Berlin (kobinet)
Viele Menschen kennen den Begriff toxische Männlichkeit.
Toxisch bedeutet: giftig.
Toxische Männlichkeit bedeutet: Giftiges Verhalten von Männern.
Sophia Fritz hat einen neuen Begriff erfunden.
Der Begriff heißt: Toxische Weiblichkeit.
Das bedeutet: Giftiges Verhalten von Frauen.
Ich möchte über etwas anderes sprechen.
Ich nenne es: Toxische Disability.
Disability ist englisch.
Disability bedeutet: Behinderung.
Behinderung macht Sachen schwierig.
Man kann manche Sachen nicht so einfach machen.
Toxische Disability bedeutet: Giftiges Verhalten von behinderten Menschen.
Wo ich giftiges Verhalten zuerst gesehen habe
Ich sehe giftiges Verhalten oft.
Behinderte Menschen treffen auf andere behinderte Menschen.
Diese Menschen sind keine Freunde.
Sie verhalten sich dann oft unfreundlich.
Manchmal sind sie sogar feindselig.
Feindselig bedeutet: Sie sind wie Feinde.
Sie vertrauen einander nicht.
Es gibt einen englischen Begriff dafür.
Der Begriff heißt: Angry Cripple.
Das bedeutet: Wütender Behinderter.
Behinderte Menschen sind manchmal böse zueinander.
Das zerstört das gute Miteinander.
Es gibt dann keine Solidarität mehr.
Solidarität bedeutet: Menschen helfen einander.
Der Staat hilft auch.
Behinderten-Politik braucht Solidarität.
Aktivismus braucht Solidarität.
Aktivismus bedeutet: Menschen kämpfen für ihre Rechte.
Giftiges Verhalten bedroht die Solidarität.
Sophia Fritz spricht über toxische Weiblichkeit
Sophia Fritz sagt: Toxische Weiblichkeit schadet Frauen.
Die Frauen lassen sich leicht beeinflussen.
Sie sind nicht loyal zueinander.
Loyal bedeutet: Sie halten nicht zusammen.
Sie beuten sich selbst aus.
Der Kapitalismus profitiert davon.
Kapitalismus ist eine Art zusammen-zu-leben.
Firmen mit viel Geld bestimmen mehr als Politiker.
Die Frauen haben ein geringes Selbst-Wert-Gefühl.
Sie helfen immer anderen Menschen.
Sie schwächen sich dabei selbst.
Sie haben dann keine Kraft mehr.
Ich ersetze jetzt 2 Wörter im Text.
Ich ersetze toxische Weiblichkeit durch toxische Disability.
Ich ersetze Frauen durch Behinderte.
Dann sehen wir das Problem.
Das Problem bei behinderten Menschen.
Sophia Fritz unterscheidet verschiedene Typen.
Das nette Mädchen und die fürsorgliche Mutter.
Die aggressive Power-Frau und die provokante Frau.
Provokant bedeutet: herausfordernd.
Manche verhalten sich unterwürfig.
Unterwürfig bedeutet: Sie ordnen sich unter.
Manche verhalten sich passiv.
Passiv bedeutet: Sie machen nichts.
Andere verhalten sich dominant.
Dominant bedeutet: Sie bestimmen über andere.
Andere verhalten sich aggressiv.
Aggressiv bedeutet: Sie sind angriffs-lustig.
Das Verhalten ist auf 2 Arten giftig.
Erstens: Die Frauen konkurrieren miteinander.
Konkurrieren bedeutet: Sie kämpfen gegeneinander.
Es gibt keine Solidarität mehr.
Zweitens: Das System bleibt stabil.
Das patriarchal-kapitalistische Herrschafts-System.
Patriarchal bedeutet: Männer haben die Macht.
Patriarchat bedeutet: Männer haben viel Macht.
Frauen haben weniger Macht.
Das ist ein System mit 2 Teilen.
Teil 1: Männer haben mehr Macht als Frauen.
Teil 2: Reiche Menschen haben mehr Macht.
Beide Teile arbeiten zusammen.
Ich habe vorher über böse Gefühle gesprochen.
Das war die psychologische Ebene.
Psychologisch bedeutet: Es geht um Gefühle.
Aber das Problem ist viel größer.
Es gibt auch die gesellschaftliche Ebene.
Das bedeutet: Die Gesellschaft ist so aufgebaut.
Der Zusammenhang ist bei beiden gleich.
Bei toxischer Weiblichkeit und toxischer Disability.
Ich zeige das jetzt an Beispielen.
Ihr müsst nur Frauen durch Behinderte ersetzen.
Und weiblich durch behindert ersetzen.
Die Power-Frau ist ein schlechtes Vorbild
Sophia Fritz sagt etwas.
Der Kapitalismus nutzt die Power-Frau aus.
Die Power-Frau schafft alles allein.
Sie arbeitet in ihrer Karriere.
Karriere bedeutet: Sie steigt beruflich auf.
Sie kümmert sich um die Familie.
Sie will jung bleiben.
Sie will gut aussehen.
