Dillingen (kobinet)
Behinderten-Organisationen denken sich Aktionen aus.
Diese Aktionen sollen zeigen, wie es ist, behindert zu sein.
Zum Beispiel fuhren Bürger-Meister mit Roll-Stühlen durch die Stadt.
Ab-geordnete trugen Dunkel-Brillen.
Ab-geordnete vertreten Menschen in der Politik.
Sie sprechen für Bürger im Parlament.
Das Parlament ist eine Versammlung.
Volks-Vertreter machen dort Gesetze.
Studierende erlebten, wie es ist, schlecht zu hören.
Die Gewerkschaft ver.di hat gestreikt.
Eine Gewerkschaft ist ein Verein für Arbeiter.
Die Gewerkschaft kämpft für bessere Bedingungen.
Streiken bedeutet: Arbeiter hören auf zu arbeiten.
ver.di hat Busse und Bahnen gestoppt.
Viele Menschen konnten nicht mehr fahren.
Manche mussten mit dem Taxi fahren.
Das kostet mehr Geld.
Viele behinderte Menschen kennen das schon.
Sie können oft nicht einfach Bus oder Bahn nutzen.
Das ist für sie kein besonderer Tag.
Das ist ihr Alltag.
Nico Wunderle schreibt einen Kommentar darüber.
Ein Kommentar ist eine persönliche Meinung zu einem Thema.
Nico Wunderle schreibt für die kobinet-Nachrichten.
Er fährt selbst jeden Tag Bus und Bahn.
Verkehr und soziale Gerechtigkeit sind ihm wichtig.
Soziale Gerechtigkeit bedeutet: Alle Menschen sollen gleiche Chancen haben.
Streik-Recht verteidigen – Macht-Verhältnisse sichtbar machen
Kommentar von Nico Wunderle
Streiks sind ein wichtiges Mittel.
Mit Streiks kämpfen Arbeiter für ihre Rechte.
Streiks zeigen, wer Macht hat.
Macht-Verhältnisse bedeutet: Wer hat mehr zu sagen?
Und wer hat weniger zu sagen?
Das Recht zu streiken ist sehr wichtig.
Dieses Recht darf nicht weggenommen werden.
Gewerkschaften schützen Arbeiter vor mächtigen Firmen.
Sie sind wichtig für die Gesellschaft.
Eine Gesellschaft ist eine Gruppe von Menschen.
Die Menschen leben zusammen.
Aber Streiks treffen nicht alle Menschen gleich.
Manche Menschen haben mehr Möglichkeiten als andere.
Das zeigt sich bei Streiks im Nah-Verkehr.
Nah-Verkehr bedeutet: Busse und Bahnen in der Stadt.
Wer ein Auto hat, kann ausweichen.
Wer sich ein Taxi leisten kann, kommt ans Ziel.
Für viele andere Menschen geht das nicht.
Diese Menschen brauchen Bus und Bahn.
Ohne Bus und Bahn können sie nicht teilnehmen.
Verkehr ist ungleich verteilt.
Auf dem Land gibt es weniger Busse und Bahnen.
Das ist eine Form von Ungerechtigkeit.
Ungerechtigkeit bedeutet: Nicht alle Menschen werden gleich behandelt.
Manche Menschen bekommen weniger als andere.
Das gilt nicht nur während eines Streiks.
Das ist immer so.
Wer Alternativen hat, bleibt beweglich.
Alternativen bedeutet: Man hat mehrere Möglichkeiten.
Wer keine Alternativen hat, sitzt fest.
Das ist kein persönliches Problem.
Das ist ein Problem für alle Menschen.
Wenn Busse und Bahnen streiken, entsteht eine Frage.
Wer kann sich noch bewegen?
Wer muss zu Hause bleiben?
Das hängt von Geld und Möglichkeiten ab.
Für manche ist ein Streik lästig.
Für andere ist ein Streik ein Ausschluss vom Alltag.
Ausschluss bedeutet: Jemand darf nicht mit-machen.
Die Person muss draußen bleiben.
Besonders schwer trifft es manche Gruppen.
Zum Beispiel Menschen mit Behinderungen.
Zum Beispiel ältere Menschen.
Zum Beispiel Menschen mit wenig Geld.
Diese Menschen können Termine nicht wahrnehmen.
Sie können nicht zur Arbeit oder zum Arzt kommen.
Das wird in der Öffentlichkeit oft nicht besprochen.
