Staufen (kobinet)
Raul Krauthausen ist ein Aktivist.
Ein Aktivist ist eine Person.
Die Person will etwas ändern.
Die Person will die Gesellschaft ändern.
Raul Krauthausen kämpft für behinderte Menschen.
Raul Krauthausen hat einen Podcast.
Ein Podcast ist eine Sendung im Internet.
Du kannst die Sendung hören.
Aladin El-Mafaalani war Gast in dem Podcast.
Aladin El-Mafaalani ist Wissenschaftler.
Ein Wissenschaftler erforscht verschiedene Themen.
Aladin El-Mafaalani forscht über die Gesellschaft.
Eine Gesellschaft ist eine Gruppe von Menschen.
Die Menschen leben zusammen.
Die 2 Männer haben über Politik gesprochen.
Die 2 Männer haben über Krieg gesprochen.
Die 2 Männer haben über Waffen gesprochen.
Deutschland kauft viele Waffen.
Deutschland gibt viel Geld für Waffen aus.
Raul Krauthausen findet das richtig.
Aladin El-Mafaalani findet das auch richtig.
Die Regierung sagt: Wir brauchen die Waffen.
Eine Regierung leitet ein Land.
Die Regierung besteht aus Politikern.
Die Regierung hat einen Chef.
Die Regierung sagt: Die Waffen sind wichtig.
Der Schreiber von diesem Text ist anderer Meinung.
Der Schreiber sagt: Das ist gefährlich.
Der Schreiber sagt: Das ist gefährlich für behinderte Menschen.
Menschen reden über Krieg.
Das macht vielen Menschen Angst.
Dann denken viele Menschen: Behinderte Menschen sind schwach.
Das ist sehr gefährlich.
In der Geschichte gab es schlimme Zeiten.
In Kriegs-Zeiten wurden behinderte Menschen getötet.
Die Menschen sagten: Behinderte Menschen sind nutzlos.
Nutzlos bedeutet: ohne Wert.
Die Menschen sagten: Behinderte Menschen kosten zu viel.
Das war in Deutschland so.
Das war im 2. Welt-Krieg so.
Der 2. Welt-Krieg war von 1939 bis 1945.
Raul Krauthausen hat mit Aladin El-Mafaalani gesprochen.
Die 2 Männer haben nicht über diese Gefahr gesprochen.
Die 2 Männer haben nicht über behinderte Menschen gesprochen.
Der Schreiber findet das falsch.
Der Schreiber sagt: Das ist ein großer Fehler.
Warum ist viel Geld für Waffen ein Problem?
Deutschland gibt sehr viel Geld für Waffen aus.
Fast die Hälfte vom Geld geht für Waffen drauf.
Das Geld fehlt dann für andere Sachen.
Das Geld fehlt zum Beispiel für Soziales.
Soziales bedeutet: Hilfe für Menschen.
Hilfe zum Beispiel für arme Menschen.
Armut bedeutet: Menschen haben zu wenig Geld.
Sie können nicht alles zum Leben kaufen.
Aladin El-Mafaalani sagt: Ich habe eine Lösung.
Aladin El-Mafaalani sagt: Wir müssen Geld anders verteilen.
Aladin El-Mafaalani sagt: Alte Menschen müssen auf Geld verzichten.
Aladin El-Mafaalani sagt: Dann haben junge Menschen mehr Geld.
Der Schreiber findet diese Lösung schlecht.
Raul Krauthausen sagt etwas Wichtiges.
Raul Krauthausen sagt: Junge Menschen dürfen nicht wählen.
Junge Menschen sind aber alt genug für das Militär.
Das Militär ist die Armee eines Landes.
Die Armee hat Soldaten.
Die jungen Menschen müssen vielleicht in den Krieg.
Raul Krauthausen sagt: Das ist nicht gerecht.
Aladin El-Mafaalani sagt: Das stimmt.
Aladin El-Mafaalani sagt: Wir müssen das ändern.
Erst müssen junge Menschen wählen dürfen.
Erst dann dürfen sie zum Militär.
Der Schreiber sagt: Das ist zu einfach gedacht.
Der Schreiber sagt: Krieg ist immer falsch.
