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Pränataltests: Ängste vor Behinderung abbauen und Familien Sicherheit geben

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Foto: privat

Hannover (kobinet) Auf der Tagesordnung der heute am 20. Mai 2026 stattfindenden Sitzung des Bundestagsausschuss für Arbeit und Soziales steht u.a. die abschließende Beratung des Antrags mit dem Titel "Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests – Monitoring der Konsequenzen und Einrichtung eines Gremiums". Vor der Sommerpause werden sich die einzelnen Bundestagsabgeordneten dazu positionieren müssen, wie sie zu einem entsprechenden Monitoring der nicht-invasiven Pränataltests stehen. In einer ersten Debatte zur Einbringung des Antrags zeigten sich schon erhebliche Unterschiede bei den Meinungen der Abgeordneten. Im Vorfeld der heutigen Ausschusssitzung und der anstehenden endgültigen Beratung des Antrags im Bundestagsplenum sprach kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit Jana Petersen-Franke, die sich als eine der Sprecherinnen für Bioehtik der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland, aber auch als behinderte Mutter mit diesem Thema auseinandersetzt.

kobinet-nachrichten: Sie sind eine der Sprecherinnen für Bioethik im Beirat der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL). Warum sind Ihnen bioethische Fragen im Zusammenhang mit dem Thema Behinderung wichtig?

Jana Petersen-Franke: Bioethische Themen spielen in der Selbstvertretung von Menschen mit Behinderung eine wichtige Rolle. Gemeinsam mit Anja Schneider bin ich deshalb Sprecherin für diesen Bereich im ISL-Beirat. Uns ist wichtig, dass die Perspektiven von Menschen mit Behinderung in bioethischen Debatten stärker berücksichtigt werden und diese Themen wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen.

kobinet-nachrichten: Nach einer von Bremen gestarteten Bundesratsinitiative wird im Deutschen Bundestag derzeit ein Antrag mit dem Titel „Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests – Monitoring der Konsequenzen und Einrichtung eines Gremiums“ beraten. Das klingt kompliziert, was ist Ihnen dabei wichtig?

Jana Petersen-Franke: Mir ist wichtig, dass daraus keine einfache Ja-oder-Nein-Entscheidung wird. Vielmehr sollte genauer geschaut werden, wie häufig der Bluttest angewandt wird, wie die Beratung und Aufklärung stattfinden und welche Konsequenzen sich daraus für unterschiedliche Altersgruppen der Mütter ergeben. Ich halte deshalb ein Monitoring der Auswirkungen für sinnvoll. Es gibt bereits Hinweise darauf, dass der Test bei jüngeren Schwangeren fehleranfälliger sein kann. Das sollte aus meiner Sicht Anlass sein, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls nachzusteuern. Wichtig ist dabei auch, die gesellschaftlichen und ethischen Auswirkungen stärker in den Blick zu nehmen.

kobinet-nachrichten: Sie haben eigene Erfahrungen in der Beratung während Ihrer Schwangerschaft in Sachen Pränataltest gemacht. Was haben Sie erlebt?

Jana Petersen-Franke: Ich habe den Test während meiner zweiten Schwangerschaft selbst durchführen lassen. Im Nachhinein muss ich allerdings sagen, dass ich nicht besonders gut aufgeklärt wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass zum Beispiel die Fehleranfälligkeit des Tests deutlicher angesprochen wird. Erst später wurde ich darüber informiert. Zudem wurde festgestellt, dass mein Sohn einen bestätigten Klumpfuß haben würde, und sehr schnell stand die Frage einer Abtreibung im Raum. Das fand ich ziemlich anmaßend. Gerade auch als Mutter mit Behinderung konnte ich diese Fragestellung in meiner Situation nicht nachvollziehen. Die Ärzte wussten zudem, dass ich in der Beratung für behinderte Menschen tätig bin.

kobinet-nachrichten: Was erwarten Sie sich von den Bundestagsabgeordneten, wenn der Antrag im Bundestag wahrscheinlich noch vor der parlamentarischen Sommerpause debattiert und beschlossen wird?

Jana Petersen-Franke: Ich wünsche mir, dass die Abgeordneten sich umfassend informieren und eine rationale Entscheidung treffen. Sie sollten nicht einfach die Sichtweisen einzelner Lobbyverbände übernehmen, sondern auch über den Tellerrand hinausblicken und die Perspektiven von Menschen mit Behinderung sowie betroffenen Familien berücksichtigen.

kobinet-nachrichten: Sie leben selbst mit einer Behinderung, was möchten Sie den Bundestagsabgeordneten mit auf den Weg geben, wenn diese demnächst ihre persönliche Gewissensentscheidung zu dem Antrag zu nicht-invasiven Pränataltests treffen müssen?

Jana Petersen-Franke: Als Mutter und Frau mit Behinderung ist mir wichtig, dass die Selbstbestimmung der Frau im Mittelpunkt steht und es eine gute Aufklärung gibt. Gleichzeitig würde ich dem Antrag zustimmen, weil es dabei vor allem um ein Monitoring und eine genauere Abfrage der Auswirkungen des Tests geht. Gerade deshalb halte ich es für wichtig, genauer hinzuschauen, wie Beratung und Aufklärung stattfinden und welche gesellschaftlichen Folgen sich daraus ergeben. Bei Diagnosen wie einem Klumpfuß halte ich es jedoch nicht für notwendig, sofort ein „Abtreibungsgespräch“ zu führen. Viel wichtiger wäre es aus meiner Sicht, Eltern zu stärken, sie zu ermutigen und ihnen Informationen sowie Unterstützungsangebote an die Hand zu geben. Ziel sollte sein, Ängste vor Behinderung abzubauen und Familien Sicherheit zu geben.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Link zur Bundestags-Drucksache mit dem Antrag