BERLIN (kobinet)
Diese Woche fand in Berlin eine große Fach-Konferenz statt.
Bei einer Fach-Konferenz treffen sich viele Fach-Leute.
Sie reden über ein bestimmtes Thema.
Das Thema war: Urlaub ohne Hindernisse für alle Menschen.
Die Konferenz heißt: Tag des barriere-freien Tourismus.
Tourismus bedeutet: Menschen reisen und machen Urlaub.
Barriere-freier Tourismus bedeutet: Alle Menschen können verreisen.
Auch Menschen mit Behinderungen können überall hin reisen.
Die Konferenz dauerte rund 6 Stunden.
Die Konferenz fand im City Cube der Berliner Messe statt.
Der City Cube ist ein großes Gebäude in Berlin.
Die Konferenz war ein Teil der ITB Berlin.
ITB Berlin bedeutet: Internationale Tourismus-Börse.
Die ITB Berlin ist eine große Messe in Berlin.
Dort zeigen viele Firmen ihre Reise-Angebote.
Viele Fach-Leute aus aller Welt waren dabei.
Es war die 14. Veranstaltung dieser Art.
Eine Veranstaltung ist ein Treffen von Menschen.
Zum Beispiel ein Konzert oder eine Feier.
Fach-Leute aus vielen Ländern hielten Vorträge.
Bei einem Vortrag spricht eine Person vor anderen Menschen.
Die Person erklärt etwas zu einem bestimmten Thema.
Sie kamen aus den USA, Groß-Britannien und den Nieder-landen.
Außerdem kamen Fach-Leute aus Australien, Chile, Griechenland und Ecuador.
Sie berichteten über gute Beispiele aus ihren Ländern.
In Deutschland gibt es schon gute Angebote für barriere-freies Reisen.
Zum Beispiel im Humboldt-Forum in Berlin.
Das Humboldt-Forum ist ein großes Kultur-Gebäude im Berliner Schloss.
Auch die Festung Königstein in Sachsen hat barriere-freie Angebote.
Im Lausitzer Seen-Land kann man barriere-frei am Wasser erholen.
Es wurde aber auch über Probleme gesprochen.
Noch immer gibt es zu wenig barriere-freie Angebote.
Dr. Christoph Ploß ist Koordinator der Bundes-Regierung für Tourismus.
Koordinator bedeutet: Eine Person ordnet Abläufe und die Zusammen-Arbeit.
Dr. Ploß sprach ein Gruß-Wort auf der Konferenz.
Er sagte: Es gibt noch sehr viel zu tun.
John Sage ist ein Reise-Veranstalter aus den USA.
Ein Reise-Veranstalter plant Urlaubs-Reisen für andere Menschen.
Er kümmert sich um Hotel, Fahrt und Programm.
Er sagte: In 30 Jahren hat sich wenig verändert.
Fortschritte kamen sehr langsam.
Professor Dimitrios Buhalis kommt aus Griechenland.
Er lehrt an einer Uni im englischen Bournemouth.
Er sagte: Barriere-freier Tourismus ist noch ein Nischen-Thema.
Nischen-Thema bedeutet: Das Thema ist nur für wenige Menschen wichtig.
Barriere-freier Tourismus ist noch nicht im normalen Reise-Markt angekommen.
Der Reise-Markt umfasst alle Angebote rund ums Reisen.
Dort kaufen Menschen Reisen und Urlaube.
Eine Studie zeigte: Barriere-freier Tourismus hat großes Potential.
Potential bedeutet: Es könnten viel mehr Reisende und Einnahmen möglich sein.
Diese Erkenntnis ist seit mehr als 20 Jahren bekannt.
Trotzdem wurde sie bisher kaum genutzt.
Alle Rednerinnen und Redner nannten auch positive Punkte.
Es gibt in Deutschland viele gute Beispiele für barriere-freies Reisen.
Die Bundes-Regierung hat eine neue Tourismus-Strategie.
Tourismus-Strategie bedeutet: Ein Plan zur Weiter-Entwicklung des Tourismus in Deutschland.
Barriere-Freiheit ist ein wichtiger Teil dieses Plans.
Barriere-Freiheit bedeutet: Alle Menschen können etwas benutzen.
Niemand wird ausgeschlossen.
