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Wenn eine eine Reise mit der Bahn tut

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ICE mit großem Rollizeichen
ICE mit großem Rollizeichen
Foto: ISL

Berlin (kobinet) Wie oft erlebt man Zugfahrten, bei denen sich nicht behindert scheinende Menschen wegen Verspätungen von 10 Minuten unendlich aufregen. Ingrid Stubenvoll ist als erfahrene Bahnreisende ganz andere Herausforderungen gewohnt. Was die Rollstuhlnutzerin kürzlich bei einer Bahnfahrt von Berlin nach Ravensburg im Süden Deutschlands erlebt hat, schildert sie in einem Bericht für die kobinet-nachrichten.

Wenn einer eine Reise tut …

Bericht von Ingrid Stubenvoll

Sonntag, der 19. Oktober, die Herbstferien in Berlin haben begonnen. Ich reise mit E-fix-Rollstuhl und Gepäck und dem elfjährigen Enkelsohn von Berlin nach Ravensburg. Mein ICE startet am Berliner Hauptbahnhof, Rollstuhl- und Begleiterplatz habe ich rechtzeitig gebucht, Wagen 9, so wie fast immer, ich habe pünktlich die Hilfeleistung angemeldet.

20 Minuten vorher an der DB-Info Nord, so wie immer. Wir sind eine halbe Stunde früher dran, der Puffer für die Fahrt durch die halbe Stadt zahlt sich aus. Seit der Bahnhof Südkreuz wegen Aufzugerneuerungen, Streckensperrungen usw. für mich seit einem dreiviertel Jahr nahezu lahmgelegt ist – der Bahnhof, den ich normalerweise in 20 Minuten von zu Hause ohne öffentliche Verkehrsmittel erreiche und immer gerne genutzt habe –, dauert jede Reise nun hin- und zurück mindestens 2 Stunden länger.

Wenn alle Aufzüge funktionieren! Und ja, wie schon ein paar Mal in den letzten Wochen, der Aufzug zu den Gleisen 7/8 am Hauptbahnhof streikt.

Über Gleis 5/6 mit Mobiservice und Schlüssel durch die beiden Feuerwehraufzüge auf Gleis 8, wir landen auf einem übervollen Bahnsteig, ein ICE vorher ist ausgefallen. Aber es bleiben noch 10 Minuten bis zur Abfahrt, dachten wir. Der Zug wird verspätet bereitgestellt und in umgekehrter Wagenreihung, so die Ansage. Die Menschenmassen setzen sich in Bewegung, wir von F nach D, der Mobiservice schließt den bereitgestellten Hublift wieder an, um den vom anderen Ende des Bahnsteigs bei D zu benutzen. Die Anzeigetafel wechselt im Minutentakt, die verspätete Bereitstellung dauert. Nach einer halben Stunde wird die Einfahrt angekündigt und der Wagen 9 befindet sich wo – natürlich bei F. Die Menschenmassen setzen sich in Bewegung, mit dem Rolli mittendurch gegen den Strom, der Mobiservice schließt den Hublift ab usw. usw.

Vor uns drängen die Menschenmassen, wie immer direkt an der Rollieinstiegstür von Wagen 9, warum auch immer genau da, in den Zug. Irgendwann sind wir drin und warten geduldig am Ende der Menschenkofferschlange im Gang, um zu unserem reservierten Rolliplatz zu gelangen. Der ist, wer hätte das gedacht … besetzt! Die Sitze mit Menschen und die Abstellfläche mit Koffern, trotz Anzeige der Reservierung. Koffer sucht Herrchen oder Frauchen, das übliche Spiel, aber irgendwann ist es frei. Gerade rechtzeitig, bevor in Spandau die nächste Menschenwelle den Wagen 9 stürmt.

An jedem Bahnhof dauert es länger, bis alle eingestiegen sind, dem ausgefallenen ICE davor sei Dank! Und dann, mitten in der Pampa, bei Biblis – da war doch was mit einem AKW – steht der Zug. Der Lokführer kümmert sich um den technischen Defekt, wir rätseln, ob das vielleicht schon der Grund für die verspätete Bereitstellung in Berlin war??? Das Mehrzweckabteil im Wagen 9 macht seinem Namen alle Ehre. Zu unzähligen Kindern aus den Kinderwagen, die den Weg versperren und die lauter und lauter werden, je länger der Halt dauert (mein Mitgefühl gilt allen Elternteilen, die sich um Schadensbegrenzung bemühen), gesellen sich nach der Durchsage – es gibt Getränke und Snacks kostenlos – alle Mitreisenden vom Wagen 1 bis 9, die geduldig über quengelnde Kinder hinwegsteigen, um den begehrten Tetrapack und eine Snacktüte oder einen Schokoriegel zu erhalten. Das hält wenigstens die größeren Kinder eine Zeitlang bei der Stange. Manche stellen sich mehrmals an.

