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Tag des barrierefreien Tourismus gibt erneut Anlass zur Hoffnung

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Mann in dunklem Anzug und hellem Hemd am Rednerpult. Dahinter ein großes Videobild mit seinem Portraitfoto und der IText-nformation über ihn
André Nowak, Sprecher der AG Tourismus während seines Grußwortes zum tag des barrierefreien Tourismus
Foto: DZT

BERLIN (kobinet) Am Rande der Internationalen Tourismus Börse ITB hatte in dieser Woche wieder im City Cube der Berliner Messe der Tag des barrierefreien Tourismus stattgefunden. Von der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) gemeinsam mit dem Länderarbeitskreis "Tourismus für Alle" , der Arbeitsgemeinschaft "Leichter Reisen - barrierefreie Urlaubsziele in Deutschland" und der AG Tourismus beim Deutschen Behindertenrat (DBR) vorbereitet, ist es insgesamt eine gute Veranstaltung geworden. In ihr wurden viele Erfahrungen beim Gestalten barrierefreier touristischer Angebote vermittelt, Fortschritte auf diesem Weg aufgezeigt und Rückstände ebenso benannt. Insgesamt also eine rund sechs Stunden andauernde Fachkonferenz, die Anlass zur Hoffnung auf weitere barrierefreie touristische Erlebnisse macht.

Kurz gesagt ()

Der 14. Tag des barrierefreien Tourismus auf der ITB Berlin zeigte zwar positive Ansätze und gute Beispiele, offenbarte aber auch erhebliche Rückstände: Obwohl die wirtschaftlichen Potentiale seit über 20 Jahren bekannt sind, sind von 650.000 touristischen Angeboten in Deutschland nicht einmal 3.000 in der Datenbank "Reisen für alle" erfasst – weniger als 2 Prozent der Hotels. Internationale Experten bestätigten, dass sich in 30 Jahren kaum etwas verändert hat und barrierefreier Tourismus immer noch eine Nische ist. Die Bundesregierung signalisierte zwar Unterstützung, doch wir von der kobinet-Redaktion werden aufmerksam verfolgen, ob die Hoffnungen in konkrete Verbesserungen münden – insbesondere bei der Einbindung des Deutschen Behindertenrats, einem Masterplan und einer kompetenten Ansprechperson im Bundeswirtschaftsministerium.

Durch das Auftreten von Referenten aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden, Australien, Chile, Griechenland und Ecuador war dieser 14. Tag des barrierefreien Tourismus zugleich eine Veranstaltung, welche sich bemühte, weltweit vorhandene Erfahrungen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dieser Fachkonferenz zugänglich zu machen. Diesem Blick auf alles was international im barrierefreien Tourismus geschieht trugen die Veranstalter auch im Übernehmen der zentrale Punkte der 3. Weltkonferenz des barrierefreien Tourismus in die Leitlinien der Diskussion Rechnung.

Präsentationen deutscher Referentinnen und Referenten haben anschaulich gemacht, dass es, zum Beispiel bei barrierefreien Kulturangeboten im Humboldtforum des Berliner Schlosses oder in der sächsischen Festung Königsstein, beziehungsweise für Erholungsmöglichkeiten am Wasser im Lausitzer Seenland, auch in Deutschland barrierefreie touristische Angebote gibt, die es Wert sind, herausgestellt zu werden und anderen viele wertvoller Erfahrungen vermitteln können.

Also besonders positiv haben es wohl alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung empfunden, dass auch auf Rückstände in der Entwicklung des barrierefreien Tourismus hingewiesen wurde. So hatte auch der Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, Dr. Christoph Ploß, in seinem Grußwort darauf verwiesen, dass noch sehr viel zu tun ist.

Dieser Ansatz wurde in der Veranstaltung von Gästen aus dem Ausland aufgenommen. So hatte der Reiseveranstalter aus den USA, John Sage, seine Ausführungen mit der Einschätzung eingeleitet, in dem Thema hätte sich eigentlich seit 30 Jahren nichts verändert und Fortschritte hätten sich eigentlich sehr langsam entwickelt. Der aus Griechenland stammende Professor an der Universität im englischen Bournemouth, Dimitrios Buhalis, stellte in seinen Ausführungen fest, dass wir immer noch in einer Nische wären und längst noch nicht auf dem Markt. „Wir diskutieren etwas was wir bereits bei OSSATE (1) getan haben“, sagte Professor Buhalis.
Auch beim Blick auf die von der DZT vorgestellte Studie „Mobilitäts- und Barrierefreiheitsanforderungen von Reisenden aus Europa“, welche die wirtschaftlichen Potentiale des barrierefreien Tourismus aufzeigte, muss diesen Gedanken wohl jeder zustimmen, der die im Auftrage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit gefertigte Studie „Ökonomische Impulse eines barrierefreien Tourismus“ kennt. Sie war im Dezember 2003 präsentiert worden. Die wirtschaftlichen Potentiale eines barrierefreien Tourismus sind also bereits seit mehr als 20 Jahren bekannt und dennoch in nicht wesentlichem Umfang erschlossen.