Dr. Ploß sagte: Er arbeitet gerne mit allen zusammen.
Er will barriere-freien Tourismus fördern.
Die Anbieter von Reise-Angeboten sind überzeugt:
Barriere-Freiheit ist keine kleine Zusatz-Aufgabe.
Sie ist eine große und wichtige Aufgabe.
Barriere-Freiheit muss die gesamte Service-Kette umfassen.
Service-Kette bedeutet: Alle Schritte einer Reise von der Buchung bis zur Rückkehr.
Dafür braucht es ein breites Netz-Werk und Unterstützung vor Ort.
Ein Netz-Werk ist eine Gruppe von Menschen.
Die Menschen haben den gleichen Beruf oder ein gemeinsames Ziel.
Ein weiteres Thema war Künstliche Intelligenz.
Künstliche Intelligenz wird auch KI genannt.
KI bedeutet: Computer-Programme, die selbst denken und lernen können.
KI kann beim barriere-freien Reisen helfen.
Auch virtuelle Räume wurden besprochen.
Virtuelle Räume sind Orte am Computer.
Diese Orte gibt es nur im Internet.
Außerdem wurden Wearables besprochen.
Wearables sind kleine Computer.
Man trägt sie am Körper, zum Beispiel als Uhr.
Es gibt in Deutschland ein Info-System namens Reisen für Alle.
Dieses System listet barriere-freie Reise-Angebote auf.
Es ist auch ein Zertifizierungs-System.
Zertifizierungs-System bedeutet: Angebote werden geprüft.
Sie bekommen dann ein Güte-Zeichen.
Ein Güte-Zeichen zeigt: Dieses Angebot ist gut und geprüft.
Menschen können dem Angebot vertrauen.
Alle deutschen Redner wollen dieses System ausbauen.
Derzeit gibt es in Deutschland rund 650.000 touristische Angebote.
Touristische Angebote sind Ausflüge und Reisen für Besucher.
Zum Beispiel Stadt-Führungen oder Museen.
Davon sind weniger als 3.000 im System Reisen für Alle erfasst.
Bei den Hotels sind es weniger als 2 Prozent.
André Nowak ist Sprecher der Arbeits-Gemeinschaft Tourismus beim Deutschen Behinderten-Rat.
Eine Arbeits-Gemeinschaft ist eine Gruppe von Menschen.
Sie arbeiten zusammen an einem gemeinsamen Ziel.
Der Deutsche Behinderten-Rat setzt sich für die Rechte von Menschen mit Behinderung ein.
Er wird auch DBR genannt.
André Nowak sagte: Das Info-System ist für Menschen mit Behinderungen kaum nutzbar.
Beim 3. Welt-Gipfel des barriere-freien Tourismus wurden wichtige Punkte genannt.
Welt-Gipfel bedeutet: Ein großes internationales Treffen von Fach-Leuten.
Der Welt-Gipfel fand in Turin statt.
Turin ist eine Stadt in Italien.
Erstens: Es braucht genaue und verlässliche Daten zu barriere-freien Angeboten.
Das System Reisen für Alle könnte dafür ein guter Weg sein.
Zweitens: Menschen im Tourismus müssen besser ausgebildet werden.
Barriere-freier Tourismus ist kein Pflicht-Thema in der Tourismus-Ausbildung.
Bei einer Tourismus-Ausbildung lernst du, wie du anderen Menschen beim Reisen hilfst.
Das muss sich ändern.
Fehlende Kenntnisse blockieren die Barriere-Freiheit.
Die Kobinet-Redaktion wird die weiteren Entwicklungen verfolgen.
Kobinet ist ein deutsches Nach-Richten-Portal für Menschen mit Behinderungen.
Ein Nach-Richten-Portal ist eine Internet-Seite.
Dort kannst du aktuelle Meldungen und Berichte lesen.
Die Arbeits-Gemeinschaft Tourismus beim DBR hat konkrete Vorschläge gemacht.
Vorschlag 1: Der DBR soll Sitz und Stimme im neuen Tourismus-politischen Forum bekommen.
Das Tourismus-politische Forum ist ein Gremium.
Gremium bedeutet: Eine Gruppe von Fach-Leuten berät und entscheidet gemeinsam.