Das gilt auch für behinderte Menschen.
Für gut inkludierte behinderte Menschen.
Inkludiert bedeutet: Sie sind Teil der Gesellschaft.
Sie arbeiten auf dem ersten Arbeits-Markt.
Das ist der normale Arbeits-Markt.
Nicht die Werkstatt für behinderte Menschen.
Die Power-Frau ist gut für das System.
Sie arbeitet viel.
Sie kauft viel.
Sie trägt zum Wachstum bei.
Das System will etwas.
Das System will aus wenig Aufwand viel Ergebnis machen.
Die Power-Frau erfüllt das perfekt.
Die Power-Frau steht unter Druck.
Deshalb kauft sie viel.
Sie verhält sich wie patriarchale Männer.
Das fördert den Narzissmus.
Narzissmus bedeutet: Man denkt nur an sich selbst.
Es gibt den Trickle-down-Effekt.
Das ist ein Glauben.
Der Glaube sagt: Wenn wenige erfolgreich sind.
Dann geht es allen besser.
Aber das stimmt nicht.
Sophia Fritz sagt: Das wurde oft bewiesen.
Wenn eine Frau im Vorstand ist.
Dann geht es nicht allen Frauen besser.
Die Tagelöhnerin hat nichts davon.
Tagelöhnerin bedeutet: Sie verdient sehr wenig Geld.
Die Power-Frau muss sich selbst optimieren.
Optimieren bedeutet: Sie muss sich verbessern.
Sie muss ihren Körper kontrollieren.
Sie muss ihr Aussehen kontrollieren.
Sie muss ihre Gesundheit kontrollieren.
Im System bleibt der Power-Frau nichts anderes übrig.
Empowerment ist zwiespältig
Empowerment ist ein englisches Wort.
Empowerment bedeutet: Ermächtigung.
Selbstbestimmung bedeutet: Man entscheidet für sich selbst.
Man bestimmt über sein eigenes Leben.
Sophia Fritz hat ein Problem damit.
Sie fragt sich: Über wen muss ich mich ermächtigen?
Und über was muss ich mich ermächtigen?
Das bereitet Sophia Fritz Unbehagen.
Unbehagen bedeutet: ein ungutes Gefühl.
Sie fragt sich auch etwas anderes.
Was sagt der Empowerment-Diskurs über abhängige Menschen?
Diskurs bedeutet: Unterhaltung.
Menschen reden miteinander.
Abhängige Menschen bleiben weiter abhängig.
Was bedeutet das für abhängige Menschen?
Sophia Fritz sagt: Wir müssen zurück-gehen.
Das Konzept der Power ist patriarchal.
Power bedeutet: Macht und Dominanz.
Dominanz bedeutet: Einer herrscht über den anderen.
Das ist nicht gut für uns.
Wir wollen eine menschen-freundliche Welt schaffen.
Wir wollen nicht von unseren Bedürfnissen entfremdet werden.
Entfremdet bedeutet: Wir verlieren den Kontakt zu uns.
Wir wollen nicht nur Kontrolle.
Wir wollen nicht nur Ermächtigung.
Sophia Fritz glaubt etwas.
Wir mögen Selbst-Optimierung.
Das liegt an unserer Geschichte.
Wir werden seit Jahrhunderten kontrolliert.
Wir werden reguliert.
Reguliert bedeutet: Wir werden geregelt.
Wir werden perfektioniert.
Perfektioniert bedeutet: Wir sollen perfekt sein.
Wir kennen es nicht anders.
Wir können nicht mit negativen Gefühlen umgehen
Wir sind hilflos bei negativen Emotionen.
Emotionen bedeutet: Gefühle.
Das hindert uns an vielem.
Wir können uns nicht begegnen.
Wir können uns nicht austauschen.
Wir können nicht über systemische Gewalt sprechen.
Systemische Gewalt bedeutet etwas.
Gewalt ist in den Regeln eingebaut.
Nicht eine Person ist gemein.
Sondern die Regeln sind unfair.
Die Regeln sind unfair für manche Menschen.
Diese Gewalt ist überall im System.
Die Gewalt richtet sich gegen uns alle.
Wir können nicht zusammen-halten.
Wir können uns nicht wehren.
Behinderte Menschen kennen das auch.
Sie machen das in ihrer eigenen Community.
Community ist englisch.
Community bedeutet: Gemeinschaft.
Sophia Fritz sagt: Beschämung produziert Scham.
Produzieren bedeutet: herstellen.
Wenn wir Vertrauen wollen.
Und wenn wir Versöhnung wollen.
Dann müssen wir unser Verhalten kritisieren.
Wir wollen keine Rache.
Wir wollen keine Vergeltung.
Wir wollen antikapitalistische Emanzipation.
Antikapitalistisch bedeutet: gegen den Kapitalismus.
Chancen-gleichheit bedeutet: Alle Menschen dürfen das Gleiche.
Niemand wird benachteiligt.
Wir müssen Verantwortung übernehmen.
Wir übernehmen Verantwortung für die negativen Seiten.
Für die negativen Seiten unserer Strategien.
