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Die Zeit drängt – umstrittene Bluttestpraxis endlich wissenschaftlich prüfen

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Foto: Kooperation Behinderter im Internet e.V./Tom Kallmeyer (Creative Commons BY-SA 4.0)

Berlin (kobinet) Am 20. März 2026 bringt die interfraktionelle Gruppe Pränataldiagnostik bereits zum zweiten Mal einen Antrag in den Bundestag ein, der ein wissenschaftliches Monitoring der Folgen der Kassenzulassung des nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) auf die Trisomien 13, 18 und 21 sowie die Einrichtung eines neuen Gremiums zur Prüfung der Zulassung weiterer Tests fordert. Der erste Anlauf scheiterte am vorzeitigen Aus der Regierungskoalition in der letzten Legislatur. Beinahe vier Jahre ist es her, dass der nicht-invasive Pränataltest (kurz NIPT) auf die Trisomien 13, 18 und 21 zur Kassenleistung wurde – entgegen aller Bedenken und Proteste von Behindertenrechtsaktivist*innen, Elternvertreter*innen und kritischer Zivilgesellschaft, heißt es in einer Presseinformation des Bündnis gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien* - NoNIPT.

„Die politischen Entscheidungsträger*innen waren sich damals einig: der Test dürfe nicht zu einem Massenscreening werden. Doch es wurden weder Maßnahmen implementiert, um eben das zu verhindern, noch wurden die Auswirkungen der Kassenfinanzierung des NIPT jemals wissenschaftlich überprüft! Abrechnungsdaten der BARMER legen nahe, dass Schwangere den Test als Teil der Regelversorgung begreifen. Im ersten Halbjahr 2024 nutzte fast die Hälfte der Schwangeren den Test. Anders, als bei der Begründung für die Kassenfinanzierung ins Feld geführt, konnte auch die Zahl der invasiven Untersuchungen nicht gesenkt werden“, heißt es weiter in der Presseinformation des Bündnis.

„Die Daten deuten darauf hin, dass die Testpraxis genau das wird, was sie nicht sein sollte: ein Screening, vor allem auf das Downsyndrom. Es ist unverantwortlich, dass eine Entscheidung mit einer solchen Tragweite und einer so gravierenden normativen Wirkung nicht von Anfang an an eine wissenschaftliche Überprüfung gekoppelt wurde.“, so Claudia Heinkel vom Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik.

„Die Zeit drängt. Je länger es diese Tests gibt, desto mehr wird Selektion normalisiert und desto schwieriger wird es, das wieder einzufangen. Es muss in einer Demokratie möglich sein, die Folgen einer Entscheidung wissenschaftlich überprüfen zu lassen. Und dann aufgrund der Faktenlage gegebenenfalls auch umzusteuern.“, fügt Vera Bläsing von der Elterninitiative BM 3X21 hinzu.

Das Bündnis gegen die Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien* – NoNIPT fordert die Bundestagsabgeordneten auf, für das Monitoring abzustimmen. Das sei kein Randtermin, den man bei schönem Wetter ausfallen lasse. Und auch kein Thema, bei dem man sage: das ist nicht mein Fachgebiet. Hier gehe es um die Frage, ob wir den Umgang mit Behinderung in unserer Gesellschaft auf diffuse Ängste bauen wollen oder auf die Füße von Respekt und wissenschaftlichen Fakten stellen. „Informieren Sie sich! Sprechen Sie mit Selbstvertreter*innen und anderen Expert*innen. Und mit Ihren Parteikolleg*innen“, so der Appell des Bündnis.