Berlin (kobinet)
Viele Menschen wissen nicht, was Braille ist.
Braille ist eine Schrift.
Blinde Menschen können Braille lesen.
Das haben die Aktiven vom Projekt Braille 200 oft erlebt.
Ein Projekt ist eine Aufgabe mit einem Ziel.
Die Schrift gibt es seit 200 Jahren.
Lydia Zoubek hat auch diese Erfahrung gemacht.
Sie schreibt einen Blog im Internet.
Ein Blog ist eine Internet·seite mit neuen Texten und Bildern.
Der Blog heißt: Lydias Welt.
Lydia ist eine blinde Mutter.
Sie schreibt über ihren Alltag.
Auch andere Menschen schreiben in dem Blog.
Hier ist der Link zum Blog.
Lydia hat einen Text geschrieben.
Der Text ist für das Projekt Braille 200.
Sie schreibt: Braille ist wichtig für mein Leben.
Das Projekt macht der DBSV mit.
DBSV ist kurz für: Deutscher Blinden- und Seh-behinderten-Verband.
Ein Verband bedeutet: Menschen leben zusammen und machen Regeln für das Zusammen-leben.
Es gibt auch Lesungen in Braille-Schrift.
Eine Lesung ist eine Veranstaltung.
Dort liest jemand laut vor.
Andere Menschen hören zu.
Eine Lesung ist am 16. November 2025.
Die Lesung ist in Schwabach.
Sie ist in der Stadt-Bibliothek.
Eine Bibliothek ist ein Ort mit vielen Büchern.
Du kannst dort Bücher ausleihen.
Die Lesung beginnt um 11 Uhr.
Hier ist der Link zu Infos über diese Lesung.
Eine andere Lesung ist am 19. November 2025.
Diese Lesung ist in Darmstadt.
Sie ist beim CBF Darmstadt.
Die Lesung beginnt um 17 Uhr.
Hier ist der Link zu Infos über diese Lesung.
Sabine Lohner liest bei den Lesungen vor.
Sie liest gerne vor.
Sie nutzt einen Braille-Reader.
Ein Braille-Reader ist ein Lese-Gerät.
Das Gerät ist für Braille-Schrift.
Sie liest aus dem Buch: Zündeln an den Strukturen.
Das Buch ist von Ottmar Miles-Paul.
Die Braille-Schrift ist noch modern
Das hat Lydia Zoubek geschrieben.
Lydia hat etwas auf Facebook erlebt.
Jemand hatte ein Foto ohne Text-Beschreibung gepostet.
Eine Text-Beschreibung erklärt etwas mit Worten.
Zum Beispiel ein Bild.
Lydia schrieb: Ich bin blind.
Ich brauche eine Text-Beschreibung.
Nur so kann ich das Foto verstehen.
Ein anderer Nutzer schrieb: Blind lesen?
Das geht doch gar nicht.
Haha.
Er schrieb noch mehr unfreundliche Worte.
Er dachte: Blinde Menschen können nicht lesen.
Blinde Menschen können nicht schreiben.
Wir leben im 21. Jahrhundert.
Trotzdem denken viele Menschen so.
Sie wissen nicht: Blinde Menschen können lesen.
Blinde Menschen können schreiben.
Viele denken: Man schreibt mit Stift auf Papier.
Man liest nur mit den Augen.
Computer und Smart-phones kann man nur sehen.
Ein Smart-phone ist ein besonderes Handy.
Du kannst damit viele Sachen machen.
Das stimmt nicht.
Auch Lydias Familie dachte lange so.
Ihre Eltern kamen aus einem anderen Land.
Sie waren Gast-Arbeiter in Deutschland.
Gast-arbeiter sind Menschen aus einem anderen Land.
Sie arbeiten für eine bestimmte Zeit hier.
Sie wussten nicht: Was machen wir mit unserem blinden Kind?
Lydia ging 2 Jahre in eine Schule.
Die Schule war für seh-behinderte Kinder.
Seh-behindert bedeutet: Die Kinder sehen schlecht.
Die Kinder nutzten Lupen und große Schrift.
Eine Lupe ist ein Glas.
Damit kann man Dinge größer sehen.
Aber Lydia war zu blind dafür.
In der 2. Klasse wurde die Schrift kleiner.
Lydia konnte nicht mehr mit-halten.
Sie war zu langsam.
Eine Lehrerin half der Familie.
Lydia durfte auf eine Blinden-Schule wechseln.
In der 3. Klasse lernte Lydia Braille.
Das war eine große Veränderung.
Lesen war nicht mehr anstrengend.
