Dillingen (kobinet)
Nico Wunderle schreibt über Politik.
Die Politik ist für Menschen mit Behinderung.
Er schreibt über das Jahr 2025.
Er schreibt für kobinet-nachrichten.
kobinet-nachrichten ist eine Internet-Zeitung.
Die Zeitung ist für Menschen mit Behinderung.
Menschen-Rechte sind keine Haus-Halts-Posten
Das schreibt Nico Wunderle über 2025.
Es ist ein Rück-Blick.
Der Rück-Blick ist über die Politik.
Die Politik ist für Menschen mit Behinderung.
Was war im Jahr 2025?
Nico Wunderle sagt:
Im Jahr 2025 gab es viele Probleme.
Die Probleme waren schon vorher da.
Aber 2025 sah man die Probleme deutlicher.
Die Politik hat Entscheidungen getroffen.
Manche Entscheidungen haben geschadet.
Die Entscheidungen haben Menschen mit Behinderung geschadet.
Die Frage war:
Will die Politik wirklich Inklusion?
Inklusion bedeutet: Alle Menschen sind mit dabei.
Jeder Mensch gehört dazu.
Die UN-Behinderten-Rechts-Konvention
Die UN-Behinderten-Rechts-Konvention ist wichtig.
Das ist ein Vertrag.
Viele Länder haben den Vertrag unterschrieben.
Der Vertrag ist über die Rechte.
Die Rechte sind für Menschen mit Behinderung.
Deutschland hat den Vertrag unterschrieben.
Politiker reden oft über diesen Vertrag.
Aber die Politiker halten sich nicht immer daran.
Das ist ein großes Problem.
Der Vertrag sagt:
Menschen mit Behinderung haben Rechte.
Die Menschen haben ein Recht auf Unter-Stützung.
Die Menschen haben ein Recht auf Teil-Habe.
Teil-Habe bedeutet: Man macht bei etwas mit.
Man gehört dazu.
Das bedeutet:
Die Menschen sollen überall mit-machen können.
Aber oft denkt die Politik an Geld.
Die Politik fragt: Was kostet das?
Nico Wunderle sagt:
Die Politik macht den Vertrag schwächer.
Der Vertrag wird nicht ernst genommen.
Das ist schon lange so.
Im Jahr 2025 sah man das besonders deutlich.
Friedrich Merz und die Sozial-Hilfe
Friedrich Merz ist ein Politiker.
Friedrich Merz hat über Sozial-Hilfe gesprochen.
Sozial-Hilfe ist Geld vom Staat.
Das Geld ist für Menschen.
Friedrich Merz hat die Sozial-Hilfe in Frage gestellt.
Das war im Jahr 2025.
Nico Wunderle sagt:
Das war sehr wichtig.
Denn Sozial-Hilfe und Eingliederungs-Hilfe gehören zusammen.
Eingliederungs-Hilfe ist Hilfe für Menschen mit Behinderung.
Die Hilfe soll ihnen das Leben leichter machen.
Beide beruhen auf den gleichen Grund-Sätzen.
Der Grund-Satz ist:
Jeder Mensch hat ein Recht auf Hilfe.
Das Recht gilt für alle Menschen.
Friedrich Merz stellt die Sozial-Hilfe in Frage.
Das ist gefährlich.
Dann ist auch die Eingliederungs-Hilfe in Gefahr.
Dann müssen Menschen ihre Bedarfe immer wieder erklären.
Bedarf bedeutet: Was ein Mensch braucht.
Das ist sehr anstrengend.
Das ist anstrengend für Menschen mit Behinderung.
Wie war das Jahr 2025?
Viele Menschen mit Behinderung waren unsicher.
Das Leben wurde teurer.
Aber die Hilfen wurden nicht mehr.
Menschen mussten ihre Bedarfe immer wieder erklären.
Das war sehr schwer.
Selbst-bestimmtes Leben war nicht sicher.
Selbst-bestimmt bedeutet: Du entscheidest selbst über dein Leben.
Arbeit in Werkstätten
Viele Menschen mit Behinderung arbeiten in Werkstätten.
Das nennt man: Werkstätten für behinderte Menschen.
Dort können Menschen mit Behinderung arbeiten.
Dort bekommen die Menschen Hilfe von Betreuern.
Viele Leute kritisieren diese Werkstätten.
Die Leute sagen:
Die Werkstätten schließen Menschen aus.
Menschen in Werkstätten bekommen wenig Geld.
