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Nachrichten aus der Provinz. Heute Kommunalwahl in Hessen.

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Stephan Laux
Schwarz-weiss Porträt von Stephan Laux
Foto: Ralph Milewski

Villmar - Weyer (kobinet) Einige Leser*innen hatten vielleicht die vage Hoffnung, Stephan Laux hätte sich endgültig seiner Schreibhemmung ergeben. Tatsache ist, er ist seiner geheimen Hoffnung, einmal so berühmt zu werden wie Raúl Krauthausen oder Ottmar Miles Paul, einen großen Schritt näher gekommen. Grund dafür ist die anstehende Kommunalwahl in Hessen. Quer durch alle Parteien hat man hier in behindertenpolitischen Themen ein enormes Potenzial entdeckt.

Gerade komme ich von einer Klausurtagung des „Linken Kreisverbands südliche Wetterau“. Dort haben unter meiner Leitung 12 Kleingruppen den Slogan für den Kommunalwahlkampf erarbeitet.

„Gewerbesteuer für Großunternehmen erhöhen! Bordsteine absenken!“; „Umverteilung beginnt in den Kommunen!“

Mein Telefon klingelt praktisch seit Jahresanfang pausenlos. Gerade eben rief eine Genossin vom SPD-Ortsverband Udenhausen bei Kassel an. Die SPD sei der sozialen Gerechtigkeit verpflichtet. Soziale Kommunalpolitik müsse von den Schwächsten her gedacht werden, das würde allen Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen. „Bitte, bitte! Kommen Sie doch in zwei Wochen auf unsere Podiumsdiskussion zum Thema ‚kommunalpolitische Teilhabe von Menschen mit Behinderungen‘, Herr Laux.“

Da bin ich allerdings schon auf einer Lesung bei den Grünen. Seit Behindertenpolitik zum wichtigen Wahlkampfthema geworden ist, gehen meine berufliche Biografie und die Kolumnensammlung durch die Decke. In der mittelhessischen Spiegel-Bestsellerliste haben sie gerade Angela Merkels Biografie überholt.

Apropos Angela Merkel: „Herr Laux, die CDU trägt das Christliche in ihrem Namen. Das hat doch auch mit Inklusion und Barrierefreiheit zu tun? Können Sie uns noch einmal die UN-Behindertenrechtskonvention erklären? Die ist doch jetzt Gesetz, oder? Wir haben schon etliche Aktivist*innen abgefragt. Alle ausgebucht.“

Die hessische FDP hat ein Seminar, mit dem Titel: „Behindertenpolitik ist Demokratiearbeit“ bei mir gebucht. Wir haben das dann mit einer Traumatherapie und meditativen Bogenschießen verbunden. Seitdem sind ihre Listenplätze für die Kommunalwahlen noch schwerer zu besetzen.

Meine Termine sind und waren also derart eng getaktet, dass ich der AfD kategorisch absagen musste. Und unangenehmerweise hat die ständig an meine Tür geklopft. Wollte sich unbedingt sozial- und behindertenpolitischen Themen annehmen. „Wir haben nichts gegen Behinderte, solange es deutsche Behinderte sind. So lassen Sie uns doch herein!“

Abseits des enormen parteipolitischen Interesses, haben sich natürlich auch etliche Sondereinrichtungen bei mir gemeldet.

Die Träger der Behindertenhilfe in Hessen wollen nun endgültig nicht mehr Inklusion über Einrichtungen schreiben, in denen keine drin ist. Konzeptarbeit ist hier angefragt. Beginnen wollen sie mit einem Konzept, das geistig beeinträchtigten Wahlberechtigten eine annähernd geheime Kommunalwahl ermöglicht.

Und zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass ich nach der Kommunalwahl in Hessen einem lukrativen Stellenangebot einer Surfschule in Hawaii nachkommen werde.

Aloha!

Stephan Laux, Februar 2026