Berlin (kobinet)
Ingrid Stubenvoll nutzt einen Roll-Stuhl.
Ein Roll-stuhl ist ein Sessel mit Rädern.
Menschen können damit fahren.
Ingrid Stubenvoll fährt oft mit der Bahn.
Sie kennt viele Probleme bei Bahn-Fahrten.
Jetzt berichtet sie von einer Reise.
Die Reise von Berlin nach Ravensburg
Ingrid Stubenvoll fährt von Berlin nach Ravensburg.
Ravensburg ist eine Stadt im Süden von Deutschland.
Sie fährt mit ihrem Enkel.
Der Enkel ist 11 Jahre alt.
Sie hat einen E-Fix-Roll-Stuhl.
Der Roll-Stuhl hat einen Motor.
Der Motor hilft beim Fahren.
Die Probleme fangen schon am Bahn-Hof an
Ingrid Stubenvoll fährt vom Haupt-Bahnhof Berlin ab.
Das ist der größte Bahnhof in Berlin.
Sie hat einen Roll-Stuhl-Platz gebucht.
Sie hat auch Hilfe angemeldet.
Mitarbeiter helfen beim Einsteigen in den Zug.
Sie kommt früh zum Bahnhof.
Das ist wichtig für Roll-Stuhl-Nutzer.
Der Aufzug zu Gleis 7 und 8 ist kaputt.
Gleis bedeutet: Dort halten die Züge.
Menschen können dort einsteigen.
Sie muss einen Umweg nehmen.
Sie fährt über Gleis 5 und 6.
Dort gibt es einen Feuer-Wehr-Aufzug.
Das ist ein besonderer Aufzug.
Den nutzt normalerweise die Feuerwehr.
Der Zug kommt zu spät
Der Zug kommt eine halbe Stunde zu spät.
Der Zug steht auch falsch herum.
Wagen 9 steht nun ganz hinten.
Wagen bedeutet: Ein Teil vom Zug.
Der Zug hat viele Wagen.
Sie müssen zum anderen Ende vom Bahn-Steig.
Bahn-Steig bedeutet: Die Fläche neben den Gleisen.
Dort warten Menschen auf den Zug.
Am Bahn-Steig sind sehr viele Menschen.
Ein Zug vorher ist ausgefallen.
Alle wollen in den Zug.
Ingrid Stubenvoll muss warten.
Endlich kann sie einsteigen.
Der Hub-Lift hilft beim Einsteigen.
Das ist eine Hebe-Bühne.
Die Hebe-Bühne hebt Menschen im Roll-Stuhl hoch.
Der Roll-Stuhl-Platz ist besetzt
Ingrid Stubenvoll hat einen Platz reserviert.
Der Platz ist für sie.
Niemand darf dort sitzen.
Aber andere Menschen sitzen dort.
Koffer stehen auf dem Roll-Stuhl-Platz.
Das passiert oft bei der Bahn.
Nach einiger Zeit ist der Platz frei.
Der Zug hat eine Panne
Der Zug fährt los.
Bei Biblis bleibt der Zug stehen.
Biblis ist eine kleine Stadt in Deutschland.
Der Zug hat einen technischen Defekt.
Etwas am Zug ist kaputt.
Der Zug steht sehr lange.
Im Mehr-Zweck-Abteil sind viele Kinder.
Das ist ein Bereich für verschiedene Zwecke.
Dort sind Roll-Stühle und Kinder-Wagen.
Die Kinder werden immer lauter.
Viele Menschen kommen wegen kostenloser Getränke.
Es ist sehr voll und laut.
Die Verspätung ist sehr groß
Der Zug kommt 131 Minuten zu spät an.
Das sind über 2 Stunden.
In Ulm können sie gerade noch umsteigen.
Umsteigen bedeutet: In einen anderen Zug wechseln.
Der Mobil-Service hilft schnell.
Das ist der Hilfe-Service der Bahn.
Die Mitarbeiter helfen beim Umsteigen.