Die Menschen können oft nicht wechseln.
Die Menschen können nicht auf den normalen Arbeits-Markt wechseln.
Im Jahr 2025 wurde viel geredet.
Es wurde über die Werkstätten geredet.
Aber es hat sich nichts geändert.
Die Politik hat nichts gemacht.
Das ist ein Problem.
Disability Studies in Gefahr
Disability Studies ist ein Fach an der Uni.
Dort lernen Menschen über das Leben.
Über das Leben von Menschen mit Behinderung.
Dort wird geforscht.
Es wird über die Rechte geforscht.
Die Rechte sind für Menschen mit Behinderung.
Im Jahr 2025 war dieses Fach in Gefahr.
Manche Leute wollten das Fach abschaffen.
Das wäre sehr schlecht.
Nico Wunderle sagt:
Disability Studies sind wichtig.
Dort wird kritisch gedacht.
Dort werden Probleme aufgezeigt.
Wenn dieses Fach verschwindet:
Dann fehlt wichtiges Wissen.
Die Tagung vom bifos
Im Jahr 2025 gab es eine wichtige Tagung.
Eine Tagung ist ein Treffen.
Bei dem Treffen gibt es viele Vorträge.
Die Tagung war vom bifos.
bifos ist eine Bildungs-Einrichtung in Deutschland.
Die Einrichtung ist für Menschen mit Behinderung.
bifos bedeutet:
Bildungs- und Forschungs-Institut zum selbst-bestimmten Leben Behinderter.
Die Tagung hieß: Gestern – heute – morgen.
Bei der Tagung ging es um die Geschichte.
Die Geschichte ist von der Behinderten-Bewegung.
Die Behinderten-Bewegung sind viele Menschen mit Behinderung.
Die Menschen setzen sich für ihre Rechte ein.
Die Behinderten-Bewegung kämpft für die Rechte.
Die Rechte sind für Menschen mit Behinderung.
Die Tagung zeigte:
Es ist wichtig, sich zu erinnern.
Es ist wichtig, die Kämpfe nicht zu vergessen.
Es ist wichtig, Wissen weiter-zu-geben.
Eine Astronautin mit Quer-Schnitts-Lähmung
Im Jahr 2025 gab es eine besondere Nachricht.
Eine Astronautin hat eine Quer-Schnitts-Lähmung.
Quer-Schnitts-Lähmung bedeutet: Die Astronautin kann ihre Beine nicht bewegen.
Die Astronautin sitzt im Roll-Stuhl.
Trotzdem kann die Astronautin Astronautin werden.
Das zeigt: Vieles ist möglich.
Aber im Alltag ist vieles nicht möglich.
Das ist nicht möglich für Menschen mit Behinderung.
Das ist ein Wider-Spruch.
Wider-Spruch bedeutet: Es passt nicht zusammen.
Technisch ist viel möglich.
Aber politisch wird es oft nicht gemacht.
Barriere-Freiheit im Internet
Barriere-Freiheit bedeutet: Alle Menschen können etwas benutzen.
Niemand wird ausgeschlossen.
Im Jahr 2025 wurde viel geredet.
Es wurde über Barriere-Freiheit im Internet geredet.
Öffentliche Stellen müssen ihre Internet-Seiten barriere-frei machen.
Das ist Pflicht.
Aber viele halten sich nicht daran.
Es gibt keine Strafen.
Private Firmen müssen ihre Internet-Seiten nicht barriere-frei machen.
Das ist ein Problem.
Viele Menschen mit Behinderung können dann nicht mit-machen.
Die Zivil-Gesellschaft
Zivil-Gesellschaft bedeutet: Menschen, die sich engagieren.
Im Jahr 2025 war die Zivil-Gesellschaft sehr wichtig.
Viele Menschen haben gekämpft.
Die Menschen haben für die Rechte gekämpft.
Die Rechte sind für Menschen mit Behinderung.
Die Menschen haben ihre Meinung gesagt.
Die Menschen haben auf Probleme hingewiesen.
Das war sehr wichtig.
Zwei wichtige Menschen sind gestorben
Im Jahr 2025 sind zwei wichtige Menschen gestorben.
Das war sehr traurig.
Das war traurig für die Behinderten-Bewegung.
Eine Person war Marita Boos-Waidosch.
Marita Boos-Waidosch hat sich lange eingesetzt.
Marita Boos-Waidosch hat sich für Menschen mit Behinderung eingesetzt.
