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BBuD warnt vor Folgen der Honorarkürzungen psychotherapeutischer Leistungen

Man mit gesenktem Kopf, den er vor Schmertzen mit einer Hand hält
Auch seelische Leiden sind eine Einschränkung der Gesundheit
Foto: geralt In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

NEUSS (kobinet) Die geplanten Honorarkürzungen für psychotherapeutische Leistungen stoßen beim Bundesverband Burnout und Depression e. V. (BBuD) auf deutliche Kritik. Der Verband sieht die Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen in Deutschland zunehmend unter Druck und fürchtet spürbare Verschlechterungen für Betroffene und ihre Angehörigen. Der erweiterte Bewertungsausschuss hat am 11. März 2026 beschlossen, die Vergütung für ambulante Psychotherapie pauschal um 4,5 Prozent ab 1. April 2026 zu senken.

KBV-Vorstandsvorsitzender Dr. Andreas Gassen kündigte daraufhin Klage an und nannte den Beschluss eine „fatale Entscheidung, [die] psychisch kranke Menschen und die Psychotherapeuten massiv benachteiligt“. Er betonte, dass die wirtschaftliche Situation vieler Praxen durch steigende Kosten ohnehin unter Druck stehe. Für gesetzlich Versicherte hat die Kürzung unmittelbare Folgen: Da die Vergütung für privat Versicherte und Selbstzahlende deutlich höher ist, besteht die Annahme, dass Psychotherapiepraxen vermehrt Privatpatientinnen und Privatpatienten bevorzugen, was die bestehenden Engpässe verschärft.

Rund 17,8 Millionen Menschen in Deutschland erfüllen im Jahresverlauf die Kriterien einer psychischen Erkrankung – mehr als jeder vierte Erwachsene (DGPPN-Basisdaten, 2025). Zugleich sind Therapieplätze knapp und Wartezeiten lang: Patientinnen und Patienten warten im Schnitt durchschnittlich rund 20 Wochen auf einen Therapieplatz (BPtK, 2023). Der BBuD fürchtet, dass für Betroffene, die schon heute oft monatelang ausharren müssen, bis sie ambulante Unterstützung erhalten, die Versorgungslücke größer wird.

Auch die Psychotherapeutenkammern kritisieren die Maßnahme, da ambulante Psychotherapie rund ein Prozent der Gesamtkosten der Gesetzlichen Krankenversicherung ausmacht, aber einen hohen gesellschaftlichen Nutzen hat. Selbsthilfe ist für viele Betroffene existenziell und wird durch den Honorarbeschluss noch wichtiger. Statistiken zeigen, dass bundesweit weniger als 1 Prozent der Versicherten innerhalb eines Jahres eine Psychotherapie beginnt – die meisten müssen sich anderweitig behelfen. Der BBuD bietet themenzentrierte Selbsthilfegruppen für Menschen mit Depressionen und Burnout an, in denen sich Betroffene und Angehörige austauschen können. Selbsthilfegruppen können eine Lücke schließen, wenn ärztliche Angebote fehlen: Sie ersetzen zwar keine Therapie, entlasten aber in akuten Krisen und vermitteln Orientierung. Vor diesem Hintergrund betont der BBuD, dass die Arbeit der Selbsthilfe in der aktuellen Lage besonders nötig ist.