Vorschlag 2: Ein Master-Plan für barriere-freien Tourismus soll erarbeitet werden.
Master-Plan bedeutet: Ein großer Plan für die Zukunft mit klaren Zielen.
Vorschlag 3: Im Bundes-Wirtschafts-Ministerium soll eine Ansprech-Person geschaffen werden.
Das Bundes-Wirtschafts-Ministerium ist ein Amt in Deutschland.
Dort arbeiten Menschen für Firmen und Arbeits-Plätze.
Anmerkung 1 zu OSSATE:
OSSATE war ein europäisches Projekt.
Es lief von 2005 bis 2007.
Griechenland und Groß-Britannien hatten es angestoßen.
Ziel war eine Plattform mit Infos zu barriere-freien Reise-Zielen.
Plattform bedeutet: Eine Internet-Seite oder App.
Dort finden Menschen Informationen und können sich austauschen.
Die Arbeit wurde im Europäischen Netz-Werk für barriere-freien Tourismus weiter-geführt.
Dieses Netz-Werk heißt ENAT.
Es setzt sich dafür ein, dass alle Menschen reisen können.

Foto: DZT
BERLIN (kobinet) Am Rande der Internationalen Tourismus Börse ITB hatte in dieser Woche wieder im City Cube der Berliner Messe der Tag des barrierefreien Tourismus stattgefunden. Von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) gemeinsam mit dem Länderarbeitskreis "Tourismus für Alle" , der Arbeitsgemeinschaft "Leichter Reisen - barrierefreie Urlaubsziele in Deutschland" und der AG Tourismus beim Deutschen Behindertenrat (DBR) vorbereitet, ist es insgesamt eine gute Veranstaltung geworden. In ihr wurden viele Erfahrungen beim Gestalten barrierefreier touristischer Angebote vermittelt, Fortschritte auf diesem Weg aufgezeigt und Rückstände ebenso benannt. Insgesamt also eine rund sechs Stunden andauernde Fachkonferenz, die Anlass zur Hoffnung auf weitere barrierefreie touristische Erlebnisse macht.
Kurz gesagt ()
Der 14. Tag des barrierefreien Tourismus auf der ITB Berlin zeigte zwar positive Ansätze und gute Beispiele, offenbarte aber auch erhebliche Rückstände: Obwohl die wirtschaftlichen Potentiale seit über 20 Jahren bekannt sind, sind von 650.000 touristischen Angeboten in Deutschland nicht einmal 3.000 in der Datenbank "Reisen für alle" erfasst – weniger als 2 Prozent der Hotels. Internationale Experten bestätigten, dass sich in 30 Jahren kaum etwas verändert hat und barrierefreier Tourismus immer noch eine Nische ist. Die Bundesregierung signalisierte zwar Unterstützung, doch wir von der kobinet-Redaktion werden aufmerksam verfolgen, ob die Hoffnungen in konkrete Verbesserungen münden – insbesondere bei der Einbindung des Deutschen Behindertenrats, einem Masterplan und einer kompetenten Ansprechperson im Bundeswirtschaftsministerium.
Durch das Auftreten von Referenten aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Australien, Chile, Griechenland und Ecuador war dieser 14. Tag des barrierefreien Tourismus zugleich eine Veranstaltung, welche sich bemühte, weltweit vorhandene Erfahrungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Fachkonferenz zugänglich zu machen. Diesem Blick auf alles was international im barrierefreien Tourismus geschieht trugen die Veranstalter auch im Übernehmen der zentrale Punkte der 3. Weltkonferenz des barrierefreien Tourismus in die Leitlinien der Diskussion Rechnung.
Präsentationen deutscher Referentinnen und Referenten haben anschaulich gemacht, dass es, zum Beispiel bei barrierefreien Kulturangeboten im Humboldtforum des Berliner Schlosses oder in der sächsischen Festung Königsstein, beziehungsweise für Erholungsmöglichkeiten am Wasser im Lausitzer Seenland, auch in Deutschland barrierefreie touristische Angebote gibt, die es Wert sind, herausgestellt zu werden und anderen viele wertvoller Erfahrungen vermitteln können.