Marita Boos-Waidosch war in der Politik in Mainz.
Marita Boos-Waidosch war Landes-Behinderten-Beauftragte in Rheinland-Pfalz.
Eine Landes-Behinderten-Beauftragte ist eine Person in einem Bundes-Land.
Die Person hilft Menschen mit Behinderung.
Das bedeutet:
Marita Boos-Waidosch hat sich um die Rechte gekümmert.
Die Rechte sind für Menschen mit Behinderung.
Marita Boos-Waidosch war eine wichtige Stimme.
Die andere Person war Stephanie Aeffner.
Stephanie Aeffner war Bundestags-Abgeordnete.
Der Bundestag ist eine Gruppe von Politikern.
Die Menschen in Deutschland wählen diese Politiker.
Bundestags-Abgeordnete sind Politiker im deutschen Bundes-Tag.
Die Politiker machen Gesetze.
Das bedeutet:
Stephanie Aeffner war Politikerin im Deutschen Bundes-Tag.
Stephanie Aeffner hat sich sehr eingesetzt.
Stephanie Aeffner hat sich für Menschen mit Behinderung eingesetzt.
Der Tod von Stephanie Aeffner ist ein großer Verlust.
Nico Wunderle sagt:
Es ist wichtig:
Viele Menschen melden sich zu Wort.
Es ist wichtig:
Menschen mit Behinderung sagen ihre Meinung.
Nur so kann sich etwas ändern.
Fazit
Fazit bedeutet: Zusammen-Fassung.
Nico Wunderle sagt:
Das Jahr 2025 war schwierig.
Es gab viele Probleme.
Die Politik hat sich nicht genug gekümmert.
Die Politik hat sich nicht um Menschen mit Behinderung gekümmert.
Aber es gab auch Gutes.
Die Behinderten-Bewegung war stark.
Viele Menschen haben gekämpft.
Inklusion braucht mehr als schöne Worte.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen sind mit dabei.
Jeder Mensch gehört dazu.
Dafür braucht es: Sicherheit.
Dafür braucht es: Klare Politik.
Dafür braucht es: Menschen.
Die Menschen übernehmen Verantwortung.

Foto: privat
Dillingen (kobinet) "Der behindertenpolitische Blick auf das Jahr 2025 zeigt kein neues Bild, aber ein klareres. Viele bekannte Konflikte traten schärfer hervor, weil politische Entscheidungen, Debatten und Unterlassungen ihre Wirkung unmittelbarer entfalteten. Die Frage war weniger, ob Inklusion gewollt ist, sondern wie belastbar ihre politischen und sozialen Grundlagen tatsächlich sind." Dies und vieles mehr schreibt Nico Wunderle in seinem Rückblick auf die Behindertenpolitik im Jahr 2025 für die kobinet-nachrichten.
Behindertenpolitischer Jahresrückblick 2025: Menschenrechte sind keine Haushaltsposten
Von Nico Wunderle
Der behindertenpolitische Blick auf das Jahr 2025 zeigt kein neues Bild, aber ein klareres. Viele bekannte Konflikte traten schärfer hervor, weil politische Entscheidungen, Debatten und Unterlassungen ihre Wirkung unmittelbarer entfalteten. Die Frage war weniger, ob Inklusion gewollt ist, sondern wie belastbar ihre politischen und sozialen Grundlagen tatsächlich sind.
Die UN-Behindertenrechtskonvention ist seit Langem fester Bestandteil politischer Rhetorik. Sie wird regelmäßig zitiert, wenn es um Haltung, Werte oder internationale Verpflichtungen geht, und ebenso regelmäßig ausgeblendet, wenn es um konkrete Konsequenzen geht. Diese Ambivalenz ist kein neues Phänomen des Jahres 2025, sondern Teil einer langjährigen politischen Praxis. Die Konvention fungiert vielfach als Referenzrahmen ohne Verbindlichkeit: geeignet für Erklärungen, ungeeignet für Entscheidungen über Haushalte, Leistungen und Zuständigkeiten.
