Menu Close

Zukunftspapier für eine inklusivere Gesellschaft und einen gerechteren Sozialstaat der SPD-Bundestagsfraktion

Sharepic mit einem Bild von Heike Heubach zum Positionspapier der SPD Bundestagsfraktion
Sharepic mit einem Bild von Heike Heubach zum Positionspapier der SPD Bundestagsfraktion
Foto: Fionn Große

Berlin (kobinet) "Inklusion muss in allen Politikbereichen mitgedacht werden. Mit dem Zukunftspapier für eine inklusivere Gesellschaft und einen gerechteren Sozialstaat machen wir deutlich, dass es nicht um punktuelle Korrekturen geht, sondern um eine langfristige politische Aufgabe. Inklusion ist kein Randthema, sondern ein Maßstab für den Fortschritt unserer Gesellschaft. Barrierefreiheit betrifft uns alle und macht das Leben für Millionen Menschen jeden Tag leichter - für Familien mit Kindern, für ältere Menschen, für Reisende sowie für Menschen mit temporären oder dauerhaften Einschränkungen sind barrierefreies Bauen und Wohnen, ein inklusives Gesundheitswesen und eine Katastrophenvorsorge, die niemanden ausschließt, besonders wichtig." Dies teilte die Behindertenbeauftragte der Bundestagsfraktion der SPD und Bundestagsabgeordnete Heike Heubach auf Facebook mit Hinweis auf das am 23. Juni 2026 von der Bundestagsfraktion der SPD veröffentlichte "Zukunftspapier für eine inklusivere Gesellschaft und einen gerechteren Sozialstaat" mit, in dem auch die Haltung der SPD-Bundestagsfraktion zur aktuellen Reform des Behindertengleichstellungsgesetz deutlich wird.

Und weiter betont Heike Heubach auf Facebook zum beschlossenen Zukunftspapier der SPD-Bundestagsfraktion: „Wohnen ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit. Wohnraum für alle braucht verbindliche Quoten für barrierefreien Neubau und konsequente Nachrüstungen im Bestand. Auch unsere Infrastruktur muss so gestaltet sein, dass sie für alle Menschen erreichbar und nutzbar ist. Gesundheit ist ein Menschenrecht und eine Grundbedingung dafür, am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Deshalb brauchen wir barrierefreie Zugänge, bessere medizinische Versorgung und mehr Sensibilisierung im Umgang mit Menschen mit Behinderungen. Eine inklusive Gesellschaft gelingt nur, wenn Betroffene und ihre Interessenvertretungen von Anfang an eingebunden werden. Zusammen ist unsere Stärke – für eine Gesellschaft, in der jeder Mensch sagen kann: Ich gehöre dazu.“

Link zum Facebook-Post von Heike Heubach

Unter dem Punkt 1.1.2 des Zukunftspapiers der SPD Bundestagsfraktion geht es um die aktuell im Parlament beratene Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes sowie um das Recht auf barrierefreien Zugang zu Waren und Dienstleistungen. Dort heißt es:

„1.1.2. Novelle des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG)
Seit über zwanzig Jahren verpflichtet das BGG Behörden, Benachteiligungen abzubauen und Barrierefreiheit herzustellen. Doch auch heute noch bedeutet der Gang zu einer Behörde für viele Menschen mit Behinderungen zusätzlichen Stress: Termine müssen erkämpft, Assistenzpersonen organisiert oder Formulare mehrfach erklärt werden. Wer auf Leichte Sprache, Deutsche Gebärdensprache (DGS) oder Assistenz angewiesen ist, erlebt Verwaltung häufig nicht als Hilfe, sondern als Hürde. So darf es nicht bleiben. Mit der anstehenden Novelle des BGG wollen wir diesen Zustand beenden. Ziel ist nicht weniger als ein klar einklagbares Recht auf Barrierefreiheit – in Ämtern, im öffentlichen Raum, im Netz und in der täglichen Kommunikation. Barrierefreiheit ist für uns keine technische Pflicht, sondern Ausdruck von Respekt und sozialer Verantwortung. Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft müssen gemeinsam handeln, damit niemand ausgeschlossen wird.