Der Schreiber kritisiert Raul Krauthausen stark.
Kritisieren bedeutet: sagen was falsch ist.
Raul Krauthausen hat nicht über behinderte Menschen gesprochen.
Das ist seltsam.
Raul Krauthausen kämpft doch für behinderte Menschen.
Warum spricht Raul Krauthausen nicht über diese Gefahr?
Raul Krauthausen hatte einen anderen Gast im Podcast.
Die Gast-Person war Dagmar Herzog.
Dagmar Herzog ist Wissenschaftlerin.
Dagmar Herzog kennt sich mit Geschichte aus.
Dagmar Herzog hat über Krieg gesprochen.
Dagmar Herzog hat über behinderte Menschen gesprochen.
Dagmar Herzog sagt: Krieg ist gefährlich.
Dagmar Herzog sagt: Krieg ist gefährlich für Schwache.
Krieg ist gefährlich für behinderte Menschen.
Krieg ist gefährlich für kranke Menschen.
Raul Krauthausen hat das Gespräch mit Dagmar Herzog gehört.
Warum hat Raul Krauthausen das vergessen?
Warum ist Krieg gefährlich für behinderte Menschen?
Heute redet die Politik viel über Krieg.
Heute redet die Politik viel über Waffen.
Das macht den Menschen Angst.
Viele Menschen haben schon andere Ängste.
Viele Menschen haben Angst vor Armut.
Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft.
Wenn noch mehr Angst dazu kommt ist das schlecht.
Dann werden Menschen hart zu anderen.
Dann haben Menschen weniger Mit-gefühl.
Mit-gefühl bedeutet: Man fühlt mit anderen Menschen mit.
Man versteht andere Menschen.
Dann werden Schwache noch mehr abgelehnt.
Das wird für behinderte Menschen lebens-gefährlich.
Der Schreiber sagt: Wir müssen aufpassen.
Dagmar Herzog hat ein Buch geschrieben.
Das Buch heißt: Der neue faschistische Körper.
Faschismus ist eine Herrschafts-form.
Ein Diktator bestimmt alles alleine.
Faschisten haben im 2. Welt-Krieg viele Menschen getötet.
Dagmar Herzog sagt: Das kann wieder passieren.
Dagmar Herzog sagt: Heute gibt es neue Probleme.
Heute müssen alle Menschen perfekt sein.
Heute sollen alle Menschen stark sein.
Heute sollen alle Menschen gesund sein.
Wer das nicht ist wird abgelehnt.
Das nennt man Neo-Liberalismus.
Neo-Liberalismus ist eine politische Idee.
Der Staat soll wenig regeln.
Neo-Liberalismus bedeutet: Jeder ist für sich selbst verantwortlich.
Neo-Liberalismus bedeutet: Wer schwach ist ist selbst schuld.
Neo-Liberalismus bedeutet: Hilfe bekommen ist schlecht.
Diese Einstellung ist gefährlich.
Diese Einstellung schadet behinderten Menschen.
Viele junge Menschen denken heute so.
Viele junge Menschen denken: Ich darf nicht schwach sein.
Viele junge Menschen denken: Ich muss perfekt sein.
Viele junge Menschen fühlen großen Druck.
Druck bedeutet: Man muss etwas tun.
Man fühlt sich gezwungen.
Das kommt von der Gesellschaft.
Das kommt von den Medien.
Medien sind zum Beispiel: Fernsehen.
Oder Internet.
Oder Zeitungen.
Wenn dann noch Krieg dazu kommt wird alles schlimmer.
Dann sagen Menschen: Wir brauchen nur Starke.
Dann sagen Menschen: Schwache sind nutzlos.
Dann sagen Menschen: Behinderte kosten zu viel Geld.
Das ist eine große Gefahr.
Das muss aufhören.
Der Schreiber sagt: Raul Krauthausen muss warnen.
Raul Krauthausen muss über diese Gefahren sprechen.
Raul Krauthausen muss behinderte Menschen schützen.
Raul Krauthausen muss gegen die Kriegs-Politik kämpfen.
Das ist jetzt sehr wichtig.