Lesen machte plötzlich Spaß.
Lydia konnte mit den Fingern lesen.
Das war viel schneller als mit den Augen.
Lydia wurde eine Lese-Ratte.
Eine Lese-Ratte ist jemand, der viel liest.
Sie holte sich Bücher in Braille-Schrift.
Die Bücher waren aus der Schul-Bücherei.
Auch in den Ferien konnte sie lesen.
Die Büchereien hatten einen Versand-Service.
Ein Versand-Service bringt Pakete zu dir nach Hause.
Du bestellst etwas.
Dann kommt es mit der Post.
Das bedeutet: Die Bücher kamen mit der Post.
Lydia musste die Bücher nicht selbst tragen.
Das war gut.
Denn Bücher in Braille-Schrift sind sehr schwer.
Sie sind auch sehr groß.
Lydia schrieb Braille mit einer Maschine.
Die Maschine war extra für Braille-Schrift.
Lydia nahm die Maschine auch nach Hause.
Sie lebte in einem Internat.
Ein Internat ist eine Schule mit Schlaf-Plätzen.
Die Kinder wohnen dort.
Mit der Maschine konnte Lydia Briefe schreiben.
Sie konnte Haus-Aufgaben machen.
Sie konnte auch Tagebuch schreiben.
Für unterwegs nutzte Lydia eine Schreib-Tafel.
Man klemmt Papier in die Tafel.
Man sticht jeden Punkt mit einem Griffel ein.
Man schreibt die Zeichen spiegel-verkehrt.
Dann kann man sie von links nach rechts lesen.
Das ist am Anfang schwierig.
Aber man gewöhnt sich daran.
Dann geht es schnell.
In armen Ländern nutzen viele Menschen diese Tafel.
Eine Schreib-Maschine ist dort zu teuer.
Nach dem Abitur bekam Lydia einen Computer.
Das Abitur ist ein Schul-abschluss vom Gymnasium.
Man bekommt ihn nach der Schule.
Ein Computer ist ein Gerät.
Damit kann man schreiben und spielen.
Der Computer hatte eine Braille-Zeile.
Eine Braille-Zeile zeigt Text in Braille-Schrift an.
Lydia las viel mit Sprach-Ausgabe.
Sprach-Ausgabe bedeutet: Der Computer liest Text vor.
Du kannst dir Texte vorlesen lassen.
Das war bei langen Texten einfacher.
Bei schwierigen Texten nutzte sie die Braille-Zeile.
Zum Beispiel beim Korrektur-Lesen.
Korrektur-Lesen bedeutet: Nach Fehlern suchen.
Mit der Braille-Zeile ging das besser.
Heute nutzt Lydia ein iPhone.
Das iPhone hat eine Sprach-Ausgabe.
Man kann auch Texte diktieren.
Aber das ist oft ungenau.
Man braucht dafür auch Internet.
Seit ein paar Jahren gibt es etwas Neues.
Man kann auf dem iPhone eine Braille-Tastatur nutzen.
Die Tastatur ist nicht echt.
Sie ist auf dem Bild-Schirm.
Lydia gibt so alle Texte ein.
Das geht schneller als mit der normalen Tastatur.
Lydia kann so schnell Notizen machen.
Sie kann Telefon-Nummern aufschreiben.
Sie kann Termine aufschreiben.
Sie kann das alleine und sofort machen.
Auch ihren Kommentar auf Facebook hat sie so geschrieben.
Manche Leute sagen: Braille-Schrift ist altmodisch.
Braille-Schrift ist zu groß.
Braille-Schrift braucht man nicht mehr.
Aber Lydia sagt: Das stimmt nicht.
Braille-Schrift ist immer noch wichtig.
Lydia liest nicht mehr viele Bücher in Braille.
Aber manchmal liest sie einen Text in Braille.
Das gefällt ihr gut.
Braille hilft ihr auch im Alltag.
Sie hat ihre Gewürze mit Braille beschriftet.
So findet sie die Gewürze schneller.
Auch viele Medikamente haben Braille-Schrift.
Ein Medikament ist eine Arznei.
Die Arznei hilft gegen Krankheiten.
Das freut Lydia sehr.
Sie muss die Medikamente dann nicht selbst beschriften.
Sie findet sie so leichter wieder.
Braille-Schrift macht ihr Leben leichter.

