Fladungen (kobinet)
Die Lebens-Hilfe Bayern macht Werbung.
Die Werbung ist für einen Freiwilligen-Dienst.
Freiwilligen-Dienst bedeutet: Junge Menschen helfen für ein Jahr.
Die Internet-Seite heißt freiwilligeinheld.de.
Dort steht: Du bist ein Held.
Wenn du bei der Lebens-Hilfe arbeitest.
Die Werbung soll freundlich sein.
Aber die Werbung hat ein Problem.
Sie zeigt ein falsches Bild.
Menschen mit Behinderung sind keine Belastung.
Sie sind Menschen wie alle anderen.
Die Werbung sagt aber etwas anderes.
Sie sagt: Mit behinderten Menschen arbeiten ist schwer.
Wer das macht ist ein Held.
Das ist falsch.
Menschen mit Behinderung gehören dazu.
Sie sind ein normaler Teil vom Leben.
Die Werbung macht sie zu einem Problem.
Das nennt man: Ableismus.
Ableismus bedeutet: Menschen mit Behinderung werden schlechter behandelt.
Die Werbung zeigt junge Menschen.
Sie tragen Super-Helden-Kostüme.
Sie sehen fröhlich aus.
Aber die Botschaft ist schlecht.
Botschaft bedeutet: Die Nach-richt von der Werbung.
Die Nach-richt sagt: Behinderte Menschen sind eine Last.
Das ist nicht richtig.
Menschen mit Behinderung sind keine Last.
Sie brauchen keine Helden.
Sie brauchen normale Begegnung.
Die Werbung zeigt aber etwas anderes.
Sie macht behinderte Menschen klein.
In der Werbung fehlt etwas Wichtiges.
Es fehlen die Stimmen von Menschen mit Behinderung.
Sie sagen nicht was sie wollen.
Sie sagen nicht was sie brauchen.
Nur die Freiwilligen sprechen.
Das ist nicht fair.
Die Werbung sagt: Du bist ein Held.
Wenn du ein Jahr bei uns arbeitest.
Das ist eine falsche Nach-richt.
Mit behinderten Menschen leben ist normal.
Es ist nichts Besonderes.
Es sollte selbst-verständlich sein.
Menschen mit Behinderung spüren das.
Sie denken dann: Ich bin eine Last.
Ich bin ein Problem für andere.
Das macht traurig.
Das macht unsicher.
Das ist nicht richtig.
Die Lebens-Hilfe ist nicht die erste Organisation.
Organisation bedeutet: Eine Gruppe von Menschen arbeitet zusammen.
Es gab früher schon ein Musik-Projekt.
Das Projekt hieß: Hep Hep Hurra.
Dort wurden Pfleger als Helden gezeigt.
Menschen mit Behinderung kamen nicht vor.
Die Nach-richt ist immer gleich:
Wer mit behinderten Menschen arbeitet ist toll.
Die behinderten Menschen selbst sind unwichtig.
Sie sind nur der Grund für die Werbung.
Das ist falsch.
Das ist nicht inklusiv.
Inklusion bedeutet: Alle gehören dazu.
Alle Menschen sind mit dabei.
Alle sind gleich wichtig.
Niemand ist eine Last.
Niemand ist ein Problem.
Alle sind Teil der Gesellschaft.
Die Werbung macht das Gegenteil.
Sie zeigt behinderte Menschen als besondere Aufgabe.
Als etwas Schwieriges.
Als etwas wofür man Mut braucht.
Das ist nicht wahr.
Das ist schädlich.
Viele Menschen mit Behinderung lernen deshalb:
Ich muss freundlich sein.
Ich darf nicht zu viel fordern.
Ich muss dankbar sein.
Sonst bin ich zu anstrengend.
Das ist nicht fair.
Organisationen wollen Aufmerksamkeit.
Deshalb machen sie solche Kampagnen.
Kampagne bedeutet: Werbe-Aktion für ein Thema.
Sie zeigen Drama statt Normalität.
Drama verkauft sich besser.
Aber Drama ist nicht die Wahrheit.
Die Wahrheit ist: Zusammen-leben ist normal.
Echte Inklusion braucht keine Helden.
Echte Inklusion ist leise.
Sie sagt: Wir leben zusammen.
Das ist selbst-verständlich.
Das braucht keinen Mut.
Die Kampagne sieht modern aus.
Aber sie ist alt-modisch.
Sie macht behinderte Menschen klein.
Sie macht Helfer groß.
Das ist nicht richtig.
Das ist nicht inklusiv.
Inklusion braucht andere Worte.
