Berlin (kobinet)
Am Montag, den 22. Juni 2026, gibt es eine Demo in Berlin.
Bei einer Demo treffen sich viele Menschen.
Die Menschen zeigen ihre Meinung auf der Straße.
Die Demo ist von 14:00 bis 17:00 Uhr.
Die Demo ist vor dem Paul-Löbe-Haus.
Das Paul-Löbe-Haus gehört zum Bundes-Tag.
Bei der Demo sind Menschen mit Behinderung.
Eine Behinderung macht manche Sachen schwierig.
Man braucht oft mehr Hilfe als andere Menschen.
Auch Familie, Freunde und Unterstützer sind dabei.
Ein Unterstützer hilft anderen Menschen.
Ein Unterstützer begleitet andere Menschen im Alltag.
Sie alle protestieren gemeinsam.
Protestieren bedeutet: Viele Menschen zeigen laut ihre Meinung.
Sie sagen: Das finden wir falsch.
Sie protestieren gegen ein neues Gesetz.
Ein Gesetz ist eine Regel vom Staat.
Alle Menschen in Deutschland müssen sich daran halten.
Das Gesetz heißt Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz.
Das Gesetz hilft Menschen mit Behinderung.
Es soll sichern, dass sie die gleichen Rechte haben.
Kurz: BGG.
Das BGG soll Gleich-stellung sichern.
Gleich-stellung bedeutet: Alle Menschen werden gleich behandelt.
Bei Gleich-stellung hat niemand Nachteile.
Gleich-zeitig findet eine Anhörung im Paul-Löbe-Haus statt.
Bei einer Anhörung dürfen Menschen ihre Meinung sagen.
Fach-leute erklären ihre Meinung zum Gesetz.
Wichtige Personen hören genau zu.
Danach soll das Gesetz beschlossen werden.
Das Motto der Demo lautet: Mit Behinderung ist zu rechnen.
Die Menschen sagen: Das Gesetz ist nicht gut genug.
Das Gesetz verspricht Gleich-stellung.
Aber Barriere-Freiheit wird nicht zur Pflicht.
Eine Pflicht ist etwas, das man tun muss.
Man darf eine Pflicht nicht weglassen.
Barriere-Freiheit bedeutet: Alle Menschen können etwas benutzen.
Bei Barriere-Freiheit wird niemand ausgeschlossen.
Zum Beispiel Arzt-Praxen, Cafés, Kinos und Restaurants.
Diese Orte müssen laut Gesetz nicht barriere-frei werden.
Das kritisieren die Menschen bei der Demo.
Mehr als 160.000 Menschen haben eine Petition unterschrieben.
Eine Petition ist eine Bitte an wichtige Leute.
Viele Menschen fordern damit gemeinsam eine Änderung.
Die Petition findest du hier: innn.it/bgg
Sie fordern: Barriere-Freiheit muss Pflicht sein.
Hintergrund
Das BGG sollte schon früher geändert werden.
Eine Reform bedeutet: Etwas wird geändert.
Das Ziel ist, dass etwas besser wird.
Das hat damals nicht geklappt.
Es gab Streit in der Regierung.
Eine Regierung leitet ein Land.
Die Regierung besteht aus Politikern und einem Chef.
Die neue Bundes-Regierung hat am 9. November einen Entwurf vorgelegt.
Ein Entwurf ist ein erster Vorschlag.
Der Entwurf zeigt, wie das Gesetz aussehen soll.
Verbände hatten nur 4 Wochen Zeit für ihre Meinung.
Ein Verband ist eine Gruppe von Menschen mit einem gemeinsamen Ziel.
Die Mitglieder eines Verbands setzen sich gemeinsam für ihr Ziel ein.
Das war in der Vorweihnachts-Zeit.
Viele Organisationen haben den Entwurf trotzdem kritisiert.
Sie sagten: Der Entwurf ist nicht gut genug.
Das sagten zum Beispiel die Sozial-Helden und Ability-Watch.
Auch der Sozial-Verband Deutschland kritisierte den Entwurf.
Der Deutsche Blinden-Verband kritisierte den Entwurf ebenfalls.
