Düsseldorf (kobinet)
Stiftungen wollen Schulen steuern
Brigitte Schumann ist Bildungs-Journalistin.
Sie hat etwas untersucht.
Das Thema heißt: Stiftungen und Schulen.
Sie hat einen Text geschrieben.
Den Text könnt ihr hier lesen.
Was will die Bundes-Regierung?
Die Bundes-Regierung hat einen Plan gemacht.
Der Plan heißt: Koalitions-Vertrag.
Das ist ein Vertrag zwischen Parteien.
Darin stehen Regeln für die Zusammen-arbeit.
Im Plan steht eine wichtige Sache.
Die Regierung will Daten sammeln.
Die Daten sind über Schüler.
Mit den Daten sollen Schulen besser werden.
Aber es gibt ein Problem.
Private Stiftungen mischen mit.
2 Stiftungen sind wichtig:
Was ist ein Bildungs-Verlaufs-Register?
Die Regierung will ein Register machen.
Register bedeutet: Eine große Liste.
In der Liste stehen alle Schüler.
Jeder Schüler bekommt eine Nummer.
Die Nummer heißt: Schüler-ID.
ID bedeutet: Erkennungs-Nummer.
Mit der Nummer werden Daten gesammelt.
Die Daten zeigen den Weg durch die Schule.
Das nennt man: Bildungs-Verlauf.
In der Liste steht: Welche Schule hat ein Kind besucht.
Die Regierung will die Daten nutzen.
Sie will damit Schulen steuern.
Was ist eine Schüler-ID?
Jeder Schüler bekommt eine Nummer.
Die Nummer ist wie ein Ausweis.
Mit der Nummer werden Daten gesammelt.
Die Daten sind über jeden Schüler.
Die Daten sollen helfen.
Sie sollen zeigen: Was kann der Schüler?
Und: Was braucht der Schüler?
Das Problem mit den Grund-Rechten
Viele Menschen sind gegen die Schüler-ID.
Sie sagen: Das verletzt Grund-Rechte.
Grund-Rechte bedeutet: Wichtige Rechte für alle Menschen.
Ein wichtiges Grund-Recht ist: Daten-Schutz.
Daten-Schutz bedeutet: Niemand darf einfach Daten sammeln.
Schon 2003 gab es einen Plan.
Der Plan war: Eine Schüler-ID einführen.
Aber viele Menschen waren dagegen.
Der Plan wurde gestoppt.
Jetzt wird der Plan wieder aufgenommen.
Was macht die Wübben Stiftung?
Die Wübben Stiftung hat ein Buch gemacht.
Das Buch heißt: Bessere Bildung 2035.
Am 20. Januar 2025 wurde das Buch vorgestellt.
3 Ministerinnen waren dabei:
Die Ministerinnen wollen eine Bildungs-ID.
Bildungs-ID bedeutet: Eine Nummer für die ganze Bildung.
Nicht nur für die Schule.
Auch für andere Bereiche.
Die Ministerinnen sagen:
Wir wollen eine Kultur der Prüfung machen.
Prüfung bedeutet: Wir schauen alles genau an.
Wir sammeln viele Daten.
Mit den Daten steuern wir die Schulen.
Die Reise nach Kanada
Die Wübben Stiftung hat eine Reise organisiert.
Die Reise ging nach Kanada.
Genauer gesagt: Nach Alberta.
Alberta ist ein Teil von Kanada.
Die Reise war im Oktober 2023.
Viele wichtige Menschen waren dabei:
Das sind wichtige Politiker aus allen Bundes-Ländern.
Sie treffen sich und reden über Schulen.
In Kanada haben sie Schulen besucht.
Sie haben mit Politikern geredet.
Sie haben gesehen: So machen es die Kanadier.
Aber es gibt einen großen Unterschied.
In Deutschland gibt es verschiedene Schul-Arten:
In Kanada gibt es nur eine Schul-Art.
Alle Kinder gehen in die gleiche Schule.
Das nennt man: Einheits-Schul-System.
Alle Kinder gehen in die gleiche Art von Schule.
Es gibt keine verschiedenen Schul-Arten.
Die deutschen Politiker haben darüber nicht geredet.
Sie haben über anderes geredet.
Zum Beispiel über die Berufs-Ausbildung.
Was kam nach der Reise?
Die Reise hatte Folgen.
Die Politiker haben neue Pläne gemacht.
Karin Prien hat einen Plan für Schleswig-Holstein gemacht.
Der Plan ist für Daten-Sammlung in Schulen.
In NRW gibt es jetzt ein neues Projekt.
Das Projekt heißt: Kompass NRW 2030.
Auch hier geht es um Daten-Sammlung.
Karin Prien und Stefanie Hubig sind jetzt Minister im Bund.
Sie haben bei den Koalitions-Verhandlungen mitgemacht.
Sie haben sich stark gemacht.
Sie wollen das Bildungs-Verlaufs-Register.
Und sie wollen die Schüler-ID.
Was macht die Bertelsmann Stiftung?
Die Bertelsmann Stiftung hat auch etwas gemacht.
Im Juni 2025 gab es Empfehlungen.
Die Empfehlungen sind für eine neue Lern-Kultur.
Das ist die Art und Weise wie Menschen lernen.
Zum Beispiel: mit Büchern oder am Computer.
11 Menschen haben die Empfehlungen geschrieben.
Diese Menschen kommen aus:
Sie sagen: Wir brauchen mehr Daten.
Wir müssen den Lern-Verlauf messen.
Wir müssen sehen: Was kann jeder Schüler?
Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen.
Du kannst etwas noch besser machen.
Oder du kannst etwas Neues lernen.