Sie erreichen den Anschluss-Zug.
Das ist der nächste Zug.
Mit diesem Zug fahren sie weiter.
Die Mitarbeiter bitten den Zug-Führer zu warten.
Zug-Führer bedeutet: Der Fahrer vom Zug.
In Ravensburg kommen sie an.
Die Reise dauert 12 Stunden.
Die Rück-Fahrt nach Berlin
Die Rück-Fahrt ist am Mittwoch.
Die Rück-Fahrt ist etwas besser.
Aber es gibt auch Probleme.
Der Regional-Zug kommt in Ulm an.
Das ist ein Zug für kurze Strecken.
Er fährt von Stadt zu Stadt.
Die Einstiegs-Hilfe ist auf der falschen Seite.
Ingrid Stubenvoll steigt aus dem Roll-Stuhl aus.
Die Mitarbeiter tragen den Roll-Stuhl hoch.
Sie klettert die Stufen hoch.
Das ist sehr anstrengend.
In Ulm ist ein Aufzug kaputt.
Das macht das Umsteigen schwierig.
Der Zug-Führer hilft.
Er fährt auf ein anderes Gleis.
Dort funktioniert der Aufzug.
Sie erreichen den ICE rechtzeitig.
ICE bedeutet: Inter-City-Express.
Das ist ein sehr schneller Zug.
Auch hier ist der Roll-Stuhl-Platz besetzt.
Ein netter Geschäfts-Reisender macht Platz.
Eine Person reist für ihre Arbeit.
Sie besucht Kunden in anderen Städten.
Er räumt seine Sachen weg.
Der Zug hat nur eine halbe Stunde Verspätung.
Sie kommen um 19 Uhr in Berlin an.
Die Rück-Fahrt dauert 9 und eine halbe Stunde.
Die Toilette für Roll-Stuhl-Nutzer ist kaputt.
Ingrid Stubenvoll kann noch ein paar Schritte laufen.
Deshalb ist die kaputte Toilette kein großes Problem.
Aber für andere Roll-Stuhl-Nutzer ist das schwierig.
Diese Reise zeigt viele Probleme bei der Bahn.
Roll-Stuhl-Nutzer brauchen viel Geduld.

Foto: ISL
Berlin (kobinet) Wie oft erlebt man Zugfahrten, bei denen sich nicht behindert scheinende Menschen wegen Verspätungen von 10 Minuten unendlich aufregen. Ingrid Stubenvoll ist als erfahrene Bahnreisende ganz andere Herausforderungen gewohnt. Was die Rollstuhlnutzerin kürzlich bei einer Bahnfahrt von Berlin nach Ravensburg im Süden Deutschlands erlebt hat, schildert sie in einem Bericht für die kobinet-nachrichten.
Wenn einer eine Reise tut …
Bericht von Ingrid Stubenvoll
Sonntag, der 19. Oktober, die Herbstferien in Berlin haben begonnen. Ich reise mit E-fix-Rollstuhl und Gepäck und dem elfjährigen Enkelsohn von Berlin nach Ravensburg. Mein ICE startet am Berliner Hauptbahnhof, Rollstuhl- und Begleiterplatz habe ich rechtzeitig gebucht, Wagen 9, so wie fast immer, ich habe pünktlich die Hilfeleistung angemeldet.
20 Minuten vorher an der DB-Info Nord, so wie immer. Wir sind eine halbe Stunde früher dran, der Puffer für die Fahrt durch die halbe Stadt zahlt sich aus. Seit der Bahnhof Südkreuz wegen Aufzugerneuerungen, Streckensperrungen usw. für mich seit einem dreiviertel Jahr nahezu lahmgelegt ist – der Bahnhof, den ich normalerweise in 20 Minuten von zu Hause ohne öffentliche Verkehrsmittel erreiche und immer gerne genutzt habe –, dauert jede Reise nun hin- und zurück mindestens 2 Stunden länger.