Strategien bedeutet: Unsere Vorgehens-Weisen.
Wir können patriarchale Strukturen heraus-fordern.
Wir können selbst-sicher sein.
Aber wir dürfen andere nicht beschämen.
Dann inspirieren wir andere.
Inspirieren bedeutet: Wir ermutigen andere.
Sie sollen sich nicht zurück-ziehen.
Sie sollen sich nicht aus Angst zurück-ziehen.
Sophia Fritz nennt ein Beispiel.
Sie spricht von den Bitches.
Bitch ist ein englisches Schimpf-Wort für Frauen.
Bei uns können wir von Cripples sprechen.
Cripple ist das englische Wort für Krüppel.
Diese Menschen sind solidarisch.
Diese Menschen sind kritik-freudig.
Sophia Fritz sagt zum Schluss etwas.
Wir müssen unsere eigene Prägung verstehen.
Prägung bedeutet: Was uns beeinflusst hat.
Dann können wir bewusst entscheiden.
Welche Eigenschaften wollen wir behalten?
Welche Verhaltens-Weisen wollen wir behalten?
Und welche wollen wir ablegen?
Wir wollen mehr Empathie.
Empathie bedeutet: Einfühlungs-Vermögen.
Wir wollen mehr Gelassenheit.
Und wir wollen echte Nähe.
Sophia Fritz sagt: Das gelingt mir nicht immer.
Ich kann meine Analysen nicht immer trennen.
Nicht von meiner eigenen Misogynie.
Misogynie bedeutet: Hass gegen Frauen.
Manche Menschen mögen Frauen nicht.
Sie behandeln Frauen schlecht.
Das ist Frauen-Hass.
Ich habe meine eigene Verachtung entdeckt.
Meine eigene Verachtung für Frauen.
Das Ausmaß ist erschreckend.
Ausmaß bedeutet: Wie viel davon da ist.
Trotzdem will ich mich damit auseinander-setzen.
Auch mit den dunklen Seiten meiner Prägung.
Das ist der erste Schritt.
Es soll ein gemeinschaftlicher Prozess sein.
Prozess bedeutet: Ein gemeinsamer Weg.
Das Ziel ist: Unerschrockene Selbst-Erkenntnis.
Zusammen-Fassung und Ausblick
Sophia Fritz sagt selbst-kritisch etwas.
Wir denken hierarchisch.
Hierarchisch bedeutet: In Rang-Ordnungen.
Wir haben ein Bewusstsein für unseren Status.
Und für den Status der anderen.
Das hierarchische Denken ist die Grund-Voraussetzung.
Die Grund-Voraussetzung für toxisches Verhalten.
Wir reduzieren unser Gegenüber auf seine Stellung.
Ist die Person besser oder schlechter als ich?
Dünner oder dicker?
Dümmer oder schlauer?
Reicher oder ärmer?
Mehr oder weniger wert?
In unserer Gesellschaft gibt es einen Kampf.
Ein Kampf um Macht.
Wir ringen um die Überordnung.
Überordnung bedeutet: Wer ist über dem anderen?
Aber soll es darum gehen?
Soll es um Anpassung gehen?
Sophia Fritz gibt einen Ausblick.
Es soll nicht um Angleichung gehen.
Frauen sollen nicht die gleichen Privilegien haben.
Nicht die gleichen Privilegien wie Männer.
Privilegien bedeutet: Vorteile.
Es soll nicht darum gehen andere zu entmächtigen.
Sondern um ein neues gesellschaftliches Miteinander.
Das Miteinander soll auf Werten beruhen.
Auf Liebe und Vertrauen.
Dann müssen wir alle toxischen Seiten anschauen.
Das ist ein gutes Empowerment.
Eine Ermutigung zur Nachdenklichkeit.
Wir nehmen uns selbst kritisch in den Blick.
Bei uns selbst anfangen ist ein guter Anfang.
Auf der persönlichen Ebene.
Und auf der Community-Ebene.
Das kann konkret beginnen.
Wir können eigene Erfahrungen verbalisieren.
Verbalisieren bedeutet: In Worte fassen.
Wir können unsere persönliche Geschichte erzählen.
Hinweis zum Buch:
Das Buch von Sophia Fritz heißt: Toxische Weiblichkeit.
Das Buch ist 2024 im Hanser Verlag erschienen.
Hier ist der Link zum Buch:
https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/sophia-fritz-toxische-weiblichkeit-9783446279155-t-5192
Dieser Text ist in Leichter Sprache.
Nach DIN SPEC 33429.

Foto: Hans-Willi Weis
Berlin (kobinet) Unter "toxischer Männlichkeit" können sich die meisten etwas vorstellen. Anders verhält es sich schon beim Begriff "toxische Weiblichkeit", den Sophia Fritz unlängst in den feministischen Diskurs eingeführt hat und der zunächst einmal erläutert und plausibilisiert werden muss. Erst recht erklärungsbedürftig erscheint es, von "toxischer Disability" zu sprechen, wie ich es in Anlehnung an die Rede von "toxischer Weiblichkeit" hier tun möchte. Was verstehe ich unter "toxischer Disability"? Worum handelt es sich, wenn ich zu dem harschen Urteil gelange, Menschen mit Behinderungen haben in dem einen oder anderen Fall "giftiges Verhalten" an den Tag gelegt?