Im November 2025 gab es noch ein Papier.
Das Papier ist über das Bildungs-Verlaufs-Register.
Und über die Schüler-ID.
Die Bertelsmann Stiftung sagt:
So kann es klappen.
Das sind die Bedingungen dafür.
Die Bertelsmann Stiftung zeigt auch auf Kanada.
Aber sie meint einen anderen Teil.
Der Teil heißt: Ontario.
Auch Ontario soll ein Vorbild sein.
Wer ist die Wübben Stiftung?
Die Wübben Stiftung wurde 2013 gegründet.
Der Gründer heißt: Walter Wübben.
Er hatte eine große Firma.
Die Firma hat er 2012 verkauft.
Die Stiftung will gerechte Bildung.
Sie will sozial benachteiligten Kindern helfen.
Sozial benachteiligt bedeutet: Arm oder mit Problemen.
Die Stiftung hat ein gutes Projekt gemacht.
Das Projekt heißt: Familien-Grund-Schul-Zentren.
In diesen Zentren arbeiten Schulen mit Eltern zusammen.
Und mit anderen Helfern im Stadt-Teil.
Das Projekt ist erfolgreich.
Deshalb hören Politiker auf die Stiftung.
Wer ist die Bertelsmann Stiftung?
Die Bertelsmann Stiftung gehört zu einem großen Konzern.
Der Konzern heißt: Bertelsmann AG.
Die Stiftung hat mehr als drei Viertel der Anteile.
Anteile bedeutet: Teile vom Konzern.
Der Konzern ist sehr groß.
Er macht Medien.
Er macht Bildungs-Angebote.
Und er macht Dienst-Leistungen.
Mit dieser Konstruktion spart der Konzern Steuern.
Die Stiftung macht etwas Gutes für alle Menschen.
Die Stiftung will kein Geld damit verdienen.
Deshalb muss sie keine Steuern zahlen.
Viele Menschen kritisieren das.
Sie sagen: Das ist nicht richtig.
Die Bertelsmann Stiftung hat schon oft mitgemischt.
Sie hat bei vielen politischen Themen mitgeredet.
Zum Beispiel bei den Hoch-Schulen.
Oder beim Frei-Handels-Abkommen mit den USA.
Das ist ein Vertrag zwischen Ländern.
Die Länder verlangen kein Geld für Waren.
Der Konzern verdient Geld mit Daten.
Er arbeitet mit Computer-Speichern im Internet.
Das nennt man Cloud.
Cloud bedeutet: Wolke.
Deine Daten sind nicht auf deinem Computer.
Deine Daten sind im Internet.
Ein Rechenzentrum ist ein Raum mit vielen Computern.
Die Computer speichern viele Daten und rechnen sehr schnell.
Er arbeitet mit KI.
KI bedeutet: Künstliche Intelligenz.
Computer können denken und lernen.
Wie ein Mensch.
Wenn Schulen mehr Daten sammeln:
Dann ist das gut für den Konzern.
Der Konzern kann damit Geld verdienen.
Das Problem mit der Demokratie
Die Bildungs-Journalistin Brigitte Schumann sagt:
Die Politik hat ein Problem.
Private Stiftungen haben zu viel Macht.
Sie können bei wichtigen Entscheidungen mitreden.
Das ist nicht gut für die Demokratie.
Demokratie bedeutet auf Deutsch: Herrschaft des Volkes.
Das Volk entscheidet über wichtige Dinge.
Aber bei den Schulen bestimmen nur wenige mit.
Die Stiftungen reden mit.
Aber andere nicht:
Die GEW ist eine Gewerkschaft.
GEW bedeutet: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
Das ist ein Verein für Arbeiter.
Die Gewerkschaft redet mit den Chefs.
Die GEW sagt schon lange:
Private Stiftungen sollen nicht so viel Macht haben.
Die GEW hat 2008 einen Beschluss gemacht.
Der Beschluss sagt:
Wir arbeiten nicht mit der Bertelsmann Stiftung zusammen.
Wir reden nur mit ihr.
Aber wir machen keine gemeinsamen Projekte.
Was sagt das Schul-Ministerium in NRW?
Im August 2025 gab es eine Anfrage.
Die Frage war:
Werden der Landtag und andere informiert?
Dürfen sie mitbestimmen beim Bildungs-Verlaufs-Register?
Das Schul-Ministerium antwortete:
Wir planen noch.
Es gibt noch keine Entscheidungen.
Wenn es Entscheidungen gibt:
Dann informieren wir alle.
Aber viele sagen:
Das ist zu spät.
Die Entscheidungen werden woanders getroffen.
Bei den Stiftungen.
Nicht im Landtag.
Nicht mit den Lehrern.
Nicht mit den Eltern.
Nicht mit den Schülern.
Zusammen-Fassung
Private Stiftungen haben viel Einfluss auf Schulen.
Sie organisieren Reisen für Politiker.
Sie schreiben Bücher und Empfehlungen.
Sie reden mit bei wichtigen Entscheidungen.
Die Politiker hören auf die Stiftungen.
Sie machen neue Pläne.
Sie wollen ein Bildungs-Verlaufs-Register.
Sie wollen eine Schüler-ID.
Sie wollen viele Daten sammeln.
Aber viele Menschen sind dagegen.
Sie sagen: Das verletzt Grund-Rechte.
Und: Private Stiftungen haben zu viel Macht.
Das ist nicht gut für die Demokratie.
Die Frage ist:
Wer bestimmt über unsere Schulen?
Die gewählten Politiker?
Oder die privaten Stiftungen?

