dem Technikphilosophen Günther Anders am Ende des Zweiten Weltkriegs vor Augen stand, als er nach dem Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki vom „Anbruch einer Endzeit“ sprach. Bei der es darauf ankomme, sie möglichst hinauszuzögern (will sagen, ihren Eintritt, den atomaren Holocaust, möglichst endlos aufzuschieben). Ob uns dies auch bei der Ki gelingen könnte, die uns sozusagen den sanftesten aller Tode in Aussicht stellt?
Aber der Papst wäre nicht der Pontifex, der Brückenbauer, der zu sein er verspricht, schwächte er seine Mahnung nicht zugleich wieder ab, relativierte sie, „in den Händen der Falschen hat KI eine ähnlich zerstörerische Kraft wie eine Atomwaffe“, präzisiert Luisa Maier von der Deutschlandfunk-Redaktion aus „Religion und Gesellschaft“ die Botschaft des katholischen Oberhirten. „Leo warnt eindringlich vor der Vormachtstellung der großen Tech-Konzerne. Analog zu Atomwaffen müsse man auch die KI entwaffnen. Heißt KI dem Monopol von Tech-Konzernen entziehen und stärker kontrollieren.“ Mit dieser Message, so die Redakteurin weiter, lege sich Leo an mit „einer neuen Quasi-Religion des 21. Jahrhunderts. Den transhumanistischen Ideologien des Silicon Valley, die menschliche Grenzen erweitern wollen, den technischen Fortschritt als Erlösung im Diesseits promoten und die Krankheit und Alter mithilfe der Technik überwinden wollen.“
Bräuchte es also lediglich mehr „Kontrolle“ und vor allem, KI den „falschen Händen“ zu entwinden? Den Händen der kalifornischen „Endzeitfaschisten“, als welche Naomi Klein, die Milliardärsclique der Tech-Bros bezeichnet. Zweifel scheinen mir angebracht und der Glaube an die Möglichkeit einer Umpolung der KI für menschlich gute Zwecke, wie es der Papst vorhat, verlässt mich spätestens dann, erfahre ich von geschäftlichen Beziehungen und intensiven persönlichen Kontakten etlicher KI-Milliardäre zum Vatikan: Ein mit vatikanischem Anstrich versehener Katholizismus a la Peter Thiel, Künstliche Intelligenz und Katechismus auf einen Nenner gebracht.
Der andere tödliche Giftpfeil im KI-Köcher
Dass Künstliche Intelligenz Waffe auch im wortwörtlichen Sinne ist, gerät im päpstlichen Sendschreiben über den sinnbildlichen Wortgebrauch, der uns unversehens mit dem apokalyptischen Abgrund konfrontiert, fast aus dem Blick. Dabei feiert KI gerade als Kriegswaffentechnologie zur Zeit ihre spektakulärsten Auftritte. Die mit ihr auf öffentlichen Bildschirmen vor unser aller Augen simulierte Gewaltpornographie macht schier sprachlos. Obszöner Voyerismus begleitet die atemberaubende Darbietung einer Präzisionswaffentechnologie „vom Feinsten“, tausende Zieltreffer innerhalb weniger Stunden, ja Minuten. Die kommentierenden Thinkthank-Experten und Expertinnen kommen nicht heraus aus dem Schwärmen, es herrscht Playstationeuphorie vor den Monitoren. So viel punktgenaues Töten, „Ausschalten“ von Mensch und Material war nie!
