Nürnberg (kobinet)
Jürgen Kunz hat eine Frage gestellt.
Die Frage war an Norbert Dünkel.
Norbert Dünkel arbeitet im Bayerischen Land-Tag.
Im Landes-Parlament arbeiten Politiker aus einem Bundes-Land.
Sie machen Gesetze.
Er ist von der CSU.
Die CSU ist eine Partei.
CSU bedeutet: Christlich-Soziale Union in Bayern.
Jürgen Kunz wollte wissen:
Was denkt Norbert Dünkel über Werkstätten?
In den Werkstätten arbeiten Menschen mit Behinderung.
Eine Behinderung macht manche Sachen schwierig.
Man braucht oft mehr Hilfe als andere Menschen.
Die kurze Form ist: WfbM.
WfbM bedeutet: Werkstatt für behinderte Menschen.
Norbert Dünkel hat geantwortet.
Seine Antwort war:
Die Menschen in den Werkstätten sind zufrieden.
Sie wollen keine Änderung.
Jürgen Kunz war nicht zufrieden.
Er hat einen Text geschrieben.
Der Text erklärt ein Problem.
Das Problem gibt es schon lange.
Das Problem mit den Werkstätten
Werkstätten haben 2 Aufgaben:
Die Menschen sollen lernen.
Sie sollen sich auf normale Jobs vorbereiten.
Dann sollen sie in normale Firmen wechseln.
Aber die Werkstätten sind auch Firmen.
Sie müssen Geld verdienen.
Sie bezahlen Gebäude und Mit-Arbeiter.
Dafür brauchen sie viele Menschen.
Das ist ein Wider-Spruch:
Die Menschen sollen die Werkstatt verlassen.
Aber die Werkstatt braucht die Menschen.
Sonst hat die Werkstatt kein Geld.
Geld für getrennte Welten
Der Staat bezahlt Geld für die Werkstätten.
Ein Staat ist ein Land.
Dort leben viele Menschen zusammen.
Das Geld kommt von allen Bürgern.
Ein Bürger gehört zu einem Land.
Bürger dürfen mit-bestimmen.
Die Bürger denken dann:
Wir haben etwas Gutes getan.
Aber das Geld bezahlt oft Trennung.
Menschen mit Behinderung sind in Werkstätten.
Menschen ohne Behinderung sind in Firmen.
Sie arbeiten nicht zusammen.
Das ist bequem für viele Menschen.
Sie müssen Menschen mit Behinderung nicht treffen.
Sie zahlen nur Geld.
Aber echte Begegnung gibt es nicht.
Ein Blick in die Geschichte
Dieses Problem ist nicht neu.
Schon im Jahr 1919 gab es eine Gruppe.
Die Gruppe hieß: Selbst-Hilfe-Bund.
Der volle Name war länger.
Es war der Selbst-Hilfe-Bund der Körper-Behinderten.
Das war eine Gruppe von Menschen mit Behinderung.
Sie halfen sich gegenseitig.
Die Menschen wollten etwas:
Sie wollten nicht nur versorgt werden.
Sie wollten mit-entscheiden.
Sie wollten gleiche Rechte haben.
Aber heute ist das oft noch nicht so.
Menschen mit Behinderung werden oft verwaltet.
Verwalten bedeutet: Andere kümmern sich um alles.
Die Person darf nicht selbst entscheiden.
Andere entscheiden für sie.
Das ist wie vor 100 Jahren.
Getrennte Welten heute
Viele Menschen mit Behinderung leben getrennt:
Sie gehen in besondere Kinder-Gärten.
Sie gehen in besondere Schulen.
Sie arbeiten in besonderen Werkstätten.
Menschen mit Behinderung und ohne Behinderung treffen sich selten.
Sie sind keine Arbeits-Kollegen.
Sie sind keine Nachbarn.
Sie leben in 2 verschiedenen Welten.
Menschen mit Behinderung sieht man oft nur in Gruppen.
