Berlin (kobinet)
Der Deutsche Gehörlosen-Bund sagt: Gut gemacht!
Die Investoren haben richtig entschieden.
Investoren sind Menschen mit viel Geld.
Sie kaufen Teile von Firmen.
Oder sie leihen ihr Geld aus.
Es geht um die Sendung Die Höhle der Löwen.
Dort war eine Firma.
Die Firma heißt alangu.
Die Investoren haben Nein gesagt.
Sie haben keinen Vertrag gemacht.
Das ist gut so.
Was macht die Firma alangu?
Die Firma alangu hat eine neue Technik.
Sie nutzt eine Computer-Figur.
Die Computer-Figur heißt Avatar.
Avatar bedeutet: Eine Computer-Figur.
Die Figur sieht aus wie ein Mensch.
Aber sie ist nicht echt.
Der Avatar soll Gebärden-Sprache zeigen.
Gebärden-Sprache ist eine Sprache mit den Händen.
Gehör-lose Menschen sprechen mit Gebärden-Sprache.
Der Avatar übersetzt Texte von Ämtern.
Die Firma wollte 900-tausend Euro haben.
Dafür sollten die Investoren 10 von 100 Teilen bekommen.
10 von 100 Teilen bedeutet: Du teilst etwas in 100 Stücke.
Du bekommst dann 10 von diesen Stücken.
Warum ist der Gehörlosen-Bund dagegen?
Der Gehörlosen-Bund sagt: Das reicht nicht.
Barriere-Freiheit sieht anders aus.
Barriere-Freiheit bedeutet: Alle Menschen können etwas nutzen.
Zum Beispiel: Ein Haus.
Oder eine Internet-Seite.
Niemand wird ausgeschlossen.
Die Computer-Figur kann nicht alles zeigen.
Sie kann die Gesichts-Mimik nicht richtig machen.
Gesichts-Mimik bedeutet: Wie sich dein Gesicht bewegt.
Zum Beispiel: Du lachst.
Oder du runzelst die Stirn.
Deine Gefühle zeigen sich im Gesicht.
Sie kann keine Mund-Bilder zeigen.
Mund-Bilder bedeutet: Wie sich dein Mund bewegt beim Sprechen.
Manche Menschen können nicht gut hören.
Sie schauen auf deinen Mund.
So verstehen sie die Worte besser.
Sie kann keine Gefühle zeigen.
Das ist ein Problem bei wichtigen Texten.
Zum Beispiel: Bei Texten vom Amt.
Oder bei Texten vom Arzt.
Dort müssen alle Menschen alles genau verstehen.
Nur echte Menschen können das gut machen.
Wem gehören die Daten?
Der Gehörlosen-Bund fragt: Wem gehören die Daten?
Die Firma nutzt Gebärden-Sprache von gehör-losen Menschen.
Die gehör-losen Menschen bekommen wenig Geld dafür.
Aber die Firma verdient damit viel Geld.
Das ist nicht fair.
Die gehör-losen Menschen sollen selbst entscheiden.
Sie sollen auch am Gewinn beteiligt werden.
Am Gewinn beteiligt werden bedeutet: Die Firma verdient Geld.
Du bekommst auch etwas von dem Geld ab.
Der Gehörlosen-Bund nennt das: Digitale Ent-mündigung.
Digitale Ent-mündigung bedeutet: Du kannst nicht selbst entscheiden im Internet.
Andere bestimmen für dich.
Zum Beispiel: Welche Infos du sehen darfst.
Oder was du machen darfst am Computer.

