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Empowerment zur Selbstvertretung nötiger denn je

Gruppenbild vom Empowerment-Treffen am 27.9.2025 in Kassel
Gruppenbild vom Empowerment-Treffen am 27.9.2025 in Kassel
Foto: Juliane Harms - bifos

Kassel (kobinet) Anfang 2023 begann das Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter (bifos) mit seinem auf drei Jahre angelegten Projekt "Empowerment zur Selbstvertretung behinderter Menschen". Insgesamt fanden drei Schulungskurse mit Menschen mit ganz unterschiedlichen Behinderungen statt. Am 26. und 27. September 2024 wurde bei der Abschlussveranstaltung im Kasseler Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen deutlich, wie wichtig solche Empowerment-Angebote sind. In der Abschlussrunde betonten die Teilnehmenden, dass sie aus der Weiterbildung, aber vor allem auch aus dem engagierten Austausch mit anderen aktiven behinderten Menschen, viel Stärkendes mitnehmen konnten und ihr Engagement für die Rechte behinderter Menschen entscheidend beflügelt wurde. Bemerkenswert war auch, dass sich in der Abschlussrunde zeigte, dass einige Teilnehmende in der Zwischenzeit Jobs in der Selbstvertretung behinderter Menschen gefunden hatten.

Beim Abschlussseminar stellten die Teilnehmenden nicht nur eine Reihe ihrer Aktivitäten und Projekte vor, es ging zum Abschluss auch darum, wie man eine Demonstration organisiert. Mittels eines Megafons konnten einige sogar üben, was beim Halten von Reden wichtig ist. Dies wurde anschließend bei der Kasseler Disability Pride Parade von einigen Rednerinnen und Rednern praktisch umgesetzt.

Deutlich wurde aber auch, wie wichtig es ist, sich mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen auszutauschen und seine eigene Expertise ständig zu erweitern. Und zu wissen gibt es genug, je weiter man in behindertenpolitische Aktivitäten einsteigt. Ellen Kubica, die den ersten Kurs als Projektleiterin begleitete, bevor sie zur Landesbehindertenbeauftragten in Rheinland-Pfalz berufen wurde, war zum Abschluss des Projekts nach Kassel gereist. Sie berichtete über ihre Aktivitäten und Möglichkeiten als Landesbeauftragte und beantwortete viele Fragen der Teilnehmenden der Empowermentschulung.

Das Projekt zielt darauf ab, behinderte Menschen, die sich in der Politik oder in Gremien engagieren, zu stärken, um dies effektiver und im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention ausüben zu können. Denn gerade in der Politik und als Mitglied von Gremien wie beispielsweise in Beiräten gilt es, sich Gehör zu verschaffen und Kompetenz zu erwerben und zu vermitteln.

Juliane Harms zeigte sich als Leiterin des von der Aktion Mensch geförderten bifos-Projekts zum Empowerment zur Selbstvertretung gegenüber den kobinet-nachrichten beeindruckt von den Entwicklungen und dem Erreichten der Teilnehmenden. „Bei solchen Kursen sind es die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den Verlauf und die Ergebnisse entscheidend bestimmen. Und was diese Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemacht haben, das hat mich tief beeindruckt. Es sind so viele Geschichten, die aus Empowerment-Schulungen heraus entstehen und unterstützt werden können, dass ich traurig bin, dass das Projekt Ende Januar 2026 zu Ende geht. Von den über 100 Bewerberinnen und Bewerbern konnten wir in den drei Kursen leider nur einen Teil der Interessierten berücksichtigen. Dies ruft also nach mehr Empowermentschulungen. Ein Dank gebührt aber auch den Referentinnen und Referenten sowie Mentorinnen und Mentoren, die das Projekt unterstützt und ihre behinderungsbedingten und fachlichen Erfahrungen eingebracht haben.“

Link zum von der Aktion Mensch geförderten Empowerment-Projekt des bifos