Öffentlichkeit bedeutet: Was alle Menschen sehen und hören.
Streiks wirken so, als ob sie alle gleich treffen.
Aber das stimmt nicht.
Menschen ohne Alternativen tragen die größte Last.
Sie können aber nichts an den Verhandlungen ändern.
Bei Verhandlungen sprechen Menschen miteinander.
Sie suchen gemeinsam eine Lösung.
Diese Kritik richtet sich nicht gegen Gewerkschaften.
Gewerkschaften stehen für Solidarität.
Solidarität bedeutet: Füreinander eintreten.
Menschen helfen sich gegenseitig.
Deshalb sollten Gewerkschaften auch diese Fragen bedenken.
Starke Gewerkschaften nehmen solche Fragen ernst.
Streik-Recht verteidigen und Streiks hinterfragen passen zusammen.
Eine gute Streik-Politik muss mehr bedenken.
Sie muss fragen: Wen trifft dieser Streik besonders hart?
Solidarität endet nicht bei der eigenen Berufs-Gruppe.
Eine Berufs-Gruppe sind Menschen mit dem gleichen Beruf.
Zum Beispiel alle Ärzte oder alle Lehrer.
Für manche Menschen ist ein Streik Protest.
Für andere ist ein Streik Still-Stand.
Still-Stand bedeutet hier: Das Leben geht nicht weiter.
Die Person kommt nicht von der Stelle.

Foto: privat
Dillingen (kobinet) Behindertenorganisationen haben sich schon so manche bewusstseinsbildende Selbsterfahrungsaktivitäten ausgedacht, um nichtbehinderten Menschen näher zu bringen, was es bedeutet mit einer Behinderung zu leben oder durch Barrieren behindert zu werden. Bürgermeister*innen fuhren mit Rollstühlen durch die Stadt, Abgeordnete setzten sich Dunkelbrillen auf oder Studierende erfuhren, was es bedeutet, wenn man nur die Hälte oder gar nicht hören kann. Die Gewerkschaft ver.di hat in den letzten Tagen al denjenigen, die auf öffentliche Verkehrsmitteln angewiesen sind, aufgezeigt, was es bedeutet, Busse und Bahnen nicht zu nutzen, nach Informationen zu suchen, ob nicht doch ein Bus oder eine Bahn fährt oder mittels des Einsatzes zusätzlichen Geldes mit dem Taxi zur Arbeit, zu Arztterminen oder zu Freizeitaktivitäten zu fahren. So geht es vielen behinderten Menschen häufig. Dass die Streiks aber auch ein Machtgefälle aufzeigen, wer sich was leisten kann, und wie wichtig der Einsatz der Gewerkschaften für faire Löhne ist, damit beschäftigt sich Nico Wunderle in seinem Kommentar nach zwei zum Teil sehr anstrengenden Streiktagen im Öffentlichen Personennahverkehr in vielen Städten Deutschlands. Denn für den Redakteur der kobinet-achrichten Nico Wunderle gehören öffentliche Verkehrsmittel zum Alltag sowie das Streikrecht. Dabei sind Machtverhältnisse und Verkehr für ihn wichtige sozialpolitische Themen.
Streikrecht verteidigen – Machtverhältnisse sichtbar machen
Kommentar von Nico Wunderle
Streiks sind ein zentrales Instrument sozialer Aushandlung. Sie sichern Rechte, verschieben Machtverhältnisse und machen soziale Konflikte sichtbar, die sonst im Alltag verdeckt bleiben. Das Streikrecht ist nicht verhandelbar. Gewerkschaften sind ein unverzichtbares Gegengewicht zu wirtschaftlicher Macht und eine der wichtigsten Errungenschaften sozialer Kämpfe.
Gerade deshalb müssen Streiks als Teil gesellschaftlicher Machtverhältnisse verstanden werden. Sie finden nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einer Gesellschaft, in der Menschen sehr unterschiedlich ausgestattet sind mit Ressourcen, Möglichkeiten und Ausweichoptionen. Diese Unterschiede bestimmen, wie Streiks wirken und wen sie tatsächlich treffen.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Streiks im öffentlichen Nahverkehr.
Wer das Privileg hat, auf ein Auto auszuweichen, sich ein Taxi leisten zu können oder längere Strecken problemlos zu Fuß zu gehen, kann und sollte in Streiksituationen andere Lösungen finden. Für viele andere ist das keine Option. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil Mobilität für sie keine Wahl, sondern eine Voraussetzung für Teilhabe ist.