Foto: public domain
Berlin (kobinet) "Gut gebrüllt, Löwen!" – Der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. (DGB) begrüßt ausdrücklich die Entscheidung der Investoren in der Sendung "Die Höhle der Löwen", keinen Deal mit dem Start-up alangu GmbH einzugehen. Diese Ablehnung war nicht nur wirtschaftlich nachvollziehbar, sondern auch moralisch, kulturell und ethisch absolut richtig, erklärte der Deutsche Gehörlosen-Bund in einer Pressemitteilung. Das Unternehmen alangu präsentierte eine Plattform, die behördliche Online-Informationen mithilfe eines digitalen Avatars automatisiert in Gebärdensprache übersetzen soll – für 900.000 Euro bei zehn Prozent Firmenanteilen. Echte Barrierefreiheit sieht nach Ansicht des Gehörlosen-Bundes jedoch anders aus. "Auch wenn alangu mit moderner KI-Technologie wirbt: Die derzeitigen Gebärdensprach-Avatare sind nur eingeschränkt verständlich und für viele Anwendungen nicht ausreichend. Sie können Mimik, Mundbilder, Raumbezüge und Emotionen bislang nicht natürlich wiedergeben – gerade dort, wo es auf Präzision und Verständlichkeit ankommt, etwa in behördlichen oder medizinischen Situationen. Technische Lösungen wie Avatare können derzeit keine echte Barrierefreiheit gewährleisten – sie entsteht erst durch menschliche, gebärdensprachkompetente Vermittlung und Verantwortung", so der Verband.
Daten, Macht und Kontrolle
„Die von Alangu genutzten Gebärdensprach-Daten stammen aus der Community – oft gegen nicht angemessene Bezahlung im Vergleich zu ihrer Bedeutung. Doch die Frage bleibt offen: Wem gehören diese Daten? Wer kontrolliert ihre Nutzung, wer profitiert davon? Wenn gehörlose Menschen Daten liefern, aber weder Kontrolle noch Gewinnbeteiligung haben, ist das nichts anderes als digitale Entmündigung“, heißt es vonseiten des Deutschen Gehörlosen-Bundes.
Link zur vollständigen Presseinformation des Deutschen Gehörlosen-Bundes

Foto: public domain
Berlin (kobinet) "Gut gebrüllt, Löwen!" – Der Deutsche Gehörlosen-Bund e. V. (DGB) begrüßt ausdrücklich die Entscheidung der Investoren in der Sendung "Die Höhle der Löwen", keinen Deal mit dem Start-up alangu GmbH einzugehen. Diese Ablehnung war nicht nur wirtschaftlich nachvollziehbar, sondern auch moralisch, kulturell und ethisch absolut richtig, erklärte der Deutsche Gehörlosen-Bund in einer Pressemitteilung. Das Unternehmen alangu präsentierte eine Plattform, die behördliche Online-Informationen mithilfe eines digitalen Avatars automatisiert in Gebärdensprache übersetzen soll – für 900.000 Euro bei zehn Prozent Firmenanteilen. Echte Barrierefreiheit sieht nach Ansicht des Gehörlosen-Bundes jedoch anders aus. "Auch wenn alangu mit moderner KI-Technologie wirbt: Die derzeitigen Gebärdensprach-Avatare sind nur eingeschränkt verständlich und für viele Anwendungen nicht ausreichend. Sie können Mimik, Mundbilder, Raumbezüge und Emotionen bislang nicht natürlich wiedergeben – gerade dort, wo es auf Präzision und Verständlichkeit ankommt, etwa in behördlichen oder medizinischen Situationen. Technische Lösungen wie Avatare können derzeit keine echte Barrierefreiheit gewährleisten – sie entsteht erst durch menschliche, gebärdensprachkompetente Vermittlung und Verantwortung", so der Verband.
Daten, Macht und Kontrolle
„Die von Alangu genutzten Gebärdensprach-Daten stammen aus der Community – oft gegen nicht angemessene Bezahlung im Vergleich zu ihrer Bedeutung. Doch die Frage bleibt offen: Wem gehören diese Daten? Wer kontrolliert ihre Nutzung, wer profitiert davon? Wenn gehörlose Menschen Daten liefern, aber weder Kontrolle noch Gewinnbeteiligung haben, ist das nichts anderes als digitale Entmündigung“, heißt es vonseiten des Deutschen Gehörlosen-Bundes.
Link zur vollständigen Presseinformation des Deutschen Gehörlosen-Bundes




