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Teilnahme an politischen Prozessen ohne Barrieren muss selbstverständlich werden

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Evelyn Schön
Evelyn Schön
Foto: privat

Kiel (kobinet) Evelyn Schön und Janine Kolbig vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben Norddeutschland (ZSL Nord) wünschen sich, dass es eine Selbstverständlichkeit wird, dass Menschen mit Behinderungen an politischen Prozessen teilnehmen und diese Teilnahme nicht an strukturellen Barrieren scheitert. Die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen sollte als Mehrwert und nicht als Mehraufwand wahrgenommen werden. Zudem wünschen sie sich, dass sich mehr Menschen mit Behinderungen einbringen und sich die "Arbeit" nicht auf wenige Schultern verteilt. "Wir alle sind in der Verantwortung, unsere Gesellschaft inklusiv mitzugestalten", betont Evelyn Schön im mit Janine Kolbig abgestimmten Interview mit kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul im Vorfeld einer Online-Veranstaltung zur Partizipation behinderter Menschen in Schleswig-Holstein, die am 22. Oktober 2024 um 17:00 Uhr stattfindet und für die eine Anmeldung noch möglich ist.

kobinet-nachrichten: Beim Zentrum für selbstbestimmtes Leben Norddeutschland (ZSL Nord) gibt es eine AG Politik. Was macht diese AG genau und wie kam sie zustande?

Evelyn Schön: Die Idee zu der AG Politik entstand während einer Mitgliederversammlung vor zwei Jahren. Mitglieder wollten sich gerne mehr beteiligen, und der Vorstand wünschte sich Unterstützung bei der Formulierung von Stellungnahmen zu Gesetzesvorhaben, um die vielfältigen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen und die verschiedenen Lebenswelten abzubilden. Um die Stellungnahmen inhaltlich zu erarbeiten, haben wir diese AG gegründet. Die AG setzt sich aus interessierten behinderten Menschen zusammen und trifft sich monatlich. Ziel ist es, echte Partizipation von Menschen mit Behinderungen sicherzustellen.

Da wir nicht monatlich um eine behindertenpolitische Stellungnahme gebeten werden, haben wir uns noch weitere Themen vorgenommen, die bedeutsam für das Leben von Menschen mit Behinderungen sind.

Ein umfangreiches Projekt ist der Aufbau einer Datenbank zur politischen Partizipation. Die Datenbank soll Möglichkeiten der politischen Partizipation erfassen. Also welche Möglichkeiten gibt es, mich politisch zu engagieren, und wie barrierefrei sind die Gremien und der Zugang zu Informationen? Dazu haben wir eine Umfrage bei den Behindertenbeauftragten und Beiräten für Menschen mit Behinderungen in Schleswig-Holstein durchgeführt.

kobinet-nachrichten: Die politische Partizipation behinderter Menschen ist regional sehr unterschiedlich ausgeprägt. Wie sieht diese nach Ihrer Einschätzung in Schleswig-Holstein aus?

Evelyn Schön: In Schleswig-Holstein gibt es auf Landesebene im Bereich der politischen Partizipation behinderter Menschen deutliche Fortschritte. Ein rechtliches Fundament und verschiedene Ansätze zur Beteiligung stärken somit die Partizipation von Menschen mit Behinderungen auf Landesebene.

Jedoch ist zu erkennen, dass auf kommunaler Ebene viele Herausforderungen vorhanden sind, die die regionale politische Partizipation erschweren. Fehlende Ressourcen, unzureichende Barrierefreiheit und Unsicherheiten sind nur einige Bereiche, in denen die politische Partizipation von Menschen mit Behinderungen erschwert wird. Dies lässt erkennen, dass wir auf kommunaler Ebene neue Impulse brauchen, damit politische Partizipation aktiv gelebt werden kann.

kobinet-nachrichten: Am 22. Oktober führt das ZSL Nord um 17:00 Uhr eine Online-Veranstaltung mit dem Titel „Politische Partizipation in Schleswig-Holstein – Wo stehen wir, wo wollen wir hin?“ durch. Sie werden daran mitwirken. Was haben Sie dabei genau vor?

Evelyn Schön: Die AG Politik des ZSL Nord hat eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, welche politischen Beteiligungsmöglichkeiten Menschen mit Behinderungen auf kommunaler Ebene haben. Während der Online-Veranstaltung werden wir die Ergebnisse dieser Umfrage von Beiräten für Menschen mit Behinderungen und den Behindertenbeauftragten präsentieren und diskutieren, welche Schlüsse wir für Schleswig-Holstein ziehen können. In einer gemeinsamen Diskussion soll es unter anderem darum gehen, welche Wege wir gemeinsam gehen können, damit politische Partizipation regional gelingt. Besonders freuen wir uns, dass Michaela Pries, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, an der Veranstaltung teilnimmt und ihre Einschätzungen mit uns teilt.

kobinet-nachrichten: Fällt Ihnen ein Beispiel ein, bei dem die politische Partizipation Ihrer Ansicht nach gut gelungen ist?

Evelyn Schön: Der Landesbeirat ist ein gutes Beispiel für gelebte politische Partizipation. Während der Beiratssitzungen sind regelmäßig Gebärdensprachdolmetscher*innen anwesend. Eine Online-Teilnahme ist auch möglich. Inhaltlich gestalten die Beiratsmitglieder die Sitzung und können so aktiv an der Landespolitik mitwirken.

kobinet-nachrichten: Wenn Sie zwei Wünsche in Sachen politischer Partizipation frei hätten, welche wären dies?

Evelyn Schön: Zum einen wünschen wir uns, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass Menschen mit Behinderungen an politischen Prozessen teilnehmen, und diese Teilnahme nicht an strukturellen Barrieren scheitert. Die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen sollte als Mehrwert und nicht als Mehraufwand wahrgenommen werden. Mein zweiter Wunsch ist, dass mehr Menschen mit Behinderungen sich einbringen und die „Arbeit“ sich nicht auf einige wenige Schultern verteilt. Wir alle sind in der Verantwortung, unsere Gesellschaft inklusiv mitzugestalten.

kobinet-nachrichten: Vielen Dank für das Interview.

Weitere Informationen

Die Veranstaltung zur politischen Partizipation in Schleswig-Holstein findet online via Zoom am Mittwoch, 22. Oktober 2025 von 17:00 Uhr bis ca. 18:30 Uhr statt. Der Link wird nach der Anmeldung zugesandt.

Link zu weiteren Infos zur Veranstaltung und zur Anmeldung

Link zum Bericht der kobinet-nachrichten vom 14. Oktober 2025 mit Informationen zur Online-Veranstaltung des ZSL Nord zur Partizipation in Schleswig-Holstein