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Letzte Woche um 8:35 Uhr kam Reisegruppe Niemand in Berlin an

Reisegruppe Niemand nach Ankunft in Berlin am Zug am 15.11.19
Reisegruppe Niemand nach Ankunft mit Zug in Berlin Hbf
Foto: kobinet/omp

Berlin (kobinet) Heute vor einer Woche kam die Reisegruppe Niemand um 8:35 Uhr nach 76 Stunden, 8 Minuten und 45 Sekunden mit dem Nahverkehr der Bahn durch alle 16 Landeshauptstädte in Berlin an. Diese Tour markierte nicht nur einen Weltrekord, sondern nahm auch die Situation behinderter Menschen 25 Jahre nach Inkrafttreten des Benachteiligungsverbots für behinderte Menschen im Grundgesetz ins Visier. Mittlerweile haben sich die Reisenden wieder erholt, der Live-Blog zur Bahntour wurde abgeschlossen und erste Entwicklungen nach der Tour zeigen sich.

Der Inklusionsbotschafter Markus Ertl, der die Bahntour zusammen mit Rolf Allerdissen entscheidend geplant hat, wurde nach der aufsehenerregenden Bahntour beispielsweise gestern Abend in den Fahrgastbeirat der Bayerischen Oberlandbahn berufen, die in seiner Region um Lenggries fährt.

Carola Szymanowicz, die trotz ihres stolzen Alters von 74 Jahren die Mammuttour mitgemacht und durchgestanden hat, hat im Live-Blog zur Bahntour ein Fazit aus der Sicht einer gehörlosen Teilnehmerin veröffentlicht. Sie schreibt dort u.a.:

"Ich selbst bin froh, diese Reise miterleben zu dürfen, mit Menschen, die sich vom gesellschaftlichen Ziel der inklusiven Gesellschaft der Vielfalt nicht abbringen lassen, bis dieses Ziel sich in Deutschland mit der Umsetzung der UN-BRK und Agenda 2030 mit 17 nachhaltigen Zielen in menschenrechtsbasierte Gesetze und allen Sozialräumen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene durchgesetzt hat. Ich konnte unterwegs in der Bahn teilweise erleben, dass es Menschen gab, die meine Situation als gehörlose Frau erkannten und sich darauf einstellten. So wurde ich von Dunja Fuhrmann bei ihrem Empfang der Reisegruppe in Saarbrücken in Gebärdensprache begrüßt. Kassandra Ruhm, die uns eine Teilstrecke von Bremen nach Hamburg mit begleitete, sorgte mit ihren Kenntnissen in der Gebärdensprache dafür, dass ich bei den Gesprächen mit teilhaben konnte. Ein Mitarbeiter des Bahnservices, selbst Hörgeräteträger, war sehr aufmerksam mir gegenüber, da er merkte, dass ich gehörlos bin. Diese Erlebnisse zeigten mir, dass es möglich ist, wenn die Deutsche Gebärdensprache von der Frühförderung in der KITA bis zum Gymnasium gelehrt wird, die Lernenden davon profitieren und gehörlose Menschen inklusiv in einer offenen demokratischen Gesellschaft der Vielfalt leben können. Für mich als gehörlose Beteiligte auf dieser Fahrt, hat diese mir persönlich aber gezeigt, dass gehörlose Menschen noch lange nicht in unserer Gesellschaft angekommen sind. Teilhabe war dahingehend für mich zum größten Teil verschlossen, da ich selbst bei Gesprächen mit dem Umfeld, beim Treffen auf den Zwischenhalten mit Betroffenen, keine Dialoge führen konnte und auch keine Interviews mit Presse und Medien geben konnte, da mir keine Dolmetscher in Deutscher Gebärdensprache, die ich zur Dialogführung bzw. zu Gesprächen mit hörenden Menschen haben muss, zur Verfügung standen. Diese Tatsache ließ in mir eine schmerzliche Erinnerung aufkommen, die ich nach der Wahl als Kandidatin zur Kommunalwahl in der Partei machen musste, wo ich Mitglied bin."

Link zum gesamten Live-Blog der kobinet-nachrichten mit der Dokumentation der Bahn-Tour

Mittlerweile hat das Netzwerk Artikel 3 auch das Grußwort der Landesbehindertenbeauftragten von Berlin, Christine Braunert-Rümenapf auf ihrer Seite zum Teilhabegesetz veröffentlicht. In ihrem Grußwort zum Auftakt der Bahn-Tour hatte Christine Braunert-Rümenapf noch einmal anschaulich die Entstehungsgeschichte der Aufnahme des Satzes "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden" ins Grundgesetz recherchiert und dargestellt.

Link zum Grußwort zu 25 Jahre Benachteiligungsverbot für behinderte Menschen im Grundgesetz von Christine Braunert-Rümenapf