Foto: Bildungsklick
Düsseldorf (kobinet) Mit der Einflussnahme privater Stiftungen auf die datenbasierte Steuerung des Bildungssystems hat sich die Bildungsjournalistin Dr. Brigitte Schumann noch kurz vor Weihnachten beschäftigt. "Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, gemeinsam mit den Ländern die datenbasierte Unterrichts- und Schulentwicklung für die nächste Dekade zu etablieren. Welche Rolle spielen dabei private Stiftungen wie die Wübben Stiftung Bildung und die Bertelsmann Stiftung?" Dieser und anderen Fragen geht Brigitte Schumann in ihrem Beitrag nach, den sie den kobinet-nachrichten zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.
Einflussnahme privater Stiftungen auf die datenbasierte Steuerung des Bildungssystems
von Dr. Brigitte Schumann
Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, gemeinsam mit den Ländern die datenbasierte Unterrichts- und Schulentwicklung für die nächste Dekade zu etablieren. Welche Rolle spielen dabei private Stiftungen wie die Wübben Stiftung Bildung und die Bertelsmann Stiftung?
Die Unterstützung des Bundes besteht laut Koalitionsvertrag auch bei der Implementation eines Bildungsverlaufsregisters und der „Einführung einer zwischen den Ländern kompatiblen, datenschutzkonformen Schüler-ID“. Damit wird ein ganz „heißes Eisen“ angefasst und eine Problematik angesprochen, die die Kultusministerkonferenz (KMK) trotz ihrer wiederholt ausgesprochenen Empfehlungen gegenüber den Ländern bislang nicht lösen konnte.
Wiederaufnahme des gescheiterten Projekts
Schon 2003 empfahl die KMK die Entwicklung eines Kerndatensatzes mit ländereinheitlichen schulstatistischen Erhebungsmerkmalen für jede/n Schüler/in und die Umstellung der Summendaten auf Individualdaten. Ab 2008 sollten die mit einer Schüler-ID (Identifikationsnummer) verknüpften anonymisierten Individualdaten für die zielgerichtete Steuerung des Bildungssystems in ein nationales Bildungsregister übermittelt und länderübergreifend zusammengeführt werden. Etliche Bundesländer – darunter auch NRW – haben den Kerndatensatz wegen des massiven öffentlichen Widerstands gegen das Vorhaben und die damit verbundenen Eingriffe in Grundrechte noch nicht umgesetzt.
„Parteiübergreifender Impuls für messbare Bildungsziele“
Am 20.Januar 2025 stellte die Wübben Stiftung Bildung kurz vor der Bundestagswahl ihre Publikation „Bessere Bildung 2035“ https://www.wuebben-stiftung-bildung.org/publikation-bessere-bildung-2035/ zusammen mit den drei amtierenden Bildungsministerinnen, Stefanie Hubig aus Rheinland-Pfalz, Karin Prien aus Schleswig-Holstein und Theresa Schopper aus Baden-Württemberg, auf der Bundespressekonferenz (https://www.ardmediathek.de/video/phoenix-vor-ort/bpk-impulse-fuer-messbare-bildungsziele/phoenix/Y3JpZDovL3Bob2VuaXguZGUvNDc1MjMyNw vor.
„Wir etablieren eine Kultur der Evaluation und der Verantwortung und wechseln zu einer datengestützten Entwicklungs- und Lernverlaufs-Diagnostik, die den gesamten Bildungsverlauf im Rahmen einer kohärenten Datenstrategie berücksichtigt, und stellen sicher, dass in den Bundesländern die rechtlichen und technischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden“, lautete die parteiübergreifende Botschaft der Ministerinnen. Sie wünschten sich eine Bildungs-ID, die noch umfassender als die Schüler-ID angelegt ist und die gesamte Bildungsbiografie erfasst, daneben auch „Förderbedarfe oder bereits in Anspruch genommene Hilfs- und Unterstützungsangebote vor allem für den Übergang“, um Kinder noch gezielter begleiten zu können.
In der Buchveröffentlichung der Stiftung ist dieser als „parteiübergreifender Impuls für messbare Bildung“ gefeierte Konsens der drei Bildungsministerinnen u.a.in Ausführungen des Bildungsministers der kanadischen Provinz Alberta zur dort praktizierten datenbasierten Steuerung der Unterrichts- und Schulentwicklung eigebettet. Auch Kanada-Expertin Prof. Anne Sliwka, die eine Transformation des deutschen föderalen Schulsystems nach kanadischem Vorbild nahelegt, kommt zu Wort.
Wie in der Publikation nachzulesen, legten die Bildungsministerinnen ihr gemeinsames bildungspolitisches „Gelöbnis“ am 5. Oktober 2024 bei einem zweitägigen Arbeitstreffen auf Einladung der Wübben Stiftung Bildung in Ingelheim ab. Das Treffen wurde wissenschaftlich begleitet und von der Geschäftsführung der Stiftung moderiert.
Oh, wie schön ist Kanada!
Der Buchveröffentlichung über das kanadische Schulmodell als Vorreiter für Deutschland war eine Reise nach Kanada vorangegangen. Auf Initiative der Wübben Stiftung Bildung unternahmen vom 1. bis 7. Oktober 2023 Vertreter:innen von sieben Bildungsministerien, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Kultusministerkonferenz und der Wübben Stiftung Bildung eine von der Stiftung vorbereitete geführte Bildungsreise durch die Provinz Alberta. Mit dabei waren auch Karin Pien und Stefanie Hubig. Theresa Schopper musste krankheitsbedingt absagen.