Sonst wird es sehr gefährlich.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Der Weckruf gilt Raul Krauthausen und seinem Podcast-Gast Aladin El- Mafaalani. Grob Fahrlässig mindestens, so würde man im Straßenverkehr sagen, wie die beiden in ihrem jüngsten Gespräch das Verteidigungsnarrativ der Mächtigen in Politik und Medien, sprich milliardenschwere Aufrüstung und damit implizit Kriegsvorbereitung, sich zu eigen machen. Kein Wort dazu, welche Gefahr dies angeblich alternativlose Politik insbesondere für behinderte und vulnerable Menschen heraufbeschwört. Welch negative, für uns Behinderte geradezu verheerende Mentalitätsveränderung das permanente Gerede von einer akuten Sicherheitsbedrohung und der eben deshalb notwendigen Kriegsertüchtigung in der nicht behinderten Mehrheitsbevölkerung bewirkt. Dass für diese der Gedanke "Krieg" und "Behindertsein" oder "angegriffen werden und sich verteidigen müssen" eine Horrorvorstellung bedeutet, die reflexhaft Flucht- und Abwehrreaktionen erzeugt. Und bei einem Blick in die Geschichte sogar Schlimmeres!
Die Verteidigungmilliarden müssen sein, für El-Mafaalani und Krauthausen keine Frage
Ohne den geringsten Einwand schließen sie sich dem verteidigungspolitischen Narrativ der parlamentarischen Mitte von Schwarzrot bis Olivgrün an. El-Mafalaani, der Soziologe, weiß auch schon die Lösung für das Problem, wie trotz der schier erdrückenden Rüstungsausgaben (fast die Hälfte des Bundeshaushalts) der Sozialstaat noch zu retten wäre. Und setzt als wissenschaftlicher Politikberater seinen Ehrgeiz daran, bei der politischen Klasse (von Landesregierungen bis zum Kanzler) für seine verteilungspolitische Quadratur des Kreises Gehör zu finden. Krauthausen denkt mit, sagt, „jetzt mustern wir Jugendliche, die noch nicht einmal wählen dürfen, wir schicken sie in den Krieg, ohne ihnen politische Teilhaberechte zu gewähren …“ El-Mafaalani gibt ihm recht, dass das nicht richtig sei, weshalb vor allem an der Stellschraube „gerechtere Lastenverteilung zwischen Alt und Jung“ gedreht werden müsse. Erst danach und nach Absenken des Wahlalters, so legen seine Ausführungen nahe, dürfen wir die jungen Menschen fairerweise zum Militärdienst verpflichten und sie gegebenenfalls in den Krieg schicken.
Dass sich El-Mafaalani Ende letzten Jahres in der taz zumindest von dem „what ever it takes“ bei den Verteidigungsausgaben als einer bundesdeutsche „Überreaktion“ distanziert hat, ändert offenbar nichts an seinem grundsätzlichen Einverständnis mit der verteidigungspolitischen Linie der schwarzroten Regierung. Bei dieser argumentativen Festlegung seitens seines Podcast-Gastes wäre es umso wichtiger gewesen, dass der behindertepolitische Aktivist Raul Krauthausen an dieser Stelle die „Sache der Behinderten“ ins Gespräch einbringt und die sich aufdrängenden kritischen Fragen hinsichtlich der für uns Behinderte bedrohlichen Folgen einer bellizistischen Mentalität anspricht. Warum er das nicht tut, ist mir desto mehr ein Rätsel, als sein auch in diesem Zusammenhang, Kriegsvorbereitung und eine entsprechende Zurichtung des Denkens (militärisches Mindset) aufschlussreiches Gespräch mit der Historikerin Dagmar Herzog nur wenige Wochen zurückliegt. Nach dem, was sie in dieser Podcastfolge ausführt, müsste gerade für einen so klugen Kopf wie Krauthausen klar sein:
Wo, wie es derzeit geschieht, penetrante Kriegsertüchtigungspropaganda in Parlament und Medien das von der neoliberalen Mind-Body-Optimierung und einer neurechten „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“, insbesondere Behindertenfeindlichkeit, hierzulande verursachte gesellschaftliche Reizklima sich politisch zusätzlich auflädt und hysterisiert, wird es für Behinderte und chronisch kranke Menschen, für Vulnerable und Schwache insgesamt über kurz oder lang lebensbedrohlich. In Kreisen ihres politischen Aktivismus sollten sämtliche Alarmglocken schrillen!