• Barrierefreiheit in Bundesbehörden systematisch vorantreiben
Die derzeit vorgesehene Frist bis 2045 ist zu lang. Menschen mit Behinderungen können nicht noch 20 Jahre warten, bis Behörden für alle zugänglich sind. Wir fordern eine Verkürzung auf 2035 und eine verpflichtende Umsetzung in allen Bundesbehörden – einschließlich Sicherheits- und Militärbehörden. Barrierefreiheit ist staatliche Kernaufgabe, keine Option. Behördliche Kommunikation muss durchgängig zugänglich sein: in leichter Sprache, klar strukturiert und mit dem Einsatz von Gebärdensprachdolmetschenden und Assistenztechnologien.

• Rechtssicherheit durch Stärkung der Verbandsklage im privaten Bereich
Selbstvertretungsorganisationen brauchen wirksame Mittel, um gegen Barrieren vorzugehen. Darum fordern wir eine Stärkung der Verbandsklage – mit der Möglichkeit, Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche im privatrechtlichen Bereich durchzusetzen, wenn gesetzliche Vorgaben zur Barrierefreiheit verletzt werden.

• Rechtssichere Definition von ‚angemessenen Vorkehrungen‘ 
Private Unternehmen dürfen sich nicht pauschal hinter dem Argument der ‚unverhältnismäßigen Belastung‘ verstecken. Auch bauliche Änderungen und Produktänderungen müssen einklagbar sein, wenn sie zumutbar sind. So wird der wirtschaftliche Fortschritt sozial – und Barrierefreiheit zum Bestandteil innovativer und fairer Unternehmenspraxis.

• Schadensersatz bei Benachteiligungen
Wo Rechte verletzt werden, braucht es wirksame Sanktionen. Deshalb müssen Betroffene Anspruch auf Schadensersatz haben, nicht nur auf eine Feststellungsklage. Für eine echte Rechtsdurchsetzung ist der Weg zum Sozialgericht zu öffnen.

• Beweislasterleichterung
Damit Teilhabe einklagbar wird, benötigen Betroffene Sicherheit im Verfahren: Wenn eine Diskriminierung plausibel dargelegt ist, muss die andere Seite beweisen, dass kein Verstoß vorliegt. So schaffen wir faire Verfahren und stärken die Rechte von Menschen mit Behinderung.

• Barrierefreiheit nützt allen
Barrierefreiheit ist kein Sonderweg für Menschen mit Behinderungen. Sie sorgt für Zugänge, von denen Ältere, Familien mit Kindern und Menschen mit vorübergehenden Einschränkungen gleichermaßen profitieren. Eine inklusive Gesellschaft ist schlicht eine bessere Gesellschaft für alle. Das ist sozialdemokratische Politik – solidarisch, gerecht und vorausschauend. Zusammen ist unsere Stärke, wenn es darum geht, ein Land für alle zu gestalten.“

Link zum Positionspapier der SPD-Bundestagsfraktion vom 23. Juni 2026

Inwieweit es der Bundestagsfraktion der SPD gelingt, diese Grundsätze in die aktuellen Verhandlungen mit der CDU/CSU für Änderungen am scharf kritisierten Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Behindertengleichstellungsgesetz einzubringen und umzusetzen, das wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Daher blicken viele behinderte Menschen und ihre Verbände mit Spannung auf diese aktuellen Verhandlungen und was am Ende im Gesetz steht, das noch vor der Sommerpause vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden könnte.

Lesermeinungen

Bitte beachten Sie unsere Regeln in der Netiquette, unsere Nutzungsbestimmungen und unsere Datenschutzhinweise.

Sie müssen angemeldet sein, um eine Lesermeinung verfassen zu können. Sie können sich mit einem bereits existierenden Disqus-, Facebook-, Google-, Twitter-, Microsoft- oder Youtube-Account schnell und einfach anmelden. Oder Sie registrieren sich bei uns, dazu können Sie folgende Anleitung lesen: Link
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
0 Lesermeinungen
Neueste
Älteste
0
Wir würden gerne Ihre Meinung lesen, schreiben Sie einen Leserbrief!x