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Weltseniorentag: Bei Anruf Kultur setzt Empfehlungen des 9. Altersberichts praktisch um

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Foto: Susanne Göbel

Hamburg (kobinet) Am 1. Oktober ist Weltseniorentag. Doch das ist kein Grund zu feiern, viele Seniorinnen und Senioren sind von vielen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen. Der aktuelle 9. Altersbericht der Bundesregierung zeigt, dass Teilhabe vor allem am Geldbeutel, an der Bildung und an der Gesundheit hängt. Expertinnen und Experten fordern daher neue, barrierefreie Zugänge zum Beispiel zu Kultur. "Bei Anruf Kultur" bietet genau das: eine kostenfreie und für alle bundesweit erreichbare Alternative.

Vor über 30 Jahren wurde der Internationale Tag der älteren Menschen von den Vereinten Nationen eingeführt, mit dem Ziel, dass Seniorinnen und Senioren an der Gesellschaft teilhaben, mitwirken und sie mitgestalten. Teilhabe hängt von Bildung, Einkommen und Gesundheit ab, wie der 9. Altersbericht belegt. Nur etwa 30 % der Menschen mit niedriger Bildung nehmen Kulturveranstaltungen wahr, mit zunehmendem Alter und bei gesundheitlichen Einschränkungen sinkt die Teilnahmequote nochmals erheblich. Altersarmut verschärft die Lage und wirkt wie ein zusätzlicher Ausschlussfaktor. Rund 18 % der über 65-Jährigen in Deutschland sind armutsgefährdet. Wer im Alter sparen muss, verzichtet häufig als Erstes auf Kultur, heißt es in einer Presseinformation des Projektes „Bei Anruf Kultur“.

Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, sagt dazu: „Es braucht kulturelle Teilhabe für alle. Wenn fast jeder fünfte Mensch über 65 von Armut bedroht ist, ist ein Projekt wie ‚Bei Anruf Kultur‘ ein wichtiger Beitrag gegen soziale Ausgrenzung. Gerade ältere Menschen mit kleinen Renten oder gesundheitlichen Einschränkungen profitieren von diesem niedrigschwelligen Angebot. Es zeigt, wie soziale Gerechtigkeit und kulturelle Bildung praktisch zusammengebracht werden können.“

Die Expertinnen und Experten des Altersberichts, die die Bundesregierung zu Lösungen beraten, empfehlen daher: Die Länder sollen Bildung und Kultur im Alter gezielt fördern, insbesondere mit Angeboten für Menschen mit Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkungen oder sozialer Benachteiligung.

„Bei Anruf Kultur“ schafft Abhilfe

Eine im Frühjahr 2025 durchgeführte Evaluation zeigt: Die Teilnehmenden von „Bei Anruf Kultur“ sind zu 70 % über 50 Jahre alt, 35 % haben eine Seh-, Hör- oder Mobilitätseinschränkung. Mehr als 10 % fehlt das Geld für Kultur vor Ort. Zugleich nutzen 96 % die Telefonführungen bewusst zur Weiterbildung. Damit deckt sich die Zielgruppe exakt mit denjenigen, die der 9. Altersbericht als besonders gefährdet beschreibt.

Das Projekt setzt die Empfehlungen der Expertenkommission praktisch um. Anfahrtswege und digitale Hürden entfallen, die kostenfreie Teilnahme stärkt Bildung wie Zugehörigkeit durch interaktive Live-Führungen. „Der Altersbericht verdeutlicht, wie Seniorinnen und Senioren von der Teilhabe ausgeschlossen werden. Wir sorgen mit unserem Angebot dafür, dass genau diese Menschen nicht außen vor bleiben und Kultur für alle zugänglich wird“, sagt Melanie Wölwer, Projektleitung „Bei Anruf Kultur“.