Menu Close

Zuerst der Wal, dann der Wolf und jetzt ist auch noch der Bär los

Bild eines Bären
Bild eines Bären
Foto: Simonecappe91 In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen

Berlin (kobinet) Die Verirrungen und Verwirrungen in der Tierwelt beherrschten die Nachrichten in den letzten Tagen. Zuerst verirrte sich ein Wal in die Ostsee und lief wiederholt auf Grund. Dann verirrte sich ein Wolf in die Hamburger Innenstadt und griff in einem Shopping-Center sogar eine Frau an, bevor er später von der Polizei aus dem Wasser gezogen und gerettet wurde. Und nun erreichte die kobinet-nachrichten ein Hinweis aus Berlin. Dort scheint nun der Bär los zu sein. Seit dem Morgen des 1. April 2026 hat sich dort anscheinend ein Bär im Büro der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) häuslich eingerichtet und das Büro besetzt. "Bei uns ist der Bär los", hieß es aus gut informierten Kreisen aus dem Umfeld der ISL. Und dies habe nichts damit zu tun, dass in der Geschäftsstelle der Selbstvertretungsorganisation seit dem Kabinettsbeschluss zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und den unsäglichen Diskussionen so mancher Politiker*innen zu den Kosten der Eingliederungshilfe ohnehin der Bär los sei. Es handele sich um einen richtigen Bär, der sich zudem furchtbar über die Behindertenpolitik der Bundesregierung und der Regierungskoaltion aus CDU/CSU und SPD aufrege. Da wieder mal der Aufzug länger kaputt sei, sieht die ISL nur sehr geringe Chancen, dass der Bär so schnell wieder abzieht. Daher habe die ISL kurzerhand beschlossen, Anfang Mai in neue Räumlichkeiten umzuziehen.

„So können wir nicht arbeiten“, teilte eine Mitarbeiterin der ISL mit, die ihren Namen nicht nennen wollte. Denn sie sei eigentlich tierlieb, doch wenn so ein Bär los sei, könne man sich nicht konzentrieren. Der rege sich im Minutentakt darüber auf, wie Deutschland mit der UN-Behindertenrechtskonvention umgeht. Denn was für die Menschen schlecht sei, sei auch für die Tiere nicht gut. Der Bär habe nämlich einen Hund als Freund, oder besser gesagt einen potentiellen Assistenzhund. Und das sei unsäglich, dass es hier aufgrund der miserablen BGG-Reform immer noch keine Anerkennung für ihn gäbe. So müsse er öfter draußen bleiben und das sei bei der belasteten Luft in Berlin gar nicht gut für ihn. Der Hund müsse dann mit Rollstuhlnutzer*innen draußen sitzen, die ebenfalls aufgrund der Barrieren nicht rein kämen.

„Wir ziehen um!“ heißt es daher vonseiten der ISL-Geschäftsführung. „Wenn ständig der Bär los ist, brauchen wir andere und bessere Räume. Vor allem brauchen wir die Nähe von Menschen und Organisationen, die die UN-Behindertenrechtskonvention in diesen Zeiten ernst nehmen.“ Daher entfernt sich die ISL zukünftig von ihrem Standort geografisch etwas weiter weg vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem nahe gelegenen Justizministerium, hin zum Deutschen Institut für Menschenrechte. „Wir ziehen Anfang Mai in die Zimmerstraße, denn dort ist auch die Monitoringstelle zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention angesiedelt“, betonte eine ISL-Vertreterin.

Da der Bär aufgrund seiner Aufregung über die massiven Ausnahmen für Unternehmen in Sachen Barrierefreiheit im Gesetzentwurf für die Änderung des Bundesteilhabegesetzes so unruhig sei, wäre mit ihm derzeit nicht gut Kirschen essen. So kann auch niemand genau sagen, ob er im ISL-Büro bleiben wolle oder wie er schon angebrummt habe, den Weg Richtung Bundestag einschlägt. Denn dort sei es höchste Zeit, dass da auch mal ein Bär los sei, bei den bisherigen Rückmeldungen aus den Reihen von CDU/CSU und SPD, aus denen immer noch keine konkreten Reformzusagen zum BGG-Gesetzentwurf zu vernehmen sind.

„Wir verstehen den Bär gut und sind an seiner Seite. Denn manchmal muss einfach der Bär los sein. Vielleicht marschiert er ja am Europäischen Protesttag für die Gleichstellung behinderter Menschen am 5. Mai bei der Demonstration in Berlin mit?“, hieß es aus dem Umfeld derjenigen, die versucht haben, mit dem Bären zu kommunizieren. „Wir hätten nie gedacht, dass ein Gesetzentwurf, der zugegebenermaßen miserabel ist, dafür sorgen kann, dass der Bär so los ist“, heißt es abschließend aus gut informierten Kreisen aus dem Umfeld der ISL.

Lesermeinungen

Bitte beachten Sie unsere Regeln in der Netiquette, unsere Nutzungsbestimmungen und unsere Datenschutzhinweise.

Sie müssen angemeldet sein, um eine Lesermeinung verfassen zu können. Sie können sich mit einem bereits existierenden Disqus-, Facebook-, Google-, Twitter-, Microsoft- oder Youtube-Account schnell und einfach anmelden. Oder Sie registrieren sich bei uns, dazu können Sie folgende Anleitung lesen: Link
2 Lesermeinungen
Neueste
Älteste
S. Riedl
01.04.2026 17:35

Ottmar, du kannst mir nichts Weißmachen und einen Bären zum 1. April kannst du mir auch nicht aufbinden.

Wobei ich sagen muss, dass das schon bärenstark ist. Da steppt der Bär ja fast richtig

Silvia Hauser
01.04.2026 11:09

Wow, bärenstark, echtes „Allyship“, was der Bär da inszeniert!

Bärig angetan ist Hans-Willi