Mobilität ist in einer autozentrierten Gesellschaft ungleich verteilt. Dass Verkehr ein sozialpolitisches Thema ist, wird nicht nur in Streiksituationen deutlich. Auch die ungleiche Verteilung von öffentlichen Verkehrsmitteln in ländlichen und städtischen Raum zeigt soziale Ungleichheit.
In Streiksituationen gilt:
Wer über Ausweichmöglichkeiten verfügt, bleibt handlungsfähig. Wer diese Möglichkeiten nicht hat, ist abhängig von funktionierenden öffentlichen Strukturen. Diese Abhängigkeit ist kein individuelles Defizit, sondern Ergebnis politischer und sozialer Rahmenbedingungen.
Wenn der öffentliche Nahverkehr stillsteht, wird entlang von Machtlinien entschieden, wer mobil bleibt und wer zu Hause bleiben muss. Das ist kein individueller Einzelfall, sondern Ausdruck struktureller Ungleichheit. Manche spüren einen Streik als Unannehmlichkeit, andere als Ausschluss vom Alltag.
Für Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Menschen ohne Führerschein oder mit geringem Einkommen bedeutet der Ausfall des öffentlichen Nahverkehrs nicht bloß Umplanung. Termine können nicht wahrgenommen werden, Arbeit ist nicht erreichbar, medizinische Versorgung und soziale Kontakte brechen weg.
Diese Effekte werden im öffentlichen Diskurs häufig ausgeblendet. Streiks erscheinen als gleichmäßige Belastung für „alle“, obwohl sie bestehende Ungleichheiten reproduzieren und verstärken. Wer ausweichen kann, bleibt mobil. Wer nicht ausweichen kann, trägt die Hauptlast – ohne Einfluss auf Tarifverhandlungen oder politische Entscheidungen.
Diese Kritik richtet sich nicht gegen Gewerkschaften. Sie entsteht aus einer solidarischen, systemkritischen Perspektive. Gewerkschaften stehen für Solidarität und soziale Gerechtigkeit. Daraus folgt die Verantwortung, auch die ungleichen Auswirkungen von Streiks mitzudenken. Gewerkschaftliche Stärke zeigt sich nicht im Abwehren solcher Fragen, sondern in der Fähigkeit, sie aufzunehmen und weiterzuentwickeln.
Streikrecht zu verteidigen und Streikpraxis kritisch zu reflektieren schließen sich nicht aus.
Eine progressive Streikpolitik muss Machtverhältnisse nicht nur gegenüber Arbeitgebern und Politik thematisieren, sondern auch die gesellschaftlichen Abhängigkeiten ernst nehmen, die durch Streiks sichtbar werden. Solidarität endet nicht an der eigenen Berufsgruppe. Sie beginnt dort, wo anerkannt wird, dass Streiks für manche Protest bedeutet – und für andere Stillstand.

Foto: privat
Dillingen (kobinet) Behindertenorganisationen haben sich schon so manche bewusstseinsbildende Selbsterfahrungsaktivitäten ausgedacht, um nichtbehinderten Menschen näher zu bringen, was es bedeutet mit einer Behinderung zu leben oder durch Barrieren behindert zu werden. Bürgermeister*innen fuhren mit Rollstühlen durch die Stadt, Abgeordnete setzten sich Dunkelbrillen auf oder Studierende erfuhren, was es bedeutet, wenn man nur die Hälte oder gar nicht hören kann. Die Gewerkschaft ver.di hat in den letzten Tagen al denjenigen, die auf öffentliche Verkehrsmitteln angewiesen sind, aufgezeigt, was es bedeutet, Busse und Bahnen nicht zu nutzen, nach Informationen zu suchen, ob nicht doch ein Bus oder eine Bahn fährt oder mittels des Einsatzes zusätzlichen Geldes mit dem Taxi zur Arbeit, zu Arztterminen oder zu Freizeitaktivitäten zu fahren. So geht es vielen behinderten Menschen häufig. Dass die Streiks aber auch ein Machtgefälle aufzeigen, wer sich was leisten kann, und wie wichtig der Einsatz der Gewerkschaften für faire Löhne ist, damit beschäftigt sich Nico Wunderle in seinem Kommentar nach zwei zum Teil sehr anstrengenden Streiktagen im Öffentlichen Personennahverkehr in vielen Städten Deutschlands. Denn für den Redakteur der kobinet-achrichten Nico Wunderle gehören öffentliche Verkehrsmittel zum Alltag sowie das Streikrecht. Dabei sind Machtverhältnisse und Verkehr für ihn wichtige sozialpolitische Themen.
