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Meine Top-Nachricht zum Jahresendspurt ist der 300. IGEL

Redaktioneller Hinweis: Für Artikel der Kategorie "Kolumne" sind ausschließlich die Autoren verantwortlich. Dies gilt auch für deren Äußerungen in den Lesermeinungen sowie für die Moderation der Kommentare zu deren Beiträgen. Die Inhalte geben nicht die Meinung der Redaktion oder des Trägervereins wieder. Inhaltliche Kritik richten Sie bitte direkt an die Autoren per Email.
Vorn ein Findling mit Inschrift Willis Blick, dahinter Bäume im Sonnenlicht im hellen Grün.
Beeindruckt von Sascha Langs IGELfamilie, die wächst und wächst
Foto: Hubertus Thomasius

Staufen (kobinet) Aus der Familie von Sascha Langs IGEL-Podcast, einer auf 1000 Exemplare angelegten Serienproduktion. Glückwunsch zu diesem 300. IGEL-Exemplar "einfach gelebter Inklusion"! An Sascha Lang und sein Podcast-Team von kobinet-Kolumnist Hans-Willi Weis. – Mit ihrem Anspruch "Inklusion Ganz Einfach Gelebt" legen sich diese kleinen Stacheltiere mit den allergrößten Tieren an, den Elefanten, ausbuchstabiert den "Elementaren Formen aggressiver neoliberaler Transformation". Herrschaftstiere, die nichts anderes im Sinn haben als die Inklusionsigel einfach zu schlucken und zu verdauen. Um die Elefanten selbst dann noch zu zwicken und zu zwacken, wenn man als Igel schon in ihrem Bauch gelandet ist und einem die Verdauungssäfte zusetzen, dazu gehören Mut und Ausdauer. Die wünschen wir Sascha Lang und seiner Igelfamilie.

Was mir an Sascha Lang und seiner Podcast-Arbeit gefällt

Von technischen Hilfen zur Inklusion (rund um Reha) bis zur sozialen und politischen Umsetzung der Inklusion (Diskriminierungs- und Barriereabbau sowie Teilhabe gemäß der UNBRK) erhält alles einen Platz im IGEL-Podcast. Das behindertenpolitische Meinungsspektrum wird nicht beschnitten, kontroverse Positionen kommen zu Wort. Von einem talkmäßig zähflüssigen, etwas spröden Intellektuellen wie meiner Wenigkeit mit einer dezidiert linken, kapitalismuskritischen Sichtweise auf der einen Seite, bis hin zum forschen Geschäftsmann Saliya Kahawatte, der den neoliberalen Realitäts-Brutalismus auch den Behinderten schmackhaft machen möchte (95% ihrer Probleme auf dem Arbeitsmarkt seien selbstverschuldet) am entgegengesetzten Pol – der unerschrockene Gastgeber Sascha Lang lädt sie alle zum Gespräch. Richtig so.

Was mir ebenfalls gefällt: Der IGEL-Podcast ist kein auf Aufmerksamkeitsgewinn um jeden Preis getrimmtes Social-Media-Projekt. Sascha Lang freut sich über steigende Klickzahlen, sie bedeuten für ihn aber nicht, sagt er, das Maß aller Dinge. Und er konkurriere nicht mit anderen Behindertenprojekten verbissen um die Spitzenreiterposition an der Klickbörse. Des öfteren habe ich ihn mangelnde Kooperationsbereitschaft innerhalb des Behindertenaktivismus beklagen hören. Wie mich, so stören auch ihn Unfreundlichkeit, Aufmerksamkeits- bzw. Wertschätzungsentzug und Neid in der Community. Viele von uns Behinderten verhalten sich auch noch im Erwachsenenalter wie seelisch tief verletzte, unendlich liebesbedürftige Kinder, was ja ihren lebensgeschichtlichen Erfahrungen oft genug entspricht. Da braucht es, so stelle ich mir vor, viel Geduld und Ausdauer, um den Spaß an der Sache nicht zu verlieren. Dabei hilft es Sascha Lang vielleicht, dass er außer seiner Podcast-Leidenschaft, nicht weniger leidenschaftlich seinem Job als verbeamteter Inklusionsigel im luxemburgischen Familienministerium nachgeht. Ich glaube, er hätte nichts dagegen, wenn ich ihn ein glückliches Arbeitstier nenne.

Das, gerade weil es sich inklusionsigelig auch in der Normalwelt so munter umherbewegt, nicht gleich stachelig reagiert, wenn Leute aus dieser Normalwelt, Behinderten gegenüber unsicher oder befangen, einmal ins ableistische Fettnäpfchen tappen. Ausdrücklich distanziert sich Sascha Lang von einem hyperwoken Aktivismus, der sofort mit Empörung auf kleinste Verstöße gegen seine peniblen Korrektheitsnorm reagiert. Und für das eigene identitätspolitische Merkmal (Behinderung, Race, Gender etc.) einen „safe-space“ gleichen Diskriminierungsschutz fordert. Während, so füge ich noch hinzu, die sonstigen eklatanten neoliberalen Exklusions- und Ungleichheitsmechanismen diesen Aktivismus der selbstbezogenen Übermoralisierung wenig kümmern.

Zuletzt gefällt mir an unserem „Inklusator“ (wie er sich selber programmatisch nennt) sein Eintreten für freie Meinungsäußerung. Wie er auch mit seiner eigenen Meinung nicht hinterm Berg hält. Zum Beispiel, dass er ein AFD-Verbot für keine gute Idee hält und sich für politische Auseinandersetzung mit dieser Partei ausspricht, deren Wählerschaft nicht unterschiedslos aus Nazis bestehe. Und im selben 300. Jubiläumspodcast nimmt er auch kein Blatt vor den Mund, was die „Panikmache in den Medien“ angeht. Wenn schon, beunruhigend und beängstigend genug, „rund um uns die Kriege toben“, muss mediale Kriegsvorbereitungs- und Kriegspropaganda, so verstehe ich ihn, nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen. – Ich wünsche Sascha Lang für die noch ausstehenden Podcast-Igel alles Gute, weiter so!