Gerade dort, wo ihr menschenrechtlicher Anspruch praktisch wirksam werden müsste – bei sozialer Sicherung, Teilhabeleistungen oder Barrierefreiheit –, wird sie seit Jahren politisch abgeschwächt. Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) versteht Menschen mit Behinderung als Rechtssubjekte mit Anspruch auf bedarfsdeckende Unterstützung und volle Teilhabe. Dem steht eine Politik gegenüber, die Unterstützung zunehmend unter Kosten- und Steuerungsvorbehalt stellt. Teilhabe wird zur Verhandlungssache, Inklusion zur Verwaltungsaufgabe. 2025 hat diese Haltung nicht hervorgebracht, aber deutlicher sichtbar gemacht. Die Konvention ist nicht gescheitert – sie wird seit Langem politisch neutralisiert. Gerade deshalb bleibt sie ein zentraler Maßstab, weil sich an ihr zeigt, wie dauerhaft sich politische Praxis von ihren eigenen menschenrechtlichen Ansprüchen entfernt hat.
Diese Verschiebung wurde 2025 besonders deutlich, als Friedrich Merz öffentlich Grundannahmen der Sozialhilfe infrage stellte. Diese Aussagen waren kein isolierter Beitrag zur Tagespolitik, sondern zielten auf das Fundament sozialstaatlicher Unterstützung insgesamt. Denn Sozialhilfe und Eingliederungshilfe beruhen auf gemeinsamen Grundannahmen: dem Anspruch auf Existenzsicherung, der Anerkennung individueller Unterstützungsbedarfe und dem Recht auf Hilfe, unabhängig von Verwertbarkeit oder Leistungsfähigkeit.
Wer diese Grundannahmen politisch relativiert, stellt nicht nur einzelne Leistungen infrage, sondern das Prinzip solidarischer Absicherung selbst. Davon ist auch die Eingliederungshilfe betroffen, selbst wenn sie formal dem SGB IX zugeordnet ist. Wird Unterstützung primär als Kostenproblem verhandelt, geraten Teilhabeleistungen, Assistenz und Selbstbestimmung zwangsläufig unter Rechtfertigungsdruck. Inklusion wird dann nicht offen zurückgenommen, aber strukturell geschwächt. Menschen mit Behinderung müssen ihre Bedarfe erneut erklären, begründen und verteidigen – nicht als Rechte, sondern als Ausnahmen.
Für viele Menschen mit Behinderung war 2025 entsprechend ein Jahr anhaltender Unsicherheit. Steigende Lebenshaltungskosten trafen auf stagnierende Leistungen, während zugleich der Druck wuchs, Bedarfe immer wieder neu zu begründen. Komplexe und oft entmutigende Verwaltungsverfahren prägten den Alltag. Selbstbestimmtes Leben blieb für viele kein verlässlicher Zustand, sondern ein fragiles Arrangement, abhängig von individueller Durchsetzungsfähigkeit, lokalen Auslegungen und verfügbaren Budgets. Gleichberechtigung wurde diese damit faktisch zur Frage persönlicher Belastbarkeit.
Auch im Bereich Arbeit und Beschäftigung setzte sich ein bekanntes Muster fort. Die Kritik an Werkstätten für behinderte Menschen ist inzwischen deutlich, offen und klar menschenrechtlich formuliert. Immer häufiger wird öffentlich benannt, dass das bestehende System strukturelle Ausgrenzung reproduziert und echte Wahlfreiheit verhindert. Politische Konsequenzen blieben jedoch weitgehend aus. Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sind weiterhin selten, faire Entlohnung ist nicht umgesetzt und bestehende Alternativen werden nicht systematisch gestärkt. Die Debatte ist weiter als die Politik.
Ein eigenständiges und alarmierendes Signal setzte 2025 die öffentliche und institutionelle Infragestellung der Disability Studies gegen Ende des Jahres. Diskutiert wurde nicht nur ihre Finanzierung oder organisatorische Verankerung, sondern grundsätzlicher ihre Legitimität als kritisches wissenschaftliches Feld. Diese Entwicklung ist keine hochschulpolitische Randnotiz. Mit den Disability Studies geraten Orte unter Druck, an denen Ableismus analysiert, Machtverhältnisse sichtbar gemacht und menschenrechtliche Perspektiven auf Behinderung entwickelt werden. Dass ausgerechnet diese kritischen Wissensräume infrage gestellt werden, ist ein Warnsignal in einer Zeit, in der soziale Sicherung insgesamt zur Disposition steht.