Und mitten in diese Feierlaune, dieses mediale Spektakel einer moralisch bankrotten Wissenschaft und Politik, platzt Papst Leos Parole von der KI-Entwaffnung. Wie viel Schizophrenie, wie viel ihm von den Regierenden, von den „Masters of War“ und vom „Stuhl Petri“ unisono zugemutetes „Spaltungs-Irresein“ verträgt das gewöhnliche Zuschauerhirn, bevor es ausrastet oder in Apathie versinkt? Oder ehe von der es erlösenden KI abgeschaltet wird. – Was bleibt einem vorerst nicht kapitulieren wollenden Gehirn wie dem meinen in dieser Lage noch übrig? Das sich über der Frage zermartert, wie intelligentes Verhalten angesichts des Phänomens zunehmender Ununterscheidbarkeit zwischen Politik und Verbrechen aussehen könnte. Fürs erste bleibt mir und meinem strapazierten Hirn nur übrig, den Worten des Papstes nicht allzu viel Kredit einzuräumen. Besäße der Papst heute überhaupt noch Sanktionsmöglichkeiten wie seine päpstlichen Vorgänger früherer Zeiten, müsste er dann nicht so ziemlich das komplette politische Personal (Putin und Pistorius, Ping und Pong und wie sie alle heißen) wegen Rückkehr zum Faustrecht, Rückfall in Krieg und Barbarei aus der zivilisierten Menschheitsfamilie „exkommunizieren“? Symbolisch zumindest die Brücken zu den Zivilisationsbrechern abbrechen. Erst damit setzte er ein glaubwürdiges Zeichen, sagen wir im Sinne eines echten „Pax-Christi-Fex“, eines christlichen Friedensmachers oder Friedenstifters.
Wer nun an diesem frühsommerlichen Junimorgen, -mittag oder -abend, da die Luft noch rein und klar und frei von etwelcher umherfliegender Sicherheitstechnik von Drohnenkrieger und Drohnenkriegerinnen ist, wer jetzt noch die nötige gedankliche Spannkraft aufbringt, hört sich an, was eine Theologin und Philosophin im Deutschlandfunkgespräch über einzelne Punkte und Theologomena der päpstlichen Enzyklika ausführt. Pikantes Detail: Während der Papst seine Enzyklika der Weltöffentlichkeit vorstellt, ist der Gründer und Ceo des teuersten Ki-Startups aller Zeiten (Chris Olah von Anthropic) als offizieller Gast im Vatikan zugegen – wir Behinderte hingegen kommen nicht einmal auf dem Papier des päpstlichen Sendschreibens vor!
https://www.deutschlandfunk.de/was-der-papst-zu-kuenstlicher-intelligenz-zu-sagen-hat-100.html

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) "Artificial Intelligence needs to be disarmed", so wörtlich der aus den USA stammende Papst Leo XIV aus seiner ersten "Enzyklika" zitierend, dem päpstlichen Lehr- und Sendschreiben. Das über die Katholische Kirche hinaus gerade weltweit ein großes Echo findet. Lautet die Kernaussage doch, die Künstliche Intelligenz und also die weltumspannende Supermacht unserer Tage müsse "entwaffnet" werden. – Entwaffnet? Soll das heißen, wir haben es mit einer bewaffneten KI zu tun? Nicht nur das, im Grunde sagt der Papst, die neue weltbeherrschende Supermacht, die KI selbst, die Künstliche Intelligenz ist eine Waffe. Diese Waffe ist auf die Menschheit gerichtet, sie ist entsichert und kann jederzeit losgehen.
Päpstliche Panikmache?
Selber kein Katholik, neige ich diesmal dazu, dem Papst recht zu geben. Ich erkenne in seiner Entwaffnungsforderung keine Dämonisierung, sondern das Bemühen mittels Sprachbild an etwas heranzureichen, von dessen grundstürzender Realitätsmacht wir uns keine Vorstellung machen. Wir reden uns ein, das Bedrohliche, die Gefahren in der KI-Entwicklung ist beherrschbar. Wiegen uns in der Illusion, wie alle vorherige, so habe auch diese Technologie zwei Gesichter und bedeute für uns Menschen Segen und Fluch zugleich. Ohne zu bedenken, dass in diesem Fall am Ende Segen und Fluch womöglich gar keinen Empfänger oder Adressaten mehr haben. Weil die Waffe KI, einmal abgefeuert, der Menschheit den Garaus macht. Eine Menschheit, wie wir sie bisher kannten, wird es dann nicht mehr geben. Auch uns behinderte Menschen nicht, die wir zur Zeit noch von den Segnungen der KI profitieren und sie nicht missen möchten (wie etwa „Be My Eyes“, dieser „tollen“ App für Blinde und Sehbehinderte).