Wenn alle Aufzüge funktionieren! Und ja, wie schon ein paar Mal in den letzten Wochen, der Aufzug zu den Gleisen 7/8 am Hauptbahnhof streikt.
Über Gleis 5/6 mit Mobiservice und Schlüssel durch die beiden Feuerwehraufzüge auf Gleis 8, wir landen auf einem übervollen Bahnsteig, ein ICE vorher ist ausgefallen. Aber es bleiben noch 10 Minuten bis zur Abfahrt, dachten wir. Der Zug wird verspätet bereitgestellt und in umgekehrter Wagenreihung, so die Ansage. Die Menschenmassen setzen sich in Bewegung, wir von F nach D, der Mobiservice schließt den bereitgestellten Hublift wieder an, um den vom anderen Ende des Bahnsteigs bei D zu benutzen. Die Anzeigetafel wechselt im Minutentakt, die verspätete Bereitstellung dauert. Nach einer halben Stunde wird die Einfahrt angekündigt und der Wagen 9 befindet sich wo – natürlich bei F. Die Menschenmassen setzen sich in Bewegung, mit dem Rolli mittendurch gegen den Strom, der Mobiservice schließt den Hublift ab usw. usw.
Vor uns drängen die Menschenmassen, wie immer direkt an der Rollieinstiegstür von Wagen 9, warum auch immer genau da, in den Zug. Irgendwann sind wir drin und warten geduldig am Ende der Menschenkofferschlange im Gang, um zu unserem reservierten Rolliplatz zu gelangen. Der ist, wer hätte das gedacht … besetzt! Die Sitze mit Menschen und die Abstellfläche mit Koffern, trotz Anzeige der Reservierung. Koffer sucht Herrchen oder Frauchen, das übliche Spiel, aber irgendwann ist es frei. Gerade rechtzeitig, bevor in Spandau die nächste Menschenwelle den Wagen 9 stürmt.
An jedem Bahnhof dauert es länger, bis alle eingestiegen sind, dem ausgefallenen ICE davor sei Dank! Und dann, mitten in der Pampa, bei Biblis – da war doch was mit einem AKW – steht der Zug. Der Lokführer kümmert sich um den technischen Defekt, wir rätseln, ob das vielleicht schon der Grund für die verspätete Bereitstellung in Berlin war??? Das Mehrzweckabteil im Wagen 9 macht seinem Namen alle Ehre. Zu unzähligen Kindern aus den Kinderwagen, die den Weg versperren und die lauter und lauter werden, je länger der Halt dauert (mein Mitgefühl gilt allen Elternteilen, die sich um Schadensbegrenzung bemühen), gesellen sich nach der Durchsage – es gibt Getränke und Snacks kostenlos – alle Mitreisenden vom Wagen 1 bis 9, die geduldig über quengelnde Kinder hinwegsteigen, um den begehrten Tetrapack und eine Snacktüte oder einen Schokoriegel zu erhalten. Das hält wenigstens die größeren Kinder eine Zeitlang bei der Stange. Manche stellen sich mehrmals an.
Irgendwann hören wir auf, die fahrenden ICEs auf dem Gegengleis zu zählen, und irgendwann geht es weiter. Wenigstens leert sich nun nach und nach der Zug, es steigen mehr Menschen aus als ein. Mit 131 Minuten Verspätung – juhu, die 2-Stunden-Marke konnte die Bahn diesmal nicht unterbieten und es gibt 50 % Erstattung – können wir in Ulm umsteigen. Und ein herzliches Dankeschön an den Mobiservice dort. Wir erreichen mit tatkräftiger Unterstützung an den beiden Aufzügen und der Bitte an den Lokführer, doch zu warten, bis wir das Ende des Zuges mit der Rollirampe erreicht haben, den aktuellen Anschlusszug.
Nach einer Zugreise von 10 1/2 Stunden steigen wir in Ravensburg aus dem Regionalzug. Von zu Hause bis in die Ferienwohnung waren wir genau 12 Stunden unterwegs.
Noch kurz zur Rückfahrt am darauf folgenden Mittwoch. Ein Klacks gegen die Hinreise.