Also besonders positiv haben es wohl alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung empfunden, dass auch auf Rückstände in der Entwicklung des barrierefreien Tourismus hingewiesen wurde. So hatte auch der Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Dr. Christoph Ploß, in seinem Grußwort darauf verwiesen, dass noch sehr viel zu tun ist.
Dieser Ansatz wurde in der Veranstaltung von Gästen aus dem Ausland aufgenommen. So hatte der Reiseveranstalter aus den USA, John Sage, seine Ausführungen mit der Einschätzung eingeleitet, in dem Thema hätte sich eigentlich seit 30 Jahren nichts verändert und Fortschritte hätten sich eigentlich sehr langsam entwickelt. Der aus Griechenland stammende Professor an der Universität im englischen Bournemouth, Dimitrios Buhalis, stellte in seinen Ausführungen fest, dass wir immer noch in einer Nische wären und längst noch nicht auf dem Markt. „Wir diskutieren etwas was wir bereits bei OSSATE (1) getan haben“, sagte Professor Buhalis.
Auch beim Blick auf die von der DZT vorgestellte Studie „Mobilitäts- und Barrierefreiheitsanforderungen von Reisenden aus Europa“, welche die wirtschaftlichen Potentiale des barrierefreien Tourismus aufzeigte, muss diesen Gedanken wohl jeder zustimmen, der die im Auftrage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gefertigte Studie „Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus“ kennt. Sie war im Dezember 2003 präsentiert worden. Die wirtschaftlichen Potentiale eines barrierefreien Tourismus sind also bereits seit mehr als 20 Jahren bekannt und dennoch in nicht wesentlichem Umfang erschlossen.
Bei allen unbedingt zu benennenden Rückständen und Mängeln ist hervorzuheben, dass dieser Tag des barrierefreien Tourismus Anlass für ein schnelles Voranschreiten beim Gestalten barrierefreier touristischer Angebote gibt. In dem Zusammenhang ist hervorzuheben:
- ) Es gibt in Deutschland sehr viele gute Beispiele für barrierefreie touristische Angebote.
- ) Der Koordinator der Bundesregierung hatte betont, dass
– die Bundesregierung in der neuen Tourismusstrategie die Bedeutung von Barrierefreiheit und Inklusion hervor hebt,
– die Bundesregierung mit den Investitionen auch die Umwelt barrierefrei gestalten wolle,
– es die Bereitschaft des Koordinator der Bundesregierung gibt, eng mit allen zusammenzuarbeiten, die für den barrierefreien Tourismus tätig sind, auch mit der AG Tourismus des DBR. - ) In den Präsentationen wurde durchgängig die Überzeugung der Anbieter deutlich, Barrierefreiheit nicht als kleines Zusatzangebot zu verstehen, sondern als komplexe Aufgabe, die auch Barrierefreiheit entlang der gesamten Servicekette zielt, ein möglichst breites Netzwerk sowie auch die Zustimmung in den Kommunen braucht.
Zu den nächsten Aufgaben des Tourismus zählt, wie der Tag des barrierefreien Tourismus deutlich gezeigt hat, die Potentiale von KI, der Nutzung des Einsatzes von virtuellen Räumen und sogenannter „Wearable“ für barrierefreien Tourismus. Im Verlaufe der Aussprache war deutlich geworden, dass dies ein weiterer Prüfstein der Zusammenarbeit der touristischen Anbieter, der Entwickler dieser „künstlichen Intelligenz“ sowie mit Touristen und Verbänden der Selbstvertretung sein wird, geht es dabei doch darum, das gesamte Umfeld zu entwickeln und dies zugleich als barrierefreies Angebot auszugestalten.