Worte die nicht von Helden sprechen.
Worte die nicht von Lasten sprechen.
Worte die sagen: Wir gehören alle dazu.
Worte die Menschen mit Behinderung ernst nehmen.
Worte die Respekt zeigen.
Menschen mit Behinderung sind nicht besonders.
Sie sind nicht schwierig.
Sie sind Menschen.
Sie haben Rechte.
Sie haben Wünsche.
Sie sind Teil der Welt.
Die Kampagne sollte das zeigen.
Sie sollte von Begegnung sprechen.
Von Zusammen-arbeit.
Von gemeinsamem Leben.
Nicht von Helden-tum.
Das wäre echte Inklusion.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Die Lebenshilfe Bayern wirbt für den Freiwilligendienst mit Superhelden und Heldentum unter der Adresse "freiwilligeinheld.de". Was freundlich und bunt wirken soll, erzählt ein altes ableistisches Märchen: Menschen mit Behinderung erscheinen als Zumutung, Begegnung als Opfergang. Eine Kampagne, die Inklusion verspricht und Ausgrenzung reproduziert. Mach ein heldenhaftes Jahr bei der Lebenshilfe. Ein Satz, der freundlich klingen soll, bunt, motivierend, jugendlich. Auf den Werbebildern lachen junge Leute in Umhängen und Masken wie aus einem Kindergeburtstag. Superheldenästhetik, Comic-Schrift, gute Laune. Wer wollte da widersprechen.
Doch hinter der Glitzerfolie steckt ein altes, hässliches Narrativ. Menschen mit Behinderung werden als Zumutung dargestellt und wer sich mit ihnen abgibt, verdient Bewunderung. Die eigentliche Botschaft lautet, mit behinderten Menschen zu leben oder zu arbeiten sei nichts Normales, sondern eine besondere Prüfung, aus der nur Helden hervorgehen. Nicht Inklusion wird erzählt, sondern ein Opfergang.
Wer jemanden zum Helden erklärt, erklärt den anderen automatisch zum Problem. Die Kampagne sagt nicht, arbeite mit Menschen, lerne, gestalte Alltag gemeinsam. Sie sagt, überwinde dich, opfere ein Jahr, dann bist du etwas Besonderes. Damit werden Menschen mit Behinderung zu Kulissen für fremde Selbsterhöhung. Ihre Existenz erscheint als Belastung, an der sich moralische Größe beweisen lässt. Das ist keine Begegnung auf Augenhöhe, sondern eine Inszenierung von Gefälle.
Dieses Muster ist nicht neu. Schon in dem Liedprojekt „Hep Hep Hurra!“ wurden Heilerziehungspfleger als Helden gefeiert, während Menschen mit Behinderung nur als Anlass für diese Heroisierung dienten. Ob im Musikvideo oder in der Werbekampagne, die Botschaft bleibt gleich. Wer mit behinderten Menschen arbeitet, ist großartig. Die behinderten Menschen selbst bleiben Projektionsfläche.
In der Bildsprache der Kampagne wird kaum von Rechten, Selbstbestimmung oder normalem Zusammenleben gesprochen. Stattdessen wird suggeriert, der Kontakt mit behinderten Menschen sei vor allem anstrengend und emotional fordernd. Genau dieses Bild macht Behinderung zur Zumutung. Empathie erscheint als exklusive Tugend weniger Auserwählter, nicht als selbstverständliche Haltung einer inklusiven Gesellschaft.
Auffällig ist, was fehlt. Die Stimmen der Betroffenen. Keine Aussagen von Menschen mit Behinderung, die sagen, was sie brauchen oder was sie von dieser Kampagne halten. Stattdessen posieren Freiwillige im Superheldenkostüm. Die einen handeln, die anderen werden behandelt. Wer so erzählt, hat bereits entschieden, wer Subjekt ist und wer Objekt.
Für Menschen mit Behinderung bleibt von dieser Erzählung ein bitterer Nachhall. Wer ständig als Herausforderung beschrieben wird, beginnt irgendwann, sich selbst als Zumutung zu spüren. Man sitzt im Raum und weiß, dass die anderen sich gerade als Helden fühlen sollen, weil sie es mit einem aushalten. Aus Begegnung wird Dankbarkeitspflicht, aus Unterstützung eine Bühne für fremde Moral. Viele lernen früh, möglichst wenig Aufwand zu verursachen, freundlich zu bleiben, sich anzupassen, um nicht das Klischee zu bestätigen, das ihnen ohnehin zugeschrieben wird. Wer sich wehrt oder selbstbewusst Ansprüche stellt, stört die Erzählung vom dankbaren Objekt. Die Kampagne spricht von Wertschätzung, doch sie produziert Scham und Abhängigkeit.