Parallel dazu zeigte sich 2025 jedoch auch etwas anderes: die Bedeutung politischer Erinnerung und kollektiver Selbstvergewisserung innerhalb der Behindertenbewegung. Die „Gestern – heute – morgen“-Tagung des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) war kein akademisches Format, sondern ein Ort der Bewegung. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen, Kämpfe, Kontinuitäten und Brüche behindertenpolitischer Selbstvertretung. Die Tagung machte deutlich, wie wichtig es ist, Geschichte nicht zu verlieren, Wissen aus der Bewegung weiterzugeben und politische Errungenschaften nicht als selbstverständlich zu betrachten. Gerade in einem Jahr zunehmender politischer Verschiebungen wirkte sie als bewusster Gegenpol zur Entpolitisierung sozialer Fragen.
Gleichzeitig zeigte sich 2025 ein bemerkenswerter Kontrast zwischen gesellschaftlicher Wirklichkeit und öffentlicher Imagination. International sorgte die Sichtbarkeit einer Astronautin mit Querschnittslähmung im Kontext bemannter Raumfahrt für Aufmerksamkeit. Die Debatte darüber, dass auch Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen als Astronaut*innen gedacht, vorbereitet und eingeplant werden, wirkte wie ein Gegenbild zum Alltag vieler Betroffener. Sie machte deutlich, wie widersprüchlich gesellschaftliche Maßstäbe sind: Technisch scheint nahezu alles möglich, politisch und sozial hingegen wird Teilhabe häufig als Zumutung verhandelt. Während Raumfahrtvisionen Inklusion als Fortschrittserzählung zeigen, bleibt sie im Alltag von Sozialverwaltung und Eingliederungshilfe von Begrenzungslogiken geprägt. Die entscheidende Frage ist daher nicht, was theoretisch oder technisch machbar ist, sondern welche Teilhabe politisch gewollt und praktisch abgesichert wird.
Barrierefreiheit gewann 2025 insbesondere im digitalen Raum an Bedeutung, allerdings mit klaren rechtlichen Grenzen. Verbindlich verpflichtet zur digitalen Barrierefreiheit sind weiterhin vor allem öffentliche Träger, einschließlich der Träger der Eingliederungshilfe, soweit sie hoheitliche Aufgaben wahrnehmen oder öffentliche Leistungen organisieren. Digitale Antragsverfahren, Online-Formulare, Informationsangebote und Kommunikationswege müssten barrierefrei gestaltet sein. Diese Pflicht ist rechtlich eindeutig, wird jedoch nach wie vor unzureichend umgesetzt. Kontrolle, Zuständigkeiten und Sanktionen bleiben schwach, sodass bestehende Rechte in der Praxis häufig folgenlos bleiben. Private Träger sind bislang nicht generell verpflichtet. Für sie gilt digitale Barrierefreiheit überwiegend nur dann, wenn sie im Auftrag öffentlicher Stellen handeln. Digitale Teilhabe bleibt damit weiterhin vom Organisationsmodell abhängig. 2025 markiert hier weniger einen Durchbruch als eine Wegmarke.
Tragend für die behindertenpolitische Entwicklung im Jahr 2025 war erneut die Zivilgesellschaft. Selbstvertretungsorganisationen formulierten ihre Forderungen klarer und selbstbewusster, Aktivist*innen reagierten schnell auf politische Rückschritte, kritische Medien und Netzwerke hielten Debatten offen. Gerade in Zeiten, in denen soziale Sicherung, Teilhabestrukturen und kritische Wissensräume gleichzeitig unter Druck geraten, zeigt sich die Bedeutung dieser beharrlichen Arbeit.
Eine schmerzliche Zäsur erlebte die Bewegung 2025 unter anderem durch den Tod zweier prägender Persönlichkeiten. Mit Marita Boos-Waidosch verlor sie eine langjährig engagierte, kenntnisreiche und verlässliche Stimme der Behindertenbewegung, die sich unter anderem in der Kommunalpolitik in Mainz und, wenn auch kurz, als Landesbehindertenbeauftragte von Rheinland-Pfalz hervortat. Marita Boos-Waidosch prägte Debatten über viele Jahre hinweg durch Beharrlichkeit, fachliche Klarheit und eine konsequente menschenrechtliche Perspektive. Sie stand für Kontinuität, politische Einordnung und das beharrliche Einfordern von Teilhabe.
Ebenfalls 2025 starb Stephanie Aeffner, Bundestagsabgeordnete und eine der wenigen Parlamentarierinnen, die behindertenpolitische Fragen konsequent in den Mittelpunkt parlamentarischer Arbeit rückte. Ihr Tod reißt nicht nur menschlich, sondern auch politisch eine Lücke.
