
Foto: Henning Schacht
Berlin (kobinet) "Viele Menschen mit Trisomie 21 besuchen eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, doch die Bezahlung ist nicht wertschätzend und die Möglichkeiten, in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu wechseln, sind sehr begrenzt. Tatsächlich schaffen nur weniger als ein Prozent der Personen, die in einer Werkstatt arbeiten, den Wechsel auf den allgemeinen Arbeitsmarkt! Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag einige Punkte vereinbart, die die Arbeit in der Werkstatt und die Übergänge in den allgemeinen Arbeitsmarkt verbessern sollen." Diese klaren Worte fand Jürgen Dusel zum World-Down-Syndrom-Tag, der am 21. März 2026 begangen wurde. Er betonte in einem Facebook-Post, dass er genau beobachten werde, ob die Vereinbarungen im Koalitionsvertrag auch umgesetzt werden.
Die Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag zum Thema Werkstatt für Menschen mit Behinderungen, die Jürgen Dusel in seinem Facebook-Post aufführt, sind:
– bessere Durchlässigkeit zwischen beruflicher Rehabilitation, Werkstätten für behinderte Menschen, Inklusionsbetrieben und allgemeinem Arbeitsmarkt
– mehr Menschen aus den Werkstätten sollen auf den Arbeitsmarkt wechseln können – wenn sie es wünschen
– Nachteilsausgleiche sollen auch bei Übergängen in den allgemeinen Arbeitsmarkt erhalten bleiben
– das Budget für Arbeit soll durch bessere Nachteilsausgleiche für Werkstattbeschäftigte sowie durch mehr Beratung für Arbeitgeber attraktiver gemacht werden
– die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen sollen erhalten bleiben und reformiert werden
– stärkere Ausrichtung des Berufsbildungsbereichs auf den allgemeinen Arbeitsmarkt statt ausschließlich auf die Werkstattbeschäftigung
– das Werkstattentgelt soll verbessert werden
Link zum Facebook-Post von Jürgen Dusel
Passend zum Thema berichteten die kobinet-nachrichten vor kurzem darüber, dass die Filmemacherin Mareike Müller in Wien mit einem renommierten Medienpreis für ihren Fernsehbeitrag „Wir wollen mehr – Arbeit ohne Barrieren“ ausgezeichnet wurde.
Link zum kobinet-Bericht über die Auszeichnung von Mareike Müller





Wer hat’s gewusst:
„Die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen werden wir intensivieren. Wir wollen, dass mehr von ihnen die Möglichkeit haben, ausserhalb von Werkstätten für behinderte Menschen ihren Lebensunterhalt im allgemeinen Arbeitsmarkt erarbeiten zu können.“
So lautete es bereits im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD vom 11.11.2005 – also vor 21 (!!!) Jahren.
Seitdem hatten alle Regierungen nicht den Mumm oder Ambition einer wirklichen Änderung der Situation in den Werkstätten aufgebracht.