Bei allen unbedingt zu benennenden Rückständen und Mängeln ist hervorzuheben, dass dieser Tag des barrierefreien Tourismus Anlass für ein schnelles Voranschreiten beim Gestalten barrierefreier touristischer Angebote gibt. In dem Zusammenhang ist hervorzuheben:

  1. ) Es gibt in Deutschland sehr viele gute Beispiele für barrierefreie touristische Angebote.
  2. ) Der Koordinator der Bundesregierung hatte betont, dass
    – die Bundesregierung in der neuen Tourismusstrategie die Bedeutung von Barrierefreiheit und Inklusion hervor hebt,
    –  die Bundesregierung mit den Investitionen auch die Umwelt barrierefrei gestalten wolle,
    – es die Bereitschaft des Koordinator der Bundesregierung gibt, eng mit allen zusammenzuarbeiten, die für den barrierefreien Tourismus tätig sind, auch mit der AG Tourismus des DBR.
  3. ) In den Präsentationen wurde durchgängig die Überzeugung der Anbieter deutlich, Barrierefreiheit nicht als kleines Zusatzangebot zu verstehen, sondern als komplexe Aufgabe, die auch Barrierefreiheit entlang der gesamten Servicekette zielt, ein möglichst breites Netzwerk sowie auch die Zustimmung in den Kommunen braucht.

Zu den nächsten Aufgaben des Tourismus zählt, wie der Tag des barrierefreien Tourismus deutlich gezeigt hat, die Potentiale von KI, der Nutzung des Einsatzes von virtuellen Räumen und sogenannter „Wearable“ für barrierefreien Tourismus. Im Verlaufe der Aussprache war deutlich geworden, dass dies ein weiterer Prüfstein der Zusammenarbeit der touristischen Anbieter, der Entwickler dieser „künstlichen Intelligenz“ sowie mit Touristen und Verbänden der Selbstvertretung sein wird, geht es dabei doch darum, das gesamte Umfeld zu entwickeln und dies zugleich als barrierefreies Angebot auszugestalten.

Während des Tages des barrierefreien Tourismus haben sich alle deutschen Diskussionsredner dazu bekannt, das System „Reisen für alle“ als deutschlandweites Informations- und Zertifizierungssystem auszubauen. Auch hier wartet viel Arbeit, denn gegenwärtig sind von den rund 650.000 Angeboten in der touristischen Servicekette in Deutschland nicht einmal 3.000 Angebote in der Datenbank erfasst sind. Von den Hotels sind es nicht einmal 2 Prozent. André Nowak, der Sprecher der AG Tourismus beim DBR hatte in dem Zusammenhang festgestellt: „Deshalb ist das für Menschen mit Behinderungen so wichtige Informationssystem kaum zu gebrauchen.“

Als Schlussfolgerung war des 3. Weltgipfels des barrierefreien Tourismus in Turin war die Bedeutung von detaillierten und verlässlichen Daten über den Ist-Zustand bei der Barrierefreiheit von möglichst allen Angeboten in der gesamten touristischen Servicekette als wichtigster Anspruch herausgestellt worden. Mit „Reisen für Alle“ könnte Deutschland da auf einem guten Weg sein. An zweiter Stelle wurde in Turin die Qualifizierung der im Tourismus Beschäftigten für das Thema betont. Da das Thema „Barrierefreier Tourismus“ nicht obligatorischer Teil der Tourismusausbildung ist, dürfte es hier noch einiges zu tun zu geben, um zu verhindern, dass Barrierefreiheit der Angebote und Bedingungen nicht durch Wissensbarrieren blockiert wird.

Bleibt zu hoffen, dass die vorgestellte Studie und alle präsentierten Erfahrungen die mindestens gleiche Aufmerksamkeit finden wie im Jahr 2003 die ADAC Planungshilfe für Tourismus-Praktiker zur erfolgreichen Entwicklung barrierefreier Angebote „Barrierefreier Tourismus für Alle“ und die mit dieser Veranstaltung gestärkten Hoffnung zu möglichst vielen weiteren Reise- und Urlaubsmöglichkeiten führen, die für alle ohne Barrieren erlebbar sind.

Wir von der kobinet-Redaktion werden aufmerksam verfolgen, wie sich der Schwung und die Hoffnung auf weitere barrierefreie touristische Angebote in weiteren Verbesserungen wiederfindet – und auch dann darüber berichten. Zu den ersten Punkte zählen wir dabei die Vorschläge der AG Tourismus des DBR,

  • dem Deutsche Behindertenrat in dem neu zu schaffenden „Tourismuspolitischen Forum“ Sitz und Stimme zu gehen,
  • einen Masterplan zur Entwicklung des barrierefreien Tourismus mit möglichst vielen Partnern zu erarbeiten
  • und im Tourismusreferat des Bundeswirtschaftsministeriums eine kompetente Ansprechperson für das Thema zu schaffen.

 

 

Anmerkung 1: Auf Initiative von Griechenland und Großbritannien in den Jahren 2005 bis 2007 bearbeitetes europäisches Projekt, welches zum Ziel hatte, den Prototyp einer Multifunktionsplattform für nationale und regionale Inhalte mit Informationen zu barrierefreien Reisezielen, Orten und Unterkünften zu schaffen. Die Arbeit dieses Projektes wurde später in das Europäische Netzwerk für Barrierefreien Tourismus – ENAT weitergeführt.