Irgendwann hören wir auf, die fahrenden ICEs auf dem Gegengleis zu zählen, und irgendwann geht es weiter. Wenigstens leert sich nun nach und nach der Zug, es steigen mehr Menschen aus als ein. Mit 131 Minuten Verspätung – juhu, die 2-Stunden-Marke konnte die Bahn diesmal nicht unterbieten und es gibt 50 % Erstattung – können wir in Ulm umsteigen. Und ein herzliches Dankeschön an den Mobiservice dort. Wir erreichen mit tatkräftiger Unterstützung an den beiden Aufzügen und der Bitte an den Lokführer, doch zu warten, bis wir das Ende des Zuges mit der Rollirampe erreicht haben, den aktuellen Anschlusszug.

Nach einer Zugreise von 10 1/2 Stunden steigen wir in Ravensburg aus dem Regionalzug. Von zu Hause bis in die Ferienwohnung waren wir genau 12 Stunden unterwegs.

Noch kurz zur Rückfahrt am darauf folgenden Mittwoch. Ein Klacks gegen die Hinreise.

Der Regionalzug aus Friedrichshafen hält pünktlich auf Gleis 2. Wir sind angemeldet. Doch der Blick auf den eingefahrenen Zug lässt Herausforderungen ahnen. Lokführer und Zugbegleiterin nahen. Ich sage schon mal schnell, dass ich angemeldet bin. „Wissen wir, aber…“ Die fahrzeuggebundene Einstiegshilfe befindet sich auf der falschen Seite des Waggons, und ich überlege, ob ich mich samt Rolli und dranhängendem Gepäck von den beiden in den Waggon heben lassen soll. Kurz wandert mein Blick zwischen den beiden hin und her. Ich habe Mitgefühl und sage: „Danke, ich kann auch kurz aussteigen.“ Wir hängen alles vom Rolli ab, die beiden schleppen Gepäck und Rolli die drei Stufen hoch, ich klettere mühsam hinterher und wir sind drin. Dann bitte ich den Zugführer noch, ob er den Zug in Ulm auf einem anderen Gleis einfahren lassen kann, denn wie in der App angekündigt, ist der Aufzug auf Gleis 8 kaputt, und meine telefonische Nachfrage am Tag zuvor ergab, sie müssten eine Brücke über die Gleise legen, um mich über Umwege zum Bahnsteig 5/6 zu bringen. 20 Minuten Umsteigezeit bis zur Abfahrt des ICE auf Gleis 1. Hublift oder fahrzeuggebundene Einstiegshilfe, das kommt darauf an, wo der Wagen 9 zum Stehen kommt. Weiter hinten ist es zu eng, da kommt der Hublift nicht am Treppenhaus vorbei. Die Bedienung der fahrzeuggebundenen Einstiegshilfe dagegen ist ein Bingospiel: Fährt sie aus oder nicht? Erfahrungsgemäß ergibt sich meistens eine anschließende Verspätung von 20 bis 30 Minuten.

Wir haben Glück. Der Lokführer des RE hat sein Möglichstes getan. Ankunft auf Gleis 5b, dieser Aufzug funktioniert.

Rechtzeitig auf Gleis 1 angekommen, hält der ICE weit vorne, das bedeutet, wir können den Hublift benutzen und bleiben einigermaßen nah an der angegebenen Abfahrtszeit. Der reservierte Rolliplatz ist … natürlich besetzt. Aber der nette Journalist/Fotograf/Geschäftsreisende sortiert schnell alle seine Habseligkeiten um auf den Einzelsitz mit Tisch gegenüber und seinen riesigen Utensilienmetallkoffer auf den Rollistellplatz dort. Er hat auch Glück, denn bis Mannheim wollte keiner den Platz haben, der bei Bedarf behinderten Menschen zur Verfügung stehen muss.

Mit nur einer halben Stunde Verspätung erreichen wir um 19:00 Uhr Berlin Hbf. Zurück durch die halbe Stadt. Von der Ferienwohnung bis zu Hause diesmal nur 9 1/2 Stunden. Und das defekte Rolli-WC war auch kein Problem. Ich kann ja Gott sei Dank noch ein paar Schritte laufen.