Wo mir toxisches Behindertenverhalten zuerst begegnet ist
Toxisches Behindertenverhalten stößt mir am häufigsten in der sozialen Interaktion zwischen Peers auf. Sofern sie nicht Freunde oder Bekannte sind, begegnen sie einander – ich bin geneigt zu sagen: regelmäßig – reserviert bis misstrauisch, ihr Verhalten bewegt sich in einem Spektrum zwischen Unfreundlichkeit und Feindseligkeit. Für mich ein Verhalten, in dem ich den Inbegriff des „angry cripple“ wiedererkenne. Eine gegen ihresgleichen gerichtete Bosheit der qua Disability, durch Behinderung, vom Schicksal Benachteiligten. Das Gift der von Bosheit vergifteten Beziehung zerstört den Boden für positives Miteinander und die Entstehung von Solidarität. Und soweit Behindertenpolitik und Aktivismus kollektive Interessenvertretung und Formen von Community praktizieren, sind diese stets von Verhaltensweisen toxischer Disability bedroht.
Die aufschlussreiche Analogie der toxischen Weiblichkeit
Zitat Sophia Fritz: „Toxische Weiblichkeit schadet in erster Linie den Frauen. Sie provoziert Manipulierbarkeit, Illoyalität, selbstausbeutendes Verhalten und Machtlosigkeit. Der Kapitalismus profitiert von Arbeitsbienchen mit geringem Selbstwertgefühl, von netten Mädchen, die anderen stets zur Seite springen. Von unabhängigen Powerfrauen, fürsorglichen Müttern und kostenlosen Care-Arbeiterinnen. Sie fördern die Produktivität, die Konkurrenz, den Konsum und ermöglichen es Männern außerdem, an ihren Machtpositionen festzuhalten, da Frauen, die sich durch selbstverletzendes Verhalten selbst schwächen und daher weniger Energie und Fokus für den emanzipatorischen Kampf haben.“ – Wir müssen am Anfang dieses Zitats lediglich „toxische Weiblichkeit“ durch „toxische Disability“ und das Wort „Frauen“ durch „Behinderte“ ersetzen und schon sind wir auf der richtigen Fährte. Die für toxisches Verhalten anfälligen Weiblichkeitstypen, die Sophia Fritz unterscheidet, müssen uns nicht weiter interessieren: das stets nette Mädchen und die unentwegt fürsorgliche Mutti, die aggressive Powerfrau oder die absichtlich provozierende Bitch. Ob unterwürfig-passiv die einen und dominant-aggressiv die anderen – das Toxische am Verhalten der einen wie der anderen zeigt und bemisst sich an zwei Effekten: Entsolidarisierung durch Konkurrenzverhalten untereinander und Systemstabilisierung der patriarchal-kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse.
Die eingangs von mir beklagte zwischenmenschliche Beziehungsvergiftung infolge von Angry-Cripple-Verhalten, wie ich sie zu meinem Leidwesen oft genug beobachtet und erfahren habe, sollte nicht den Eindruck aufkommen lassen, das Phänomen beschränke sich auf die psychologische Ebene, auf mit etwas gutem Willen ausräumbare negative Gefühle zwischen Einzelnen. Die wirkliche Dimension des Problems wird auf der gesellschaftlich-strukturellen Ebene verursacht. Und hier zeigt sich, dass der sozial-strukturelle Zusammenhang, der die Giftigkeit des Verhaltens über das psychologische Moment hinaus und unabhängig von diesem bewirkt, beide Male identisch ist – derselbe im Fall toxischer Weiblichkeit und toxischer Disability. Einige Passagen aus dem Buchtext von Sophia Fritz, wo dies besonders deutlich wird, habe ich zusammengestellt. Mit Blick auf den jeweiligen Aspekt braucht ihr dann nur anstelle von Frauen Behinderte zu lesen beziehungsweise das Eigenschaftswort weiblich durch behindert gedanklich zu ersetzen.