Organisationen brauchen Zustimmung. Dafür werden Geschichten gebaut, in denen behinderte Menschen als Herausforderung erscheinen. Das Drama verkauft sich besser als Normalität. Also wird aus alltäglicher Assistenz ein Rettungseinsatz. Echte Inklusion wäre leise. Sie würde nicht behaupten, dass man Mut braucht, um mit behinderten Menschen zu leben. Sie würde sagen, dass Zusammenleben selbstverständlich ist.
Inklusion heißt nicht, Menschen in die Mitte zu holen. Sie sind längst Teil der Gesellschaft. Doch Kampagnen wie diese stellen sie wieder an den Rand, als Prüfstein für moralische Bewährung. Wer Inklusion ernst nimmt, spricht nicht von Helden, sondern von Bürgern. Nicht von Lasten, sondern von Nachbarn, Kolleginnen, Eltern, Künstlern, kurz von Menschen mit all ihren Widersprüchen.
Die Kampagne wirkt modern, ist aber rückwärtsgewandt. Sie feiert die Helfenden und macht die Geholfenen klein. Sie verkauft die Begegnung mit behinderten Menschen als besondere Tat und erklärt damit zugleich, dass diese Begegnung eigentlich nicht normal sei.
Inklusion braucht keine Superhelden. Sie braucht eine Sprache, die Menschen mit Behinderung nicht als Zumutung markiert, sondern als selbstverständlichen Teil der Welt.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Die Lebenshilfe Bayern wirbt für den Freiwilligendienst mit Superhelden und Heldentum unter der Adresse "freiwilligeinheld.de". Was freundlich und bunt wirken soll, erzählt ein altes ableistisches Märchen: Menschen mit Behinderung erscheinen als Zumutung, Begegnung als Opfergang. Eine Kampagne, die Inklusion verspricht und Ausgrenzung reproduziert. Mach ein heldenhaftes Jahr bei der Lebenshilfe. Ein Satz, der freundlich klingen soll, bunt, motivierend, jugendlich. Auf den Werbebildern lachen junge Leute in Umhängen und Masken wie aus einem Kindergeburtstag. Superheldenästhetik, Comic-Schrift, gute Laune. Wer wollte da widersprechen.
Doch hinter der Glitzerfolie steckt ein altes, hässliches Narrativ. Menschen mit Behinderung werden als Zumutung dargestellt und wer sich mit ihnen abgibt, verdient Bewunderung. Die eigentliche Botschaft lautet, mit behinderten Menschen zu leben oder zu arbeiten sei nichts Normales, sondern eine besondere Prüfung, aus der nur Helden hervorgehen. Nicht Inklusion wird erzählt, sondern ein Opfergang.
Wer jemanden zum Helden erklärt, erklärt den anderen automatisch zum Problem. Die Kampagne sagt nicht, arbeite mit Menschen, lerne, gestalte Alltag gemeinsam. Sie sagt, überwinde dich, opfere ein Jahr, dann bist du etwas Besonderes. Damit werden Menschen mit Behinderung zu Kulissen für fremde Selbsterhöhung. Ihre Existenz erscheint als Belastung, an der sich moralische Größe beweisen lässt. Das ist keine Begegnung auf Augenhöhe, sondern eine Inszenierung von Gefälle.
Dieses Muster ist nicht neu. Schon in dem Liedprojekt „Hep Hep Hurra!“ wurden Heilerziehungspfleger als Helden gefeiert, während Menschen mit Behinderung nur als Anlass für diese Heroisierung dienten. Ob im Musikvideo oder in der Werbekampagne, die Botschaft bleibt gleich. Wer mit behinderten Menschen arbeitet, ist großartig. Die behinderten Menschen selbst bleiben Projektionsfläche.
In der Bildsprache der Kampagne wird kaum von Rechten, Selbstbestimmung oder normalem Zusammenleben gesprochen. Stattdessen wird suggeriert, der Kontakt mit behinderten Menschen sei vor allem anstrengend und emotional fordernd. Genau dieses Bild macht Behinderung zur Zumutung. Empathie erscheint als exklusive Tugend weniger Auserwählter, nicht als selbstverständliche Haltung einer inklusiven Gesellschaft.
