Menu Close

Österreich spart an Inklusion

Fahne von Österreich
Fahne Österreich
Foto: public domain

WIEN (kobinet) Die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) ist zentrale Kommunikations- und Unterrichtssprache für gehörlose Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In Österreich leben schätzungsweise 8.000 bis 10.000 gehörlose Menschen, die die ÖGS als ihre Hauptkommunikationsform nennen. Anlässlich des gestrigen Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen warnte der Österreichische Gehörlosenbund eindringlich vor den geplanten Sparmaßnahmen im Doppelbudget 2025/26, da zentrale Angebote für Barrierefreiheit, Gebärdensprache und echte Teilhabe gefährdet werden.

Der ÖGLB hat dazu in den vergangenen Wochen eine Umfrage unter seinen Vernetzungspartnern – von Gehörlosenvereinen über Krankenhäuser und Universitäten bis hin zu Beratungs- und Bildungseinrichtungen – durchgeführt, um zu erheben, ob und in welcher Form sie bereits von Kürzungen betroffen sind oder Einschnitte befürchten. Die ersten Rückmeldungen sind ernüchternd: Sie reichen von drohendem Personalabbau, gekürzten Projekten und sinkender Dolmetsch- und Beratungsqualität über zusätzliche bürokratische Hürden bis hin zur akuten Gefährdung spezialisierter Angebote, etwa für taubblinde Menschen.

Der ÖGLB fordert die Bundesregierung auf, im Doppelbudget 2025/26 verbindlich und umfassend folgende Maßnahmen zur Stärkung von Gebärdensprache, Barrierefreiheit und Inklusion zu sichern:

  • Ausreichend finanzierte und flächendeckende Angebote in Österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) zur Kommunikationsförderung und Bildung gehörloser Menschen
  • Ausbau inklusiver Bildungsstrukturen sowie ausreichende Ressourcen für Dolmetschdienste in Bildung, Gesundheitswesen und öffentlichen Institutionen
  • Optimierung und Umsetzung der ÖGS – Lehrpläne, die bilingual-bimodale Bildungskonzepte mit ÖGS und Deutsch einschließen
  • Sicherstellung nachhaltiger Förderungen für spezialisierte Angebote, insbesondere auch im Bereich der Taubblindheit und weiterer besonderer Bedarfe
  • Umsetzung der bildungspolitischen Empfehlungen aus dem 5. Bildungskongress der Gehörlosenverbände des DACH-Raums, darunter mehr Qualitätssicherung, Personalstärkung und Sichtbarmachung der ÖGS in allen Bildungsbereichen
  • Politische und finanzielle Maßnahmen, die Barrieren abbauen und chancengleiche Teilhabe von gehörlosen Menschen in allen Lebensbereichen fördern
  • Konsequente Einbindung von Menschen mit Behinderungen in alle relevanten Planungs-, Entscheidungs- und Evaluationsprozesse

„Diese Forderungen spiegeln die dringende Notwendigkeit wider, Inklusion als integralen und nicht verhandelbaren Bestandteil von Politik und Budgetpolitik zu verankern“, denn „Wer Barrieren für gehörlose Menschen stehen lässt, baut gleichzeitig Mauern in den Köpfen. Es geht um nichts weniger als um Chancengleichheit und Menschenrechte“, so Helene Jarmer,  Präsidentin des Österreichischen Gehörlosenbundes.