Am 11. Februar 2026 hat das Bundes-Kabinett den Entwurf beschlossen.
Das Bundes-Kabinett sind die Minister der Bundes-Regierung.
Die Minister sind die wichtigsten Politiker der Regierung.
Die Kritik der Verbände wurde kaum berücksichtigt.
In einigen Punkten wurde der Entwurf sogar schlechter.
Seitdem gibt es immer mehr Protest.
Am 16. April protestierten Aktivisten vor dem Reichs-Tag.
Ein Aktivist ist eine Person, die etwas ändern will.
Die Person setzt sich aktiv für Veränderungen ein.
Am 5. Mai demonstrierten 4.500 Menschen für Gleich-stellung.
Am 7. Mai fand die erste Lesung des Gesetzes im Bundes-Tag statt.
Bei einer Lesung wird ein Gesetz im Bundes-Tag besprochen.
Die Politiker hören zu und diskutieren darüber.
Die Politiker übergaben den Entwurf an einen Ausschuss.
Ein Ausschuss ist eine kleine Gruppe von Politikern.
Die Gruppe prüft das Gesetz genau.
Auch vor der Tür gab es wieder Protest.
Inzwischen haben über 160.000 Menschen die Petition unterschrieben.
Es gibt noch mehr Menschen, die für die gleichen Ziele kämpfen.
Es gibt auch Kürzungen bei der Eingliederungs-Hilfe.
Eingliederungs-Hilfe bedeutet: Menschen mit Behinderung bekommen Geld und Unterstützung.
Diese Hilfe ermöglicht es, am Leben mitzumachen.
Außerdem gibt es ein neues Pflege-Gesetz.
Das Pflege-Gesetz heißt Pflege-Neuordnungs-Gesetz.
Kurz: PNOG.
Das PNOG ist eine neue Regel vom Staat.
Die Regel legt fest, wie Pflege organisiert und bezahlt wird.
Diese Entscheidungen der Politik bedrohen die Rechte von Menschen mit Behinderung.
Zitate
Nancy Poser, Ability-Watch e. V.:
Der Entwurf ist grundlegend falsch.
Der Entwurf schafft keine echte Barriere-Freiheit für alle.
Der Entwurf regelt nur Einzel-Fälle.
Das bedeutet: Wir müssen in jeder Situation neu kämpfen.
So können wir überhaupt dabei sein.
Auch angemessene Vor-kehrungen sind nicht ein-klagbar.
Vor-kehrungen bedeutet: Man tut vorher etwas, um Probleme zu verhindern.
Ein-klagbar bedeutet: Man kann sein Recht vor Gericht durchsetzen.
Ein Richter entscheidet dann darüber.
Verstöße haben keine Folgen.
Ein Verstoß bedeutet: Jemand hat eine Regel nicht eingehalten.
Das ist kein Fortschritt.
Fortschritt bedeutet: Etwas wird besser als vorher.
Das Gesetz schafft nur neue Ausreden.
René Schaar, Petitions-Starter und Diversity-Manager:
Ein Diversity-Manager sorgt dafür, dass alle Menschen gleich behandelt werden.
Mit Freunden in die Kneipe gehen sollte normal sein.
Mit der Mama zum Arzt gehen sollte normal sein.
Vor 17 Jahren wurde uns Barriere-Freiheit versprochen.
Jetzt muss die Politik dieses Versprechen einlösen.
Kristina Vogel, Olympia-Siegerin und Welt-Meisterin im Rad-Fahren:
Die Politik schränkt Menschen mit Behinderung ein.
Sie können ihr Leben nicht nach eigenen Wünschen gestalten.
Das ist ungerecht.
Die geplante BGG-Reform macht das noch schlimmer.
Samuel Koch, Schauspieler:
Manche Menschen wollen Firmen von Barriere-Freiheit befreien.
Das ist keine gute Idee.
Cafés und Kinos verlieren damit Millionen von möglichen Kunden.
Betroffen sind auch Eltern mit Kinder-Wagen und ältere Menschen.
Und 13 Millionen Menschen mit Behinderung.
