Staufen (kobinet)
Eine Geschichte beginnt.
Sie ist sehr ruhig.
Ein Baby liegt in einer Wiege.
Die Geschichte ist an 5 Tagen.
Die Tage kommen hinter-einander.
Das ist Teil 1 von der Geschichte.
Die Geschichte ist in Ost-Deutschland.
In einer Küche.
Die Küche ist in einem Platten-Bau.
Ein Platten-Bau ist ein Haus.
Das Haus ist aus fertigen Teilen gebaut.
Eine junge Mutter ist dort.
Sie heißt Thekla.
Thekla arbeitet zu Hause.
Sie baut Drohnen.
Drohnen sind kleine Flug-Zeuge.
Sie haben keinen Pilot.
Man steuert sie mit einer Fern-Bedienung.
Ein junger Vater ist auch da.
Er heißt Tom.
Tom bringt die Drohnen weg.
Tom fährt die Drohnen nach Polen.
Polen ist ein Land in Mittel-Europa.
Die Haupt-Stadt von Polen heißt Warschau.
Die Drohnen sind für die Armee.
Die Armee verteidigt das Land.
Eine Verteidigungs-Armee schützt ein Land.
Die Soldaten passen auf.
Niemand soll das Land angreifen.
Thekla arbeitet zu Hause
Thekla wohnt in Görlitz.
Görlitz ist eine Stadt.
Die Stadt ist in Ost-Deutschland.
Die Wohnung ist in einem Platten-Bau.
Der Platten-Bau ist alt.
Thekla baut Drohnen in ihrer Küche.
Thekla arbeitet am Küchen-Tisch.
Thekla trägt bequeme Kleidung.
Thekla sitzt am Küchen-Tisch.
Thekla sitzt ganz links.
Neben Thekla steht eine Wiege.
In der Wiege liegt ihr Baby.
Thekla kann die Wiege anschubsen.
Die Wiege schaukelt dann.
Das Baby mag das.
Das Baby heißt Luisa.
Auf dem Tisch stehen 2 Kartons.
Ein großer Karton ist rechts.
Der Karton ist neben Thekla.
Ein kleiner Karton steht vor Thekla.
In der Ecke stehen mehr Kartons.
Die Kartons stapeln sich bis zur Decke.
Auf dem Herd steht eine Baby-Flasche.
Die Flasche ist warm.
Über dem Herd hängt eine Uhr.
Die Uhr zeigt die Zeit an.
Thekla muss schnell arbeiten.
Görlitz baut jetzt Waffen.
Das ist seit ein paar Wochen so.
Russland hat angegriffen.
Russland ist ein sehr großes Land.
Es liegt in Europa und Asien.
Deshalb braucht man Waffen.
Die Menschen bauen die Waffen zu Hause.
Thekla baut Drohnen zu Hause.
Die Drohnen sind sehr gut.
Die Drohnen sind für den Krieg.
Die Küche ist eine kleine Fabrik.
Von der Küche gehen die Drohnen weg.
Die Drohnen gehen an die Front.
Thekla schubst die Wiege wieder an.
Dann holt Thekla eine Drohne heraus.
Die Drohne ist im Karton.
Die Drohne hat eingeklappte Flügel.
Thekla stellt die Drohne auf den Tisch.
Thekla muss Batterien einlegen.
Die Batterien sind im kleinen Karton.
Thekla muss auch Daten prüfen.
Thekla darf niemandem davon erzählen.
Auch Tom darf es nicht wissen.
Tom war sauer darüber.
Thekla hat gesagt: Sei nicht kindisch.
Ich arbeite für das Militär.
Das Militär sind alle Soldaten von einem Land.
Die Soldaten schützen das Land mit Waffen.
Das ist sehr geheim.
Es geht um die Sicherheit von Luisa.
Tom hat das verstanden.
Tom hat die Wiege gekauft.
Tom hat die Wiege auf dem Floh-Markt gekauft.
Auf einem Floh-Markt kauft man Sachen.
Auf einem Floh-Markt verkauft man Sachen.
Die Sachen sind gebraucht und günstig.
Tom hat die Wiege blau angemalt.
Auf der Wiege ist eine Friedens-Taube.
Die Friedens-Taube ist ein Zeichen.
Das Zeichen bedeutet: Frieden.
Frieden bedeutet: Es gibt keinen Krieg.
Thekla legt die Batterien ein.