Während des Tages des barrierefreien Tourismus haben sich alle deutschen Diskussionsredner dazu bekannt, das System „Reisen für alle“ als deutschlandweites Informations- und Zertifizierungssystem auszubauen. Auch hier wartet viel Arbeit, denn gegenwärtig sind von den rund 650.000 Angeboten in der touristischen Servicekette in Deutschland nicht einmal 3.000 Angebote in der Datenbank erfasst sind. Von den Hotels sind es nicht einmal 2 Prozent. André Nowak, der Sprecher der AG Tourismus beim DBR hatte in dem Zusammenhang festgestellt: „Deshalb ist das für Menschen mit Behinderungen so wichtige Informationssystem kaum zu gebrauchen.“
Als Schlussfolgerung war des 3. Weltgipfels des barrierefreien Tourismus in Turin war die Bedeutung von detaillierten und verlässlichen Daten über den Ist-Zustand bei der Barrierefreiheit von möglichst allen Angeboten in der gesamten touristischen Servicekette als wichtigster Anspruch herausgestellt worden. Mit „Reisen für Alle“ könnte Deutschland da auf einem guten Weg sein. An zweiter Stelle wurde in Turin die Qualifizierung der im Tourismus Beschäftigten für das Thema betont. Da das Thema „Barrierefreier Tourismus“ nicht obligatorischer Teil der Tourismusausbildung ist, dürfte es hier noch einiges zu tun zu geben, um zu verhindern, dass Barrierefreiheit der Angebote und Bedingungen nicht durch Wissensbarrieren blockiert wird.
Bleibt zu hoffen, dass die vorgestellte Studie und alle präsentierten Erfahrungen die mindestens gleiche Aufmerksamkeit finden wie im Jahr 2003 die ADAC Planungshilfe für Tourismus-Praktiker zur erfolgreichen Entwicklung barrierefreier Angebote „Barrierefreier Tourismus für Alle“ und die mit dieser Veranstaltung gestärkten Hoffnung zu möglichst vielen weiteren Reise- und Urlaubsmöglichkeiten führen, die für alle ohne Barrieren erlebbar sind.
Wir von der kobinet-Redaktion werden aufmerksam verfolgen, wie sich der Schwung und die Hoffnung auf weitere barrierefreie touristische Angebote in weiteren Verbesserungen wiederfindet – und auch dann darüber berichten. Zu den ersten Punkte zählen wir dabei die Vorschläge der AG Tourismus des DBR,
- dem Deutsche Behindertenrat in dem neu zu schaffenden „Tourismuspolitischen Forum“ Sitz und Stimme zu gehen,
- einen Masterplan zur Entwicklung des barrierefreien Tourismus mit möglichst vielen Partnern zu erarbeiten
- und im Tourismusreferat des Bundeswirtschaftsministeriums eine kompetente Ansprechperson für das Thema zu schaffen.
Anmerkung 1: Auf Initiative von Griechenland und Großbritannien in den Jahren 2005 bis 2007 bearbeitetes europäisches Projekt, welches zum Ziel hatte, den Prototyp einer Multifunktionsplattform für nationale und regionale Inhalte mit Informationen zu barrierefreien Reisezielen, Orten und Unterkünften zu schaffen. Die Arbeit dieses Projektes wurde später in das Europäische Netzwerk für Barrierefreien Tourismus – ENAT weitergeführt.

Foto: DZT
BERLIN (kobinet) Am Rande der Internationalen Tourismus Börse ITB hatte in dieser Woche wieder im City Cube der Berliner Messe der Tag des barrierefreien Tourismus stattgefunden. Von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) gemeinsam mit dem Länderarbeitskreis "Tourismus für Alle" , der Arbeitsgemeinschaft "Leichter Reisen - barrierefreie Urlaubsziele in Deutschland" und der AG Tourismus beim Deutschen Behindertenrat (DBR) vorbereitet, ist es insgesamt eine gute Veranstaltung geworden. In ihr wurden viele Erfahrungen beim Gestalten barrierefreier touristischer Angebote vermittelt, Fortschritte auf diesem Weg aufgezeigt und Rückstände ebenso benannt. Insgesamt also eine rund sechs Stunden andauernde Fachkonferenz, die Anlass zur Hoffnung auf weitere barrierefreie touristische Erlebnisse macht.
Kurz gesagt ()
Der 14. Tag des barrierefreien Tourismus auf der ITB Berlin zeigte zwar positive Ansätze und gute Beispiele, offenbarte aber auch erhebliche Rückstände: Obwohl die wirtschaftlichen Potentiale seit über 20 Jahren bekannt sind, sind von 650.000 touristischen Angeboten in Deutschland nicht einmal 3.000 in der Datenbank "Reisen für alle" erfasst – weniger als 2 Prozent der Hotels. Internationale Experten bestätigten, dass sich in 30 Jahren kaum etwas verändert hat und barrierefreier Tourismus immer noch eine Nische ist. Die Bundesregierung signalisierte zwar Unterstützung, doch wir von der kobinet-Redaktion werden aufmerksam verfolgen, ob die Hoffnungen in konkrete Verbesserungen münden – insbesondere bei der Einbindung des Deutschen Behindertenrats, einem Masterplan und einer kompetenten Ansprechperson im Bundeswirtschaftsministerium.