Entwickelt sich KI zum terminalen Zauberlehrlings-Besen?
Der im Handumdrehen die Menschheit hinwegfegt. Oder die vormals Fegenden allenfalls noch mitschleift. Warnungen vor der Gefahr einer Verselbständigung künstlicher Intelligenz bis zu dem Punkt, da sie den „Zauberlehrling“, ihren menschlichen Schöpfer, abschaltet, hört man auch von Stimmen aus Forschung und Wissenschaft (etwa vom Neurophilosophen und Kognitions-wissenschaftler Thomas Metzinger, Mitglied der „Akademie der Wissenschaften Leopoldina“). Und in der Tat haben ich den Eindruck so wie manche Zeitgenoss*innen sklavisch an ihren digitalen und KI-Gerätschaften kleben, sind sie bereits in einem erschreckenden Umfange „abgeschaltet“ (es versteht sich, ich meine nicht diejenigen, die auf überlebensnotwendige digital gesteuerte Rehatechnik angewiesen sind).
Künstliche Intelligenz, so kann man einen gängigen Scherz abwandeln, hat uns betreffend zwei Nachrichten im Gepäck, eine gute und eine schlechte. Zuerst die schlechte Nachricht, die KI dreht uns irgendwann die Glühbirne aus der Bewusstseinslampe. Die gute Nachricht, wenn es soweit ist, spüren und merken wir nichts davon. Dies unterscheidet übrigens die bevorstehende Menschheitsauslöschung durch Künstliche Intelligenz von jener „Apokalypse“, die dem Technikphilosophen Günther Anders am Ende des Zweiten Weltkriegs vor Augen stand, als er nach dem Atombombenabwurf über Hiroshima und Nagasaki vom „Anbruch einer Endzeit“ sprach. Bei der es darauf ankomme, sie möglichst hinauszuzögern (will sagen, ihren Eintritt, den atomaren Holocaust, möglichst endlos aufzuschieben). Ob uns dies auch bei der Ki gelingen könnte, die uns sozusagen den sanftesten aller Tode in Aussicht stellt?
Aber der Papst wäre nicht der Pontifex, der Brückenbauer, der zu sein er verspricht, schwächte er seine Mahnung nicht zugleich wieder ab, relativierte sie, „in den Händen der Falschen hat KI eine ähnlich zerstörerische Kraft wie eine Atomwaffe“, präzisiert Luisa Maier von der Deutschlandfunk-Redaktion aus „Religion und Gesellschaft“ die Botschaft des katholischen Oberhirten. „Leo warnt eindringlich vor der Vormachtstellung der großen Tech-Konzerne. Analog zu Atomwaffen müsse man auch die KI entwaffnen. Heißt KI dem Monopol von Tech-Konzernen entziehen und stärker kontrollieren.“ Mit dieser Message, so die Redakteurin weiter, lege sich Leo an mit „einer neuen Quasi-Religion des 21. Jahrhunderts. Den transhumanistischen Ideologien des Silicon Valley, die menschliche Grenzen erweitern wollen, den technischen Fortschritt als Erlösung im Diesseits promoten und die Krankheit und Alter mithilfe der Technik überwinden wollen.“
Bräuchte es also lediglich mehr „Kontrolle“ und vor allem, KI den „falschen Händen“ zu entwinden? Den Händen der kalifornischen „Endzeitfaschisten“, als welche Naomi Klein, die Milliardärsclique der Tech-Bros bezeichnet. Zweifel scheinen mir angebracht und der Glaube an die Möglichkeit einer Umpolung der KI für menschlich gute Zwecke, wie es der Papst vorhat, verlässt mich spätestens dann, erfahre ich von geschäftlichen Beziehungen und intensiven persönlichen Kontakten etlicher KI-Milliardäre zum Vatikan: Ein mit vatikanischem Anstrich versehener Katholizismus a la Peter Thiel, Künstliche Intelligenz und Katechismus auf einen Nenner gebracht.