Thekla prüft die Daten.
Dann testet Thekla die Drohne.
Thekla lässt die Drohne fliegen.
Die Drohne muss gut fliegen können.
Die Küche ist klein.
Aber das ist kein Problem.
Die Drohne muss auch eng fliegen.
Die Drohne muss auf engem Raum fliegen.
Das ist wichtig für den Krieg.
Die Drohne fliegt um die Lampe.
Die Lampe hängt über dem Tisch.
Die Drohne fliegt auch zum Fenster.
Dann fliegt die Drohne tief.
Die Drohne fliegt zwischen den Tisch-Beinen.
Das ist der Test-Flug.
Luisa jauchzt.
Luisa mag die Drohne.
Die Drohne macht ein summendes Geräusch.
Luisa streckt ihre Arme aus.
Luisa will die Drohne greifen.
Thekla sagt: Nein.
Das ist kein Spiel-Zeug.
Das ist nichts für Kinder.
Nuckel an deinem Schnuller.
Lass Mama arbeiten.
Die Drohne landet auf dem Tisch.
Jemand klopft an die Tür.
Tom kommt herein.
Tom fragt: Kann ich rein-kommen?
Ist die Luft rein?
Thekla sagt: Ja klar.
Der Test-Flug ist fertig.
Komm rein.
Tom hat eine Pizza dabei.
Tom fragt: Wollen wir essen?
Du wirst sonst zu dünn.
Du arbeitest zu viel.
Tom arbeitet als Fahrrad-Kurier.
Ein Kurier bringt wichtige Briefe.
Ein Kurier bringt wichtige Pakete.
Der Kurier fährt damit zu den Menschen.
Tom verdient nicht viel Geld.
Thekla verdient jetzt mehr.
Thekla arbeitet zu Hause.
Das ist besser als an der Kasse.
Früher hat Thekla an der Kasse gearbeitet.
Das war in einem Super-Markt.
Die Arbeit war schlecht.
Thekla hatte immer Rücken-Schmerzen.
Thekla war immer erkältet.
Jetzt ist es besser.
Thekla sitzt am warmen Küchen-Tisch.
Thekla baut Drohnen.
Das ist viel bequemer.
Tom sagt: Mieczyslaw hat angerufen.
Ich soll ihm Drohnen bringen.
Ich soll ihm wieder Drohnen bringen.
Mieczyslaw wohnt in Polen.
Mieczyslaw ist an der Grenze.
Thekla zeigt auf die Ecke.
Dort stehen viele Kartons.
In den Kartons sind fertige Drohnen.
Thekla sagt: Kein Problem.
Wir haben genug Drohnen.
Aber lass uns erst essen.
Tom arbeitet als Kurier.
Früher hat Tom Pizza ausgeliefert.
Jetzt liefert Tom Drohnen aus.
Tom trägt 1 Drohne im Rucksack.
Tom trägt 2 Drohnen auf dem Gepäck-Träger.
Ein Gepäck-Träger ist ein Ding.
Das Ding ist am Fahrrad.
Auf dem Gepäck-Träger kann man Sachen transportieren.
Die Drohnen gehen nach Polen.
Von Polen gehen die Drohnen nach Russland.
Dort ist das polnische Militär.
Die Soldaten freuen sich auf die Drohnen.
Tom holt einen Stuhl.
Tom setzt sich.
Tom balanciert die Pizza auf den Knien.
Auf dem Tisch ist kein Platz.
Tom öffnet die Pizza-Schachtel.
Die Pizza ist schon in Stücke geschnitten.
Tom sagt: Wir essen mit den Händen.
Tom fragt: Wie geht es Luisa?
Ist Luisa vergnügt?
Thekla sagt: Nicht so laut.
Luisa schläft gerade.
Tom sagt: Schade.
Ich wollte die CD hören.
Eine CD ist eine runde Scheibe.
Darauf kann man Musik speichern.
Die CD ist von der Leipziger Oma.
Die CD hat Lieder.
Die Lieder sind von Bettina Wegner.
Tom mag das Lied.
Das Lied ist von den kleinen Händen.
Thekla singt leise.
Thekla will Luisa nicht wecken.
Thekla singt: Sind so kleine Hände.
Winzige Finger dran.
Thekla singt weiter:
Darf man nie drauf schlagen.
Die zerbrechen dann.
Was ihr wissen müsst
Firmen brauchen gerade viele Mitarbeiter.