Zum Beispiel am Bahn-Hof.
Oder beim Ausflug in der Stadt.
Echte Begegnungen sind selten.
Was muss sich ändern?
Jürgen Kunz schreibt:
Wir müssen anders denken.
Menschen mit Behinderung brauchen echte Wahl-Möglichkeiten.
Sie sollen selbst entscheiden können.
Es gibt einen Roman zu diesem Thema.
Der Roman heißt: Zündeln an den Strukturen.
Der Autor ist: Ottmar Miles-Paul.
Der Roman erklärt die Probleme.
Die Gesellschaft muss Inklusion ernst nehmen.
Eine Gesellschaft ist eine Gruppe von Menschen.
Die Menschen leben zusammen.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen sind mit dabei.
Jeder Mensch gehört dazu.
Das bedeutet:
Alle Menschen gehören dazu.
Alle arbeiten zusammen.
Niemand wird ausgeschlossen.
Ausgeschlossen bedeutet: Jemand darf nicht mitmachen.
Die Person darf nicht dabei sein.
Links zu mehr Infos

Foto: privat
Nürnberg (kobinet) Jürgen Kunz hat auf der Plattform Abgeordneten Watch vor kurzem den bayerischen Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel, der auch Vorsitzender der AG Förderschulen und Inklusion der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag ist, nach dessen Haltung in Sachen Werkstätten für behinderte Menschen befragt. Mit dessen Antwort, dass die Werkstattbeschäftigten keine Änderung für sich möchten und auch keine Inklusionsdebatte war er nicht zufrieden. In einem Gastbeitrag für die kobinet-nachrichten beschäftigt sich Jürgen Kunz daher nun intensiver mit der Frage, was 100 Jahre Fürsorge für das heutige Werkstättensystem bedeutet.
100 Jahre „Fürsorge“ statt Rechte: Ein historischer Spiegel für die aktuelle Werkstatt-Debatte
Gastbeitrag von Jürgen Kunz
Wer sich heute mit der Situation in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) beschäftigt, bewegt sich in einem schwierigen Spannungsfeld. Die Einrichtungen leisten wichtige Arbeit und bieten Struktur, stehen aber vor einem strukturellen Paradoxon: Ihr gesetzlicher Auftrag ist die Rehabilitation und Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Gleichzeitig müssen sie als Wirtschaftsbetriebe ihre Existenz sichern.
Dieses System bringt eine eigene Logik mit sich: Um Gebäude, Verwaltung und qualifizierte Arbeitsplätze für das Fachpersonal langfristig zu finanzieren, sind stabile Belegungszahlen notwendig. Das schafft – oft ohne böse Absicht der Akteure – eine konservative Struktur. Es entsteht der anspruchsvolle Spagat, Menschen in die Selbstständigkeit entlassen zu sollen, während das System ökonomisch eher auf den Verbleib und den Erhalt der bewährten Strukturen ausgerichtet ist.
Steuergeld für Sonderwelten
Für die Mehrheitsgesellschaft ist dieser Status quo durchaus komfortabel. Ähnlich wie der jährliche Kirchenbesuch an Weihnachten beruhigt das Wissen, dass Steuergelder in „soziale Einrichtungen“ fließen, das kollektive Gewissen. Man wähnt die Menschen „gut versorgt“ und hat seine Schuldigkeit getan. Dass diese Steuergelder oft Strukturen finanzieren, die Segregation zementieren, statt Inklusion zu ermöglichen, wird dabei ausgeblendet. Es ist bequemer, für eine „Sonderwelt“ zu zahlen, als sich der Begegnung im Alltag zu stellen.
Der historische Blick zurück
Liest man aktuelle Analysen – oder auch literarische Verarbeitungen wie den Roman „Zündeln an den Strukturen“ von Ottmar Miles-Paul – und wirft gleichzeitig einen Blick in die Geschichtswissenschaft, wird deutlich: Dieses Spannungsfeld ist nicht neu.
