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Wenn Oberbürgermeister Palmer gegen etwas ist, dann bleibt das so

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Schräge am Haupteingang des Deutschen Hygienemuseums in Dresden, das hier alle Stufen zum Eingangsportal ausgleicht
Schräge am Hauteingang des Deutschen Hygienemuseums in Dresden
Foto: H. Smikac

TÜBINGEN (kobinet) Der Diskussionspunkt ist bekannt: Es soll die Para-Sportlerin @carys_crps_fight bei einer Sportler-Ehrung in Tübingen geehrt werden, aber der Raum, und vor allem die Bühne sind nicht barrierefrei. Diese Schräge braucht die Frau im Rollstuhl aber, um auf die Bühne zu kommen. (kobinet hatte darüber berichtet) Wir hatten ebenso darüber informiert, dass durch die Spende eines Unternehmers, das Problem gelöst zu sein schien. Aber das ist eben in Tübingen nicht so. Dort hatte der Oberbürgermeister entschieden, dass es diese Schräge nicht geben kann. Die Schräge nehme zu viel Platz weg, hatte der parteilose Oberbürgermeister dann auch dem Südwestdeutschen Rundfunk mitgeteilt. Also: Wenn Oberbürgermeister Palmer entschieden hat, dann bleibt das trotz der Bereitschaft zu Spenden und vieler Proteste von Verbänden auch so - oder ? Auch falls eine solche Entscheidung einen ganzen Stapel europäischer Entscheidungen und deutscher Gesetze verletzt ?

Die Enttäuschung und Entrüstung über eine solche Entscheidung und Haltung von Oberbürgermeister Palmer ist vielfältig. In einem Post von Janis McDavid stellt dieser zum Beispiel in Facebook fest: „Statt aber eine pragmatische Lösung zu finden, spricht der OB von ,mehr Pragmatismus in diesem Land‘ und merkt offenbar nicht, wie wenig seine Argumentation noch mit echter Problemlösung zu tun hat — und wie sehr sie zunehmend behindertenfeindliche Muster bedient.“

Auch die Auflistung seiner Argumente sind interessante und eigentlich nicht zu ergänzen.

Erste Argumet:“Die Rampe kostet 1.200 €. Während für alle anderen Personen mit 10 € pro Person an Kosten gerechnet wird, fallen hier 1.200 € für eine Person an.“
Gegenargument: „Falsches Narrativ! Nicht Cary verursacht die Kosten, sondern fehlende Barrierefreiheit und falsche Planung! Außerdem werden Grundrechte nicht nach Stückzahl vergeben und von einer Rampe profitieren zukünftig alle.“

Zweites Argument: „Die Bühne ist keine Auszeichnung. Man kann sie doch unten ehren.“
Gegenargument: „Wenn die Bühne keine Rolle spielt, würdet ihr alle unten ehren! Sonst ist es die Inszenierung einer Ungleichbehandlung.“

Drittes Argument: „40 Sitzplätze fallen weg.“
Gegenargument: „Dann ist die Location oder das Bühnenkonzept ungeeignet. Barrierefreiheit ist kein Zusatzdekor, das man gegen Sitzplätze abwägt, sondern eine Planungsanforderung.“

Viertes Argument: „Wir spenden stattdessen 600 €“
Gegenargument: „Eine Spende ersetzt kein Recht! Sie ist schön, aber man kann sich von Gleichbehandlung nicht freikaufen.“

Fünftes Argument: „Deutschland und die Kommunen haben kein Geld mehr.“
Gegenargument: Der Tübinger Haushalt hat 2026 ein Volumen von 449 Millionen €. 1.200 € für eine Rampe sind 0,00027 % davon.

Auch wenn Oberbürgermeister weiter gegen die Schräge ist, deutet sich dennoch eine Lösung an. Die Tübinger Sozialbürgermeisterin Gundula Schäfer-Vogel (SPD) sieht die Sache, wie der SWR in der „Tagesschau“ berichtet, nicht so klar wie Palmer, und berichtet: „Gemeinsam mit Führungskräften aus den Fachbereichen und Cary Hailfinger arbeite sie an einer nachhaltigen Lösung, teilte sie dem SWR mit. Eine Möglichkeit wäre durchaus, dass ein Sponsor die Kosten für eine Rampe oder einen Hublift übernimmt.“

Zugleich bleibt jedoch die Forderung der Para-Sportlerin Cary Hailfinger an die Stadt Tübingen zu unterstützen, eine langfristige Lösung für diese mangelhafte Zugängliche zu finden.