Auffällig ist, was fehlt. Die Stimmen der Betroffenen. Keine Aussagen von Menschen mit Behinderung, die sagen, was sie brauchen oder was sie von dieser Kampagne halten. Stattdessen posieren Freiwillige im Superheldenkostüm. Die einen handeln, die anderen werden behandelt. Wer so erzählt, hat bereits entschieden, wer Subjekt ist und wer Objekt.
Für Menschen mit Behinderung bleibt von dieser Erzählung ein bitterer Nachhall. Wer ständig als Herausforderung beschrieben wird, beginnt irgendwann, sich selbst als Zumutung zu spüren. Man sitzt im Raum und weiß, dass die anderen sich gerade als Helden fühlen sollen, weil sie es mit einem aushalten. Aus Begegnung wird Dankbarkeitspflicht, aus Unterstützung eine Bühne für fremde Moral. Viele lernen früh, möglichst wenig Aufwand zu verursachen, freundlich zu bleiben, sich anzupassen, um nicht das Klischee zu bestätigen, das ihnen ohnehin zugeschrieben wird. Wer sich wehrt oder selbstbewusst Ansprüche stellt, stört die Erzählung vom dankbaren Objekt. Die Kampagne spricht von Wertschätzung, doch sie produziert Scham und Abhängigkeit.
Organisationen brauchen Zustimmung. Dafür werden Geschichten gebaut, in denen behinderte Menschen als Herausforderung erscheinen. Das Drama verkauft sich besser als Normalität. Also wird aus alltäglicher Assistenz ein Rettungseinsatz. Echte Inklusion wäre leise. Sie würde nicht behaupten, dass man Mut braucht, um mit behinderten Menschen zu leben. Sie würde sagen, dass Zusammenleben selbstverständlich ist.
Inklusion heißt nicht, Menschen in die Mitte zu holen. Sie sind längst Teil der Gesellschaft. Doch Kampagnen wie diese stellen sie wieder an den Rand, als Prüfstein für moralische Bewährung. Wer Inklusion ernst nimmt, spricht nicht von Helden, sondern von Bürgern. Nicht von Lasten, sondern von Nachbarn, Kolleginnen, Eltern, Künstlern, kurz von Menschen mit all ihren Widersprüchen.
Die Kampagne wirkt modern, ist aber rückwärtsgewandt. Sie feiert die Helfenden und macht die Geholfenen klein. Sie verkauft die Begegnung mit behinderten Menschen als besondere Tat und erklärt damit zugleich, dass diese Begegnung eigentlich nicht normal sei.
Inklusion braucht keine Superhelden. Sie braucht eine Sprache, die Menschen mit Behinderung nicht als Zumutung markiert, sondern als selbstverständlichen Teil der Welt.





Ich kann mir gut vorstellen, dass die Kampagne von der Aktion Mensch gefördert wird, die haben ja auch so einen Ehrenamtsdatenbank. Und inhaltlich passt das wie die Faust aufs Auge.
Hallo Ralph,
einen Idealzustand gesellschaftlicher Inklusion zum Maßstab genommen, trifft Deine Kritik am „Heldennarrativ“ als Lockmittel für einen andernfalls kaum „zumutbaren“ freiwilligen Sozialdienst von Nichtbehinderten für „anstrengende“ Behinderte natürlich voll zu. Zwischenmenschliche Augenhöhe und wechselseitige Anerkennung unter reell Gleichen sähe anders aus.
Dennoch oder gleichzeitig wirkt eine allein am Ideal maßnehmende Kritik realgesellschaftlich seltsam irreal und kontextlos, weil von sozioökonomischer Ungleichheit und ungleichem Interessenkampf abstrahierend. Die neoliberale Ellbogen- und Egogesellschaft triggert förmlich Verdrängungs- und Abwehrreflexe gegenüber allem Schwachen und Gebrechlichen. Für die auf ihre Selbständigkeit pochenden Fitten und Selbstoptimierten ist der bloße Gedanke an Behinderung, Bedürftigkeit und Abhängigkeit eine Aversion auslösende Vorstellung.
Der Superhelden-Köder der Lebenshilfe ist ein gesellschaftlich bewusstloser Reflex auf diese sich rapide brutalisierenden Verhältnisse.
Dieser zugleich naiven und zynischen Angepasstheit kommt man meines Erachtens nicht dadurch bei, dass man sie ein ums andere Mal am Inklusionsideal misst und es mit dem jedesmaligen Urteil „Note ungenügend, Inklusionsgedanke gänzlich verfehlt“, gut sein lässt, was Kritik anlangt.
Doch wem sage ich das, lieber Ralph, das weißt Du alles selber …
Hans-Willi