Ein im Netz veröffentlichtes Reisetagebuch der Stiftung (https://www.wuebben-stiftung-bildung.org/wp-content/uploads/2023/10/Bildungsreise_Alberta_Reisebericht.pdf) dokumentiert die Etappen der Reise mit diversen Schulbesuchen und Gesprächen mit Politik und Schulverwaltung.
Interessant und vielsagend ist der Vermerk über den Austausch zwischen den hochrangigen politischen Vertreter:innen auf kanadischer und deutscher Seite, der am ersten Besuchstag stattfand. Dabei ging es u.a. um die Feststellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den jeweiligen Schulsystemen. Die hochselektiven Schulstrukturen, die das deutsche Schulsystem vom kanadischen Einheitsschulsystem extrem unterscheiden, fanden ebenso wenig Erwähnung wie das unterschiedliche Verständnis von schulischer Inklusion. Ein ausdifferenziertes Förderschulsystem, das sich als Teil eines inklusiven Schulsystems ausgibt, existiert in Kanada nicht. Die deutsche Delegation zog es vor, das deutsche Berufsbildungssystem vorzustellen, das im Ausland wegen seiner dualen Ausbildung in Schule und Betrieb in der Regel auf besonderes Interesse stößt.
Nachhaltige bildungspolitische Effekte
Der Stiftung ist es offenkundig gelungen, die politischen Akteure auf den kanadischen Weg zu mehr Chancengleichheit, Leistung und besserer Bildung einzuschwören. Im Sommer 2024 präsentierte Karin Prien ihr Rahmenkonzept für die datenbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung in Schleswig-Holstein der Öffentlichkeit (https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/III/Service/Broschueren/Bildung/Rahmenkonzept_2024_25.pdf?__blob=publicationFile&v=3).
Die Eindrücke, die der Staatssekretär des nordrhein-westfälischen Schulministeriums auf der Reise in Alberta sammeln konnte, waren Anregung für die datenbasierte Initiative des Schulministeriums „Kompass NRW 2030“ (https://www.schulministerium.nrw/schulkompass-nrw-2030-datengestuetzte-qualitaetsentwicklung), die die Schulministerin zum Start des Schuljahres 2025/26 vorstellte.
Es ist auch kein Geheimnis, dass Prien und Hubig, beide inzwischen Bundesministerinnen in der schwarz-roten Regierung, als Teilnehmende an den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD sich stark gemacht haben für das Bildungsverlaufsregister mit Schüler-ID.
Empfehlungen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
Im Juni 2025 gab die Bertelsmann Stiftung „Empfehlungen für eine veränderte Lern- und Prüfungskultur“( https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/empfehlungen-fuer-eine-veraenderte-lern-und-pruefungskultur) heraus, ein „Plädoyer für mutige Entscheidungen“, wie es im Untertitel heißt. Die elf Autor:innen sind Vertreter:innen aus Schulministerien, Landesinstituten und der Wissenschaft. Unterstützt von der Stiftung haben sie nach eigenen Bekundungen Empfehlungen mit „vielfältigen Perspektiven“ entwickelt, die bildungspolitisch „fundiert, anschlussfähig und umsetzbar“ sind.
Es ist ein Plädoyer für eine datenbasierte Lern- und Prüfungskultur, die mit einer konsequenten Erhebung und Nutzung von Schüler:innen-Daten einhergeht. Um „alle Kinder und Jugendlichen zu maximaler Potenzialentfaltung anzuleiten und ihnen ihr individuelles Bildungsmaximum zu ermöglichen“, braucht es „qualitativ hochwertige individualdiagnostische Instrumente, die Lernverläufe, aber auch unausgeschöpfte Potenziale anzeigen können“.
Insgesamt braucht es nach Ansicht der Autor:innen „einen politischen Willen, wie er jüngst an prominenter Stelle, nicht zuletzt im Koalitionsvertrag der Bundesregierung, formuliert wurde. Daten sollten zur selbstverständlichen Grundlage von Entscheidungen auf allen Ebenen des Bildungssystems gemacht werden“.
Bildungsverlaufsregister und die Schüler-ID
Im November 2025 hat die Bertelsmann Stiftung nachgelegt. Dieses Mal mit einem Papier aus der Feder der Stiftung unter dem Titel „Bildungsverlaufsregister und Schüler-ID in Deutschland. Status Quo und Gelingensbedingungen“ (file:///C:/Users/PC/Downloads/Bildungsverlaufsregister_SchuelerID_final-6.pdf).
Die Stiftung präsentiert sich dabei in der Rolle des engen Partners von Bildungspolitik, Bildungsverwaltung, Schulpraxis, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Wenn sie von „wir“ spricht, schwingt immer der behauptete Konsens und die Gemeinschaft mit den Bildungsakteuren der verschiedenen Ebenen mit. „Mit der Förderung von Basiskompetenzen und schulischem Wohlbefinden etablieren wir eine neue Datenkultur, die das Lernen und die Beteiligung aller in den Mittelpunkt stellt. In vertrauensvollen Räumen und mit innovativen Methoden wie Transformationssprints entwickeln wir gemeinsam tragfähige Strategien – und stärken gleichzeitig die Handlungsfähigkeit staatlicher Akteure in adaptiver Führung.“
Es ist ein strategisches Bündnis-Papier zur Durchsetzung des Bildungsverlaufsregisters und soll politischen Stakeholdern Argumente für die Auseinandersetzung mit den Kritiker:innen in der Öffentlichkeit liefern.
Was der Wübben Stiftung Bildung Alberta ist, ist der Bertelsmann Stiftung Ontario. In der aktuellen Ausgabe ihres Magazins „Change“ (file:///C:/Users/PC/Downloads/IN_change_Magazin_2-2025_20251124-1.pdf) stellt die Bertelsmann Stiftung die kanadische Provinz Ontario als Vorbild für die deutsche Bildungspolitik heraus.
