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Nachrichten aus der Provence.

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Foto: Lens_and_Light In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

Saint-Martin-du-Var (kobinet) Dies ist meine erste Kolumne, die ich zu schreiben wage, nachdem kobinet ein KI-basiertes Tool zur Verfügung stellt, das dem Verfasser Hilfe bei Stil und Form seines Werkes bietet. Ich bin gespannt, was das Tool zur Überschrift dieser Kolumne vorschlägt. Berichte ich diesmal doch tatsächlich, also rein geografisch, aus dieser französischen Region und nicht von meinem heimischen Schreibtisch aus.

Schon zum dritten Mal hintereinander verbringe ich meinen Urlaub in Frankreich, wo die Landschaften schön und die Campingplätze selbstverständlich barrierefrei sind. Manche in meinem Umfeld verwundert das. Spreche und verstehe ich doch kein Wort dieser wohlklingenden Sprache.

Wahrscheinlich ist das genau ein Grund, warum es mich in den letzten Jahren in unser Nachbarland zieht. Wenn man die Sprache weder versteht noch spricht, kommt man nicht in Versuchung, heimlich Gespräche am Nachbartisch zu belauschen, um sich dann über deren Inhalt zu ärgern.

„Pour trois nuits sans électricité s’il vous plaît“ – „Für drei Nächte ohne Strom bitte“; „Je ne parle pas français. Excusez-moi, s’il vous plaît“ – „Ich spreche kein Französisch, entschuldigen Sie bitte“. Das bekommt der Google-Übersetzer tadellos hin und entbindet einen jeglicher Pflicht zur Konversation, einige Höflichkeitsfloskeln wie „Merci“ und „Bonjour“ ausgenommen.

Ich weiß nicht, wie es in Frankreich aktuell aussieht, aber als ich auf der Hinfahrt noch den Deutschlandfunk im Autoradio empfing, kam in den Nachrichten die Meldung, dass in Deutschland die Toleranz abgenommen habe. Am tolerantesten sei man noch in den Bereichen Behinderung und Geschlecht.

Da habe ich persönlich, als weißer Mann mit Behinderung, in Deutschland noch relativ gute Karten. Gar nicht auszudenken, wäre ich divers, schwarz, muslimisch und hätte einen Migrationshintergrund.

Ganz so gut steht es um die Toleranz gegenüber unserer Randgruppe in meiner Heimatgemeinde in Mittelhessen nicht. Wobei wir wieder bei Nachrichten aus der deutschen Provinz wären. Ein kommunaler Ableger der AfD blockiert mit Unterstützung der CDU die Abstimmung über die Satzung des Beirates für Menschen mit Behinderungen, weil sie unter anderem ein Stimm- und Rederecht beinhaltet. In der deutschen Provinz sind die Brandmauern niedriger. Und ich frage mich, warum sich Unrechtsstaaten an das Völkerrecht halten sollen, wenn es nicht einmal einer 6500-Seelen-Gemeinde gelingt, eine völkerrechtlich bindende Konvention umzusetzen.

Meine persönliche Toleranzschwelle gegenüber der AfD bewegte sich schon immer gegen null. Und die der CDU schrappt extrem daran entlang.

Zum Glück muss ich hier im Urlaub aus oben genannten Gründen keine Diskussionen darüber anfangen. Obwohl mich gestern vollkommen unaufgefordert ein Passant in brüchigem Deutsch ansprach, um mir zu erklären, dass Marine Le Pen nicht ein Problem, sondern die Lösung für Frankreich sei.

Auf meiner „Tour de France“ fallen mir immer wieder Ortsschilder auf, die auf dem Kopf stehen. Dieses Zeichen ist Teil einer Protestbewegung, die politische Entwicklungen „auf den Kopf gestellt“ sieht. Wenn ich das Schild meiner Heimatgemeinde bei der Ortseinfahrt zu meinem Zuhause ummontiere, bekomme ich bestimmt eine Klage wegen „Landfriedensbruch“ an den Hals.

Manche Ortsschilder in der Provence mit so klangvollen Namen wie „Gillette“ oder „Tourette“ sind mit dem Zusatz versehen: „Petites Cités avec Caractère“.

„Petites Cités sans Caractère“ müsste dann wohl am Ortseingang meiner Heimatgemeinde stehen.

Willkommen daheim!

Stephan Laux, September 2025