Die Firmen bauen Waffen.
Die Zeit ist knapp.
Die Firmen bieten neue Arbeits-Modelle an.
Arbeits-Modelle sind verschiedene Arten.
Die Arten zeigen: Wie kann man arbeiten.
Zum Beispiel: Voll-Zeit arbeiten.
Oder: Teil-Zeit arbeiten.
In Görlitz gibt es eine Firma.
Die Firma heißt: Peace and Freedom Systems.
Das ist Englisch.
Es bedeutet: Frieden und Freiheit Systeme.
Die Firma baut Drohnen.
Die letzten Schritte macht man zu Hause.
Man legt Batterien ein.
Man macht einen Test-Flug.
So können junge Mütter mit-arbeiten.
Die Mütter haben ein Baby zu Hause.
Die Mütter können trotzdem arbeiten.
So ist Thekla zu ihrem Job gekommen.
Man muss einen Kurs machen.
Der Kurs ist im Internet.
Man muss ein Wochen-Ende zur Schulung.
Das ist alles.
Manchmal stürzt eine Drohne ab.
Das passiert beim Test-Flug zu Hause.
Dann wirft man die Drohne einfach weg.
Man bringt die Drohne zum Schrott-Platz.
Die Firma gibt den Mitarbeitern Drohnen.
Die Mitarbeiter dürfen die Drohnen verkaufen.
Tom und Thekla verkaufen nach Polen.
Viele Polen wollen Drohnen kaufen.
Der polnische Chef heißt Tusk.
Tusk hat etwas befohlen.
Jeder polnische Mann muss kämpfen lernen.
Jeder Mann muss Drohnen bedienen lernen.
In der Ukraine gibt es viel Erfahrung.
Die Ukraine ist ein Land in Ost-Europa.
Die Haupt-Stadt heißt Kiew.
Die Erfahrung ist mit Drohnen im Krieg.
Die Erfahrung ist gut.
Die Firma verdient gut damit.
Die Firma verkauft ein Modell.
Das Modell heißt: Smart Killer.
Smart Killer sind intelligente Waffen.
Sie können alleine Ziele finden.
Sie können alleine angreifen.
Das ist Englisch.
Es bedeutet: Kluger Killer.
Die Firma sagt: Klein ist schön.
Das ist ein alter Spruch.
Die Drohne ist sehr klein.
Die Drohne ist die kleinste Drohne in Europa.
Thekla baut diese Drohne.
Alle Drohnen retten Leben.
Das sagt ein Mann aus der Ukraine.
Drohnen bringen Medikamente.
Drohnen bringen Essen und Wasser.
Man kann nicht mit dem Auto fahren.
Der Feind würde einen töten.
Deshalb sind Drohnen wichtig.
Die nächste Geschichte kommt bald.
Die Geschichte heißt: Peter und der Panzer.
Peter ist 6 Jahre alt.
Peter hat eine Knochen-Krankheit.
Peter sitzt im Roll-Stuhl.
Die Geschichte spielt in Süd-Deutschland.
In einer kleinen Stadt.
Die Stadt hat enge Gassen.
Ein Panzer bleibt stecken.
Der Panzer ist ein Leopard-Panzer.
Der Panzer soll nach Litauen.
Schafft der Panzer es rechtzeitig?
Das ist spannend.

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Staufen (kobinet) Beinahe idyllisch mit einem Kindlein in der Wiege, so beginnt die aktuelle Storytelling-Serie auf kobinet an fünf aufeinanderfolgenden Tagen. Folge eins spielt in einer ostdeutschen Plattenbauküche. Wir begegnen einer jungen Mutter, die in Heimarbeit den Gamechanger moderner Kriegstechnik fertigt und einem jungen Vater, der das kostbare Verteidigungsgut zügig an die polnische Ostgrenze befördert.