Das Anliegen der Wübben Stiftung Bildung
Beide Stiftungen sind als gemeinnützig anerkennt und doch in ihrer Wirkmächtigkeit unterschiedlich aufgestellt und ausgerichtet.
Gründer der Wübben Stiftung Bildung ist Dr. Walter Wübben, Er war Geschäftsführer und Haupteigentümer der Damp Unternehmensgruppe, die sich bis zum Verkauf an die Helios Kliniken 2012 neben dem Touristikgeschäft auch dem Bereich der Gesundheit und Medizin widmete.
Die Wübben Stiftung Bildung wurde 2013 gegründet und engagiert sich für Schulen im Brennpunkt. Mit dem Slogan „Laut sein für die Leisen“ setzt sie sich für gerechte Bildungschancen der sozial Benachteiligten ein. Ihr Vorzeigeprojekt sind die Familiengrundschulzentren, die es den Grundschulen ermöglichen, mit Eltern und den Akteuren im Sozialraum der Schule eng zu kooperieren und die Kinder zu stärken. Die Stiftung brachte in Gelsenkirchen das Pilotprojekt auch unter Einsatz eigener Finanzmittel an den Start.
Daraus hat sich eine kommunale Netzwerkinitiative in NRW gegründet, die von der Stiftung beim Aufbau von Familiengrundschulzentren beraten und unterstützt wird. Die Stiftung ist inzwischen auch in anderen Bundesländern tätig. Das respektable und erfolgreiche Modell der Familiengrundschulzentren verschafft der Stiftung einen privilegierten Zugang zu den Bildungsministerien und politisches Gehör.
Unterwegs im Interesse der Bertelsmann AG
Die Bertelsmann Stiftung hält mehr als drei Viertel der Anteile an der Bertelsmann AG ( https://gb2024.bertelsmann.de/das-alles-ist-bertelsmann/uebersicht), einem der bedeutendsten Medien-, Bildungs- und Dienstleistungsunternehmen weltweit. Mit dieser Konstruktion befreit sich der Konzern von Steuerverpflichtungen und die Stiftung kann mit dem Einsatz der eingesparten Mittel scheinbar wohltätig agieren.
Die strukturelle und personelle Verflechtung von Stiftungsengagement und Konzerninteressen stehen schon seit langem in der Kritik, und nicht nur bei Lobby Control (https://lobbypedia.de/wiki/Bertelsmann_Stiftung). Die GEW fasste schon 2008 aus diesem Grund den Beschluss, dass eine über Kontaktpflege und Positionsaustausch hinausgehende Zusammenarbeit zwischen GEW und Bertelsmann Stiftung nicht stattfindet.
Das Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), dessen Gesellschafter die Bertelsmann Stiftung ist, war Stichwortgeber für das 2006 beschlossene nordrhein-westfälische Hochschulfreiheitsgesetz. Noch bevor der damalige FDP-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart das Gesetz präsentierte, formulierte das CHE seine Anforderungen an ein „Hochschulfreiheitsgesetz“: weniger Staat, mehr Autonomie für die Hochschulen. Und in der Folge mehr Einfluss der Wirtschaft auf die Hochschulen.
2014 warb die Stiftung massiv für das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP), von dem der Konzern als Nutznießer selbst profitiert hätte.
Wie dem Geschäftsbericht 2024 (https://gb2024.bertelsmann.de/e-paper#13) zu entnehmen ist, investiert die Bertelsmann AG gezielt in den Ausbau der Themen Cloud, KI und Data. Die Datafizierung der Bildung entspricht ganz ihrem Geschäftsinteresse.
Die Bildungspolitik und ihr Mangel an demokratischem Bewusstsein
Private Stiftungen nach ihrer Interessenlage in „gute“ oder „böse“ Stiftungen einzuteilen, greift zu kurz. In ihrem Privatisierungsreport „Vom Durchmarsch der Stiftungen und Konzerne“ (file:///C:/Users/PC/Downloads/Privatisierungsreport2-2.pdf) stellte die GEW 2006 die Frage, „warum Stiftungen und Konzerne mittlerweile eine derart große Rolle im Bildungswesen spielen. Ihre Antwort darauf: „Die Politik hat haushaltspolitisch und ideologisch Türen aufgestoßen, durch welche die Privaten jetzt „durchmarschieren“. Oder Lücken gerissen, die diejenigen jetzt füllen. Wie viel Raum und Verantwortung private Stiftungen und Konzerne im Schulwesen haben, ist stets eine Frage politischen Handelns, Entscheidens oder Nichtstuns. Nicht zuletzt auch eine Frage der Finanzierung öffentlicher Bildung.“
In NRW stehen die Türen der Politik für private Stiftungen sperrangelweit auf. Parlamentarische Gremien und die Vertretungen der Betroffenen müssen dahinter schon mal mit ihren demokratischen Beteiligungsrechten zurückstehen. Auf die Nachfrage zur Information und Beteiligung des Landtags, der Lehrer- und Elternverbände, der LSV und der Öffentlichkeit an den Überlegungen zum Bildungsverlaufsregister hieß es Ende August 2025 aus dem nordrhein-westfälischen Schulministerium: „Da es sich um laufende Planungsprozesse handelt, liegen diesbezüglich noch keine Entscheidungen vor. Sobald dies der Fall sein wird, werden die genannten Institutionen sowie die Öffentlichkeit in geeigneter Form informiert und beteiligt.“

Foto: Bildungsklick
Düsseldorf (kobinet) Mit der Einflussnahme privater Stiftungen auf die datenbasierte Steuerung des Bildungssystems hat sich die Bildungsjournalistin Dr. Brigitte Schumann noch kurz vor Weihnachten beschäftigt. "Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, gemeinsam mit den Ländern die datenbasierte Unterrichts- und Schulentwicklung für die nächste Dekade zu etablieren. Welche Rolle spielen dabei private Stiftungen wie die Wübben Stiftung Bildung und die Bertelsmann Stiftung?" Dieser und anderen Fragen geht Brigitte Schumann in ihrem Beitrag nach, den sie den kobinet-nachrichten zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt hat.