Durch das Auftreten von Referenten aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Australien, Chile, Griechenland und Ecuador war dieser 14. Tag des barrierefreien Tourismus zugleich eine Veranstaltung, welche sich bemühte, weltweit vorhandene Erfahrungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Fachkonferenz zugänglich zu machen. Diesem Blick auf alles was international im barrierefreien Tourismus geschieht trugen die Veranstalter auch im Übernehmen der zentrale Punkte der 3. Weltkonferenz des barrierefreien Tourismus in die Leitlinien der Diskussion Rechnung.
Präsentationen deutscher Referentinnen und Referenten haben anschaulich gemacht, dass es, zum Beispiel bei barrierefreien Kulturangeboten im Humboldtforum des Berliner Schlosses oder in der sächsischen Festung Königsstein, beziehungsweise für Erholungsmöglichkeiten am Wasser im Lausitzer Seenland, auch in Deutschland barrierefreie touristische Angebote gibt, die es Wert sind, herausgestellt zu werden und anderen viele wertvoller Erfahrungen vermitteln können.
Also besonders positiv haben es wohl alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung empfunden, dass auch auf Rückstände in der Entwicklung des barrierefreien Tourismus hingewiesen wurde. So hatte auch der Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Dr. Christoph Ploß, in seinem Grußwort darauf verwiesen, dass noch sehr viel zu tun ist.
Dieser Ansatz wurde in der Veranstaltung von Gästen aus dem Ausland aufgenommen. So hatte der Reiseveranstalter aus den USA, John Sage, seine Ausführungen mit der Einschätzung eingeleitet, in dem Thema hätte sich eigentlich seit 30 Jahren nichts verändert und Fortschritte hätten sich eigentlich sehr langsam entwickelt. Der aus Griechenland stammende Professor an der Universität im englischen Bournemouth, Dimitrios Buhalis, stellte in seinen Ausführungen fest, dass wir immer noch in einer Nische wären und längst noch nicht auf dem Markt. „Wir diskutieren etwas was wir bereits bei OSSATE (1) getan haben“, sagte Professor Buhalis.
Auch beim Blick auf die von der DZT vorgestellte Studie „Mobilitäts- und Barrierefreiheitsanforderungen von Reisenden aus Europa“, welche die wirtschaftlichen Potentiale des barrierefreien Tourismus aufzeigte, muss diesen Gedanken wohl jeder zustimmen, der die im Auftrage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gefertigte Studie „Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus“ kennt. Sie war im Dezember 2003 präsentiert worden. Die wirtschaftlichen Potentiale eines barrierefreien Tourismus sind also bereits seit mehr als 20 Jahren bekannt und dennoch in nicht wesentlichem Umfang erschlossen.
Bei allen unbedingt zu benennenden Rückständen und Mängeln ist hervorzuheben, dass dieser Tag des barrierefreien Tourismus Anlass für ein schnelles Voranschreiten beim Gestalten barrierefreier touristischer Angebote gibt. In dem Zusammenhang ist hervorzuheben:
- ) Es gibt in Deutschland sehr viele gute Beispiele für barrierefreie touristische Angebote.
- ) Der Koordinator der Bundesregierung hatte betont, dass
– die Bundesregierung in der neuen Tourismusstrategie die Bedeutung von Barrierefreiheit und Inklusion hervor hebt,
– die Bundesregierung mit den Investitionen auch die Umwelt barrierefrei gestalten wolle,
– es die Bereitschaft des Koordinator der Bundesregierung gibt, eng mit allen zusammenzuarbeiten, die für den barrierefreien Tourismus tätig sind, auch mit der AG Tourismus des DBR. - ) In den Präsentationen wurde durchgängig die Überzeugung der Anbieter deutlich, Barrierefreiheit nicht als kleines Zusatzangebot zu verstehen, sondern als komplexe Aufgabe, die auch Barrierefreiheit entlang der gesamten Servicekette zielt, ein möglichst breites Netzwerk sowie auch die Zustimmung in den Kommunen braucht.