Thekla fertigt in Heimarbeit – Wehrtauglich von der Wiege bis zur Bahre, die Mutter-Kleinkindjahre
Im Görlitzer Plattenbau. Zerbröselnde Altbausubstanz und digitale Hightech-Produktion gehen Hand in Hand. Denn Theklas Heimarbeit ist Handarbeit, Drohnenfertigung am Küchentisch. Im bequemen Jogginganzug sitzt Thekla an der Längsseite des Küchentischs, ganz nach links ans Kopfende gerückt, wo die Wiege steht. Dadurch kann sie die Wiege hin und wieder durch einen leichten Stups mit der linken Hand in einer sanften Schaukelbewegung halten, was der Kleinen gefällt. Rechts neben ihr auf dem Tisch steht ein großer Karton, vor ihr ein kleiner, etwas von ihr weggerückt zur Tischkante, damit sie eine freie Fläche zum Hantieren hat. Schräg hinter ihr rechterhand stapeln sich vom Boden bis unter die Decke weitere der großen Kartons. Gegenüber auf dem Herd hat Thekla die warmgestellte Nuckelflasche der Kleinen im Auge. Darüber auf der Dampfabzugshaube den großen runden Küchenwecker mit der Uhrzeit – wenn dir der nur mal nicht runterfällt, hat Tom sie gewarnt. Aber auch wenn Thekla nicht im Akkord arbeitet, in Zeiten wie diesen kommt es auf jede Minute an.
Was endlich auch die deutsche Politik und die deutsche Wirtschaft verstanden haben. Den russischen Angriff zum Sommerende vor Augen, hat sich Görlitz binnen Wochen zur ostdeutschen Rüstungsschmiede gemausert. Mit der Plattenbauküche als kleinster Produktionseinheit. Produziert am heimischen Küchentisch wird qualitativ hochwertiges Rüstungsgut für den Drohnenkrieg. Die Küchenproduktionsstätte ist das letzte Glied in der Fertigungskette. Das Produkt verlässt die Küche in einsatzbereitem Zustand, vom Küchentisch aus geht es Stück für Stück an die Front.
Während ihre linke Hand mit dem Zeigefinger der Wiege der Kleinen abermals einen leichten Stups versetzt, fasst Theklas rechte in die Öffnung des Kartons und holt die nächste Drohne aus ihm hervor. Den Torso mit den eng anliegenden eingeklappten Flügeln stellt sie vor sich auf den Tisch. Ihre Aufgabe ist es, im Bauch der Drohne die Batterien, die sich im kleineren der beiden Kartons befinden, sachgerecht unterzubringen. Außerdem muss sie ein paar elektronische Daten abgleichen, darüber darf sie niemandem Auskunft geben, nicht einmal Tom, der deswegen erst sauer gewesen ist. Sei nicht kindisch, hat sie ihn ermahnen müssen, ich verrichte meine Heimarbeit in einem militärischen Hochsicherheitsbereich, das Leben und die Sicherheit unserer Kleinen hängen davon ab. Das hat ihn schlussendlich überzeugt. Tom hat die Wiege der Kleinen, sie heißt übrigens Luisa, noch vor der Geburt auf einem Flohmarkt erstanden, den zerkratzten Lackanstrich hat er veilchenblau übermalt, mit einer Friedenstaube aufs Fuß- und aufs Kopfende.
Nachdem Thekla die Batterien eingelegt hat und mit dem Datenabgleich fertig ist, testet sie die Drohne abschließend auf ihre Funktions- bzw. Flugtüchtigkeit. Bevor das nunmehr einsatzbereite Verteidigungsgut in einen der Kartons mit fertigem Stückgut wandert, die sich in der Ecke hinter der Küchentür stapeln. Anders als man zunächst denken könnte, stellt die Enge der Küche kein Hindernis für einen Testflug dar. Denn selbst auf engstem Raum muss das Gerät perfekt manövrierbar sein, um den strengen Kriegstüchtigkeitskriterien auf dem Gefechtsfeld zu genügen.
Mehrmaliges Umkreisen des tellerrunden Lampenschirms, der über der Tischmitte von der Decke hängt, damit wäre Theklas Teststrecke für Drohnenflug im wesentlichen beschrieben, ein Abstecher zur Fensternische plus einmal Sinkflug über den Fußboden zwischen den Tischbeinen hindurch, das wars. Luisa in ihrer Wiege jauchzt und gluckst wenn die Drohne mit monotonem Summton ihre Kreise um den Lampenschirm zieht. Manchmal streckt sie ihre dünnen Ärmchen nach dem fetten Brummer aus, als wolle sie ihn zu sich heranziehen. Nein, nein, sagt Thekla, das ist kein Spielzeug, nichts für Kinder, nuckel du mal schön an deinem Schnuller und lass Mama das machen. Gerade ist die Drohne exakt vor ihr auf dem Tisch gelandet, da klopft es an die Tür. Herein, Tom steckt den Kopf zur Tür herein, kann ich reinkommen, ist die Luft rein? Klar, sagt Thekla, Testflug soeben erfolgreich beendet, rein mit dir. Tom hat einen Pizzakarton in der Hand, wollen wir mal was essen? Du magerst mir sonst noch vor lauter Arbeit zu einem Gerippe ab.