Dass diese Todesfälle in ein Jahr fallen, in dem soziale Sicherung infrage gestellt, kritische Wissenschaft unter Druck gesetzt und politische Erinnerung geschwächt wird, ist mehr als eine zeitliche Koinzidenz. Es macht sichtbar, wie verletzlich Errungenschaften sind, wenn Stimmen fehlen, die sie einordnen, verteidigen und weitertragen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass viele Stimmen von Menschen mit Behinderungen sich zu Wort melden und damit gesellschaftliche Veränderungen anregen.
Der behindertenpolitische Jahresrückblick 2025 zeigt damit ein ambivalentes Bild. Teilhabestrukturen bleiben brüchig, Grundannahmen des Sozialstaats geraten unter Beschuss und notwendige Reformen bleiben aus. Gleichzeitig ist eine Bewegung sichtbar, die sich erinnert, widerspricht und Wissen weiterträgt.
Inklusion braucht mehr als Programme und Bekenntnisse. Sie braucht soziale Sicherheit ohne Vorbehalt, politische Klarheit und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Widerspruch auszuhalten.

Foto: privat
Dillingen (kobinet) "Der behindertenpolitische Blick auf das Jahr 2025 zeigt kein neues Bild, aber ein klareres. Viele bekannte Konflikte traten schärfer hervor, weil politische Entscheidungen, Debatten und Unterlassungen ihre Wirkung unmittelbarer entfalteten. Die Frage war weniger, ob Inklusion gewollt ist, sondern wie belastbar ihre politischen und sozialen Grundlagen tatsächlich sind." Dies und vieles mehr schreibt Nico Wunderle in seinem Rückblick auf die Behindertenpolitik im Jahr 2025 für die kobinet-nachrichten.
Behindertenpolitischer Jahresrückblick 2025: Menschenrechte sind keine Haushaltsposten
Von Nico Wunderle
Der behindertenpolitische Blick auf das Jahr 2025 zeigt kein neues Bild, aber ein klareres. Viele bekannte Konflikte traten schärfer hervor, weil politische Entscheidungen, Debatten und Unterlassungen ihre Wirkung unmittelbarer entfalteten. Die Frage war weniger, ob Inklusion gewollt ist, sondern wie belastbar ihre politischen und sozialen Grundlagen tatsächlich sind.
Die UN-Behindertenrechtskonvention ist seit Langem fester Bestandteil politischer Rhetorik. Sie wird regelmäßig zitiert, wenn es um Haltung, Werte oder internationale Verpflichtungen geht, und ebenso regelmäßig ausgeblendet, wenn es um konkrete Konsequenzen geht. Diese Ambivalenz ist kein neues Phänomen des Jahres 2025, sondern Teil einer langjährigen politischen Praxis. Die Konvention fungiert vielfach als Referenzrahmen ohne Verbindlichkeit: geeignet für Erklärungen, ungeeignet für Entscheidungen über Haushalte, Leistungen und Zuständigkeiten.
Gerade dort, wo ihr menschenrechtlicher Anspruch praktisch wirksam werden müsste – bei sozialer Sicherung, Teilhabeleistungen oder Barrierefreiheit –, wird sie seit Jahren politisch abgeschwächt. Die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) versteht Menschen mit Behinderung als Rechtssubjekte mit Anspruch auf bedarfsdeckende Unterstützung und volle Teilhabe. Dem steht eine Politik gegenüber, die Unterstützung zunehmend unter Kosten- und Steuerungsvorbehalt stellt. Teilhabe wird zur Verhandlungssache, Inklusion zur Verwaltungsaufgabe. 2025 hat diese Haltung nicht hervorgebracht, aber deutlicher sichtbar gemacht. Die Konvention ist nicht gescheitert – sie wird seit Langem politisch neutralisiert. Gerade deshalb bleibt sie ein zentraler Maßstab, weil sich an ihr zeigt, wie dauerhaft sich politische Praxis von ihren eigenen menschenrechtlichen Ansprüchen entfernt hat.
Diese Verschiebung wurde 2025 besonders deutlich, als Friedrich Merz öffentlich Grundannahmen der Sozialhilfe infrage stellte. Diese Aussagen waren kein isolierter Beitrag zur Tagespolitik, sondern zielten auf das Fundament sozialstaatlicher Unterstützung insgesamt. Denn Sozialhilfe und Eingliederungshilfe beruhen auf gemeinsamen Grundannahmen: dem Anspruch auf Existenzsicherung, der Anerkennung individueller Unterstützungsbedarfe und dem Recht auf Hilfe, unabhängig von Verwertbarkeit oder Leistungsfähigkeit.
