Villmar-Weyer (kobinet)
Gestern kam ich von einem Kurs zurück.
Der Kurs war vom VdK.
Das Thema war: Barriere-Freiheit im öffentlichen Raum.
Barriere-Freiheit bedeutet: Alle Menschen können alles benutzen.
Niemand wird ausgeschlossen.
Öffentlicher Raum bedeutet: Orte für alle Menschen.
Jeder darf dort hin-gehen.
Zum Beispiel: Straßen, Parks oder Plätze.
Für mich war der Kurs anstrengend.
Es gab viele Fakten.
Die Fakten waren über die DIN-Norm 18040.
DIN-Norm bedeutet: Eine Regel für Deutschland.
Die Regel sagt: So macht man etwas richtig.
Bei Fakten kann man nicht viel diskutieren.
Danach konnte ich schlecht schreiben.
Ich wusste nicht: Über was soll ich schreiben?
Es gibt so viele wichtige Themen.
Ich ärgere mich gern über Probleme.
Das ist mein Hobby als Rentner.
Ich wollte meine Leser fragen.
Aber dann dachte ich: Das ist keine gute Idee.
Die Frage wäre gewesen:
Über welches Thema soll ich schreiben?
Die Themen waren:
a. Gewalt in besonderen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung
b. Mit-Bestimmung in der Politik vor Ort
Mit-Bestimmung bedeutet: Du machst bei etwas mit.
Du kannst mit-bestimmen und mit-machen.
Ich hatte Angst vor der Antwort.
Vielleicht sagen die Leser: Schreib gar nichts mehr!
Die beiden Themen sind sehr verschieden.
Es gibt noch andere Themen.
Zum Beispiel: Das neue Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz.
Das Behinderten-Gleichstellungs-Gesetz ist ein Gesetz in Deutschland.
Es hilft Menschen mit Behinderung.
Oder: Die Renten-Reform.
Renten-Reform bedeutet: Man ändert die Regeln für Rente.
Rente ist Geld für alte Menschen.
Oder: Der internationale Tag der Menschen mit Behinderung.
Der Tag ist heute!
Die beiden Themen passen nicht zusammen.
Oder doch?
Das ist schwer zu sagen.
Zum ersten Thema gibt es eine Broschüre.
Eine Broschüre ist ein kleines Heft.
In dem Heft sind Informationen und Bilder.
Die Broschüre ist vom Deutschen Institut für Menschen-Rechte.
Menschen-Rechte sind Rechte für alle Menschen.
Alle Menschen haben die gleichen Rechte.
Die Broschüre ist von 2022.
In der Broschüre stehen gute Ideen gegen Gewalt.
Die Ideen sind bestimmt schon umgesetzt.
Genauso wie die UN-Behinderten-Rechts-Konvention.
UN-Behinderten-Rechts-Konvention bedeutet: Die UN-Behinderten-Konvention ist ein Vertrag.
In dem Vertrag stehen Rechte für Menschen mit Behinderung.
Also: Das Thema ist erledigt.
Hier ist der Link zur Broschüre:
Zur Broschüre über Schutz vor Gewalt
Das zweite Thema ist die Mit-Bestimmung vor Ort.
Bald gibt es Wahlen in Hessen.
Dann wird das Thema sicher wichtig.
Und Eintracht Frankfurt wird Deutscher Fußball-Meister!
Das war ein Scherz.
In besonderen Einrichtungen gibt es Hierarchien.
Hierarchien bedeutet: Eine Rang-Ordnung von Menschen.
Manche Menschen haben mehr zu sagen.
Andere Menschen müssen mehr zu-hören.
Es gibt Menschen, die etwas wollen.
Sie wollen mehr Teilhabe.
Teilhabe bedeutet: Du machst bei etwas mit.
Du kannst mit-bestimmen und mit-machen.
Oder mehr Selbst-Bestimmung.
Selbst-Bestimmung bedeutet: Du entscheidest für dich selbst.
Niemand sagt dir was du tun sollst.
Man kann sie Bitt-Steller nennen.
Und es gibt Menschen, die entscheiden.
Sie entscheiden über die Wünsche.
Man kann sie Entscheider nennen.
Die Entscheider müssen viele Dinge beachten.
Zum Beispiel: Es gibt zu wenig Personal.
Oder: Die Politik sagt etwas anderes.
Manchmal erfüllen die Entscheider die Wünsche nicht.
