Werbung:
Werbung
Link zu Reporter ohne Grenzen
Werbung
Ihre Werbung Banner
Werbung
Werbung zu teilhabegesetz.org
Springe zum Inhalt

Hut ab vor den Bahnfahrer*innen

Andreas Reigbert
Andreas Reigbert
Foto: privat

Bargteheide (kobinet) Andreas Reigbert beobachtet mit großem Interesse die Bahntour der Reisegruppe Niemand, auch wenn diese nicht direkt an seinem Wohnort Bargteheide vorbei kommt. Das würde dem ehemals passionierten Bahnfahrer auch nichts nutzen, denn dort ist der Bahnhof für ihn nicht barrierefrei nutzbar. So hat das Mitglied im Fachteam Mobilität des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK) die folgenden Gedanken an die Reisegruppe geschickt, die anlässlich des 25jährigen Inkrafttreten des Benachteiligungsverbots im Grundgesetz derzeit mit der Bahn durch alle 16 Bundesländer tourt.

Gedanken von Andreas Reigbert

"Das ist eine tolle Aktion! Hut ab vor den 5 mutigen Bahnfahrer*innen! Ich bin ja meinen Lebtag gerne Bahn gefahren. Vor etwas mehr als 40 Jahren, im Sommer 1979, als ich noch jung, gesund und längst noch nicht behindert war, habe ich mit drei Freunden und einem "Tramper-Monats-Ticket" eine Bahnreise kreuz und quer durch Deutschland unternommen. Aber nicht in 4 Tagen, sondern in 4 Wochen. Eine derartige Tour in 4 Tagen stelle ich mir außerordentlich strapaziös vor. Ich würde die "5 Freunde“ daher gerne unterstützen. Leider kommen sie nicht durch Bargteheide.

Was den Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 Grundgesetz betrifft, kann, muss und will ich auf meinen Artikel über "Das Märchen von der Inklusion" verweisen: Gut, dass es diesen Satz im Grundgesetz gibt. Aber wie heißt es so schön? "Papier ist geduldig!“ Inklusion muss gesellschaftlich gelebt und für die Betroffenen auch juristisch durchsetzbar sein. Sonst nützt das schönste Gesetz nichts. Das müsste der Bundespräsident als Jurist gut verstehen. Wenn Sie mögen, können Sie dem Bundespräsidenten (bzw. seinem Mitarbeiter) meinen Artikel über "Das Märchen von der Inklusion" (und diese E-Mail) zusammen mit den anderen Berichten und E-Mails zu dieser Aktion übergeben. Vielleicht kann er sich an meinen Namen erinnern. Ich war von 1999 bis 2001 einer seiner Mitarbeiter (Referent) im Bundeskanzleramt und habe in dieser Zeit Hunderte von Vermerken, Briefen und Redebeiträgen für Dr. Frank-Walter Steinmeier geschrieben als er noch Chef des Bundeskanzleramtes war.

Weil ich damals jede Woche zwischen Hamburg, Bonn und Berlin mit der Bahn gependelt bin, war ich "Bahn-Comfort-Kunde". Die Dienstreisen durfte ich selbstverständlich Erster Klasse absolvieren. Heute komme ich von meinem Wohnort Bargteheide mit seinem 154 Jahre alten Bahnhof als Rollstuhlfahrer und Nutzer eines Elektromobils nicht einmal barrierefrei in meine Heimatstadt Hamburg. So weit zum Märchen von der Inklusion und meiner Erfahrung mit Artikel 3 Absatz 3 Satz 2 GG.

Link zum Liveblog über die Bahntour zu 25 Jahren Benachteiligungsverbot im Grundgesetz