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Gute Arbeit für Menschen mit Behinderung
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Was macht Sabrina Fögele?

Sabrina Fögele
Sabrina Fögele
Foto: Privat

Gundelfingen (kobinet) Die Inklusionsbotschafterin Sabrina Fögele setzt sich in Gundelfingen in der Nähe von Freiburg für die Inklusion ein. Die Projektleiterin des von der Aktion Mensch Stiftung geförderten und von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) durchgeführten Inklusionsbotschafter*innen-Projektes, Susanne Göbel, sprach mit Sabrina Fögele über ihr Wirken als kommunale Inklusionsvermittlerin im ländlichen Raum von Baden-Württemberg.

kobinet-nachrichten: Sie sind Kommunale Inklusionsvermittlerin für Ihre Gemeinde Gundelfinden, die ganz in der Nähe von Freiburg liegt. Was muss man sich unter einer Inklusionsvermittlerin vorstellen und was sind Ihre Aufgaben?

Sabrina Fögele: Seit Februar 2016 bin ich Kommunale Inklusionsvermittlerin der Gemeinde Gundelfingen. Die Hauptaufgabe der Kommunalen Inklusionsvermittlerin (Kurzform KIV) ist es, zwischen der Gemeinde und den Bürger*innen zu "vermitteln", die Belange / Anregungen und Wünsche der Menschen mit Behinderungen an die Gemeinde heranzutragen bzw. zu vertreten – sprich die Schnitt-Stelle zu sein.

Die Kommunalen Inklusionsvermittler*innen sind im Auftrag der Gemeinde tätig. Unter dem Slogan "Wir alle! Mit uns inklusiv" bauen sie in den jeweiligen Gemeinden Netzwerke und Strukturen auf, um das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung zu verbessern. Damit der Abbau von Barrieren aller Art gelingt, sind sie "Ansprechpartner*innen", die Bewusstsein für Vielfalt schaffen, den Abbau von Barrieren unterstützen und insbesondere dazu beitragen, dass Inklusion in den Köpfen gelingt.

kobinet-nachrichten: Was genau bedeutet es für Sie, Kommunale Inklusionsvermittlerin zu sein, und was hat Sie dazu bewogen, sich auf diese Art und Weise in Ihrem Heimatort zu engagieren?

Sabrina Fögele: Für mich bedeutet Kommunale Inklusionsvermittlerin der Gemeinde Gundelfingen Ansprechpartnerin für die Belange, Anliegen und Wünsche der Menschen mit Behinderungen – aller Art – jeglichen Alters – zu sein. Was mich dazu bewogen hat, dieses Amt zu übernehmen: seit meiner Geburt lebe ich in Gundelfingen, bin selbst auf den Rollstuhl angewiesen und habe eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten bei der Gemeinde Gundelfingen absolviert. Seit 2012 bin ich im Sprecherteam vom Runden Tisch für Menschen mit und ohne Handicap und Angehörige, dadurch wurde ich von der Gemeinde Gundelfingen gefragt, ob ich Interesse habe, dieses Amt zu übernehmen. Ich möchte mich vor Ort für die Menschen mit Behinderungen einsetzen.

kobinet-nachrichten: Einer Ihrer Schwerpunkte ist es, vielfältige Veranstaltungen rund um das Thema Behinderung nach Gundelfingen zu bringen. Im Juli war zum Beispiel der blinde Astronom Gerhard Jaworek für einen Vortrag zum Thema "Inklusion am Himmel“ bei Ihnen zu Gast. Wie kam die Veranstaltung beim Publikum an und wie ist das visuelle Thema Sternenhimmel an diesem Abend für Sie (be)greifbar geworden?

Sabrina Fögele: Die Veranstaltung kam beim Publikum sehr gut an, aus meiner Sicht, weil der Buchautor selbst eine Behinderung, sowie auch gleichzeitig ein interessantes Hobby betreibt, was scheinbar nicht zusammenpasst. Somit kamen zwei Interessensfelder zusammen, Inklusion und Astronomie, die sonst eher nicht auf einander treffen würden.

Das visuelle Thema Sternenhimmel wurde für mich (be)greifbarer, in dem Herr Gerhard Jaworek erklärte, dass man die Geschwindigkeits- und Entfernungsverhältnisse der Planeten mit heutigen Computern verklanglichen kann, also hörbar gemacht werden können. Vom piepsig-eirigen Sound des Merkur bis hin zur Basstrommel des Neptun erklang die gesamte Kakophonie aller Umlaufbahnen der acht Planeten unseres Sonnensystems. Jeder Planet hat also seinen eigenen Ton, dadurch können auch Blinde oder sehbehinderte Menschen sich mit dem Thema Astronomie auseinandersetzen, wenn sie das möchten. Das beweist, dass man auch einem Hobby nachgehen kann, das auf den ersten "Blick" nicht machbar zu sein scheint.

kobinet-nachrichten: Was haben Sie aus den Vorbereitungen und Durchführungen der bisherigen Veranstaltungen gelernt? Welche Erfolge aber auch welche Herausforderungen und Hindernisse gibt es zu vermelden?

Sabrina Fögele: Ich habe daraus gelernt, es erfordert ein sehr hohes Engagement und einen zeitlichen Einsatz. Um eine perfekte barrierefreie Veranstaltung zu organisieren, braucht es viel Geld, das selten zur Verfügung steht, einen guten Draht zur Presse, und natürlich Personen, die sich für die Veranstaltung interessieren. Oft werden bei den Veranstaltungen nicht alle Bedürfnisse der verschiedenen Behinderungsarten abgedeckt. Oder das Bedürfnis wurde berücksichtigt, aber der entsprechende Personenkreis kam dann nicht zur Veranstaltung. Zum Beispiel: eine Gebärdensprachen-Dolmetschung wurde organisiert – die gehörlosen Menschen kamen dann aber nicht zur Veranstaltung.

kobinet-nachrichten: Welche spannende Veranstaltung ist als nächstes geplant?