Foto: Projekt Braille 200
Berlin (kobinet) Viele Menschen wissen gar nicht, was Braille eigentlich ist. Diese Erfahrung haben die Aktiven des Projektes Braille 200 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Entwicklung der Braille-Schrift immer wieder gemacht. So auch Lydia Zoubek, die den Blog Lydia's Welt – Eine blinde Mutter und ihre Gastautoren schreiben für Nicht-Betroffene über ihren Alltag betreibt. Aus diesem Erlebnis heraus reflektiert sie in einem Beitrag des Projektes Braille 200 die Bedeutung, die Braille für ihr Leben hat, wie es in der Ankündigung vonseiten des Projektes heißt, bei dem der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) mitmacht. Wer übrigens eine Lesung in Brailleschrift erleben will, kann dies am 16. November bei einer Matinee in der Stadtbibliothek in Schwabach um 11:00 Uhr und am 19. November 2025 bei einer Lesung beim CBF Darmstadt um 17:00 Uhr erleben. Sabine Lohner, die es liebt zu lesen, liest dabei als Leseassistentin für Ottmar Miles-Paul aus dem Roman "Zündeln an den Strukturen" die Texte von ihrem Braille-Reader vor.
Die Brailleschrift ist noch modern
Beitrag von Lydia Zoubek
Auf Facebook finde ich einen Beitrag, der mit einem Foto ohne Textbeschreibung versehen ist, und mache den Verfasser darauf aufmerksam, dass ich als blinde Nutzerin diese Beschreibung brauche, um der Diskussion folgen zu können. Prompt schreibt ein weiterer Nutzer „Blind lesen, haha, geht ja gar nicht“. Es folgen noch ein paar unschöne Worte, die zeigen, dass er blinde Menschen zu dauerhaften Analphabeten zählt.
Obwohl wir uns im 21. Jahrhundert befinden, gibt es noch immer viele Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass blinde Menschen lesen und schreiben können. Menschen, die davon ausgehen, dass man mit Stift auf Papier schreibt und dieses auch abliest, und Menschen, die den PC oder das Smartphone als rein optisch funktionierendes Gerät betrachten. Auch meine Familie dachte ganz lange so. Meine Eltern kamen als Gastarbeiter nach Deutschland und hatten keine Idee, was sie mit ihrem blinden Kind machen sollten. Die ersten zwei Jahre verbrachte ich in einer Schule für sehbehinderte Kinder. Hier wurde mit vergrößernden Sehhilfen oder Kontrasten gearbeitet. Dass ich zu blind für diese Art von Unterricht war, merkten meine Eltern erst, als ich in der zweiten Klasse war, die Schrift kleiner wurde und ich mit meinem wenigen Restsehen einfach zu langsam wurde. Erst jetzt kümmerte sich eine Lehrerin darum, dass ich eine Blindenschule besuchen durfte.
Im dritten Schuljahr wechselte ich also auf eine Blindenschule, lernte die Brailleschrift und machte zum ersten Mal die Erfahrung, dass Lesen nicht anstrengend, sondern sehr schön sein konnte. Denn ich konnte Bücher in Braille mit den Fingern lesen und war damit wesentlich schneller als mit den Augen. Aus mir wurde eine Leseratte, die sich regelmäßig Bücher in Braille aus der Schulbücherei holte. Auf diese Weise konnte ich auch während der Schulferien so manches gute Buch lesen. Erst recht, da die Büchereien einen Versandservice anboten. Ich brauchte also nicht die umfangreichen und schweren Bücher selbst zu schleppen, sondern bekam diese mit der Post nach Hause.
Geschrieben wurde die Brailleschrift mit einer eigens dafür entwickelten Maschine. Diese begleitete mich auch während der Ferien aus dem Internat nach Hause. Denn sie war mein Garant dafür, dass ich meinen Freunden schreiben, Schularbeiten erledigen oder ein Tagebuch führen konnte. Für den mobilen Einsatz, wie beispielsweise im Zug oder auf Reisen, nutzte ich gern eine Schreibtafel. In diese wird das Blatt Papier eingespannt, und jeder Punkt einzeln mit einem Griffel eingestochen. Und damit man die Schrift von links nach rechts lesen kann, werden die Zeichen spiegelverkehrt eingestanzt. Am Anfang ist das etwas schwierig. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, geht das recht schnell von der Hand. In vielen ärmeren Ländern wird mit einer solchen Tafel geschrieben, da eine entsprechende Schreibmaschine zu kostspielig für diese Menschen ist.
Nach dem Abitur zog ein PC mit Braillezeile bei mir ein. Ich las viel mit Sprachausgabe, wenn es sich um Fließtext handelte. Komplexere Sachen, bei denen es auf einzelne Zeichen ankommt, lese ich heute noch mit der Braillezeile. Denn damit kann ich einfacher korrekturlesen.