Wie Petra Fuchs in ihrem Dossier mit dem Titel „‚Behinderung‘ und der Umgang mit behinderten Menschen in historischer Perspektive“ für die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) darlegt, formierte sich bereits 1919 der „Selbsthilfebund der Körperbehinderten“. Schon damals wehrten sich Betroffene gegen den Status als reine Objekte der Fürsorge und forderten Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Verharren im Paternalismus
Während Deutschland sich heute zurecht rühmt, die menschenverachtenden Verbrechen und die „Euthanasie“ des Nationalsozialismus überwunden zu haben, müssen wir uns einer unbequemen Wahrheit stellen: In der strukturellen Logik der Fürsorge verharren wir oft noch immer auf dem Stand der 1920er Jahre.
Zwar klingen die Begriffe heute freundlicher – aus der „Anstalt“ wurde die „Einrichtung“, aus der „Fürsorge“ die „Teilhabe“. Doch das Grundproblem bleibt oft bestehen: Es wird häufig immer noch über Menschen gesprochen, statt mit ihnen zu entscheiden. Der Wunsch, nicht mehr verwaltet zu werden, sondern das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen – genau das, was Aktivisten schon 1919 forderten – ist für viele längst noch keine Realität.
Das führt dazu, dass wir oft in zwei getrennten Welten leben. Häufig beginnt es schon im Kindergarten, zieht sich durch die Schulzeit und endet in der Werkstatt. Im „normalen“ Alltag fehlen oft die Berührungspunkte: Der Mensch mit Behinderung begegnet uns selten als der Kollege am Schreibtisch gegenüber oder als Nachbar beim Bäcker.
Wir nehmen Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum meist nur dann wahr, wenn sie gemeinsam unterwegs sind – etwa als Ausflugsgruppe am Bahnhof oder in der Stadt. Man bleibt unter sich. Wirkliche Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung bleiben so leider oft die Ausnahme.
Der Roman von Ottmar Miles-Paul ist ein wichtiger Impuls, diese historischen Linien zu erkennen. Es geht darum, die Diskussion neu zu führen: Weg von der Verwaltung des Status quo, hin zu echten Auswegen und Wahlmöglichkeiten – sowohl für die Betroffenen als auch für eine Gesellschaft, die Inklusion ernst nimmt.
Link zum Bericht der kobinet-nachrichten zur Anfrage von Jürgen Kunz bei Abgeordneten Watch
Link zu Infos zum Roman „Zündeln an den Strukturen“ von Ottmar Miles-Paul

Foto: privat
Nürnberg (kobinet) Jürgen Kunz hat auf der Plattform Abgeordneten Watch vor kurzem den bayerischen Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel, der auch Vorsitzender der AG Förderschulen und Inklusion der CSU-Fraktion im Bayerischen Landtag ist, nach dessen Haltung in Sachen Werkstätten für behinderte Menschen befragt. Mit dessen Antwort, dass die Werkstattbeschäftigten keine Änderung für sich möchten und auch keine Inklusionsdebatte war er nicht zufrieden. In einem Gastbeitrag für die kobinet-nachrichten beschäftigt sich Jürgen Kunz daher nun intensiver mit der Frage, was 100 Jahre Fürsorge für das heutige Werkstättensystem bedeutet.
100 Jahre „Fürsorge“ statt Rechte: Ein historischer Spiegel für die aktuelle Werkstatt-Debatte
Gastbeitrag von Jürgen Kunz
Wer sich heute mit der Situation in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) beschäftigt, bewegt sich in einem schwierigen Spannungsfeld. Die Einrichtungen leisten wichtige Arbeit und bieten Struktur, stehen aber vor einem strukturellen Paradoxon: Ihr gesetzlicher Auftrag ist die Rehabilitation und Vermittlung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Gleichzeitig müssen sie als Wirtschaftsbetriebe ihre Existenz sichern.