Adina Hermann, Sozial-Helden e. V.:
Barriere-Freiheit ist ein Menschen-Recht.
Barriere-Freiheit ist keine unnötige Belastung.
97 von 100 Behinderungen entstehen später im Leben.
Sie entstehen nicht von Geburt an.
Barriere-Freiheit nützt also uns allen.
Sabrina Lorenz, Autorin und Sozial-Arbeiterin:
Jeder Mensch ist wichtig und wertvoll.
Alle Menschen muss man gut und gleich behandeln.
Menschen-Würde bedeutet mehr als nur Überleben.
Sie bedeutet: selbst bestimmt leben und dabei sein.
Die BGG-Reform und Kürzungen bei der Eingliederungs-Hilfe bedrohen das.
Ob jemand mitmachen kann, darf nicht vom Geld abhängen.
Teilhabe bedeutet: Man macht bei etwas mit.
Man gehört dazu und wird nicht ausgeschlossen.
Raúl Krauthausen, Aktivist und Medien-Macher:
Teilhabe-Leistungen werden gestrichen.
Teilhabe-Leistungen sind Hilfen vom Staat.
Diese Hilfen ermöglichen Menschen mit Behinderung, am Leben mitzumachen.
Barriere-Freiheit wird unwichtig gemacht.
Anti-Diskriminierungs-Gesetze werden geschwächt.
Diskriminierung bedeutet: Eine Person wird ungerecht behandelt.
Anti-Diskriminierungs-Gesetze sollen das verhindern.
Das ist ein Angriff auf Menschen mit Behinderung und ihre Familien.
Wir dürfen jetzt nicht schweigen.
Christina Marx, Aktion Mensch:
Der Entwurf erfüllt wichtige Anforderungen nicht.
Der Entwurf sichert keine gleich-berechtigte Teilhabe.
Gleich-berechtigte Teilhabe bedeutet: Alle Menschen können mitmachen.
Alle haben dabei die gleichen Rechte.
Der Entwurf macht Barriere-Freiheit nicht zur Pflicht.
Das schwächt das Vertrauen in die Politik.
Eine starke Demokratie braucht echte Teilhabe für alle.
Demokratie bedeutet auf Deutsch: Herrschaft des Volkes.
Das Volk entscheidet über wichtige Dinge.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen sind dabei und gleich-berechtigt.
Inklusion muss bei jeder politischen Entscheidung eine Rolle spielen.
Wir brauchen klare Ziele für mehr Zugehörigkeit.
Zugehörigkeit bedeutet: Man ist ein Teil von etwas.
Man wird nicht ausgeschlossen.
Im Arbeits-Leben, in der Nachbarschaft und in der Politik.
Weitere Informationen

Foto: AbilityWatch
Berlin (kobinet) Am Montag, den 22. Juni 2026, von 14:00 bis 17:00 Uhr demonstrieren Menschen mit Behinderung, Angehörige, Aktivist*innen und Unterstützer*innen vor dem Paul-Löbe-Haus des Bundestages in Berlin gegen den vorliegenden Entwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG). Parallel findet im Paul-Löbe-Haus die Expert*innen-Anhörung des Bundestags statt, bevor das Gesetz in die abschließenden parlamentarischen Beratungen gehen soll. Unter dem Motto "Mit Behinderung ist zu rechnen" machen die Protestierenden deutlich: Ein Gesetz, das Gleichstellung verspricht, aber Barrierefreiheit nicht verbindlich durchsetzt, bleibt hinter seinem eigenen Anspruch zurück. Die Aktivist*innen kritisieren insbesondere, dass öffentlich zugängliche Angebote der Privatwirtschaft wie etwa ärztliche Praxen, Cafés, Kinos, Restaurants, Veranstaltungsorte oder Geschäfte – weiterhin nicht zur Barrierefreiheit verpflichtet werden sollen.
Bereits mehr als 160.000 Menschen unterstützen die Petition auf innn.it/bgg für eine verbindliche Pflicht zur Barrierefreiheit im BGG. Die Unterzeichner*innen fordern klare, wirksame und durchsetzbare Regelungen, damit Menschen mit Behinderung nicht weiter auf Kulanz und Einzelfalllösungen angewiesen sind.