Der Regionalzug aus Friedrichshafen hält pünktlich auf Gleis 2. Wir sind angemeldet. Doch der Blick auf den eingefahrenen Zug lässt Herausforderungen ahnen. Lokführer und Zugbegleiterin nahen. Ich sage schon mal schnell, dass ich angemeldet bin. „Wissen wir, aber…“ Die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe befindet sich auf der falschen Seite des Waggons, und ich überlege, ob ich mich samt Rolli und dranhängendem Gepäck von den beiden in den Waggon heben lassen soll. Kurz wandert mein Blick zwischen den beiden hin und her. Ich habe Mitgefühl und sage: „Danke, ich kann auch kurz aussteigen.“ Wir hängen alles vom Rolli ab, die beiden schleppen Gepäck und Rolli die drei Stufen hoch, ich klettere mühsam hinterher und wir sind drin. Dann bitte ich den Zugführer noch, ob er den Zug in Ulm auf einem anderen Gleis einfahren lassen kann, denn wie in der App angekündigt, ist der Aufzug auf Gleis 8 kaputt, und meine telefonische Nachfrage am Tag zuvor ergab, sie müssten eine Brücke über die Gleise legen, um mich über Umwege zum Bahnsteig 5/6 zu bringen. 20 Minuten Umsteigezeit bis zur Abfahrt des ICE auf Gleis 1. Hublift oder fahrzeuggebundene Einstiegshilfe, das kommt darauf an, wo der Wagen 9 zum Stehen kommt. Weiter hinten ist es zu eng, da kommt der Hublift nicht am Treppenhaus vorbei. Die Bedienung der fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe dagegen ist ein Bingospiel: Fährt sie aus oder nicht? Erfahrungsgemäß ergibt sich meistens eine anschließende Verspätung von 20 bis 30 Minuten.
Wir haben Glück. Der Lokführer des RE hat sein Möglichstes getan. Ankunft auf Gleis 5b, dieser Aufzug funktioniert.
Rechtzeitig auf Gleis 1 angekommen, hält der ICE weit vorne, das bedeutet, wir können den Hublift benutzen und bleiben einigermaßen nah an der angegebenen Abfahrtszeit. Der reservierte Rolliplatz ist … natürlich besetzt. Aber der nette Journalist/Fotograf/Geschäftsreisende sortiert schnell alle seine Habseligkeiten um auf den Einzelsitz mit Tisch gegenüber und seinen riesigen Utensilienmetallkoffer auf den Rollistellplatz dort. Er hat auch Glück, denn bis Mannheim wollte keiner den Platz haben, der bei Bedarf behinderten Menschen zur Verfügung stehen muss.
Mit nur einer halben Stunde Verspätung erreichen wir um 19:00 Uhr Berlin Hbf. Zurück durch die halbe Stadt. Von der Ferienwohnung bis zu Hause diesmal nur 9 1/2 Stunden. Und das defekte Rolli-WC war auch kein Problem. Ich kann ja Gott sei Dank noch ein paar Schritte laufen.

Foto: ISL
Berlin (kobinet) Wie oft erlebt man Zugfahrten, bei denen sich nicht behindert scheinende Menschen wegen Verspätungen von 10 Minuten unendlich aufregen. Ingrid Stubenvoll ist als erfahrene Bahnreisende ganz andere Herausforderungen gewohnt. Was die Rollstuhlnutzerin kürzlich bei einer Bahnfahrt von Berlin nach Ravensburg im Süden Deutschlands erlebt hat, schildert sie in einem Bericht für die kobinet-nachrichten.
Wenn einer eine Reise tut …
Bericht von Ingrid Stubenvoll
Sonntag, der 19. Oktober, die Herbstferien in Berlin haben begonnen. Ich reise mit E-fix-Rollstuhl und Gepäck und dem elfjährigen Enkelsohn von Berlin nach Ravensburg. Mein ICE startet am Berliner Hauptbahnhof, Rollstuhl- und Begleiterplatz habe ich rechtzeitig gebucht, Wagen 9, so wie fast immer, ich habe pünktlich die Hilfeleistung angemeldet.