Die Powerfrau auf dem Arbeitsmarkt, ein fragwürdiges Vorbild
Für den Kapitalismus lässt sich die Powerfrau am Arbeitsmarkt, so Sophia Fritz, „perfekt ausbeuten“. Was sie hier von der Powerfrau sagt, trifft wohl auch auf gut inkludierte Behinderte auf dem ersten Arbeitsmarkt zu: „Sie, die scheinbar alles allein und gleichzeitig schafft – Aussehen, Karrieremachen, sich um die Familie kümmern, jung bleiben –, ist für den kapitalistischen Arbeitsmarkt ein ideales Token. Nicht nur trägt sie mit ihrer eigenen Arbeits- und Kaufkraft zum ökonomischen Wachstum bei, sie schafft ideale Voraussetzungen für ein System, das aus minimalem Input maximale Ergebnisse generiert. Der Druck, der auf der Powerfrau lastet, macht sie zur perfekten Konsumentin. Durch unkritische Adaption patriarchaler Verhaltensmuster fördert sie dabei Narzissmus, Konkurrenz und Vereinzelung unter Frauen.“ – Dann eine wichtige Bemerkung zum „Trickle-down-Effekt“, dem von den wenigen Erfolgreichen angeblich ausgehenden Aufstiegsversprechen für alle übrigen: „… wenn sie den Trickle-down-Glauben stützen, den Glauben daran, dass, wenn es ein paar Powerfrauen in die oberen Etagen schaffen, es Frauen insgesamt besser geht. Egal wie oft nachgewiesen wird, dass es keiner Tagelöhnerin automatisch besser geht, nur weil es manche Frauen in die Vorstände von Tech-Konzernen schaffen.“ Und bezahlt werden muss der fragwürdige Aufstiegserfolg mit dem Zwang zur Selbstoptimierung: „Damit, dass wir unsere Körper, unser Aussehen, unsere Gesundheit und unsere Stimmung immer differenzierter kontrollieren. Und genau das versucht die Powerfrau und ihr bleibt in dem bestehenden System auch fast nichts anderes übrig.“
Warum Empowerment, also Ermächtigung, ein zwiespältiges Konzept ist
Sophia Fritz: „Allein die Frage, über wen und was ich mich zu ermächtigen habe, um fully empowered zu sein, bereitet mir Unbehagen. Ebenso die Frage, was der ganze Empowerment-Diskurs über weiterhin abhängige Menschen aussagt.“ Ihre Schlussfolgerung: „Wir müssen als Gesellschaft noch einmal einen Schritt zurückgehen mit unserer Vorstellung von der feministischen Powerfrau, weil das Konzept der Power, der Dominanz und Unterwerfung per se patriarchal und uns damit nicht wirklich zuträglich ist. Zumindest dann nicht, wenn wir mit dem Feminismus eine menschenfreundlichere Welt schaffen wollen, in der es nicht darum geht, uns von unseren Bedürfnissen und unserem intuitiven Wissen zu entfremden, sondern Kontrolle und Ermächtigung zu priorisieren.“ Und noch einmal: „Ich glaube, wir springen auf Strategien zur Selbstoptimierung vor allem deshalb an, weil wir bereits seit Jahrhunderten kontrolliert und reguliert und perfektioniert werden. Wir kennen es gar nicht anders…“
Hilfloser Umgang mit negativen Emotionen
„Unser hilfloser Umgang mit negativen Emotionen hindert uns daran, uns gegenseitig zu begegnen und uns generationenübergreifend von der systemischen Gewalt, die sich gegen uns alle richtet, zu erzählen. Er hindert uns daran, gemeinsam standzuhalten und uns zur Wehr zu setzen. Er hält uns davon ab, uns auszutauschen.“ Eine bedauerliche Erfahrung, die auch Behinderte zur Genüge in ihrer eigenen Community machen. Sophia Fritz folgert: „Beschämung wird immer Scham produzieren. Wenn es uns aber um Vertrauen und Versöhnung geht und nicht um Rache und Vergeltung, dann müssen wir dieses Verhalten auch an uns selbst kritisieren. Im Sinne einer antikapitalistischen Emanzipation müssen wir beginnen, Verantwortung für die negativen Seiten unserer Strategien zu übernehmen. Wenn wir es schaffen, patriarchale Strukturen durch selbstsicheres Verhalten herauszufordern, ohne andere dabei zu beschämen, dann werden es am Ende wahrscheinlich gerade die Akte der Bitches dieser Welt sein, die andere Frauen dazu inspirieren, sich nicht aus Angst vor Bestrafung in ein Leben in Bescheidenheit zurückzuziehen.“ Statt Bitches könnt ihr hier von solidarisch kritikfreudigen, freimütigen und spottlustigen Cripples sprechen. Hier noch das Fazit der Autorin: „Erst wenn wir unsere eigene Prägung verstehen, können wir bewusst entscheiden, welche Eigenschaften und Verhaltensweisen wir beibehalten und welche wir zugunsten größerer Empathie und eines Mehr an Gelassenheit und echter Nähe ablegen wollen. Es gelingt mir dabei nicht immer, meine eigene Misogynie (Frauenfeindlichkeit) sauber von den Analysen zu trennen. Ich bin auf das erschreckende Ausmaß meiner eigenen Verachtung für Frauen gestoßen. Trotzdem werde ich mich auch und ausdrücklich mit den dunklen Seiten meiner Prägung auseinandersetzen. Denn ich halte es für den ersten Schritt in einem idealerweise gemeinschaftlichen Prozess hin zur unerschrockenen Selbsterkenntnis.“
Resümee und Ausblick
Selbstkritisch hält Sophia Fritz fest: „Wir denken hierarchisch und haben ein unbedingtes Bewusstsein für unseren Status und den der anderen. Dieses hierarchische Denken ist die Grundvoraussetzung für toxisches Verhalten, weil es unser Gegenüber auf seine Stellung uns gegenüber reduziert. Besser oder schlechter als ich, dünner oder dicker, dümmer oder schlauer, reicher oder ärmer, mehr oder weniger wert. In unserer patriarchal-kapitalistischen Gesellschaft deutet der Kampf um Macht auf das Ringen um die Überordnung.“ Soll es jedoch, so ihr Ausblick, nicht um Anpassung gehen, „nicht um eine Angleichung der weiblichen Privilegien an die der Männer gehen, nicht nur darum, uns zu er- und andere zu entmächtigen, sondern um ein grundlegend neues gesellschaftliches Miteinander, das auf essenziellen zwischenmenschlichen Werten wie Liebe und Vertrauen beruht, dann müssen wir uns alle toxischen Seiten gleichzeitig anschauen.“ – Kein schlechtes Empowerment, diese Ermutigung zu einer uns selbst kritisch in den Blick nehmenden Nachdenklichkeit. Bei uns selbst anfangen, auf der persönlichen wie auf der Community-Ebene, ist auf alle Fälle ein guter Anfang. Dieser könnte konkret beginnen mit dem Verbalisieren eigener Erfahrungen, dem Erzählen seiner persönlichen Geschichte.