Ich zitiere abschließend aus dem Nachwort zu Dagmar Herzogs soeben erschienenen Buch „Der neue faschistische Körper“: „Die uns aktuell umgebenden Konflikte und Kriegsbedrohungen haben dazu geführt, dass sogar in Ländern, die sich bis vor kurzem als Nachkriegsgesellschaften auf immer verstanden, Diskussionen um die Wehrpflicht wieder aufgekommen sind.“ Dies „vor dem Hintergrund einer durchdringenden Kommerzialisierung, Privatisierung und Individualisierung des Alltagslebens entstanden, dessen, was wir auch mit dem Begriff Neoliberalismus verkürzt und vereinfacht zu fassen suchen. Herzog identifiziert diese Ausgangslage in ihren treffenden Bemerkungen dazu, wie die schreckliche eugenische Vorstellung des lebensunwerten Lebens unter heutigen jungen Menschen zum Alltagsverständnis wird. Da sie Druck verspüren in der gegenwärtigen Gesellschaft unabhängig, wettbewerbsfähig und unverwundbar zu bleiben. Die Phantasien, dass wir gegenseitige Bedürftigkeit ablegen, hierarchische Vorrangstellung sichern und unsere Körper autark machen könnten, zieht sich durch die Langzeitgeschichte des Faschismus.“
Eine der Kernbotschaften der neoliberalen Wellnesskultur lautet, dass „unser Körper unser primärer Ort der Kontrolle ist und uns in dieser grausamen und verunreinigten Welt Vorteile verschaffen kann. Fangt also an, ihn zu optimieren, so die Aufforderung des Über-Ich sich zu optimieren, gepaart mit einer grausamen Moralökonomie, die Behinderung oder Bedürftigkeit zu einer Art unverzeihlicher Schuld macht …“

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Der Weckruf gilt Raul Krauthausen und seinem Podcast-Gast Aladin El- Mafaalani. Grob Fahrlässig mindestens, so würde man im Straßenverkehr sagen, wie die beiden in ihrem jüngsten Gespräch das Verteidigungsnarrativ der Mächtigen in Politik und Medien, sprich milliardenschwere Aufrüstung und damit implizit Kriegsvorbereitung, sich zu eigen machen. Kein Wort dazu, welche Gefahr dies angeblich alternativlose Politik insbesondere für behinderte und vulnerable Menschen heraufbeschwört. Welch negative, für uns Behinderte geradezu verheerende Mentalitätsveränderung das permanente Gerede von einer akuten Sicherheitsbedrohung und der eben deshalb notwendigen Kriegsertüchtigung in der nicht behinderten Mehrheitsbevölkerung bewirkt. Dass für diese der Gedanke "Krieg" und "Behindertsein" oder "angegriffen werden und sich verteidigen müssen" eine Horrorvorstellung bedeutet, die reflexhaft Flucht- und Abwehrreaktionen erzeugt. Und bei einem Blick in die Geschichte sogar Schlimmeres!
Die Verteidigungmilliarden müssen sein, für El-Mafaalani und Krauthausen keine Frage
Ohne den geringsten Einwand schließen sie sich dem verteidigungspolitischen Narrativ der parlamentarischen Mitte von Schwarzrot bis Olivgrün an. El-Mafalaani, der Soziologe, weiß auch schon die Lösung für das Problem, wie trotz der schier erdrückenden Rüstungsausgaben (fast die Hälfte des Bundeshaushalts) der Sozialstaat noch zu retten wäre. Und setzt als wissenschaftlicher Politikberater seinen Ehrgeiz daran, bei der politischen Klasse (von Landesregierungen bis zum Kanzler) für seine verteilungspolitische Quadratur des Kreises Gehör zu finden. Krauthausen denkt mit, sagt, „jetzt mustern wir Jugendliche, die noch nicht einmal wählen dürfen, wir schicken sie in den Krieg, ohne ihnen politische Teilhaberechte zu gewähren …“ El-Mafaalani gibt ihm recht, dass das nicht richtig sei, weshalb vor allem an der Stellschraube „gerechtere Lastenverteilung zwischen Alt und Jung“ gedreht werden müsse. Erst danach und nach Absenken des Wahlalters, so legen seine Ausführungen nahe, dürfen wir die jungen Menschen fairerweise zum Militärdienst verpflichten und sie gegebenenfalls in den Krieg schicken.