Das passiert über Jahre oder Jahrzehnte.
Dann werden die Bitt-Steller frustriert.
Frustriert bedeutet: Sie sind sehr enttäuscht und wütend.
Manche werden auch aggressiv.
Die Entscheider reagieren manchmal auch aggressiv.
Manche Entscheider nutzen direkte Gewalt.
Das sind die Entscheider, die direkt mit den Menschen arbeiten.
Andere Entscheider nutzen andere Gewalt-Arten.
Zum Beispiel: strukturelle Gewalt.
Strukturelle Gewalt bedeutet: Die Regeln der Einrichtung schaden den Menschen.
Auch in der Politik vor Ort gibt es Hierarchien.
Die Bitt-Steller sind die Beiräte.
Ein Beirat ist eine Beratungs-Gruppe.
Diese Gruppe gibt Tipps und Ideen zu einem Projekt.
Oder die Beauftragten für Menschen mit Behinderung.
Die Entscheider sind die Bürger-Meister.
Oder die Stadt-Räte und Gemeinde-Räte.
Diese Entscheider setzen die UN-Behinderten-Rechts-Konvention oft nicht um.
Das frustriert die Beiräte und Beauftragten.
Das ist fast wie strukturelle Gewalt.
Gibt es also doch einen Zusammen-Hang?
Zwischen beiden Themen?
Vielleicht schreibe ich mal darüber.
Dezember 2025, Stephan Laux

Foto: OpenClipart-Vectors In neuem Fenster öffnen via Pixabay In neuem Fenster öffnen
Villmar-Weyer (kobinet) Gestern kehrte ich von einem VdK-Seminar über Barrierefreiheit im öffentlichen Raum zurück. So ein Seminar hat für jemanden wie mich etwas von einem Survival-Camp. Geht es doch um Fakten, Fakten, Fakten. In diesem Fall um die DIN-Norm 18040. Fakten lassen wenig Raum für besserwisserisches, aktivistisches Geschwafel.
Das hat das Symptom meiner Schreibhemmung noch mal zusätzlich verstärkt.
Ursprünglicher Auslöser dafür war der Umstand, dass ich mich einfach nicht entscheiden konnte, über welches behindertenpolitische Thema ich mich vorzugsweise echauffieren sollte. Echauffieren ist eines meiner zahlreichen Hobbys, mit denen ich mein Rentnerdasein zu füllen suche.
Die Idee einer Umfrage bei den mehr oder weniger treuen Leser*innen habe ich verworfen.
Auf die Frage: „Welches Thema soll Stephan Laux in seiner nächsten Kolumne behandeln?
a. Gewalt in Sondereinrichtungen der Behindertenhilfe oder
b. Kommunalpolitische Partizipation von Menschen mit Behinderungen in der Provinz“,
hatte ich das Ergebnis:
c. „Einfach mal die Klappe halten!“ befürchtet.
Die beiden Vorschläge liegen auch wirklich weit auseinander. Dazwischen könnte ich mich u.a. über den Referentenentwurf des Behindertengleichstellungsgesetzes, die Rentenreform und den internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen (huch! Der ist ja heute!) echauffieren.
Einen Zusammenhang zwischen:
a. Gewalt in Sondereinrichtungen der Behindertenhilfe und
b. Kommunalpolitische Partizipation von Menschen mit Behinderungen in der Provinz.
herzustellen, wäre zu weit hergeholt!
Über Gewalt in Sondereinrichtungen der Behindertenhilfe hat das Deutsche Institut für Menschenrechte 2022 eine Handlungsempfehlung für Politik und Praxis herausgegeben. Die ist bestimmt schon bundesweit umgesetzt. So wie die UN-BRK und das Bundesteilhabegesetz. Also abgehandelt.
Und die kommunalpolitische Partizipation wird sicher Thema bei der bevorstehenden Kommunalwahl in Hessen. Und Eintracht Frankfurt Deutscher Fußballmeister!
Teilhabe ist ja in Sondereinrichtungen im Wesentlichen von Hierarchien abhängig.
Es gibt die, die Teilhabe oder Selbstbestimmung oder auch nur Bedürfnisse einfordern (man könnte sie „Bittsteller*innen“ nennen), und die, die sie gewähren (Entscheider*innen). Wobei die Entscheider*innen natürlich bei ihren Entscheidungen auch äußere Einflüsse, wie z. B. Personalengpässe, Fachkräftemangel oder politische Gegebenheiten berücksichtigen müssen.
