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ISL setzt Zeichen für 2026: Lieber für Selbstbestimmung brennen als sich beugen

Gruppenbild mit Menschenrechts-T-Shirts von der ISL-Klausur 2026 in Bremen
Gruppenbild mit Menschenrechts-T-Shirts von der ISL-Klausur 2026 in Bremen
Foto: ISL

Bremen (kobinet) Die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) hielt am 15. und 16. Januar 2026 ihre jährliche Klausurtagung in der Jugendherberge Bremen ab. Vorstände, Beiräte und Mitarbeitende der ISL diskutierten die strategischen Schwerpunkte des anstehenden Jahres und setzten ein klares politisches Zeichen: "Lieber intensiv für ein selbstbestimmtes Leben brennen – für Autonomie, Teilhabe und Vielfalt – als von der Gesellschaft in Rollen und Grenzen gezwungen zu werden."

Drei zentrale Schwerpunkte

Triage und Verfassungsgerichtsbeschluss: Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 4. November 2025, der die bestehende Triage-Regelung als verfassungswidrig einstufte, war ein zentrales Thema der Klausur. Die Gesetzgebungskompetenz liegt nun bei den Ländern, und gemeinsam mit den übrigen Bundesländern sollte eine möglichst einheitliche Regelung für zukünftige Triage-Entscheidungen entwickelt werden. Die ISL wird die Gesetzgebung kritisch begleiten und eigene Vorschläge einbringen.

Eingliederungshilfe-Debatte: Intensiv diskutiert wurde die öffentliche Auseinandersetzung um Einsparerfordernisse in der Eingliederungshilfe, die die ISL 2025 stark beschäftigte. Die Teilnehmenden bekräftigten die Position von Christian Bayerlein in seinem WELT-Gastbeitrag „Eingliederungshilfe: Doch, wir müssen uns persönliche Assistenz auch künftig leisten!“ als wichtige Reaktion. Bayerlein verteidigte darin persönliche Assistenz als unverzichtbares Menschenrecht und machte deutlich: Persönliche Assistenz ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben außerhalb von Heimen. Kürzungen würden Menschen mit Behinderungen ihre Menschenwürde und gesellschaftliche Teilhabe nehmen.

Link zum kobinet-Bericht vom 15. Dezember 2025 von Christian Bayerlein „Mein Leben ist keine Kostenstelle“

„Wir lassen nicht zu, dass Sparzwänge unsere Menschenwürde zur Verhandlungsmasse machen“, betont Co-Geschäftsführer Thomas Koritz. „Die aktuellen politischen Entwicklungen zeigen deutlich, wie schnell hart erkämpfte Rechte wieder infrage gestellt werden und dass wir hier 2026 weiterhin gefragt sein werden.“

Genossenschaft behinderter Arbeitgebender: Ein Schwerpunkt der Diskussionen war auch die Ende des Jahres vollzogene Gründung der Genossenschaft behinderter Arbeitgebender (www.gba-bund.de). Diese innovative Genossenschaft ermöglicht es Menschen mit Behinderungen, als Arbeitgebende ihrer Assistenzkräfte aufzutreten und gleichzeitig von den Vorteilen einer genossenschaftlichen Struktur zu profitieren. Die ISL sieht hier ein zukunftsweisendes Modell für selbstbestimmtes Leben.

Weitere Schwerpunkte 2026

Die Klausurtagung befasste sich zudem mit Themen wie der Gendiagnostik und Pränataldiagnostik, der Umsetzung der außerklinischen Intensivpflege (AKI), Fragen der Nachwuchsgewinnung von jungen behinderten Menschen, die als Selbstvertreter*innen politisch aktiv sein wollen, sowie mit Fragen der Arbeitsmarktteilhabe und der Alternativen zu Werkstätten, gerade in jetzigen Zeiten des gesellschaftlichen Rechtsrucks und die Auswirkungen auf die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

Vom Rock-Zitat zur politischen Haltung

Auf der Heimfahrt von Bremen hörte Co-Geschäftsführer Thomas Koritz Musik von Nirvana. Dies inspirierte ihn zu einer Neuinterpretation eines bekannten Zitats: Neil Young schrieb 1979 die Zeile „It’s better to burn out than to fade away“. Kurt Cobain zitierte diese Worte 1994 in seinem Abschiedsbrief.

In Gedanken bei dem unsäglichen WELT-Gastbeitrag von Kristina Schröder zur Eingliederungshilfe formulierte Thomas Koritz das Zitat kurzerhand um in: „Lieber intensiv für ein selbstbestimmtes Leben brennen – für Autonomie, Teilhabe und Vielfalt – als von der Gesellschaft in Rollen und Grenzen gezwungen zu werden.“

Diese Neuformulierung bringt die Grundhaltung der ISL auf den Punkt: Menschen mit Behinderungen wollen nicht passiv gesellschaftliche Zuschreibungen und Begrenzungen hinnehmen. Stattdessen kämpfen sie aktiv und mit voller Energie für ihre Rechte, für Selbstbestimmung und für eine inklusive Gesellschaft.

Über die ISL

Die „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. – ISL“ ist eine menschenrechtsorientierte Selbstvertretungsorganisation. Sie ist die Dachorganisation der Zentren für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen und die deutsche Mitgliedsorganisation der internationalen Selbstvertretungsbewegung behinderter Menschen „Disabled Peoples‘ International – DPI“.