Dass sich El-Mafaalani Ende letzten Jahres in der taz zumindest von dem „what ever it takes“ bei den Verteidigungsausgaben als einer bundesdeutsche „Überreaktion“ distanziert hat, ändert offenbar nichts an seinem grundsätzlichen Einverständnis mit der verteidigungspolitischen Linie der schwarzroten Regierung. Bei dieser argumentativen Festlegung seitens seines Podcast-Gastes wäre es umso wichtiger gewesen, dass der behindertepolitische Aktivist Raul Krauthausen an dieser Stelle die „Sache der Behinderten“ ins Gespräch einbringt und die sich aufdrängenden kritischen Fragen hinsichtlich der für uns Behinderte bedrohlichen Folgen einer bellizistischen Mentalität anspricht. Warum er das nicht tut, ist mir desto mehr ein Rätsel, als sein auch in diesem Zusammenhang, Kriegsvorbereitung und eine entsprechende Zurichtung des Denkens (militärisches Mindset) aufschlussreiches Gespräch mit der Historikerin Dagmar Herzog nur wenige Wochen zurückliegt. Nach dem, was sie in dieser Podcastfolge ausführt, müsste gerade für einen so klugen Kopf wie Krauthausen klar sein:
Wo, wie es derzeit geschieht, penetrante Kriegsertüchtigungspropaganda in Parlament und Medien das von der neoliberalen Mind-Body-Optimierung und einer neurechten „gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit“, insbesondere Behindertenfeindlichkeit, hierzulande verursachte gesellschaftliche Reizklima sich politisch zusätzlich auflädt und hysterisiert, wird es für Behinderte und chronisch kranke Menschen, für Vulnerable und Schwache insgesamt über kurz oder lang lebensbedrohlich. In Kreisen ihres politischen Aktivismus sollten sämtliche Alarmglocken schrillen!
Ich zitiere abschließend aus dem Nachwort zu Dagmar Herzogs soeben erschienenen Buch „Der neue faschistische Körper“: „Die uns aktuell umgebenden Konflikte und Kriegsbedrohungen haben dazu geführt, dass sogar in Ländern, die sich bis vor kurzem als Nachkriegsgesellschaften auf immer verstanden, Diskussionen um die Wehrpflicht wieder aufgekommen sind.“ Dies „vor dem Hintergrund einer durchdringenden Kommerzialisierung, Privatisierung und Individualisierung des Alltagslebens entstanden, dessen, was wir auch mit dem Begriff Neoliberalismus verkürzt und vereinfacht zu fassen suchen. Herzog identifiziert diese Ausgangslage in ihren treffenden Bemerkungen dazu, wie die schreckliche eugenische Vorstellung des lebensunwerten Lebens unter heutigen jungen Menschen zum Alltagsverständnis wird. Da sie Druck verspüren in der gegenwärtigen Gesellschaft unabhängig, wettbewerbsfähig und unverwundbar zu bleiben. Die Phantasien, dass wir gegenseitige Bedürftigkeit ablegen, hierarchische Vorrangstellung sichern und unsere Körper autark machen könnten, zieht sich durch die Langzeitgeschichte des Faschismus.“
Eine der Kernbotschaften der neoliberalen Wellnesskultur lautet, dass „unser Körper unser primärer Ort der Kontrolle ist und uns in dieser grausamen und verunreinigten Welt Vorteile verschaffen kann. Fangt also an, ihn zu optimieren, so die Aufforderung des Über-Ich sich zu optimieren, gepaart mit einer grausamen Moralökonomie, die Behinderung oder Bedürftigkeit zu einer Art unverzeihlicher Schuld macht …“