Streikrecht verteidigen – Machtverhältnisse sichtbar machen
Kommentar von Nico Wunderle
Streiks sind ein zentrales Instrument sozialer Aushandlung. Sie sichern Rechte, verschieben Machtverhältnisse und machen soziale Konflikte sichtbar, die sonst im Alltag verdeckt bleiben. Das Streikrecht ist nicht verhandelbar. Gewerkschaften sind ein unverzichtbares Gegengewicht zu wirtschaftlicher Macht und eine der wichtigsten Errungenschaften sozialer Kämpfe.
Gerade deshalb müssen Streiks als Teil gesellschaftlicher Machtverhältnisse verstanden werden. Sie finden nicht im luftleeren Raum statt, sondern in einer Gesellschaft, in der Menschen sehr unterschiedlich ausgestattet sind mit Ressourcen, Möglichkeiten und Ausweichoptionen. Diese Unterschiede bestimmen, wie Streiks wirken und wen sie tatsächlich treffen.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Streiks im öffentlichen Nahverkehr.
Wer das Privileg hat, auf ein Auto auszuweichen, sich ein Taxi leisten zu können oder längere Strecken problemlos zu Fuß zu gehen, kann und sollte in Streiksituationen andere Lösungen finden. Für viele andere ist das keine Option. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil Mobilität für sie keine Wahl, sondern eine Voraussetzung für Teilhabe ist.
Mobilität ist in einer autozentrierten Gesellschaft ungleich verteilt. Dass Verkehr ein sozialpolitisches Thema ist, wird nicht nur in Streiksituationen deutlich. Auch die ungleiche Verteilung von öffentlichen Verkehrsmitteln in ländlichen und städtischen Raum zeigt soziale Ungleichheit.
In Streiksituationen gilt:
Wer über Ausweichmöglichkeiten verfügt, bleibt handlungsfähig. Wer diese Möglichkeiten nicht hat, ist abhängig von funktionierenden öffentlichen Strukturen. Diese Abhängigkeit ist kein individuelles Defizit, sondern Ergebnis politischer und sozialer Rahmenbedingungen.
Wenn der öffentliche Nahverkehr stillsteht, wird entlang von Machtlinien entschieden, wer mobil bleibt und wer zu Hause bleiben muss. Das ist kein individueller Einzelfall, sondern Ausdruck struktureller Ungleichheit. Manche spüren einen Streik als Unannehmlichkeit, andere als Ausschluss vom Alltag.
Für Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, Menschen ohne Führerschein oder mit geringem Einkommen bedeutet der Ausfall des öffentlichen Nahverkehrs nicht bloß Umplanung. Termine können nicht wahrgenommen werden, Arbeit ist nicht erreichbar, medizinische Versorgung und soziale Kontakte brechen weg.
Diese Effekte werden im öffentlichen Diskurs häufig ausgeblendet. Streiks erscheinen als gleichmäßige Belastung für „alle“, obwohl sie bestehende Ungleichheiten reproduzieren und verstärken. Wer ausweichen kann, bleibt mobil. Wer nicht ausweichen kann, trägt die Hauptlast – ohne Einfluss auf Tarifverhandlungen oder politische Entscheidungen.
Diese Kritik richtet sich nicht gegen Gewerkschaften. Sie entsteht aus einer solidarischen, systemkritischen Perspektive. Gewerkschaften stehen für Solidarität und soziale Gerechtigkeit. Daraus folgt die Verantwortung, auch die ungleichen Auswirkungen von Streiks mitzudenken. Gewerkschaftliche Stärke zeigt sich nicht im Abwehren solcher Fragen, sondern in der Fähigkeit, sie aufzunehmen und weiterzuentwickeln.
Streikrecht zu verteidigen und Streikpraxis kritisch zu reflektieren schließen sich nicht aus.
Eine progressive Streikpolitik muss Machtverhältnisse nicht nur gegenüber Arbeitgebern und Politik thematisieren, sondern auch die gesellschaftlichen Abhängigkeiten ernst nehmen, die durch Streiks sichtbar werden. Solidarität endet nicht an der eigenen Berufsgruppe. Sie beginnt dort, wo anerkannt wird, dass Streiks für manche Protest bedeutet – und für andere Stillstand.