Wer diese Grundannahmen politisch relativiert, stellt nicht nur einzelne Leistungen infrage, sondern das Prinzip solidarischer Absicherung selbst. Davon ist auch die Eingliederungshilfe betroffen, selbst wenn sie formal dem SGB IX zugeordnet ist. Wird Unterstützung primär als Kostenproblem verhandelt, geraten Teilhabeleistungen, Assistenz und Selbstbestimmung zwangsläufig unter Rechtfertigungsdruck. Inklusion wird dann nicht offen zurückgenommen, aber strukturell geschwächt. Menschen mit Behinderung müssen ihre Bedarfe erneut erklären, begründen und verteidigen – nicht als Rechte, sondern als Ausnahmen.
Für viele Menschen mit Behinderung war 2025 entsprechend ein Jahr anhaltender Unsicherheit. Steigende Lebenshaltungskosten trafen auf stagnierende Leistungen, während zugleich der Druck wuchs, Bedarfe immer wieder neu zu begründen. Komplexe und oft entmutigende Verwaltungsverfahren prägten den Alltag. Selbstbestimmtes Leben blieb für viele kein verlässlicher Zustand, sondern ein fragiles Arrangement, abhängig von individueller Durchsetzungsfähigkeit, lokalen Auslegungen und verfügbaren Budgets. Gleichberechtigung wurde diese damit faktisch zur Frage persönlicher Belastbarkeit.
Auch im Bereich Arbeit und Beschäftigung setzte sich ein bekanntes Muster fort. Die Kritik an Werkstätten für behinderte Menschen ist inzwischen deutlich, offen und klar menschenrechtlich formuliert. Immer häufiger wird öffentlich benannt, dass das bestehende System strukturelle Ausgrenzung reproduziert und echte Wahlfreiheit verhindert. Politische Konsequenzen blieben jedoch weitgehend aus. Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sind weiterhin selten, faire Entlohnung ist nicht umgesetzt und bestehende Alternativen werden nicht systematisch gestärkt. Die Debatte ist weiter als die Politik.
Ein eigenständiges und alarmierendes Signal setzte 2025 die öffentliche und institutionelle Infragestellung der Disability Studies gegen Ende des Jahres. Diskutiert wurde nicht nur ihre Finanzierung oder organisatorische Verankerung, sondern grundsätzlicher ihre Legitimität als kritisches wissenschaftliches Feld. Diese Entwicklung ist keine hochschulpolitische Randnotiz. Mit den Disability Studies geraten Orte unter Druck, an denen Ableismus analysiert, Machtverhältnisse sichtbar gemacht und menschenrechtliche Perspektiven auf Behinderung entwickelt werden. Dass ausgerechnet diese kritischen Wissensräume infrage gestellt werden, ist ein Warnsignal in einer Zeit, in der soziale Sicherung insgesamt zur Disposition steht.
Parallel dazu zeigte sich 2025 jedoch auch etwas anderes: die Bedeutung politischer Erinnerung und kollektiver Selbstvergewisserung innerhalb der Behindertenbewegung. Die „Gestern – heute – morgen“-Tagung des Bildungs- und Forschungsinstituts zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) war kein akademisches Format, sondern ein Ort der Bewegung. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen, Kämpfe, Kontinuitäten und Brüche behindertenpolitischer Selbstvertretung. Die Tagung machte deutlich, wie wichtig es ist, Geschichte nicht zu verlieren, Wissen aus der Bewegung weiterzugeben und politische Errungenschaften nicht als selbstverständlich zu betrachten. Gerade in einem Jahr zunehmender politischer Verschiebungen wirkte sie als bewusster Gegenpol zur Entpolitisierung sozialer Fragen.
Gleichzeitig zeigte sich 2025 ein bemerkenswerter Kontrast zwischen gesellschaftlicher Wirklichkeit und öffentlicher Imagination. International sorgte die Sichtbarkeit einer Astronautin mit Querschnittslähmung im Kontext bemannter Raumfahrt für Aufmerksamkeit. Die Debatte darüber, dass auch Menschen mit schweren körperlichen Behinderungen als Astronaut*innen gedacht, vorbereitet und eingeplant werden, wirkte wie ein Gegenbild zum Alltag vieler Betroffener. Sie machte deutlich, wie widersprüchlich gesellschaftliche Maßstäbe sind: Technisch scheint nahezu alles möglich, politisch und sozial hingegen wird Teilhabe häufig als Zumutung verhandelt. Während Raumfahrtvisionen Inklusion als Fortschrittserzählung zeigen, bleibt sie im Alltag von Sozialverwaltung und Eingliederungshilfe von Begrenzungslogiken geprägt. Die entscheidende Frage ist daher nicht, was theoretisch oder technisch machbar ist, sondern welche Teilhabe politisch gewollt und praktisch abgesichert wird.