P.S. Das Buch von Sophia Fritz „Toxische Weiblichkeit“ ist 2024 im Hanser Verlag erschienen. https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/sophia-fritz-toxische-weiblichkeit-9783446279155-t-5192

Foto: Hans-Willi Weis
Berlin (kobinet) Unter "toxischer Männlichkeit" können sich die meisten etwas vorstellen. Anders verhält es sich schon beim Begriff "toxische Weiblichkeit", den Sophia Fritz unlängst in den feministischen Diskurs eingeführt hat und der zunächst einmal erläutert und plausibilisiert werden muss. Erst recht erklärungsbedürftig erscheint es, von "toxischer Disability" zu sprechen, wie ich es in Anlehnung an die Rede von "toxischer Weiblichkeit" hier tun möchte. Was verstehe ich unter "toxischer Disability"? Worum handelt es sich, wenn ich zu dem harschen Urteil gelange, Menschen mit Behinderungen haben in dem einen oder anderen Fall "giftiges Verhalten" an den Tag gelegt?
Wo mir toxisches Behindertenverhalten zuerst begegnet ist
Toxisches Behindertenverhalten stößt mir am häufigsten in der sozialen Interaktion zwischen Peers auf. Sofern sie nicht Freunde oder Bekannte sind, begegnen sie einander – ich bin geneigt zu sagen: regelmäßig – reserviert bis misstrauisch, ihr Verhalten bewegt sich in einem Spektrum zwischen Unfreundlichkeit und Feindseligkeit. Für mich ein Verhalten, in dem ich den Inbegriff des „angry cripple“ wiedererkenne. Eine gegen ihresgleichen gerichtete Bosheit der qua Disability, durch Behinderung, vom Schicksal Benachteiligten. Das Gift der von Bosheit vergifteten Beziehung zerstört den Boden für positives Miteinander und die Entstehung von Solidarität. Und soweit Behindertenpolitik und Aktivismus kollektive Interessenvertretung und Formen von Community praktizieren, sind diese stets von Verhaltensweisen toxischer Disability bedroht.
Die aufschlussreiche Analogie der toxischen Weiblichkeit
Zitat Sophia Fritz: „Toxische Weiblichkeit schadet in erster Linie den Frauen. Sie provoziert Manipulierbarkeit, Illoyalität, selbstausbeutendes Verhalten und Machtlosigkeit. Der Kapitalismus profitiert von Arbeitsbienchen mit geringem Selbstwertgefühl, von netten Mädchen, die anderen stets zur Seite springen. Von unabhängigen Powerfrauen, fürsorglichen Müttern und kostenlosen Care-Arbeiterinnen. Sie fördern die Produktivität, die Konkurrenz, den Konsum und ermöglichen es Männern außerdem, an ihren Machtpositionen festzuhalten, da Frauen, die sich durch selbstverletzendes Verhalten selbst schwächen und daher weniger Energie und Fokus für den emanzipatorischen Kampf haben.“ – Wir müssen am Anfang dieses Zitats lediglich „toxische Weiblichkeit“ durch „toxische Disability“ und das Wort „Frauen“ durch „Behinderte“ ersetzen und schon sind wir auf der richtigen Fährte. Die für toxisches Verhalten anfälligen Weiblichkeitstypen, die Sophia Fritz unterscheidet, müssen uns nicht weiter interessieren: das stets nette Mädchen und die unentwegt fürsorgliche Mutti, die aggressive Powerfrau oder die absichtlich provozierende Bitch. Ob unterwürfig-passiv die einen und dominant-aggressiv die anderen – das Toxische am Verhalten der einen wie der anderen zeigt und bemisst sich an zwei Effekten: Entsolidarisierung durch Konkurrenzverhalten untereinander und Systemstabilisierung der patriarchal-kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse.
