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Die Antwort zur Lösung aller Probleme lautet…

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Foto: Kooperation Behinderter im Internet e.V./Tom Kallmeyer (Creative Commons BY-SA 4.0)

Villmar-Weyer (kobinet) Karfreitag, den 03.04.2026, 11.30 Uhr. Gerade wird mir bewusst, dass ich den 1. April verpennt habe, ohne meine Umwelt und speziell die geschätzten Leser*innen der kobinet-Nachricht mit lustigen Scherzen belästigt zu haben. Stattdessen sitze ich vor einem Tortendiagramm des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) aus der Tagesschau. Mit Tortendiagrammen komme ich gut klar. Das liegt an meiner Affinität zu Buttercremetorten meiner Tante Christa. Da möchte ich stets ein Stück vom Kuchen abbekommen und teile ungern.

Die GKV-Torte soll verdeutlichen, wie viel was die gesetzlichen Krankenkassen kostet. Am meisten machen die Krankenhausbehandlungen aus, gefolgt von den Arzneimitteln und den ärztlichen Behandlungen. Über ein Viertel der Torte bleibt jedoch grau und wird auch in der Tagesschau nicht weiter erläutert. Das muss der Teil der Kosten sein, den die Krankenkassen sich selbst kosten. Also die Vorstandsgehälter, die Immobilien und u.a. auch die Personalkosten der Sachbearbeiterin, die mich fast wöchentlich anruft, um mir entweder die digitale Gesundheitskarte zu erklären oder mich von einer Zusatzzahnversicherung zu überzeugen, die ich mir nicht leisten kann. Auf meine Gesundheitsfragen kann sie nicht antworten. „Sie sei keine Medizinerin“, entschuldigt sie sich. Auch zur Gesundheitsreform und zum Tortendiagramm will sie sich nicht äußern. Meine Anregungen, doch mal die deutsche Pharmaindustrie (die teuerste in ganz Europa) zu hinterfragen oder die Privatversicherten in die gesetzliche Krankenversicherung zu integrieren, um einer Zweiklassenmedizin entgegenzuwirken, verhallen unkommentiert.  Als ich sie nach dem Jahresgehalt des Vorstandes ihrer Krankenkasse frage, möchte sie das Thema wechseln. Trotz  meines Einwandes, ihr Unternehmen werbe doch mit größtmöglicher Transparenz, möchte sie jetzt lieber über Tortenrezepte reden. Darauf ist mir allerdings im Laufe des Gesprächs der Appetit vergangen.

Dabei hätte ich noch so einiges zum Thema zu sagen gehabt. Ich wäre gerne Mitglied der Expertenkommission zur Gesundheitsreform gewesen. „Jeder ist der Experte seiner selbst“, heißt es in der Behindertenhilfe. Da wäre ich als chronisch kranker, gesetzlich Versicherter aus den unteren Einkommensschichten geradezu repräsentativ.

Auch zum Thema Wehrpflicht, hätte ich eine Lösung gehabt. Alle deutschen Menschen ab 18 Jahren werden zu 18 Monaten Sozialdienst verpflichtet. Wer dies aus Gewissensgründen ablehnt, wird zum Wehrdienst herangezogen. Das hätte, ganz neoliberal ausgedrückt, einen Synergieeffekt erzeugt. Es hätte die Pflegekrise entschärft und die Bundeswehr hätte in den Sozialverweiger*innen ein riesiges Potenzial und ganz andere disziplinarische Ausbildungsmöglichkeiten: „Auf Befehlsverweigerung steht Smartphoneentzug.“ So bekommt man eine Truppe in den Griff!

Ich fordere alle Landwirte auf, gegen die hohen Dieselpreise zu demonstrieren! Schwingt Euch auf Eure Traktoren und blockiert irgendwas! Damit ich spätestens im Mai wieder mit meinem Wohnmobil durch Europa düsen kann. Da nützt weder eine höhere Pendlerpauschale noch ein Deutschlandticket.

Wobei die aktuelle Energiekrise doch einen bemerkenswerten Effekt hat:

Eine deutsche Regierung ist handlungsfähig! Sie hat in nur einer Woche ein Gesetz erarbeitet, beschlossen und umgesetzt.

„Ping!“ Seit dem 1. April gilt es. Kein Scherz! Keine Expertenkommission, keine Arbeitsgruppe, keine Hemmnisse durch den Föderalismus. Auch wenn es höchstens der Mineralölindustrie nutzt. Wenn es um den Spritpreis geht, läuft die zuständige Ministerin Reiche (deren Name irgendwie Programm zu sein scheint) zur Höchstform auf. Man stelle sich vor, die Umsetzung der UN-BRK, das Bundesteilhabegesetz oder das Bundesgleichstellungsgesetz, wären annähernd pragmatisch durchgesetzt worden – wo stünden wir heute?

Aber vielleicht hat Ministerin Reiche ja auch die künstliche Intelligenz (KI) zur Hilfe genommen, deren rasanter Fortschritt allerorts Besorgnis hervorruft.

Dabei besorgt mich eher der rasante Rückschritt der natürlichen Intelligenz (NI). Weltpolitisch ohnehin. Aber wie man bei einer Landtags- oder Kommunalwahl aus Unzufriedenheit über die SPD, die AfD wählen kann anstatt die Linke oder die Grünen, erschließt sich mir nicht. Selbst eine Google-Anfrage tendiert hier in meine Richtung.

Sei’s drum. Andere Wa(h)le(n) bestimmen die mediale Aufmerksamkeit. Timmy, der Buckelwal, scheint aus nachvollziehbaren Gründen beschlossen zu haben, nicht mehr durch die verschmutzten Weltmeere zu dümpeln.

Damit erhält er, gefühlt ein Vielfaches an Sendezeit und Titelseiten wie die 38 Bootsflüchtlinge, die etwa im gleichen Zeitraum im Mittelmeer ertrunken sind. Sie haben sich, aus nicht weniger nachvollziehbaren Gründen, selbst von einem Herrn Dobrinth nicht abschrecken lassen, Ihre Familien und Ihr Heimatland zu verlassen, um in Europa eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben zu ergreifen.

Karfreitag, den 03.04.2026, 14.30 Uhr. Jetzt wird es Zeit für ein Stück von Tante Christas Buttercremetorte. Fastenzeit geht zu Ende.