Hintergrund
Die Zivilgesellschaft hat den Gesetzgebungsprozess von Anfang an kritisch begleitet. Die Reform des BGG stand bereits unter der Ampel-Koalition auf dem Plan, scheiterte jedoch vor dem Koalitionsbruch an internen Blockaden. Die neue Bundesregierung legte am 9. November zwar innerhalb ihres ersten Halbjahres einen Referentenentwurf vor, räumte Verbänden und Organisationen jedoch gerade einmal knapp vier Wochen zur Stellungnahme mitten in der Vorweihnachtszeit ein.
Zahlreiche Organisationen nutzten die knappe Zeit dennoch für scharfe Kritik. So reichten die Sozialheld*innen und AbilityWatch eine gemeinsame Stellungnahme ein, ebenso äußerte sich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband, der SoVD, die LIGA Selbstvertretung, der Deutsche Behindertenrat sowie die Monitoring-Stelle UN-BRK des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Das einhellige Urteil: Der Entwurf verfehle sein Ziel. Trotzdem beschloss das Bundeskabinett am 11. Februar 2026 einen darauf basierenden Regierungsentwurf, der die Kritikpunkte der Verbände nicht nur in weiten Teilen ignorierte, sondern sich in einigen Punkten gegenüber dem Referentenentwurf sogar noch verschlechterte.
Seither wächst der Widerstand: Am 16. April protestierten Aktivist*innen vor dem Reichstag, während die für diesen Tag angesetzte erste Lesung kurzfristig von der Tagesordnung gestrichen wurde. Bei der jährlichen Demonstration zum 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, an der 4.500 Menschen teilnahmen, war die BGG-Reform eines der zentralen Themen. Am 7. Mai, als die erste Lesung schließlich tatsächlich im Bundestag stattfand und der Entwurf an den Ausschuss für Arbeit und Soziales überwiesen wurde, formte sich erneuter Protest vor der Tür. Die Petition mit Forderungen nach verbindlicher Barrierefreiheitspflicht haben inzwischen über 160.000 Menschen unterzeichnet.
Die Proteste sind dabei der politische Auftakt einer größeren Bewegung. Denn die fragwürdige BGG-Reform steht im Kontext anderer Maßnahmen, die den Rechten von Menschen mit Behinderung entgegenstehen und wirft die Frage auf: Werden Menschen mit Behinderung in Deutschland zunehmend vom gleichberechtigten Zugang und verlässlicher Teilhabe ausgeschlossen? Mit den diskutierten Kürzungen bei der Eingliederungshilfe und durch das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) drohen weitere massive Einschränkungen der Selbstbestimmung, Teilhabe und Gleichstellung behinderter Menschen.
Zitate
Nancy Poser, AbilityWatch e. V.:
„Der vorliegende Entwurf hat den grundlegend falschen Ansatz. Er verzichtet darauf, Zugang für alle im Sinne von Barrierefreiheit zu schaffen und beschränkt sich stattdessen auf angemessene Vorkehrungen im Einzelfall. Für uns bedeutet das, dass wir weiter in jeder einzelnen Situation darum kämpfen müssen, überhaupt teilhaben zu können.“
Nancy Poser, AbilityWatch e. V.:
„Wenn selbst angemessene Vorkehrungen nicht wirksam einklagbar sind und Verstöße folgenlos bleiben, dann ist das kein Fortschritt. Dann schafft das Gesetz vor allem neue Ausreden für diejenigen, die Barrierefreiheit weiter aufschieben wollen.“
René Schaar, Petitionsstarter und Diversity Manager:
„Mit Freund*innen in die Kneipe. Mit meiner Mama zum Arzt. Das sollte normal sein. Vor 17 Jahren wurde uns Barrierefreiheit versprochen. Jetzt ist der Moment, dieses Versprechen einzulösen!“
Kristina Vogel, Doppel-Olympiasiegerin und 17-fache Weltmeisterin im Bahnradfahren:
„Wir haben es alle im Kindergarten gelernt: Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg’ auch keinem andern zu! Doch genau das passiert gerade: Behinderte Menschen werden politisch daran gehindert, ihr Leben nach den eigenen Träumen zu gestalten. Ich will nicht mehr als alle anderen auch, doch die geplante BGG-Reform nimmt mir genau das!“
Samuel Koch, Schauspieler:
„Wer private Unternehmer vor Barrierefreiheit bewahren möchte, meint es vielleicht gut, hat aber nicht klug zu Ende gedacht. Bringt Cafés, Kinos und andere Orte um ein wirtschaftsstarkes Millionenpublikum. Und unterdrückt damit Eltern mit Kinderwagen, unsere alternden Eltern, Großeltern und 13 Millionen Menschen mit Behinderung.“
Adina Hermann, Vorständin und Leitung Kommunikation Sozialheld*innen e. V.:
„Barrierefreiheit ist Menschenrecht und keine ‚unverhältnismäßige Belastung‘! Wer mögliche Kosten für die Wirtschaft über Rechte von Menschen mit Behinderung stellt, bringt unser aller Zukunft in Gefahr. 97 Prozent der Behinderungen erwirbt man im Laufe des Lebens, Barrierefreiheit ist Vorsorge für alle. Auch für dich und mich.“
Sabrina Lorenz, Autorin und Sozialarbeiterin:
„Menschenwürde ist mehr als Existenzsicherung: Sie bedeutet selbstbestimmte Teilhabe. Ein Leben nach den eigenen Vorstellungen. Kein Rechenposten im Staatshaushalt. Doch genau das droht uns: BGG-Reform und Kürzungen bei der Eingliederungshilfe machen Teilhabe zur Kontostandsgerechtigkeit.“
Raúl Krauthausen, Aktivist, Autor und Medienmacher:
„Teilhabeleistungen streichen, Barrierefreiheit zum ‚Nice-to-have‘ degradieren, Antidiskriminierungsgesetze verwässern: Der Angriff auf Menschen mit Behinderung und ihre Familien ist in vollem Gange. Wer an uns spart, spart an Menschenrechten. Wir dürfen jetzt nicht leise sein!“
Christina Marx, Aktion Mensch
„Der vorliegende Entwurf verfehlt zentrale Anforderungen an gleichberechtigte Teilhabe, Chancengerechtigkeit und verbindliche Barrierefreiheit und droht damit, das Vertrauen in die politische Umsetzung weiter zu schwächen.“
Christina Marx, Aktion Mensch
„Eine stabile Demokratie braucht echte Teilhabe für alle. Deshalb muss Inklusion als zentrale Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt verpflichtend in allen politischen Entscheidungen verankert werden – wie etwa bei der aktuellen Reform des BGG, das alle Akteur*innen in die Pflicht nehmen muss, Inklusion und Barrierefreiheit umzusetzen. Wir brauchen konkrete Ziele für mehr Zugehörigkeit: in Nachbarschaften, im Arbeitsleben und vor allem in der politischen Umsetzung.“
Weitere Informationen:
- Petition: innn.it/bgg
- Hintergrund und Stellungnahmen: reneschaar.com/bgg
- Demoaufruf von Abilitywatch e.V.: https://abilitywatch.de/demo-am-22-juni-2026-mit-behinderung-ist-zu-rechnen

Foto: AbilityWatch
Berlin (kobinet) Am Montag, den 22. Juni 2026, von 14:00 bis 17:00 Uhr demonstrieren Menschen mit Behinderung, Angehörige, Aktivist*innen und Unterstützer*innen vor dem Paul-Löbe-Haus des Bundestages in Berlin gegen den vorliegenden Entwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG). Parallel findet im Paul-Löbe-Haus die Expert*innen-Anhörung des Bundestags statt, bevor das Gesetz in die abschließenden parlamentarischen Beratungen gehen soll. Unter dem Motto "Mit Behinderung ist zu rechnen" machen die Protestierenden deutlich: Ein Gesetz, das Gleichstellung verspricht, aber Barrierefreiheit nicht verbindlich durchsetzt, bleibt hinter seinem eigenen Anspruch zurück. Die Aktivist*innen kritisieren insbesondere, dass öffentlich zugängliche Angebote der Privatwirtschaft wie etwa ärztliche Praxen, Cafés, Kinos, Restaurants, Veranstaltungsorte oder Geschäfte – weiterhin nicht zur Barrierefreiheit verpflichtet werden sollen.