Barrierefreiheit gewann 2025 insbesondere im digitalen Raum an Bedeutung, allerdings mit klaren rechtlichen Grenzen. Verbindlich verpflichtet zur digitalen Barrierefreiheit sind weiterhin vor allem öffentliche Träger, einschließlich der Träger der Eingliederungshilfe, soweit sie hoheitliche Aufgaben wahrnehmen oder öffentliche Leistungen organisieren. Digitale Antragsverfahren, Online-Formulare, Informationsangebote und Kommunikationswege müssten barrierefrei gestaltet sein. Diese Pflicht ist rechtlich eindeutig, wird jedoch nach wie vor unzureichend umgesetzt. Kontrolle, Zuständigkeiten und Sanktionen bleiben schwach, sodass bestehende Rechte in der Praxis häufig folgenlos bleiben. Private Träger sind bislang nicht generell verpflichtet. Für sie gilt digitale Barrierefreiheit überwiegend nur dann, wenn sie im Auftrag öffentlicher Stellen handeln. Digitale Teilhabe bleibt damit weiterhin vom Organisationsmodell abhängig. 2025 markiert hier weniger einen Durchbruch als eine Wegmarke.
Tragend für die behindertenpolitische Entwicklung im Jahr 2025 war erneut die Zivilgesellschaft. Selbstvertretungsorganisationen formulierten ihre Forderungen klarer und selbstbewusster, Aktivist*innen reagierten schnell auf politische Rückschritte, kritische Medien und Netzwerke hielten Debatten offen. Gerade in Zeiten, in denen soziale Sicherung, Teilhabestrukturen und kritische Wissensräume gleichzeitig unter Druck geraten, zeigt sich die Bedeutung dieser beharrlichen Arbeit.
Eine schmerzliche Zäsur erlebte die Bewegung 2025 unter anderem durch den Tod zweier prägender Persönlichkeiten. Mit Marita Boos-Waidosch verlor sie eine langjährig engagierte, kenntnisreiche und verlässliche Stimme der Behindertenbewegung, die sich unter anderem in der Kommunalpolitik in Mainz und, wenn auch kurz, als Landesbehindertenbeauftragte von Rheinland-Pfalz hervortat. Marita Boos-Waidosch prägte Debatten über viele Jahre hinweg durch Beharrlichkeit, fachliche Klarheit und eine konsequente menschenrechtliche Perspektive. Sie stand für Kontinuität, politische Einordnung und das beharrliche Einfordern von Teilhabe.
Ebenfalls 2025 starb Stephanie Aeffner, Bundestagsabgeordnete und eine der wenigen Parlamentarierinnen, die behindertenpolitische Fragen konsequent in den Mittelpunkt parlamentarischer Arbeit rückte. Ihr Tod reißt nicht nur menschlich, sondern auch politisch eine Lücke.
Dass diese Todesfälle in ein Jahr fallen, in dem soziale Sicherung infrage gestellt, kritische Wissenschaft unter Druck gesetzt und politische Erinnerung geschwächt wird, ist mehr als eine zeitliche Koinzidenz. Es macht sichtbar, wie verletzlich Errungenschaften sind, wenn Stimmen fehlen, die sie einordnen, verteidigen und weitertragen. Deswegen ist es sehr wichtig, dass viele Stimmen von Menschen mit Behinderungen sich zu Wort melden und damit gesellschaftliche Veränderungen anregen.
Der behindertenpolitische Jahresrückblick 2025 zeigt damit ein ambivalentes Bild. Teilhabestrukturen bleiben brüchig, Grundannahmen des Sozialstaats geraten unter Beschuss und notwendige Reformen bleiben aus. Gleichzeitig ist eine Bewegung sichtbar, die sich erinnert, widerspricht und Wissen weiterträgt.
Inklusion braucht mehr als Programme und Bekenntnisse. Sie braucht soziale Sicherheit ohne Vorbehalt, politische Klarheit und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Widerspruch auszuhalten.