Zu den nächsten Aufgaben des Tourismus zählt, wie der Tag des barrierefreien Tourismus deutlich gezeigt hat, die Potentiale von KI, der Nutzung des Einsatzes von virtuellen Räumen und sogenannter „Wearable“ für barrierefreien Tourismus. Im Verlaufe der Aussprache war deutlich geworden, dass dies ein weiterer Prüfstein der Zusammenarbeit der touristischen Anbieter, der Entwickler dieser „künstlichen Intelligenz“ sowie mit Touristen und Verbänden der Selbstvertretung sein wird, geht es dabei doch darum, das gesamte Umfeld zu entwickeln und dies zugleich als barrierefreies Angebot auszugestalten.
Während des Tages des barrierefreien Tourismus haben sich alle deutschen Diskussionsredner dazu bekannt, das System „Reisen für alle“ als deutschlandweites Informations- und Zertifizierungssystem auszubauen. Auch hier wartet viel Arbeit, denn gegenwärtig sind von den rund 650.000 Angeboten in der touristischen Servicekette in Deutschland nicht einmal 3.000 Angebote in der Datenbank erfasst sind. Von den Hotels sind es nicht einmal 2 Prozent. André Nowak, der Sprecher der AG Tourismus beim DBR hatte in dem Zusammenhang festgestellt: „Deshalb ist das für Menschen mit Behinderungen so wichtige Informationssystem kaum zu gebrauchen.“
Als Schlussfolgerung war des 3. Weltgipfels des barrierefreien Tourismus in Turin war die Bedeutung von detaillierten und verlässlichen Daten über den Ist-Zustand bei der Barrierefreiheit von möglichst allen Angeboten in der gesamten touristischen Servicekette als wichtigster Anspruch herausgestellt worden. Mit „Reisen für Alle“ könnte Deutschland da auf einem guten Weg sein. An zweiter Stelle wurde in Turin die Qualifizierung der im Tourismus Beschäftigten für das Thema betont. Da das Thema „Barrierefreier Tourismus“ nicht obligatorischer Teil der Tourismusausbildung ist, dürfte es hier noch einiges zu tun zu geben, um zu verhindern, dass Barrierefreiheit der Angebote und Bedingungen nicht durch Wissensbarrieren blockiert wird.
Bleibt zu hoffen, dass die vorgestellte Studie und alle präsentierten Erfahrungen die mindestens gleiche Aufmerksamkeit finden wie im Jahr 2003 die ADAC Planungshilfe für Tourismus-Praktiker zur erfolgreichen Entwicklung barrierefreier Angebote „Barrierefreier Tourismus für Alle“ und die mit dieser Veranstaltung gestärkten Hoffnung zu möglichst vielen weiteren Reise- und Urlaubsmöglichkeiten führen, die für alle ohne Barrieren erlebbar sind.
Wir von der kobinet-Redaktion werden aufmerksam verfolgen, wie sich der Schwung und die Hoffnung auf weitere barrierefreie touristische Angebote in weiteren Verbesserungen wiederfindet – und auch dann darüber berichten. Zu den ersten Punkte zählen wir dabei die Vorschläge der AG Tourismus des DBR,
- dem Deutsche Behindertenrat in dem neu zu schaffenden „Tourismuspolitischen Forum“ Sitz und Stimme zu gehen,
- einen Masterplan zur Entwicklung des barrierefreien Tourismus mit möglichst vielen Partnern zu erarbeiten
- und im Tourismusreferat des Bundeswirtschaftsministeriums eine kompetente Ansprechperson für das Thema zu schaffen.
Anmerkung 1: Auf Initiative von Griechenland und Großbritannien in den Jahren 2005 bis 2007 bearbeitetes europäisches Projekt, welches zum Ziel hatte, den Prototyp einer Multifunktionsplattform für nationale und regionale Inhalte mit Informationen zu barrierefreien Reisezielen, Orten und Unterkünften zu schaffen. Die Arbeit dieses Projektes wurde später in das Europäische Netzwerk für Barrierefreien Tourismus – ENAT weitergeführt.




