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Inklusiver Weihnachtsmarkt in Potsdam mit Lesung aus dem Roman Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung

Plakat: Weihnachtlicher Akzeptanzmarkt in Potsdam
Plakat: Weihnachtlicher Akzeptanzmarkt in Potsdam
Foto: Einzelfallhilfe Manufaktur

Potsdam (kobinet) Am 30. November und am 1. Dezember 2025, öffnet in der Waschhaus Arena Potsdam ein ganz besonderer Weihnachtsmarkt seine Türen. Die Veranstaltung richtet sich an alle Menschen – unabhängig von Alter, Herkunft, Behinderung – und möchte ein inklusives und barrierefreies Erlebnis in der Vorweihnachtszeit schaffen. Am 30. November um 17:00 Uhr wird es auch eine Lesung von Karsten Krampitz aus seinem Roman "Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung" geben, wie Nina Waskowski den kobinet-nachrichten mitteilte.

Der Weihnachtsmarkt verfolgt ein klares Ziel: Teilhabe für alle ermöglichen. Menschen mit Behinderung und ältere Besucher*innen sollen sich ebenso willkommen fühlen wie Familien, Kinder und Jugendliche. Anders als bei klassischen Veranstaltungen liegt der Fokus hier auf Begegnung und dem gemeinsamen Miteinander. In „stillen Stunden“ gestaltet man bewusst eine reizarme Atmosphäre, indem man auf Musik und grelles Licht verzichtet. So wird auch reizsensiblen wahrnehmungseingeschränkten und neurodivergenten Menschen der Zugang zu unserem Weihnachtsmarkt ermöglicht.

Die Atmosphäre des Akzeptanzfestivals soll in die Weihnachtszeit übertragen werden. Weihnachtliche Mitmach-Stände, gemeinsames Weihnachtssingen, Märchenstunde und Lesungen, sowie eine Ecke mit Brettspielen laden dazu ein, sich Zeit zu nehmen, miteinander Besinnlichkeit zu erleben und zu teilen. Gemeinsam gespannt sein, kann man bei der Verlosung der großen Tombola – denn Spannung und Geschenke sind das kindliche Herz der Weihnachtszeit, heißt es in der Ankündigung.

Der Weihnachtsmarkt wird niedrigschwellig, aber niveauvoll sein und sich beispeilsweise durch gute Speisen und Getränke auszeichnen. Ein weihnachtlicher Cocktail und selbst gemachter Glühwein mit und ohne Alkohol sorgen für Verweilstimmung, die sich an den Aktionsständen sowie auf dem gesamten Marktgelände wiederfindet. Mitmach-Angebote wie Weihnachtskugeln bemalen oder Weihnachtsschmuck basteln werden ergänzt durch eine Geschenke-Einpack-Station.

Der Eintritt ist frei und freiwillig – um Spenden wird gebeten.

Mehr Informationen gibt’s unter einzelfallhilfe-manufaktur.de/akzeptanzmarkt

Zur Lesund heißt es in der Ankündigung

Ende der 70er Jahre beschließen 4 Freunde, ihr Leben in einem Heim für behinderte Jugendliche zu beenden und auszubrechen. Sie gründen im schönen Thüringen die Kommune Hartroda – eine Gemeinschaft von Aussortierten, allen voran Gruns, die Schlüsselfigur des Romans. Das Haus gehört der Kirche, die benötigten Pflege- und Assistenzleistungen sollen von Rente und Pflegegeldern bezahlt werden. Alles von Geld über Bücher bis Platten und Bier wird geteilt.

Wer glaubt, dass eine schwere Behinderung der sicherste Weg in die stationäre Unterbringung ist, findet hier den Beweis, dass es zu jeder Zeit mit Kreativität auch anders ging. Alles ist nur so lange unmöglich, bis jemand das Gegenteil beweist.

Eine Geschichte über Mut, Freiheit, Selbstbestimmung, aber auch Vergangenheit und Schuld.

Wer Matthias Vernaldi noch kennenlernen durfte, wird ihn in diesem Roman wiederfinden und wer die letzten Jahre der DDR zwischen Diktatur und Freiheitsstreben im chaotischen Wandel des Zeitgeschehens miterlebte, wird sich in der ein oder anderen Zeile möglicherweise selbst wiederentdecken.

Lasst euch mitnehmen in eine spannende Geschichte, die, so unwirklich sie teilweise erscheint, tatsächlich so oder so ähnlich stattgefunden hat. Lasst uns erinnern an wilde Zeiten, an unseren Mitstreiter Matthias Vernaldi und gemeinsam einen tollen Abend mit Matthias Krampitz und seinem wundervollen Werk bei Glühwein und vorweihnachtlichem Lichterzauber genießen.

https://www.einzelfallhilfe-manufaktur.de/akzeptanzmarkt

Lesermeinungen

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1 Lesermeinung
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Ralph Milewski
08.11.2025 12:05

„Akzeptanz“ klingt freundlich, ist aber eine einseitige Bewegung.
Wer akzeptiert, erhebt sich über den anderen: Ich erkenne dich an, ich lasse dich zu.
Damit bleibt das Gefälle bestehen – zwischen denen, die akzeptieren, und denen, die akzeptiert werden.

In einem inklusiven Verständnis dürfte es so eine Hierarchie gar nicht geben.
Menschen gehören selbstverständlich dazu, ohne dass jemand ihnen erst das Gütesiegel der Akzeptanz ausstellt.

Warum dann nicht gleich Toleranzmarkt?
Die nächste Stufe der Bevormundung – vom „Wir akzeptieren euch“ zum „Wir halten euch aus.“

Inklusion will weder Akzeptanz noch Toleranz.
Sie will Normalität – das Ende solcher Worte.

Und über allem thront „inklusiv“, das Etikett, das alles zudeckt wie ein Pflaster auf einer alten Wunde.
Ein Wort, das Zugehörigkeit verspricht, aber Trennung bestätigt.
„Inklusiv“ ist der freundliche Hinweis, dass die Grenze noch da ist – hübsch verpackt in guter Absicht.
So wird aus dem, was selbstverständlich sein sollte, ein betreutes Erlebnis mit Gütesiegel.

Mich schreckt das Wort inklusiv bei Veranstaltungen grundsätzlich ab.
Es markiert mich als sonderbar, als jemand, der erst eigens eingeladen werden muss, um mitzuzählen.
Es macht aus Teilhabe ein Sonderrecht und aus Normalität ein Projekt.
Damit wird inklusiv zum Gegenteil von Inklusion – ein Etikett, das die Grenze nicht abbaut, sondern neu zieht.

PS: Dann doch lieber so – ehrlich, aber authentisch:
Barrierefreier Weihnachtsmarkt – ein Märchen von Glühwein, Würstchen und Hinterteilen

Zuletzt bearbeitet am 8 Monate zuvor von Ralph Milewski