Tom arbeitet als Fahrradkurier, viel kommt dabei nicht rum. Deshalb ist er froh gewesen, als Thekla den lukrativen Heimarbeitsjob gekriegt hat. Und ihren miesen Job an der Kaufhallenkasse hat aufgeben können, bei dem es ihr ständig ins Kreuz gezogen hat und sie nie ohne Schnupfen nachhause kam. An der Kasse eine schlechtgelaunte Kundin nach der andern abfertigen, gar kein Vergleich die jetzige Bequemlichkeit am warmen Küchentisch, eine handzahme Drohne nach der andern. – Mieczyslaw hat angerufen, sagt Tom, ich soll ihm wieder welche anliefern. Thekla deutet mit einer Kopf- und Kinnbewegung in die Ecke hinter der Tür. Kein Problem, die Vorräte stapeln sich. Aber du hast recht, ich bin hungrig, lass uns erst mal die Pizza essen, ehe sie kalt ist.
Mieczyslaw ist einer von mehreren Drohnenabnehmern an der polnischen Grenze. Außer Kurierdiensten für Arzt- und Anwaltspraxen hat Tom auch früher schon, ganz schön stressig, Pizza und Döner ausgefahren, jetzt halt Drohnen statt dessen. Eine auf dem Rücken im Rucksack, zwei auf dem Gepäckträger. Von der deutsch-polnischen Grenze werden die Drohnen an die polnisch-russische Grenze zu den Drohnenleitstellen des polnischen Militärs gebracht. Dort herrsche regelrecht Playstation-Mentalität und die Männer fieberten geradezu danach, die gehorteten Bestände abzubauen.
Tom angelt mit dem Fuß nach einem Stuhl und zieht ihn zu sich heran, setzt sich und balanciert den Pizzakarton auf den Knien, auf dem Tisch ist kein Platz. Er klappt den Deckel zur Seite, schon in Stücke geschnitten, sagt er, essen wir sie doch einfach aus der Hand. Ach ja, wie geht es denn der Kleinen, vergnügt wie immer? Nicht so laut, sagt Thekla, sie ist eben erst eingeschlafen. Ach schade, wollt dich gerade bitten, noch einmal die CD zu spielen, die von der Leipziger Oma, du weißt schon die mit den Liedern von Bettina Wegner. Gefallen mir richtig gut, vor allem das von den kleinen Händen. Sind so kleine Hände, das meinst du, sagt Thekla und singt leise, um Luisa in der Wiege nicht zu wecken. „Sind so kleine Hände, winzge Finger dran, darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann…“
Was Lesende dieser Geschichte sicher längst wissen
Momentan, wo die Zeit knapp ist und es brennt, locken Unternehmen der Rüstungsbranche zusätzliche Mitarbeiter mit unkonventionellen Beschäftigungs- und Vergütungsmodellen. Der Görlitzer Ableger des Rüstungs- und Raumfahrtunternehmens „Peace and Freedom Systems“ hat die beiden letzten Fertigungsschritte seiner Drohnenproduktion (Batterie einlegen und Testflug) outgesourct, um speziell jungen Müttern in der Babyphase die Teilnahme an Landesverteidigung und Friedenssicherung zu ermöglichen. So ist Thekla zu ihrem Heimarbeitsjob gekommen. Ein Youtube-Turtorial in Drohnenbau und ein unternehmensinternes Anleitungswochenende war alles an Qualifikationsvoraussetzung. – Stürzt einmal eine Drohne beim häuslichen Testflug ab, soll man das Häuflein Schrott einfach bei Gelegenheit beim örtlichen Altstoffhof- oder Händler entsorgen. Eine gewisse Stückzahl Drohen überlässt die Firma ihren Mitarbeiterinnen großzügig für die eigene profitable Vermarktung. Wie sie in Toms und Theklas Fall durch die polnische Nachfrage gewährleistet ist. Die augenblicklich rasant steigt, nachdem der polnische Regierungschef Tusk angeordnet hat, dass künftig jeder polnische Mann nicht nur an der Waffe ausgebildet, sondern auch in der Handhabe bewaffneter Drohnen geschult wird.