Wenn dann deren Entscheidungen nicht den Bedürfnissen der Bittsteller*innen entsprechen, kann das auf Dauer (damit meine ich Jahre oder Jahrzehnte) zu Frustration und aggressivem Verhalten der Bittsteller*innen in Sondereinrichtungen der Behindertenhilfe führen. Darauf reagieren dann Entscheider*innen in manchen Fällen mehr oder weniger pädagogisch begründet, aggressiv. Entscheider*innen auf der unteren Hierarchieebene eventuell mit unmittelbarer Gewalt. Die auf höheren Hierarchieebenen mit struktureller und institutioneller Gewalt.
Kommunalpolitische Partizipation von Menschen mit Behinderungen in Hessen ist abhängig vom Wohlwollen der kommunalpolitischen Gremien. Die Bittsteller*innen sind Beiräte und Beauftragte für Menschen mit Behinderungen. Die Entscheider*innen, Bürgermeister*innen und kommunalen Parlamente. Die Verweigerung der Umsetzung der UN‑Behindertenrechtskonvention auf kommunalpolitischer Ebene sorgt bei den Bittsteller*innen für Frustration und kommt struktureller und institutioneller Gewalt nahe.
Besteht da etwa doch ein Zusammenhang zwischen beiden Themen???
Vielleicht schreibe ich mal eine Kolumne darüber?
Dezember 2025, Stephan Laux

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Villmar-Weyer (kobinet) Gestern kehrte ich von einem VdK-Seminar über Barrierefreiheit im öffentlichen Raum zurück. So ein Seminar hat für jemanden wie mich etwas von einem Survival-Camp. Geht es doch um Fakten, Fakten, Fakten. In diesem Fall um die DIN-Norm 18040. Fakten lassen wenig Raum für besserwisserisches, aktivistisches Geschwafel.
Das hat das Symptom meiner Schreibhemmung noch mal zusätzlich verstärkt.
Ursprünglicher Auslöser dafür war der Umstand, dass ich mich einfach nicht entscheiden konnte, über welches behindertenpolitische Thema ich mich vorzugsweise echauffieren sollte. Echauffieren ist eines meiner zahlreichen Hobbys, mit denen ich mein Rentnerdasein zu füllen suche.
Die Idee einer Umfrage bei den mehr oder weniger treuen Leser*innen habe ich verworfen.
Auf die Frage: „Welches Thema soll Stephan Laux in seiner nächsten Kolumne behandeln?
a. Gewalt in Sondereinrichtungen der Behindertenhilfe oder
b. Kommunalpolitische Partizipation von Menschen mit Behinderungen in der Provinz“,
hatte ich das Ergebnis:
c. „Einfach mal die Klappe halten!“ befürchtet.
Die beiden Vorschläge liegen auch wirklich weit auseinander. Dazwischen könnte ich mich u.a. über den Referentenentwurf des Behindertengleichstellungsgesetzes, die Rentenreform und den internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen (huch! Der ist ja heute!) echauffieren.
Einen Zusammenhang zwischen:
a. Gewalt in Sondereinrichtungen der Behindertenhilfe und
b. Kommunalpolitische Partizipation von Menschen mit Behinderungen in der Provinz.
herzustellen, wäre zu weit hergeholt!
Über Gewalt in Sondereinrichtungen der Behindertenhilfe hat das Deutsche Institut für Menschenrechte 2022 eine Handlungsempfehlung für Politik und Praxis herausgegeben. Die ist bestimmt schon bundesweit umgesetzt. So wie die UN-BRK und das Bundesteilhabegesetz. Also abgehandelt.
Und die kommunalpolitische Partizipation wird sicher Thema bei der bevorstehenden Kommunalwahl in Hessen. Und Eintracht Frankfurt Deutscher Fußballmeister!
Teilhabe ist ja in Sondereinrichtungen im Wesentlichen von Hierarchien abhängig.
Es gibt die, die Teilhabe oder Selbstbestimmung oder auch nur Bedürfnisse einfordern (man könnte sie „Bittsteller*innen“ nennen), und die, die sie gewähren (Entscheider*innen). Wobei die Entscheider*innen natürlich bei ihren Entscheidungen auch äußere Einflüsse, wie z. B. Personalengpässe, Fachkräftemangel oder politische Gegebenheiten berücksichtigen müssen.