Dieses System bringt eine eigene Logik mit sich: Um Gebäude, Verwaltung und qualifizierte Arbeitsplätze für das Fachpersonal langfristig zu finanzieren, sind stabile Belegungszahlen notwendig. Das schafft – oft ohne böse Absicht der Akteure – eine konservative Struktur. Es entsteht der anspruchsvolle Spagat, Menschen in die Selbstständigkeit entlassen zu sollen, während das System ökonomisch eher auf den Verbleib und den Erhalt der bewährten Strukturen ausgerichtet ist.
Steuergeld für Sonderwelten
Für die Mehrheitsgesellschaft ist dieser Status quo durchaus komfortabel. Ähnlich wie der jährliche Kirchenbesuch an Weihnachten beruhigt das Wissen, dass Steuergelder in „soziale Einrichtungen“ fließen, das kollektive Gewissen. Man wähnt die Menschen „gut versorgt“ und hat seine Schuldigkeit getan. Dass diese Steuergelder oft Strukturen finanzieren, die Segregation zementieren, statt Inklusion zu ermöglichen, wird dabei ausgeblendet. Es ist bequemer, für eine „Sonderwelt“ zu zahlen, als sich der Begegnung im Alltag zu stellen.
Der historische Blick zurück
Liest man aktuelle Analysen – oder auch literarische Verarbeitungen wie den Roman „Zündeln an den Strukturen“ von Ottmar Miles-Paul – und wirft gleichzeitig einen Blick in die Geschichtswissenschaft, wird deutlich: Dieses Spannungsfeld ist nicht neu.
Wie Petra Fuchs in ihrem Dossier mit dem Titel „‚Behinderung‘ und der Umgang mit behinderten Menschen in historischer Perspektive“ für die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) darlegt, formierte sich bereits 1919 der „Selbsthilfebund der Körperbehinderten“. Schon damals wehrten sich Betroffene gegen den Status als reine Objekte der Fürsorge und forderten Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
Verharren im Paternalismus
Während Deutschland sich heute zurecht rühmt, die menschenverachtenden Verbrechen und die „Euthanasie“ des Nationalsozialismus überwunden zu haben, müssen wir uns einer unbequemen Wahrheit stellen: In der strukturellen Logik der Fürsorge verharren wir oft noch immer auf dem Stand der 1920er Jahre.
Zwar klingen die Begriffe heute freundlicher – aus der „Anstalt“ wurde die „Einrichtung“, aus der „Fürsorge“ die „Teilhabe“. Doch das Grundproblem bleibt oft bestehen: Es wird häufig immer noch über Menschen gesprochen, statt mit ihnen zu entscheiden. Der Wunsch, nicht mehr verwaltet zu werden, sondern das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen – genau das, was Aktivisten schon 1919 forderten – ist für viele längst noch keine Realität.
Das führt dazu, dass wir oft in zwei getrennten Welten leben. Häufig beginnt es schon im Kindergarten, zieht sich durch die Schulzeit und endet in der Werkstatt. Im „normalen“ Alltag fehlen oft die Berührungspunkte: Der Mensch mit Behinderung begegnet uns selten als der Kollege am Schreibtisch gegenüber oder als Nachbar beim Bäcker.
Wir nehmen Menschen mit Behinderung im öffentlichen Raum meist nur dann wahr, wenn sie gemeinsam unterwegs sind – etwa als Ausflugsgruppe am Bahnhof oder in der Stadt. Man bleibt unter sich. Wirkliche Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Behinderung bleiben so leider oft die Ausnahme.
Der Roman von Ottmar Miles-Paul ist ein wichtiger Impuls, diese historischen Linien zu erkennen. Es geht darum, die Diskussion neu zu führen: Weg von der Verwaltung des Status quo, hin zu echten Auswegen und Wahlmöglichkeiten – sowohl für die Betroffenen als auch für eine Gesellschaft, die Inklusion ernst nimmt.
Link zum Bericht der kobinet-nachrichten zur Anfrage von Jürgen Kunz bei Abgeordneten Watch
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