Die Erfahrungswerte aus der ukrainischen Drohnenkriegsführung sind außerordentlich ermutigend auch hinsichtlich eines profitablen Marketing für Unternehmen wie „Peace and Freedom Systems“. Die ihr Modell „Smart Killer“ derzeit überaus erfolgreich mit dem alten Ökoslogan „small ist beautiful“ vermarket. Dieses Modell (das auch Thekla in ihrer Heimarbeit fertigt) ist die bislang kleinste und handlichste Angriffsdrohne auf dem europäischen Verteidigungsgütermarkt. Doch letztlich sind alle Drohnentypen lebensrettend, „weil sie“, so ein ukrainischer Spezialist, “ auch humanitäre Zwecke erfüllen, sie transportieren Medikamente, Lebensmittel und Wasser an Orte, an die man nicht mit dem Auto fahren kann, weil der Feind einen dann umbringt.“ (O-Ton aus einem Deutschlandfunk-Feature)
In der nächsten Folge der Reihe „Wehrtauglich von der Wiege bis zur Bahre“ – Peter und der Panzer- geht es um ein aufregendes Erlebnis eines sechsjährigen Jungen, der Glasknochenkrankheit hat und im Rollstuhl sitzt. Ort des Geschehens ist eine süddeutsche Kleinstadt in einer mit ihren malerischen, für ein resilientes Verteidigungswesen aber viel zu engen Altstadtgassen, hat sich ein Leopardpanzer auf der Durchfahrt verkeilt. Ob er noch rechtzeitig an seinen litauischen Einsatzort gelangt? Spannend bis zur letzten Zeile!

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Staufen (kobinet) Beinahe idyllisch mit einem Kindlein in der Wiege, so beginnt die aktuelle Storytelling-Serie auf kobinet an fünf aufeinanderfolgenden Tagen. Folge eins spielt in einer ostdeutschen Plattenbauküche. Wir begegnen einer jungen Mutter, die in Heimarbeit den Gamechanger moderner Kriegstechnik fertigt und einem jungen Vater, der das kostbare Verteidigungsgut zügig an die polnische Ostgrenze befördert.
Thekla fertigt in Heimarbeit – Wehrtauglich von der Wiege bis zur Bahre, die Mutter-Kleinkindjahre
Im Görlitzer Plattenbau. Zerbröselnde Altbausubstanz und digitale Hightech-Produktion gehen Hand in Hand. Denn Theklas Heimarbeit ist Handarbeit, Drohnenfertigung am Küchentisch. Im bequemen Jogginganzug sitzt Thekla an der Längsseite des Küchentischs, ganz nach links ans Kopfende gerückt, wo die Wiege steht. Dadurch kann sie die Wiege hin und wieder durch einen leichten Stups mit der linken Hand in einer sanften Schaukelbewegung halten, was der Kleinen gefällt. Rechts neben ihr auf dem Tisch steht ein großer Karton, vor ihr ein kleiner, etwas von ihr weggerückt zur Tischkante, damit sie eine freie Fläche zum Hantieren hat. Schräg hinter ihr rechterhand stapeln sich vom Boden bis unter die Decke weitere der großen Kartons. Gegenüber auf dem Herd hat Thekla die warmgestellte Nuckelflasche der Kleinen im Auge. Darüber auf der Dampfabzugshaube den großen runden Küchenwecker mit der Uhrzeit – wenn dir der nur mal nicht runterfällt, hat Tom sie gewarnt. Aber auch wenn Thekla nicht im Akkord arbeitet, in Zeiten wie diesen kommt es auf jede Minute an.
Was endlich auch die deutsche Politik und die deutsche Wirtschaft verstanden haben. Den russischen Angriff zum Sommerende vor Augen, hat sich Görlitz binnen Wochen zur ostdeutschen Rüstungsschmiede gemausert. Mit der Plattenbauküche als kleinster Produktionseinheit. Produziert am heimischen Küchentisch wird qualitativ hochwertiges Rüstungsgut für den Drohnenkrieg. Die Küchenproduktionsstätte ist das letzte Glied in der Fertigungskette. Das Produkt verlässt die Küche in einsatzbereitem Zustand, vom Küchentisch aus geht es Stück für Stück an die Front.