Die eingangs von mir beklagte zwischenmenschliche Beziehungsvergiftung infolge von Angry-Cripple-Verhalten, wie ich sie zu meinem Leidwesen oft genug beobachtet und erfahren habe, sollte nicht den Eindruck aufkommen lassen, das Phänomen beschränke sich auf die psychologische Ebene, auf mit etwas gutem Willen ausräumbare negative Gefühle zwischen Einzelnen. Die wirkliche Dimension des Problems wird auf der gesellschaftlich-strukturellen Ebene verursacht. Und hier zeigt sich, dass der sozial-strukturelle Zusammenhang, der die Giftigkeit des Verhaltens über das psychologische Moment hinaus und unabhängig von diesem bewirkt, beide Male identisch ist – derselbe im Fall toxischer Weiblichkeit und toxischer Disability. Einige Passagen aus dem Buchtext von Sophia Fritz, wo dies besonders deutlich wird, habe ich zusammengestellt. Mit Blick auf den jeweiligen Aspekt braucht ihr dann nur anstelle von Frauen Behinderte zu lesen beziehungsweise das Eigenschaftswort weiblich durch behindert gedanklich zu ersetzen.
Die Powerfrau auf dem Arbeitsmarkt, ein fragwürdiges Vorbild
Für den Kapitalismus lässt sich die Powerfrau am Arbeitsmarkt, so Sophia Fritz, „perfekt ausbeuten“. Was sie hier von der Powerfrau sagt, trifft wohl auch auf gut inkludierte Behinderte auf dem ersten Arbeitsmarkt zu: „Sie, die scheinbar alles allein und gleichzeitig schafft – Aussehen, Karrieremachen, sich um die Familie kümmern, jung bleiben –, ist für den kapitalistischen Arbeitsmarkt ein ideales Token. Nicht nur trägt sie mit ihrer eigenen Arbeits- und Kaufkraft zum ökonomischen Wachstum bei, sie schafft ideale Voraussetzungen für ein System, das aus minimalem Input maximale Ergebnisse generiert. Der Druck, der auf der Powerfrau lastet, macht sie zur perfekten Konsumentin. Durch unkritische Adaption patriarchaler Verhaltensmuster fördert sie dabei Narzissmus, Konkurrenz und Vereinzelung unter Frauen.“ – Dann eine wichtige Bemerkung zum „Trickle-down-Effekt“, dem von den wenigen Erfolgreichen angeblich ausgehenden Aufstiegsversprechen für alle übrigen: „… wenn sie den Trickle-down-Glauben stützen, den Glauben daran, dass, wenn es ein paar Powerfrauen in die oberen Etagen schaffen, es Frauen insgesamt besser geht. Egal wie oft nachgewiesen wird, dass es keiner Tagelöhnerin automatisch besser geht, nur weil es manche Frauen in die Vorstände von Tech-Konzernen schaffen.“ Und bezahlt werden muss der fragwürdige Aufstiegserfolg mit dem Zwang zur Selbstoptimierung: „Damit, dass wir unsere Körper, unser Aussehen, unsere Gesundheit und unsere Stimmung immer differenzierter kontrollieren. Und genau das versucht die Powerfrau und ihr bleibt in dem bestehenden System auch fast nichts anderes übrig.“
Warum Empowerment, also Ermächtigung, ein zwiespältiges Konzept ist
Sophia Fritz: „Allein die Frage, über wen und was ich mich zu ermächtigen habe, um fully empowered zu sein, bereitet mir Unbehagen. Ebenso die Frage, was der ganze Empowerment-Diskurs über weiterhin abhängige Menschen aussagt.“ Ihre Schlussfolgerung: „Wir müssen als Gesellschaft noch einmal einen Schritt zurückgehen mit unserer Vorstellung von der feministischen Powerfrau, weil das Konzept der Power, der Dominanz und Unterwerfung per se patriarchal und uns damit nicht wirklich zuträglich ist. Zumindest dann nicht, wenn wir mit dem Feminismus eine menschenfreundlichere Welt schaffen wollen, in der es nicht darum geht, uns von unseren Bedürfnissen und unserem intuitiven Wissen zu entfremden, sondern Kontrolle und Ermächtigung zu priorisieren.“ Und noch einmal: „Ich glaube, wir springen auf Strategien zur Selbstoptimierung vor allem deshalb an, weil wir bereits seit Jahrhunderten kontrolliert und reguliert und perfektioniert werden. Wir kennen es gar nicht anders…“
Hilfloser Umgang mit negativen Emotionen