20 Minuten vorher an der DB-Info Nord, so wie immer. Wir sind eine halbe Stunde früher dran, der Puffer für die Fahrt durch die halbe Stadt zahlt sich aus. Seit der Bahnhof Südkreuz wegen Aufzugerneuerungen, Streckensperrungen usw. für mich seit einem dreiviertel Jahr nahezu lahmgelegt ist – der Bahnhof, den ich normalerweise in 20 Minuten von zu Hause ohne öffentliche Verkehrsmittel erreiche und immer gerne genutzt habe –, dauert jede Reise nun hin- und zurück mindestens 2 Stunden länger.
Wenn alle Aufzüge funktionieren! Und ja, wie schon ein paar Mal in den letzten Wochen, der Aufzug zu den Gleisen 7/8 am Hauptbahnhof streikt.
Über Gleis 5/6 mit Mobiservice und Schlüssel durch die beiden Feuerwehraufzüge auf Gleis 8, wir landen auf einem übervollen Bahnsteig, ein ICE vorher ist ausgefallen. Aber es bleiben noch 10 Minuten bis zur Abfahrt, dachten wir. Der Zug wird verspätet bereitgestellt und in umgekehrter Wagenreihung, so die Ansage. Die Menschenmassen setzen sich in Bewegung, wir von F nach D, der Mobiservice schließt den bereitgestellten Hublift wieder an, um den vom anderen Ende des Bahnsteigs bei D zu benutzen. Die Anzeigetafel wechselt im Minutentakt, die verspätete Bereitstellung dauert. Nach einer halben Stunde wird die Einfahrt angekündigt und der Wagen 9 befindet sich wo – natürlich bei F. Die Menschenmassen setzen sich in Bewegung, mit dem Rolli mittendurch gegen den Strom, der Mobiservice schließt den Hublift ab usw. usw.
Vor uns drängen die Menschenmassen, wie immer direkt an der Rollieinstiegstür von Wagen 9, warum auch immer genau da, in den Zug. Irgendwann sind wir drin und warten geduldig am Ende der Menschenkofferschlange im Gang, um zu unserem reservierten Rolliplatz zu gelangen. Der ist, wer hätte das gedacht … besetzt! Die Sitze mit Menschen und die Abstellfläche mit Koffern, trotz Anzeige der Reservierung. Koffer sucht Herrchen oder Frauchen, das übliche Spiel, aber irgendwann ist es frei. Gerade rechtzeitig, bevor in Spandau die nächste Menschenwelle den Wagen 9 stürmt.
An jedem Bahnhof dauert es länger, bis alle eingestiegen sind, dem ausgefallenen ICE davor sei Dank! Und dann, mitten in der Pampa, bei Biblis – da war doch was mit einem AKW – steht der Zug. Der Lokführer kümmert sich um den technischen Defekt, wir rätseln, ob das vielleicht schon der Grund für die verspätete Bereitstellung in Berlin war??? Das Mehrzweckabteil im Wagen 9 macht seinem Namen alle Ehre. Zu unzähligen Kindern aus den Kinderwagen, die den Weg versperren und die lauter und lauter werden, je länger der Halt dauert (mein Mitgefühl gilt allen Elternteilen, die sich um Schadensbegrenzung bemühen), gesellen sich nach der Durchsage – es gibt Getränke und Snacks kostenlos – alle Mitreisenden vom Wagen 1 bis 9, die geduldig über quengelnde Kinder hinwegsteigen, um den begehrten Tetrapack und eine Snacktüte oder einen Schokoriegel zu erhalten. Das hält wenigstens die größeren Kinder eine Zeitlang bei der Stange. Manche stellen sich mehrmals an.