Während ihre linke Hand mit dem Zeigefinger der Wiege der Kleinen abermals einen leichten Stups versetzt, fasst Theklas rechte in die Öffnung des Kartons und holt die nächste Drohne aus ihm hervor. Den Torso mit den eng anliegenden eingeklappten Flügeln stellt sie vor sich auf den Tisch. Ihre Aufgabe ist es, im Bauch der Drohne die Batterien, die sich im kleineren der beiden Kartons befinden, sachgerecht unterzubringen. Außerdem muss sie ein paar elektronische Daten abgleichen, darüber darf sie niemandem Auskunft geben, nicht einmal Tom, der deswegen erst sauer gewesen ist. Sei nicht kindisch, hat sie ihn ermahnen müssen, ich verrichte meine Heimarbeit in einem militärischen Hochsicherheitsbereich, das Leben und die Sicherheit unserer Kleinen hängen davon ab. Das hat ihn schlussendlich überzeugt. Tom hat die Wiege der Kleinen, sie heißt übrigens Luisa, noch vor der Geburt auf einem Flohmarkt erstanden, den zerkratzten Lackanstrich hat er veilchenblau übermalt, mit einer Friedenstaube aufs Fuß- und aufs Kopfende.
Nachdem Thekla die Batterien eingelegt hat und mit dem Datenabgleich fertig ist, testet sie die Drohne abschließend auf ihre Funktions- bzw. Flugtüchtigkeit. Bevor das nunmehr einsatzbereite Verteidigungsgut in einen der Kartons mit fertigem Stückgut wandert, die sich in der Ecke hinter der Küchentür stapeln. Anders als man zunächst denken könnte, stellt die Enge der Küche kein Hindernis für einen Testflug dar. Denn selbst auf engstem Raum muss das Gerät perfekt manövrierbar sein, um den strengen Kriegstüchtigkeitskriterien auf dem Gefechtsfeld zu genügen.
Mehrmaliges Umkreisen des tellerrunden Lampenschirms, der über der Tischmitte von der Decke hängt, damit wäre Theklas Teststrecke für Drohnenflug im wesentlichen beschrieben, ein Abstecher zur Fensternische plus einmal Sinkflug über den Fußboden zwischen den Tischbeinen hindurch, das wars. Luisa in ihrer Wiege jauchzt und gluckst wenn die Drohne mit monotonem Summton ihre Kreise um den Lampenschirm zieht. Manchmal streckt sie ihre dünnen Ärmchen nach dem fetten Brummer aus, als wolle sie ihn zu sich heranziehen. Nein, nein, sagt Thekla, das ist kein Spielzeug, nichts für Kinder, nuckel du mal schön an deinem Schnuller und lass Mama das machen. Gerade ist die Drohne exakt vor ihr auf dem Tisch gelandet, da klopft es an die Tür. Herein, Tom steckt den Kopf zur Tür herein, kann ich reinkommen, ist die Luft rein? Klar, sagt Thekla, Testflug soeben erfolgreich beendet, rein mit dir. Tom hat einen Pizzakarton in der Hand, wollen wir mal was essen? Du magerst mir sonst noch vor lauter Arbeit zu einem Gerippe ab.
Tom arbeitet als Fahrradkurier, viel kommt dabei nicht rum. Deshalb ist er froh gewesen, als Thekla den lukrativen Heimarbeitsjob gekriegt hat. Und ihren miesen Job an der Kaufhallenkasse hat aufgeben können, bei dem es ihr ständig ins Kreuz gezogen hat und sie nie ohne Schnupfen nachhause kam. An der Kasse eine schlechtgelaunte Kundin nach der andern abfertigen, gar kein Vergleich die jetzige Bequemlichkeit am warmen Küchentisch, eine handzahme Drohne nach der andern. – Mieczyslaw hat angerufen, sagt Tom, ich soll ihm wieder welche anliefern. Thekla deutet mit einer Kopf- und Kinnbewegung in die Ecke hinter der Tür. Kein Problem, die Vorräte stapeln sich. Aber du hast recht, ich bin hungrig, lass uns erst mal die Pizza essen, ehe sie kalt ist.
Mieczyslaw ist einer von mehreren Drohnenabnehmern an der polnischen Grenze. Außer Kurierdiensten für Arzt- und Anwaltspraxen hat Tom auch früher schon, ganz schön stressig, Pizza und Döner ausgefahren, jetzt halt Drohnen statt dessen. Eine auf dem Rücken im Rucksack, zwei auf dem Gepäckträger. Von der deutsch-polnischen Grenze werden die Drohnen an die polnisch-russische Grenze zu den Drohnenleitstellen des polnischen Militärs gebracht. Dort herrsche regelrecht Playstation-Mentalität und die Männer fieberten geradezu danach, die gehorteten Bestände abzubauen.