Einflussnahme privater Stiftungen auf die datenbasierte Steuerung des Bildungssystems
von Dr. Brigitte Schumann
Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, gemeinsam mit den Ländern die datenbasierte Unterrichts- und Schulentwicklung für die nächste Dekade zu etablieren. Welche Rolle spielen dabei private Stiftungen wie die Wübben Stiftung Bildung und die Bertelsmann Stiftung?
Die Unterstützung des Bundes besteht laut Koalitionsvertrag auch bei der Implementation eines Bildungsverlaufsregisters und der „Einführung einer zwischen den Ländern kompatiblen, datenschutzkonformen Schüler-ID“. Damit wird ein ganz „heißes Eisen“ angefasst und eine Problematik angesprochen, die die Kultusministerkonferenz (KMK) trotz ihrer wiederholt ausgesprochenen Empfehlungen gegenüber den Ländern bislang nicht lösen konnte.
Wiederaufnahme des gescheiterten Projekts
Schon 2003 empfahl die KMK die Entwicklung eines Kerndatensatzes mit ländereinheitlichen schulstatistischen Erhebungsmerkmalen für jede/n Schüler/in und die Umstellung der Summendaten auf Individualdaten. Ab 2008 sollten die mit einer Schüler-ID (Identifikationsnummer) verknüpften anonymisierten Individualdaten für die zielgerichtete Steuerung des Bildungssystems in ein nationales Bildungsregister übermittelt und länderübergreifend zusammengeführt werden. Etliche Bundesländer – darunter auch NRW – haben den Kerndatensatz wegen des massiven öffentlichen Widerstands gegen das Vorhaben und die damit verbundenen Eingriffe in Grundrechte noch nicht umgesetzt.
„Parteiübergreifender Impuls für messbare Bildungsziele“
Am 20.Januar 2025 stellte die Wübben Stiftung Bildung kurz vor der Bundestagswahl ihre Publikation „Bessere Bildung 2035“ https://www.wuebben-stiftung-bildung.org/publikation-bessere-bildung-2035/ zusammen mit den drei amtierenden Bildungsministerinnen, Stefanie Hubig aus Rheinland-Pfalz, Karin Prien aus Schleswig-Holstein und Theresa Schopper aus Baden-Württemberg, auf der Bundespressekonferenz (https://www.ardmediathek.de/video/phoenix-vor-ort/bpk-impulse-fuer-messbare-bildungsziele/phoenix/Y3JpZDovL3Bob2VuaXguZGUvNDc1MjMyNw vor.
„Wir etablieren eine Kultur der Evaluation und der Verantwortung und wechseln zu einer datengestützten Entwicklungs- und Lernverlaufs-Diagnostik, die den gesamten Bildungsverlauf im Rahmen einer kohärenten Datenstrategie berücksichtigt, und stellen sicher, dass in den Bundesländern die rechtlichen und technischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden“, lautete die parteiübergreifende Botschaft der Ministerinnen. Sie wünschten sich eine Bildungs-ID, die noch umfassender als die Schüler-ID angelegt ist und die gesamte Bildungsbiografie erfasst, daneben auch „Förderbedarfe oder bereits in Anspruch genommene Hilfs- und Unterstützungsangebote vor allem für den Übergang“, um Kinder noch gezielter begleiten zu können.
In der Buchveröffentlichung der Stiftung ist dieser als „parteiübergreifender Impuls für messbare Bildung“ gefeierte Konsens der drei Bildungsministerinnen u.a.in Ausführungen des Bildungsministers der kanadischen Provinz Alberta zur dort praktizierten datenbasierten Steuerung der Unterrichts- und Schulentwicklung eigebettet. Auch Kanada-Expertin Prof. Anne Sliwka, die eine Transformation des deutschen föderalen Schulsystems nach kanadischem Vorbild nahelegt, kommt zu Wort.
Wie in der Publikation nachzulesen, legten die Bildungsministerinnen ihr gemeinsames bildungspolitisches „Gelöbnis“ am 5. Oktober 2024 bei einem zweitägigen Arbeitstreffen auf Einladung der Wübben Stiftung Bildung in Ingelheim ab. Das Treffen wurde wissenschaftlich begleitet und von der Geschäftsführung der Stiftung moderiert.
Oh, wie schön ist Kanada!
Der Buchveröffentlichung über das kanadische Schulmodell als Vorreiter für Deutschland war eine Reise nach Kanada vorangegangen. Auf Initiative der Wübben Stiftung Bildung unternahmen vom 1. bis 7. Oktober 2023 Vertreter:innen von sieben Bildungsministerien, dem Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Kultusministerkonferenz und der Wübben Stiftung Bildung eine von der Stiftung vorbereitete geführte Bildungsreise durch die Provinz Alberta. Mit dabei waren auch Karin Pien und Stefanie Hubig. Theresa Schopper musste krankheitsbedingt absagen.