Irgendwann hören wir auf, die fahrenden ICEs auf dem Gegengleis zu zählen, und irgendwann geht es weiter. Wenigstens leert sich nun nach und nach der Zug, es steigen mehr Menschen aus als ein. Mit 131 Minuten Verspätung – juhu, die 2-Stunden-Marke konnte die Bahn diesmal nicht unterbieten und es gibt 50 % Erstattung – können wir in Ulm umsteigen. Und ein herzliches Dankeschön an den Mobiservice dort. Wir erreichen mit tatkräftiger Unterstützung an den beiden Aufzügen und der Bitte an den Lokführer, doch zu warten, bis wir das Ende des Zuges mit der Rollirampe erreicht haben, den aktuellen Anschlusszug.
Nach einer Zugreise von 10 1/2 Stunden steigen wir in Ravensburg aus dem Regionalzug. Von zu Hause bis in die Ferienwohnung waren wir genau 12 Stunden unterwegs.
Noch kurz zur Rückfahrt am darauf folgenden Mittwoch. Ein Klacks gegen die Hinreise.
Der Regionalzug aus Friedrichshafen hält pünktlich auf Gleis 2. Wir sind angemeldet. Doch der Blick auf den eingefahrenen Zug lässt Herausforderungen ahnen. Lokführer und Zugbegleiterin nahen. Ich sage schon mal schnell, dass ich angemeldet bin. „Wissen wir, aber…“ Die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe befindet sich auf der falschen Seite des Waggons, und ich überlege, ob ich mich samt Rolli und dranhängendem Gepäck von den beiden in den Waggon heben lassen soll. Kurz wandert mein Blick zwischen den beiden hin und her. Ich habe Mitgefühl und sage: „Danke, ich kann auch kurz aussteigen.“ Wir hängen alles vom Rolli ab, die beiden schleppen Gepäck und Rolli die drei Stufen hoch, ich klettere mühsam hinterher und wir sind drin. Dann bitte ich den Zugführer noch, ob er den Zug in Ulm auf einem anderen Gleis einfahren lassen kann, denn wie in der App angekündigt, ist der Aufzug auf Gleis 8 kaputt, und meine telefonische Nachfrage am Tag zuvor ergab, sie müssten eine Brücke über die Gleise legen, um mich über Umwege zum Bahnsteig 5/6 zu bringen. 20 Minuten Umsteigezeit bis zur Abfahrt des ICE auf Gleis 1. Hublift oder fahrzeuggebundene Einstiegshilfe, das kommt darauf an, wo der Wagen 9 zum Stehen kommt. Weiter hinten ist es zu eng, da kommt der Hublift nicht am Treppenhaus vorbei. Die Bedienung der fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe dagegen ist ein Bingospiel: Fährt sie aus oder nicht? Erfahrungsgemäß ergibt sich meistens eine anschließende Verspätung von 20 bis 30 Minuten.
Wir haben Glück. Der Lokführer des RE hat sein Möglichstes getan. Ankunft auf Gleis 5b, dieser Aufzug funktioniert.
Rechtzeitig auf Gleis 1 angekommen, hält der ICE weit vorne, das bedeutet, wir können den Hublift benutzen und bleiben einigermaßen nah an der angegebenen Abfahrtszeit. Der reservierte Rolliplatz ist … natürlich besetzt. Aber der nette Journalist/Fotograf/Geschäftsreisende sortiert schnell alle seine Habseligkeiten um auf den Einzelsitz mit Tisch gegenüber und seinen riesigen Utensilienmetallkoffer auf den Rollistellplatz dort. Er hat auch Glück, denn bis Mannheim wollte keiner den Platz haben, der bei Bedarf behinderten Menschen zur Verfügung stehen muss.
Mit nur einer halben Stunde Verspätung erreichen wir um 19:00 Uhr Berlin Hbf. Zurück durch die halbe Stadt. Von der Ferienwohnung bis zu Hause diesmal nur 9 1/2 Stunden. Und das defekte Rolli-WC war auch kein Problem. Ich kann ja Gott sei Dank noch ein paar Schritte laufen.