Tom angelt mit dem Fuß nach einem Stuhl und zieht ihn zu sich heran, setzt sich und balanciert den Pizzakarton auf den Knien, auf dem Tisch ist kein Platz. Er klappt den Deckel zur Seite, schon in Stücke geschnitten, sagt er, essen wir sie doch einfach aus der Hand. Ach ja, wie geht es denn der Kleinen, vergnügt wie immer? Nicht so laut, sagt Thekla, sie ist eben erst eingeschlafen. Ach schade, wollt dich gerade bitten, noch einmal die CD zu spielen, die von der Leipziger Oma, du weißt schon die mit den Liedern von Bettina Wegner. Gefallen mir richtig gut, vor allem das von den kleinen Händen. Sind so kleine Hände, das meinst du, sagt Thekla und singt leise, um Luisa in der Wiege nicht zu wecken. „Sind so kleine Hände, winzge Finger dran, darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann…“
Was Lesende dieser Geschichte sicher längst wissen
Momentan, wo die Zeit knapp ist und es brennt, locken Unternehmen der Rüstungsbranche zusätzliche Mitarbeiter mit unkonventionellen Beschäftigungs- und Vergütungsmodellen. Der Görlitzer Ableger des Rüstungs- und Raumfahrtunternehmens „Peace and Freedom Systems“ hat die beiden letzten Fertigungsschritte seiner Drohnenproduktion (Batterie einlegen und Testflug) outgesourct, um speziell jungen Müttern in der Babyphase die Teilnahme an Landesverteidigung und Friedenssicherung zu ermöglichen. So ist Thekla zu ihrem Heimarbeitsjob gekommen. Ein Youtube-Turtorial in Drohnenbau und ein unternehmensinternes Anleitungswochenende war alles an Qualifikationsvoraussetzung. – Stürzt einmal eine Drohne beim häuslichen Testflug ab, soll man das Häuflein Schrott einfach bei Gelegenheit beim örtlichen Altstoffhof- oder Händler entsorgen. Eine gewisse Stückzahl Drohen überlässt die Firma ihren Mitarbeiterinnen großzügig für die eigene profitable Vermarktung. Wie sie in Toms und Theklas Fall durch die polnische Nachfrage gewährleistet ist. Die augenblicklich rasant steigt, nachdem der polnische Regierungschef Tusk angeordnet hat, dass künftig jeder polnische Mann nicht nur an der Waffe ausgebildet, sondern auch in der Handhabe bewaffneter Drohnen geschult wird.
Die Erfahrungswerte aus der ukrainischen Drohnenkriegsführung sind außerordentlich ermutigend auch hinsichtlich eines profitablen Marketing für Unternehmen wie „Peace and Freedom Systems“. Die ihr Modell „Smart Killer“ derzeit überaus erfolgreich mit dem alten Ökoslogan „small ist beautiful“ vermarket. Dieses Modell (das auch Thekla in ihrer Heimarbeit fertigt) ist die bislang kleinste und handlichste Angriffsdrohne auf dem europäischen Verteidigungsgütermarkt. Doch letztlich sind alle Drohnentypen lebensrettend, „weil sie“, so ein ukrainischer Spezialist, “ auch humanitäre Zwecke erfüllen, sie transportieren Medikamente, Lebensmittel und Wasser an Orte, an die man nicht mit dem Auto fahren kann, weil der Feind einen dann umbringt.“ (O-Ton aus einem Deutschlandfunk-Feature)
In der nächsten Folge der Reihe „Wehrtauglich von der Wiege bis zur Bahre“ – Peter und der Panzer- geht es um ein aufregendes Erlebnis eines sechsjährigen Jungen, der Glasknochenkrankheit hat und im Rollstuhl sitzt. Ort des Geschehens ist eine süddeutsche Kleinstadt in einer mit ihren malerischen, für ein resilientes Verteidigungswesen aber viel zu engen Altstadtgassen, hat sich ein Leopardpanzer auf der Durchfahrt verkeilt. Ob er noch rechtzeitig an seinen litauischen Einsatzort gelangt? Spannend bis zur letzten Zeile!