Der andere tödliche Giftpfeil im KI-Köcher
Dass Künstliche Intelligenz Waffe auch im wortwörtlichen Sinne ist, gerät im päpstlichen Sendschreiben über den sinnbildlichen Wortgebrauch, der uns unversehens mit dem apokalyptischen Abgrund konfrontiert, fast aus dem Blick. Dabei feiert KI gerade als Kriegswaffentechnologie zur Zeit ihre spektakulärsten Auftritte. Die mit ihr auf öffentlichen Bildschirmen vor unser aller Augen simulierte Gewaltpornographie macht schier sprachlos. Obszöner Voyerismus begleitet die atemberaubende Darbietung einer Präzisionswaffentechnologie „vom Feinsten“, tausende Zieltreffer innerhalb weniger Stunden, ja Minuten. Die kommentierenden Thinkthank-Experten und Expertinnen kommen nicht heraus aus dem Schwärmen, es herrscht Playstationeuphorie vor den Monitoren. So viel punktgenaues Töten, „Ausschalten“ von Mensch und Material war nie!
Und mitten in diese Feierlaune, dieses mediale Spektakel einer moralisch bankrotten Wissenschaft und Politik, platzt Papst Leos Parole von der KI-Entwaffnung. Wie viel Schizophrenie, wie viel ihm von den Regierenden, von den „Masters of War“ und vom „Stuhl Petri“ unisono zugemutetes „Spaltungs-Irresein“ verträgt das gewöhnliche Zuschauerhirn, bevor es ausrastet oder in Apathie versinkt? Oder ehe von der es erlösenden KI abgeschaltet wird. – Was bleibt einem vorerst nicht kapitulieren wollenden Gehirn wie dem meinen in dieser Lage noch übrig? Das sich über der Frage zermartert, wie intelligentes Verhalten angesichts des Phänomens zunehmender Ununterscheidbarkeit zwischen Politik und Verbrechen aussehen könnte. Fürs erste bleibt mir und meinem strapazierten Hirn nur übrig, den Worten des Papstes nicht allzu viel Kredit einzuräumen. Besäße der Papst heute überhaupt noch Sanktionsmöglichkeiten wie seine päpstlichen Vorgänger früherer Zeiten, müsste er dann nicht so ziemlich das komplette politische Personal (Putin und Pistorius, Ping und Pong und wie sie alle heißen) wegen Rückkehr zum Faustrecht, Rückfall in Krieg und Barbarei aus der zivilisierten Menschheitsfamilie „exkommunizieren“? Symbolisch zumindest die Brücken zu den Zivilisationsbrechern abbrechen. Erst damit setzte er ein glaubwürdiges Zeichen, sagen wir im Sinne eines echten „Pax-Christi-Fex“, eines christlichen Friedensmachers oder Friedenstifters.
Wer nun an diesem frühsommerlichen Junimorgen, -mittag oder -abend, da die Luft noch rein und klar und frei von etwelcher umherfliegender Sicherheitstechnik von Drohnenkrieger und Drohnenkriegerinnen ist, wer jetzt noch die nötige gedankliche Spannkraft aufbringt, hört sich an, was eine Theologin und Philosophin im Deutschlandfunkgespräch über einzelne Punkte und Theologomena der päpstlichen Enzyklika ausführt. Pikantes Detail: Während der Papst seine Enzyklika der Weltöffentlichkeit vorstellt, ist der Gründer und Ceo des teuersten Ki-Startups aller Zeiten (Chris Olah von Anthropic) als offizieller Gast im Vatikan zugegen – wir Behinderte hingegen kommen nicht einmal auf dem Papier des päpstlichen Sendschreibens vor!
https://www.deutschlandfunk.de/was-der-papst-zu-kuenstlicher-intelligenz-zu-sagen-hat-100.html





Den Hintergrund kommentiert von Moritz Metz:
https://www.deutschlandfunk.de/kommentar-zur-rekordbewertung-von-anthropic-basierend-auf-raubbau-an-ressourcen-100.html