Wenn dann deren Entscheidungen nicht den Bedürfnissen der Bittsteller*innen entsprechen, kann das auf Dauer (damit meine ich Jahre oder Jahrzehnte) zu Frustration und aggressivem Verhalten der Bittsteller*innen in Sondereinrichtungen der Behindertenhilfe führen. Darauf reagieren dann Entscheider*innen in manchen Fällen mehr oder weniger pädagogisch begründet, aggressiv. Entscheider*innen auf der unteren Hierarchieebene eventuell mit unmittelbarer Gewalt. Die auf höheren Hierarchieebenen mit struktureller und institutioneller Gewalt.
Kommunalpolitische Partizipation von Menschen mit Behinderungen in Hessen ist abhängig vom Wohlwollen der kommunalpolitischen Gremien. Die Bittsteller*innen sind Beiräte und Beauftragte für Menschen mit Behinderungen. Die Entscheider*innen, Bürgermeister*innen und kommunalen Parlamente. Die Verweigerung der Umsetzung der UN‑Behindertenrechtskonvention auf kommunalpolitischer Ebene sorgt bei den Bittsteller*innen für Frustration und kommt struktureller und institutioneller Gewalt nahe.
Besteht da etwa doch ein Zusammenhang zwischen beiden Themen???
Vielleicht schreibe ich mal eine Kolumne darüber?
Dezember 2025, Stephan Laux





Beim Lesen der Kolumne drängt sich ein Gedanke auf der in der Behindertenpolitik selten ausgesprochen wird Hier geht es längst nicht mehr darum Inklusion zu verwirklichen. Es geht darum die Simulation ihrer Verwirklichung aufrechtzuerhalten.
Man pflegt nicht Teilhabe sondern das Erscheinungsbild von Teilhabe. Das System gleicht einem Amt das sorgfältig registriert wie sehr es sich bemüht ohne je den Inhalt der Akte zu verändern. Die Abläufe funktionieren tadellos geradezu vorbildlich aber immer nur bezogen auf sich selbst.
In diesem bürokratischen Kosmos bedeutet Fortschritt dass neue Formulare entstehen neue Runden Tische neue Aktionstage neue Leitfäden. Alles bewegt sich aber nichts rückt vor. Man rüstet gewissermaßen die Mechanik der Simulation auf damit sie weiterhin den Eindruck vermittelt etwas werde getan. Die Realität darf davon unberührt bleiben denn die Realität ist nicht Gegenstand des Verfahrens.
Genau hier entsteht die kafkaeske Atmosphäre Die Menschen um die es geht werden nicht ausgeschlossen sie werden eingebunden. Aber eingebunden als Teil des Mechanismus nicht als Teil der Entscheidung. Sie dürfen teilnehmen damit niemand merkt dass sie nicht teilhaben. Und die dazugehörigen Gremien funktionieren nach derselben Logik Ein Beirat berät zwar aber nur auf Zuruf. Seine Existenz dient weniger der Mitgestaltung als der Vollständigkeit der Inszenierung. Abseits dieser gelegentlichen Befragung bleibt er Beiwerk ein dekoratives Alibi das die Simulation von Beteiligung stabil hält.
Die Simulation lebt davon dass alle Elemente vorhanden sind Gremien Arbeitskreise Beauftragte Beratungen Protokolle. Alles sieht so aus als würde es funktionieren. Und weil es so aussieht wie es aussehen soll gilt es als erfüllt.
Das erklärt auch die eigentümliche Erschöpfung die Laux beschreibt Man wählt ein Thema doch egal wo man ansetzt landet man im selben Labyrinth. Nicht weil die Themen ähnlich wären sondern weil sie im selben System konserviert werden einem System dessen Hauptleistung darin besteht sich selbst als Fortschritt zu präsentieren.
Die Frage ist daher nicht wie Inklusion gelingen kann. Die Frage ist wie lange die Aufrechterhaltung der Simulation noch als Erfolg verkauft werden kann. Denn eine Simulation kann man endlos optimieren ohne jemals die Wirklichkeit berühren zu müssen.
Solange das so bleibt ist Inklusion kein politisches Projekt sondern eine gut geölte Inszenierung. Und vielleicht ist genau das der Grund warum man sich irgendwann nicht mehr entscheiden kann worüber man schreiben will Weil jeder Versuch etwas zu benennen sofort in jenes System eingesogen wird das vor allem eines will bestehen nicht verändern.