Bereits mehr als 160.000 Menschen unterstützen die Petition auf innn.it/bgg für eine verbindliche Pflicht zur Barrierefreiheit im BGG. Die Unterzeichner*innen fordern klare, wirksame und durchsetzbare Regelungen, damit Menschen mit Behinderung nicht weiter auf Kulanz und Einzelfalllösungen angewiesen sind.
Hintergrund
Die Zivilgesellschaft hat den Gesetzgebungsprozess von Anfang an kritisch begleitet. Die Reform des BGG stand bereits unter der Ampel-Koalition auf dem Plan, scheiterte jedoch vor dem Koalitionsbruch an internen Blockaden. Die neue Bundesregierung legte am 9. November zwar innerhalb ihres ersten Halbjahres einen Referentenentwurf vor, räumte Verbänden und Organisationen jedoch gerade einmal knapp vier Wochen zur Stellungnahme mitten in der Vorweihnachtszeit ein.
Zahlreiche Organisationen nutzten die knappe Zeit dennoch für scharfe Kritik. So reichten die Sozialheld*innen und AbilityWatch eine gemeinsame Stellungnahme ein, ebenso äußerte sich der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband, der SoVD, die LIGA Selbstvertretung, der Deutsche Behindertenrat sowie die Monitoring-Stelle UN-BRK des Deutschen Instituts für Menschenrechte. Das einhellige Urteil: Der Entwurf verfehle sein Ziel. Trotzdem beschloss das Bundeskabinett am 11. Februar 2026 einen darauf basierenden Regierungsentwurf, der die Kritikpunkte der Verbände nicht nur in weiten Teilen ignorierte, sondern sich in einigen Punkten gegenüber dem Referentenentwurf sogar noch verschlechterte.
Seither wächst der Widerstand: Am 16. April protestierten Aktivist*innen vor dem Reichstag, während die für diesen Tag angesetzte erste Lesung kurzfristig von der Tagesordnung gestrichen wurde. Bei der jährlichen Demonstration zum 5. Mai, dem Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, an der 4.500 Menschen teilnahmen, war die BGG-Reform eines der zentralen Themen. Am 7. Mai, als die erste Lesung schließlich tatsächlich im Bundestag stattfand und der Entwurf an den Ausschuss für Arbeit und Soziales überwiesen wurde, formte sich erneuter Protest vor der Tür. Die Petition mit Forderungen nach verbindlicher Barrierefreiheitspflicht haben inzwischen über 160.000 Menschen unterzeichnet.
Die Proteste sind dabei der politische Auftakt einer größeren Bewegung. Denn die fragwürdige BGG-Reform steht im Kontext anderer Maßnahmen, die den Rechten von Menschen mit Behinderung entgegenstehen und wirft die Frage auf: Werden Menschen mit Behinderung in Deutschland zunehmend vom gleichberechtigten Zugang und verlässlicher Teilhabe ausgeschlossen? Mit den diskutierten Kürzungen bei der Eingliederungshilfe und durch das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) drohen weitere massive Einschränkungen der Selbstbestimmung, Teilhabe und Gleichstellung behinderter Menschen.
