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Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg fordert Geschlechtergerechtigkeit bei der Pflege durch Angehörige

Die Hand einer älteren Person wird von der Hand einer jüngeren Person gehalten
Gute Pflege braucht ausreichend gute Pflegende
Foto: Pixabay/PublicDomainPictures

STUTTGART (kobinet) Nach Angaben des Statistischen Landesamtes waren im Jahr 2023 in Baden-Württemberg insgesamt 625.000 Menschen pflegebedürftig. Rund 56 Prozent von ihnen wurden überwiegend von pflegenden Angehörigen versorgt. Dabei ist der Anteil an erwerbstätigen Frauen, welche die damit verbundene Pflegearbeit leisten, mehr als doppelt so groß gegenüber erwerbstätigen Männern. Anlässlich des Equal Care Day am 1. März fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg eine geschlechtergerechte Ausgestaltung der Familienpflegezeit sowie eine finanzielle und rechtliche Absicherung für berufstätige pflegende Angehörige. Analog zu Elternzeit und Elterngeld sei eine bezahlte Familienpflegezeit als staatliche Familienleistung einzuführen. Diese solle einen Rechtsanspruch auf Freistellung vom Arbeitsplatz sowie ein Familienpflegegeld in Höhe des Elterngeldes vorsehen. Dafür müsse das Familienpflegezeitgesetz novelliert und mit dem Pflegezeitgesetz zusammengeführt werden, so der Verband.

„Care-Arbeit ist vorwiegend weiblich. Zudem reduzieren Frauen ihren Beschäftigungsumfang eher als Männer, um Angehörige zu pflegen. Dies hat oft Auswirkungen auf ihre beruflichen Perspektiven sowie finanzielle Unabhängigkeit und Absicherung im Alter. Die bestehende Regelung für Familienpflegezeit begünstigt keine geschlechtergerechte Aufteilung der Pflegeverantwortung“, betont Mirko Hohm, Bereichsleitung Ältere Menschen und Pflege beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg.

Um den Anreiz zur familiären Pflege für Männer und Frauen gleichermaßen zu fördern, müsse das Familienpflegegeld als gesamtgesellschaftliche Aufwendung steuerfinanziert und einkommensabhängig sein – analog zum Elterngeld. Ebenso seien Rentenansprüche pflegender Angehöriger aus Steuermitteln zu finanzieren, anstatt die Pflegeversicherung weiterhin mit versicherungsfremden Ausgaben zu belasten. „Zur besseren Vereinbarkeit von familiärer Pflege und Beruf ist grundsätzlich eine bessere Infrastruktur vor Ort mit niedrigschwelligen Beratungs- und Hilfeangeboten erforderlich“, so Hohm.