„Unser hilfloser Umgang mit negativen Emotionen hindert uns daran, uns gegenseitig zu begegnen und uns generationenübergreifend von der systemischen Gewalt, die sich gegen uns alle richtet, zu erzählen. Er hindert uns daran, gemeinsam standzuhalten und uns zur Wehr zu setzen. Er hält uns davon ab, uns auszutauschen.“ Eine bedauerliche Erfahrung, die auch Behinderte zur Genüge in ihrer eigenen Community machen. Sophia Fritz folgert: „Beschämung wird immer Scham produzieren. Wenn es uns aber um Vertrauen und Versöhnung geht und nicht um Rache und Vergeltung, dann müssen wir dieses Verhalten auch an uns selbst kritisieren. Im Sinne einer antikapitalistischen Emanzipation müssen wir beginnen, Verantwortung für die negativen Seiten unserer Strategien zu übernehmen. Wenn wir es schaffen, patriarchale Strukturen durch selbstsicheres Verhalten herauszufordern, ohne andere dabei zu beschämen, dann werden es am Ende wahrscheinlich gerade die Akte der Bitches dieser Welt sein, die andere Frauen dazu inspirieren, sich nicht aus Angst vor Bestrafung in ein Leben in Bescheidenheit zurückzuziehen.“ Statt Bitches könnt ihr hier von solidarisch kritikfreudigen, freimütigen und spottlustigen Cripples sprechen. Hier noch das Fazit der Autorin: „Erst wenn wir unsere eigene Prägung verstehen, können wir bewusst entscheiden, welche Eigenschaften und Verhaltensweisen wir beibehalten und welche wir zugunsten größerer Empathie und eines Mehr an Gelassenheit und echter Nähe ablegen wollen. Es gelingt mir dabei nicht immer, meine eigene Misogynie (Frauenfeindlichkeit) sauber von den Analysen zu trennen. Ich bin auf das erschreckende Ausmaß meiner eigenen Verachtung für Frauen gestoßen. Trotzdem werde ich mich auch und ausdrücklich mit den dunklen Seiten meiner Prägung auseinandersetzen. Denn ich halte es für den ersten Schritt in einem idealerweise gemeinschaftlichen Prozess hin zur unerschrockenen Selbsterkenntnis.“
Resümee und Ausblick
Selbstkritisch hält Sophia Fritz fest: „Wir denken hierarchisch und haben ein unbedingtes Bewusstsein für unseren Status und den der anderen. Dieses hierarchische Denken ist die Grundvoraussetzung für toxisches Verhalten, weil es unser Gegenüber auf seine Stellung uns gegenüber reduziert. Besser oder schlechter als ich, dünner oder dicker, dümmer oder schlauer, reicher oder ärmer, mehr oder weniger wert. In unserer patriarchal-kapitalistischen Gesellschaft deutet der Kampf um Macht auf das Ringen um die Überordnung.“ Soll es jedoch, so ihr Ausblick, nicht um Anpassung gehen, „nicht um eine Angleichung der weiblichen Privilegien an die der Männer gehen, nicht nur darum, uns zu er- und andere zu entmächtigen, sondern um ein grundlegend neues gesellschaftliches Miteinander, das auf essenziellen zwischenmenschlichen Werten wie Liebe und Vertrauen beruht, dann müssen wir uns alle toxischen Seiten gleichzeitig anschauen.“ – Kein schlechtes Empowerment, diese Ermutigung zu einer uns selbst kritisch in den Blick nehmenden Nachdenklichkeit. Bei uns selbst anfangen, auf der persönlichen wie auf der Community-Ebene, ist auf alle Fälle ein guter Anfang. Dieser könnte konkret beginnen mit dem Verbalisieren eigener Erfahrungen, dem Erzählen seiner persönlichen Geschichte.
P.S. Das Buch von Sophia Fritz „Toxische Weiblichkeit“ ist 2024 im Hanser Verlag erschienen. https://www.hanser-literaturverlage.de/buch/sophia-fritz-toxische-weiblichkeit-9783446279155-t-5192





Hmm,
das Thema toxische Weiblichkeit ist eines, welches seit Jahrzehnten konsequent ausgeblendet wird. 80% der Absolvierenden der Studiengänge Soziale Arbeit oder Erziehungswissenschaften sind weiblich und dies eben seit Jahrzehnten. Auch wenn diese immer noch in den höheren Fürhungspositionen unterrepräsentiert sind, bedeutet dies nicht, dass deren Denken und Handeln in Unterstützungssystemen, wo wir es mit existentiell eben von dieser Unterstützung abhängigen Personen zu tun haben, keinerlei Einfluss auf die Lebensrealität dieser „Abhängigen“ haben.
Eine Kollegin von mir, die die 50 schon überschritten hat, formulierte es mal so: „Der alte weiße Mann kann durchaus auch weiblich sein, nur schlimmer!“
Ähnlich ist auch bei der toxischen „Behindertheit“, wenn man da Antworten sucht – etwa in diversen Foren von Betroffenen – dann ist man ganz schnell auf der Ebene: „Erstens: Das zu fragen steht dir nicht zu und zweitens: Bei mir ist es so, also akzeptiere dies!“ Dies gerne mal gepaart mit Hinweisen auf die Vergangenheit – kurz man wird als „Fahrer des grauen Buses“ beschimpft…
Und das ist auch hier eine Markierung, die implizit, also durch Verschweigen, gerne reproduziert wird: x-Jahre Krüppelbewegung, blabla – ja, aber wo wart ihr, um die Interessen von psychisch oder kognitiv Beinträchtigen zu vertreten, wenn ihr doch für alle „Behinderten“ sprecht?