Ein im Netz veröffentlichtes Reisetagebuch der Stiftung (https://www.wuebben-stiftung-bildung.org/wp-content/uploads/2023/10/Bildungsreise_Alberta_Reisebericht.pdf) dokumentiert die Etappen der Reise mit diversen Schulbesuchen und Gesprächen mit Politik und Schulverwaltung.
Interessant und vielsagend ist der Vermerk über den Austausch zwischen den hochrangigen politischen Vertreter:innen auf kanadischer und deutscher Seite, der am ersten Besuchstag stattfand. Dabei ging es u.a. um die Feststellung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den jeweiligen Schulsystemen. Die hochselektiven Schulstrukturen, die das deutsche Schulsystem vom kanadischen Einheitsschulsystem extrem unterscheiden, fanden ebenso wenig Erwähnung wie das unterschiedliche Verständnis von schulischer Inklusion. Ein ausdifferenziertes Förderschulsystem, das sich als Teil eines inklusiven Schulsystems ausgibt, existiert in Kanada nicht. Die deutsche Delegation zog es vor, das deutsche Berufsbildungssystem vorzustellen, das im Ausland wegen seiner dualen Ausbildung in Schule und Betrieb in der Regel auf besonderes Interesse stößt.
Nachhaltige bildungspolitische Effekte
Der Stiftung ist es offenkundig gelungen, die politischen Akteure auf den kanadischen Weg zu mehr Chancengleichheit, Leistung und besserer Bildung einzuschwören. Im Sommer 2024 präsentierte Karin Prien ihr Rahmenkonzept für die datenbasierte Schul- und Unterrichtsentwicklung in Schleswig-Holstein der Öffentlichkeit (https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/III/Service/Broschueren/Bildung/Rahmenkonzept_2024_25.pdf?__blob=publicationFile&v=3).
Die Eindrücke, die der Staatssekretär des nordrhein-westfälischen Schulministeriums auf der Reise in Alberta sammeln konnte, waren Anregung für die datenbasierte Initiative des Schulministeriums „Kompass NRW 2030“ (https://www.schulministerium.nrw/schulkompass-nrw-2030-datengestuetzte-qualitaetsentwicklung), die die Schulministerin zum Start des Schuljahres 2025/26 vorstellte.
Es ist auch kein Geheimnis, dass Prien und Hubig, beide inzwischen Bundesministerinnen in der schwarz-roten Regierung, als Teilnehmende an den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD sich stark gemacht haben für das Bildungsverlaufsregister mit Schüler-ID.
Empfehlungen im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
Im Juni 2025 gab die Bertelsmann Stiftung „Empfehlungen für eine veränderte Lern- und Prüfungskultur“( https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/empfehlungen-fuer-eine-veraenderte-lern-und-pruefungskultur) heraus, ein „Plädoyer für mutige Entscheidungen“, wie es im Untertitel heißt. Die elf Autor:innen sind Vertreter:innen aus Schulministerien, Landesinstituten und der Wissenschaft. Unterstützt von der Stiftung haben sie nach eigenen Bekundungen Empfehlungen mit „vielfältigen Perspektiven“ entwickelt, die bildungspolitisch „fundiert, anschlussfähig und umsetzbar“ sind.
Es ist ein Plädoyer für eine datenbasierte Lern- und Prüfungskultur, die mit einer konsequenten Erhebung und Nutzung von Schüler:innen-Daten einhergeht. Um „alle Kinder und Jugendlichen zu maximaler Potenzialentfaltung anzuleiten und ihnen ihr individuelles Bildungsmaximum zu ermöglichen“, braucht es „qualitativ hochwertige individualdiagnostische Instrumente, die Lernverläufe, aber auch unausgeschöpfte Potenziale anzeigen können“.
Insgesamt braucht es nach Ansicht der Autor:innen „einen politischen Willen, wie er jüngst an prominenter Stelle, nicht zuletzt im Koalitionsvertrag der Bundesregierung, formuliert wurde. Daten sollten zur selbstverständlichen Grundlage von Entscheidungen auf allen Ebenen des Bildungssystems gemacht werden“.
Bildungsverlaufsregister und die Schüler-ID
Im November 2025 hat die Bertelsmann Stiftung nachgelegt. Dieses Mal mit einem Papier aus der Feder der Stiftung unter dem Titel „Bildungsverlaufsregister und Schüler-ID in Deutschland. Status Quo und Gelingensbedingungen“ (file:///C:/Users/PC/Downloads/Bildungsverlaufsregister_SchuelerID_final-6.pdf).
Die Stiftung präsentiert sich dabei in der Rolle des engen Partners von Bildungspolitik, Bildungsverwaltung, Schulpraxis, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Wenn sie von „wir“ spricht, schwingt immer der behauptete Konsens und die Gemeinschaft mit den Bildungsakteuren der verschiedenen Ebenen mit. „Mit der Förderung von Basiskompetenzen und schulischem Wohlbefinden etablieren wir eine neue Datenkultur, die das Lernen und die Beteiligung aller in den Mittelpunkt stellt. In vertrauensvollen Räumen und mit innovativen Methoden wie Transformationssprints entwickeln wir gemeinsam tragfähige Strategien – und stärken gleichzeitig die Handlungsfähigkeit staatlicher Akteure in adaptiver Führung.“
Es ist ein strategisches Bündnis-Papier zur Durchsetzung des Bildungsverlaufsregisters und soll politischen Stakeholdern Argumente für die Auseinandersetzung mit den Kritiker:innen in der Öffentlichkeit liefern.
Was der Wübben Stiftung Bildung Alberta ist, ist der Bertelsmann Stiftung Ontario. In der aktuellen Ausgabe ihres Magazins „Change“ (file:///C:/Users/PC/Downloads/IN_change_Magazin_2-2025_20251124-1.pdf) stellt die Bertelsmann Stiftung die kanadische Provinz Ontario als Vorbild für die deutsche Bildungspolitik heraus.