Sabrina Fögele: Neue, spannende Themen für die nächsten Veranstaltungen werden noch gesucht. Jede Idee ist bei mir willkommen! J

kobinet-nachrichten: Sie sind nicht die einzige Kommunale Inklusionsvermittlerin in Ihrer Region. Wie klappt die Vernetzung und welche Ziele haben Sie sich für Gundelfingen aber auch die Region vorgenommen?

Sabrina Fögele: Die Vernetzung funktioniert so: wir Kommunalen Inklusionsvermittler*innen aus dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald treffen uns viermal im Jahr. Wir treffen uns immer in einer anderen Gemeinde, sprich dort, wo es Kommunale Inklusionsvermittler*innen gibt und tätig sind. Bei diesen Treffen gibt es immer ein Hauptthema, zum Beispiel hörgeschädigte Menschen. Dazu wird dann ein fachkundiger Referent oder Referentin eingeladen. An den Treffen am Nachmittag ist aber auch immer genügend Zeit, um sich mit den anderen Kommunalen Inklusionsvermittler*innen austauschen zu können, um erfahren zu können, was sie momentan in ihrer Gemeinde planen, und was für Projekte sie gerade durchführen. Somit kann man die eine oder andere Idee oder Aktion auf die eigene Gemeinde übertragen, wenn es sich für die eigene Gemeinde eignet.

kobinet-nachrichten: Was ist Ihrer Meinung nach nötig, damit behinderte Menschen und ihre Belange gerade in ländlichen Regionen und Gemeinden überhaupt oder mehr Beachtung finden?

Sabrina Fögele: Es ist wichtig, dass die Kommune für die Belange der Menschen mit Behinderungen offen ist und sich für ihre Bürger*innen einsetzt. In der ländlichen Regionen ist es wichtig, dass die öffentlichen Verkehrsnetze (barrierefrei) gut ausgebaut sind, damit die Menschen mit Behinderungen mehr Möglichkeiten haben, an Veranstaltungen bzw. am öffentlichen Leben teilzunehmen.

kobinet-nachrichten: Seit letztem Jahr sind Sie auch Inklusionsbotschafterin der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) in einem von der Aktion Mensch Stiftung geförderten Modellprojekt. Ihr Hauptziel war es, mit anderen behindertenpolitisch aktiven Menschen in Austausch zu kommen. Was bedeutet Ihnen die Vernetzung auf dieser Ebene und was hat sie Ihnen bisher gebracht?

Sabrina Fögele: Dadurch, dass ich in dem Netzwerk der Inklusionsbotschafter*innen bin, habe ich größeres "know how“, auf das ich zurückgreifen kann. Es gibt mir die Möglichkeit, weitere Menschen kennenzulernen, die sich für die gleichen Interessen einsetzen. Es ist schön zu wissen, dass es landesweit Menschen gibt, die sich für die Rechte der Menschen mit Behinderungen einsetzen, dadurch fühlt man sich nicht als Einzelkämpferin.

kobinet-nachrichten: Was ärgert Sie zurzeit behindertenpolitisch am meisten?

Sabrina Fögele: Im Moment ärgert mich zurzeit behindertenpolitisch die Tatsache, dass Menschen mit Behinderungen sich oft ihr Recht erstreiten müssen (in allen Bereichen), obwohl es gesetzlich geregelt ist und dadurch verpflichtend ist, und dadurch sind sie immer im Nachteil.

kobinet-nachrichten: Und worüber freuen Sie sich besonders bzw. welche Wünsche sind bei Ihnen noch offen?

Sabrina Fögele: Ich freue mich darüber, dass seit dem Beitritt Deutschlands zur Behindertenrechtskonvention, die Menschen mit Behinderung mehr in den Vordergrund gerückt sind.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Sabrina Fögele: Vielen Dank, dass ich zu dem Interview eingeladen worden bin.

Links zu weiteren Berichten über Inklusionsbotschafter*innen unter dem Motto "Was macht ...?

Was macht Alex Ernst? - kobinet-nachrichten vom 17.7.2019

Was mach Silja Korn - kobinet-nachrichten vom 13.7.2019

So tickt Ines Helke - REHACARE Magazin vom 19. Juni 2019

Was machen Janis Geiger und Roland Walter? - kobinet-nachrichten vom 16. Juni 2019

Was macht Rose Jokoc - kobinet-nachrichten vom 5. Juni 2019

Was macht Mechthild Kreuser - kobinet-nachrichten vom 16. Mai 2019

Was macht Jürgen Linnemann? - kobinet-nachrichten vom 16. April 2019

Was macht Tina Jahns? - kobinet-nachrichten vom 14. März 2019

Was macht Lut Autenrieb? - kobinet-nachrichten vom 12. März 2019

Was macht Felicitas Duijnisveld? - kobinet-nachrichten vom 28. Februar 2019

Was macht Graf Fidi? - kobinet-nachrichten vom 13. Januar 2019

Was macht Birger Höhn - kobinet-nachrichten vom 10. Januar 2019

Armin Rist: Viel unterwegs für Inklusion - kobinet-nachrichten vom 20. November 2018