Für den mobilen Einsatz nutze ich inzwischen gern das iPhone mit Sprachausgabe. Es hat auch die Möglichkeit, Texte per Spracheingabe zu diktieren. Allerdings ist diese zu ungenau und von einer stabilen Internetverbindung abhängig. Seit ein paar Jahren gibt es auch die Möglichkeit, auf dem iPhone eine Braille-Tastatur zu simulieren. Damit gebe ich alle Texte, Notizen usw. ein. Es geht schneller als mit der virtuellen Tastatur und ist für mich präziser in der Eingabe. Wenn ich also schnell mal einen Termin, eine Telefonnummer oder einen Gedanken aufschreiben möchte, kann ich das sofort und allein tun.
Kehren wir noch mal zu meinem Kommentar auf Facebook zurück. Diesen habe ich ebenfalls mit der Braille-Eingabe des iPhone geschrieben. Auch wenn oft noch behauptet wird, dass die Brailleschrift altmodisch, sperrig oder unnötig ist – für mich bleibt sie das Mittel der Wahl. Auch wenn ich persönlich kaum ein Buch in Braille in die Hand nehme, genieße ich es, einen Text auch mal auf der Braillezeile zu lesen.
Auch im Alltag spielt die Brailleschrift eine bedeutende Rolle für mich. Beispielsweise habe ich meine Gewürze mit Braille beschriftet, um sie schneller auffinden zu können. Ebenso freue ich mich darüber, dass immer mehr Medikamente mit Braille beschriftet sind. Das erspart mir das Kennzeichnen, um diese eigenständig wiederzufinden.
Link zum Blog von Lydia Zoubek
Link zur Facebook-Seite des Projektes Braille 200
Link zu den Hinweisen über Lesungen aus dem Buch „Zündeln an den Strukturen“ mit Sabine Lohner
Link zum kobinet-Bericht über die Lesung mit Sabine Lohner am 16. November 2025 in Schwabach
Link zu Infos zur Lesung am 19. November 2025 mit Sabine Lohner in Darmstadt

Foto: Projekt Braille 200
Berlin (kobinet) Viele Menschen wissen gar nicht, was Braille eigentlich ist. Diese Erfahrung haben die Aktiven des Projektes Braille 200 anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Entwicklung der Braille-Schrift immer wieder gemacht. So auch Lydia Zoubek, die den Blog Lydia's Welt – Eine blinde Mutter und ihre Gastautoren schreiben für Nicht-Betroffene über ihren Alltag betreibt. Aus diesem Erlebnis heraus reflektiert sie in einem Beitrag des Projektes Braille 200 die Bedeutung, die Braille für ihr Leben hat, wie es in der Ankündigung vonseiten des Projektes heißt, bei dem der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) mitmacht. Wer übrigens eine Lesung in Brailleschrift erleben will, kann dies am 16. November bei einer Matinee in der Stadtbibliothek in Schwabach um 11:00 Uhr und am 19. November 2025 bei einer Lesung beim CBF Darmstadt um 17:00 Uhr erleben. Sabine Lohner, die es liebt zu lesen, liest dabei als Leseassistentin für Ottmar Miles-Paul aus dem Roman "Zündeln an den Strukturen" die Texte von ihrem Braille-Reader vor.
Die Brailleschrift ist noch modern
Beitrag von Lydia Zoubek
Auf Facebook finde ich einen Beitrag, der mit einem Foto ohne Textbeschreibung versehen ist, und mache den Verfasser darauf aufmerksam, dass ich als blinde Nutzerin diese Beschreibung brauche, um der Diskussion folgen zu können. Prompt schreibt ein weiterer Nutzer „Blind lesen, haha, geht ja gar nicht“. Es folgen noch ein paar unschöne Worte, die zeigen, dass er blinde Menschen zu dauerhaften Analphabeten zählt.
Obwohl wir uns im 21. Jahrhundert befinden, gibt es noch immer viele Menschen, die sich nicht vorstellen können, dass blinde Menschen lesen und schreiben können. Menschen, die davon ausgehen, dass man mit Stift auf Papier schreibt und dieses auch abliest, und Menschen, die den PC oder das Smartphone als rein optisch funktionierendes Gerät betrachten. Auch meine Familie dachte ganz lange so. Meine Eltern kamen als Gastarbeiter nach Deutschland und hatten keine Idee, was sie mit ihrem blinden Kind machen sollten. Die ersten zwei Jahre verbrachte ich in einer Schule für sehbehinderte Kinder. Hier wurde mit vergrößernden Sehhilfen oder Kontrasten gearbeitet. Dass ich zu blind für diese Art von Unterricht war, merkten meine Eltern erst, als ich in der zweiten Klasse war, die Schrift kleiner wurde und ich mit meinem wenigen Restsehen einfach zu langsam wurde. Erst jetzt kümmerte sich eine Lehrerin darum, dass ich eine Blindenschule besuchen durfte.