Das Anliegen der Wübben Stiftung Bildung
Beide Stiftungen sind als gemeinnützig anerkennt und doch in ihrer Wirkmächtigkeit unterschiedlich aufgestellt und ausgerichtet.
Gründer der Wübben Stiftung Bildung ist Dr. Walter Wübben, Er war Geschäftsführer und Haupteigentümer der Damp Unternehmensgruppe, die sich bis zum Verkauf an die Helios Kliniken 2012 neben dem Touristikgeschäft auch dem Bereich der Gesundheit und Medizin widmete.
Die Wübben Stiftung Bildung wurde 2013 gegründet und engagiert sich für Schulen im Brennpunkt. Mit dem Slogan „Laut sein für die Leisen“ setzt sie sich für gerechte Bildungschancen der sozial Benachteiligten ein. Ihr Vorzeigeprojekt sind die Familiengrundschulzentren, die es den Grundschulen ermöglichen, mit Eltern und den Akteuren im Sozialraum der Schule eng zu kooperieren und die Kinder zu stärken. Die Stiftung brachte in Gelsenkirchen das Pilotprojekt auch unter Einsatz eigener Finanzmittel an den Start.
Daraus hat sich eine kommunale Netzwerkinitiative in NRW gegründet, die von der Stiftung beim Aufbau von Familiengrundschulzentren beraten und unterstützt wird. Die Stiftung ist inzwischen auch in anderen Bundesländern tätig. Das respektable und erfolgreiche Modell der Familiengrundschulzentren verschafft der Stiftung einen privilegierten Zugang zu den Bildungsministerien und politisches Gehör.
Unterwegs im Interesse der Bertelsmann AG
Die Bertelsmann Stiftung hält mehr als drei Viertel der Anteile an der Bertelsmann AG ( https://gb2024.bertelsmann.de/das-alles-ist-bertelsmann/uebersicht), einem der bedeutendsten Medien-, Bildungs- und Dienstleistungsunternehmen weltweit. Mit dieser Konstruktion befreit sich der Konzern von Steuerverpflichtungen und die Stiftung kann mit dem Einsatz der eingesparten Mittel scheinbar wohltätig agieren.
Die strukturelle und personelle Verflechtung von Stiftungsengagement und Konzerninteressen stehen schon seit langem in der Kritik, und nicht nur bei Lobby Control (https://lobbypedia.de/wiki/Bertelsmann_Stiftung). Die GEW fasste schon 2008 aus diesem Grund den Beschluss, dass eine über Kontaktpflege und Positionsaustausch hinausgehende Zusammenarbeit zwischen GEW und Bertelsmann Stiftung nicht stattfindet.
Das Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), dessen Gesellschafter die Bertelsmann Stiftung ist, war Stichwortgeber für das 2006 beschlossene nordrhein-westfälische Hochschulfreiheitsgesetz. Noch bevor der damalige FDP-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart das Gesetz präsentierte, formulierte das CHE seine Anforderungen an ein „Hochschulfreiheitsgesetz“: weniger Staat, mehr Autonomie für die Hochschulen. Und in der Folge mehr Einfluss der Wirtschaft auf die Hochschulen.
2014 warb die Stiftung massiv für das Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP), von dem der Konzern als Nutznießer selbst profitiert hätte.
Wie dem Geschäftsbericht 2024 (https://gb2024.bertelsmann.de/e-paper#13) zu entnehmen ist, investiert die Bertelsmann AG gezielt in den Ausbau der Themen Cloud, KI und Data. Die Datafizierung der Bildung entspricht ganz ihrem Geschäftsinteresse.
Die Bildungspolitik und ihr Mangel an demokratischem Bewusstsein
Private Stiftungen nach ihrer Interessenlage in „gute“ oder „böse“ Stiftungen einzuteilen, greift zu kurz. In ihrem Privatisierungsreport „Vom Durchmarsch der Stiftungen und Konzerne“ (file:///C:/Users/PC/Downloads/Privatisierungsreport2-2.pdf) stellte die GEW 2006 die Frage, „warum Stiftungen und Konzerne mittlerweile eine derart große Rolle im Bildungswesen spielen. Ihre Antwort darauf: „Die Politik hat haushaltspolitisch und ideologisch Türen aufgestoßen, durch welche die Privaten jetzt „durchmarschieren“. Oder Lücken gerissen, die diejenigen jetzt füllen. Wie viel Raum und Verantwortung private Stiftungen und Konzerne im Schulwesen haben, ist stets eine Frage politischen Handelns, Entscheidens oder Nichtstuns. Nicht zuletzt auch eine Frage der Finanzierung öffentlicher Bildung.“
In NRW stehen die Türen der Politik für private Stiftungen sperrangelweit auf. Parlamentarische Gremien und die Vertretungen der Betroffenen müssen dahinter schon mal mit ihren demokratischen Beteiligungsrechten zurückstehen. Auf die Nachfrage zur Information und Beteiligung des Landtags, der Lehrer- und Elternverbände, der LSV und der Öffentlichkeit an den Überlegungen zum Bildungsverlaufsregister hieß es Ende August 2025 aus dem nordrhein-westfälischen Schulministerium: „Da es sich um laufende Planungsprozesse handelt, liegen diesbezüglich noch keine Entscheidungen vor. Sobald dies der Fall sein wird, werden die genannten Institutionen sowie die Öffentlichkeit in geeigneter Form informiert und beteiligt.“