Zitate
Nancy Poser, AbilityWatch e. V.:
„Der vorliegende Entwurf hat den grundlegend falschen Ansatz. Er verzichtet darauf, Zugang für alle im Sinne von Barrierefreiheit zu schaffen und beschränkt sich stattdessen auf angemessene Vorkehrungen im Einzelfall. Für uns bedeutet das, dass wir weiter in jeder einzelnen Situation darum kämpfen müssen, überhaupt teilhaben zu können.“
Nancy Poser, AbilityWatch e. V.:
„Wenn selbst angemessene Vorkehrungen nicht wirksam einklagbar sind und Verstöße folgenlos bleiben, dann ist das kein Fortschritt. Dann schafft das Gesetz vor allem neue Ausreden für diejenigen, die Barrierefreiheit weiter aufschieben wollen.“
René Schaar, Petitionsstarter und Diversity Manager:
„Mit Freund*innen in die Kneipe. Mit meiner Mama zum Arzt. Das sollte normal sein. Vor 17 Jahren wurde uns Barrierefreiheit versprochen. Jetzt ist der Moment, dieses Versprechen einzulösen!“
Kristina Vogel, Doppel-Olympiasiegerin und 17-fache Weltmeisterin im Bahnradfahren:
„Wir haben es alle im Kindergarten gelernt: Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg’ auch keinem andern zu! Doch genau das passiert gerade: Behinderte Menschen werden politisch daran gehindert, ihr Leben nach den eigenen Träumen zu gestalten. Ich will nicht mehr als alle anderen auch, doch die geplante BGG-Reform nimmt mir genau das!“
Samuel Koch, Schauspieler:
„Wer private Unternehmer vor Barrierefreiheit bewahren möchte, meint es vielleicht gut, hat aber nicht klug zu Ende gedacht. Bringt Cafés, Kinos und andere Orte um ein wirtschaftsstarkes Millionenpublikum. Und unterdrückt damit Eltern mit Kinderwagen, unsere alternden Eltern, Großeltern und 13 Millionen Menschen mit Behinderung.“
Adina Hermann, Vorständin und Leitung Kommunikation Sozialheld*innen e. V.:
„Barrierefreiheit ist Menschenrecht und keine ‚unverhältnismäßige Belastung‘! Wer mögliche Kosten für die Wirtschaft über Rechte von Menschen mit Behinderung stellt, bringt unser aller Zukunft in Gefahr. 97 Prozent der Behinderungen erwirbt man im Laufe des Lebens, Barrierefreiheit ist Vorsorge für alle. Auch für dich und mich.“
Sabrina Lorenz, Autorin und Sozialarbeiterin:
„Menschenwürde ist mehr als Existenzsicherung: Sie bedeutet selbstbestimmte Teilhabe. Ein Leben nach den eigenen Vorstellungen. Kein Rechenposten im Staatshaushalt. Doch genau das droht uns: BGG-Reform und Kürzungen bei der Eingliederungshilfe machen Teilhabe zur Kontostandsgerechtigkeit.“
Raúl Krauthausen, Aktivist, Autor und Medienmacher:
„Teilhabeleistungen streichen, Barrierefreiheit zum ‚Nice-to-have‘ degradieren, Antidiskriminierungsgesetze verwässern: Der Angriff auf Menschen mit Behinderung und ihre Familien ist in vollem Gange. Wer an uns spart, spart an Menschenrechten. Wir dürfen jetzt nicht leise sein!“
Christina Marx, Aktion Mensch
„Der vorliegende Entwurf verfehlt zentrale Anforderungen an gleichberechtigte Teilhabe, Chancengerechtigkeit und verbindliche Barrierefreiheit und droht damit, das Vertrauen in die politische Umsetzung weiter zu schwächen.“
Christina Marx, Aktion Mensch
„Eine stabile Demokratie braucht echte Teilhabe für alle. Deshalb muss Inklusion als zentrale Voraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt verpflichtend in allen politischen Entscheidungen verankert werden – wie etwa bei der aktuellen Reform des BGG, das alle Akteur*innen in die Pflicht nehmen muss, Inklusion und Barrierefreiheit umzusetzen. Wir brauchen konkrete Ziele für mehr Zugehörigkeit: in Nachbarschaften, im Arbeitsleben und vor allem in der politischen Umsetzung.“
Weitere Informationen:
- Petition: innn.it/bgg
- Hintergrund und Stellungnahmen: reneschaar.com/bgg
- Demoaufruf von Abilitywatch e.V.: https://abilitywatch.de/demo-am-22-juni-2026-mit-behinderung-ist-zu-rechnen





Lesermeinungen