Im dritten Schuljahr wechselte ich also auf eine Blindenschule, lernte die Brailleschrift und machte zum ersten Mal die Erfahrung, dass Lesen nicht anstrengend, sondern sehr schön sein konnte. Denn ich konnte Bücher in Braille mit den Fingern lesen und war damit wesentlich schneller als mit den Augen. Aus mir wurde eine Leseratte, die sich regelmäßig Bücher in Braille aus der Schulbücherei holte. Auf diese Weise konnte ich auch während der Schulferien so manches gute Buch lesen. Erst recht, da die Büchereien einen Versandservice anboten. Ich brauchte also nicht die umfangreichen und schweren Bücher selbst zu schleppen, sondern bekam diese mit der Post nach Hause.
Geschrieben wurde die Brailleschrift mit einer eigens dafür entwickelten Maschine. Diese begleitete mich auch während der Ferien aus dem Internat nach Hause. Denn sie war mein Garant dafür, dass ich meinen Freunden schreiben, Schularbeiten erledigen oder ein Tagebuch führen konnte. Für den mobilen Einsatz, wie beispielsweise im Zug oder auf Reisen, nutzte ich gern eine Schreibtafel. In diese wird das Blatt Papier eingespannt, und jeder Punkt einzeln mit einem Griffel eingestochen. Und damit man die Schrift von links nach rechts lesen kann, werden die Zeichen spiegelverkehrt eingestanzt. Am Anfang ist das etwas schwierig. Aber wenn man sich daran gewöhnt hat, geht das recht schnell von der Hand. In vielen ärmeren Ländern wird mit einer solchen Tafel geschrieben, da eine entsprechende Schreibmaschine zu kostspielig für diese Menschen ist.
Nach dem Abitur zog ein PC mit Braillezeile bei mir ein. Ich las viel mit Sprachausgabe, wenn es sich um Fließtext handelte. Komplexere Sachen, bei denen es auf einzelne Zeichen ankommt, lese ich heute noch mit der Braillezeile. Denn damit kann ich einfacher korrekturlesen.
Für den mobilen Einsatz nutze ich inzwischen gern das iPhone mit Sprachausgabe. Es hat auch die Möglichkeit, Texte per Spracheingabe zu diktieren. Allerdings ist diese zu ungenau und von einer stabilen Internetverbindung abhängig. Seit ein paar Jahren gibt es auch die Möglichkeit, auf dem iPhone eine Braille-Tastatur zu simulieren. Damit gebe ich alle Texte, Notizen usw. ein. Es geht schneller als mit der virtuellen Tastatur und ist für mich präziser in der Eingabe. Wenn ich also schnell mal einen Termin, eine Telefonnummer oder einen Gedanken aufschreiben möchte, kann ich das sofort und allein tun.
Kehren wir noch mal zu meinem Kommentar auf Facebook zurück. Diesen habe ich ebenfalls mit der Braille-Eingabe des iPhone geschrieben. Auch wenn oft noch behauptet wird, dass die Brailleschrift altmodisch, sperrig oder unnötig ist – für mich bleibt sie das Mittel der Wahl. Auch wenn ich persönlich kaum ein Buch in Braille in die Hand nehme, genieße ich es, einen Text auch mal auf der Braillezeile zu lesen.
Auch im Alltag spielt die Brailleschrift eine bedeutende Rolle für mich. Beispielsweise habe ich meine Gewürze mit Braille beschriftet, um sie schneller auffinden zu können. Ebenso freue ich mich darüber, dass immer mehr Medikamente mit Braille beschriftet sind. Das erspart mir das Kennzeichnen, um diese eigenständig wiederzufinden.
Link zum Blog von Lydia Zoubek
Link zur Facebook-Seite des Projektes Braille 200
Link zu den Hinweisen über Lesungen aus dem Buch „Zündeln an den Strukturen“ mit Sabine Lohner
Link zum kobinet-Bericht über die Lesung mit Sabine Lohner am 16. November 2025 in Schwabach
Link zu Infos zur Lesung am 19. November 2025 mit Sabine Lohner in Darmstadt




