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Erste barrierefreie gynäkologische Sprechstunde in Hamburg

Lern- und Gedenkort der Evangelischen Stiftung Alsterdorf
Lern- und Gedenkort der Evangelischen Stiftung Alsterdorf
Foto: Axel Nordmeier

HAMBURG (kobinet) Für Frauen mit komplexen Behinderungen gab es bislang keine umfassend barrierefreie gynäkologische Praxis in Hamburg. Jährliche Vorsorge? Behandlung bei gynäkologischen Beschwerden oder gar Erkrankungen? Fehlanzeige. Immer wieder berichteten Frauen und ihre Angehörigen von ihrer verzweifelten und vergeblichen Suche nach dieser eigentlich selbstverständlichen Grundversorgung. Doch nun gibt es einen Anlaufpunkt: Das Sengelmann Institut für Medizin und Inklusion (SIMI) am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf (EKA) bietet montags bis mittwochs gynäkologische Sprechstunden für erwachsene Frauen mit komplexen Behinderungen, die eine entsprechende haus- oder fachärztliche Überweisung haben.

Die drei Gynäkologinnen Kerstin Jepsen, Ronja Tabery und Gesine Quentin sind regelmäßig für die Frauen da. Sie kennen sich mit den besonderen Bedarfen und Bedürfnissen aus und haben für ihre Arbeit auch die nötige Ausstattung. So konnte beispielsweise ein spezieller gynäkologischer Stuhl angeschafft werden, der es auch Frauen ermöglicht, auf den Untersuchungsstuhl zu kommen, die das aus eigener Kraft nicht können. Im Bedarfsfall steht dafür auch ein so genannter Lifter zur Verfügung.

Um die Situation insgesamt zu verbessern, bietet die Stiftung beispielsweise Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte und medizinisches Fachpersonal an und bringt ihre Expertise ein. Expertinnen aus dem Bereich „Inklusive Gesundheit“ arbeiten außerdem intensiv an einem Runden Tisch mit, den die Hamburger Senatskoordinatorin für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen, Ulrike Kloiber, eingerichtet hat. Er kümmert sich darum, die gynäkologische Versorgung für Hamburgerinnen mit Behinderungen in allen Bezirken zu verbessern.

In den vergangenen Jahren haben die medizinischen Gesellschaften der Evangelischen Stiftung Alsterdorf ihr langjähriges Erfahrungswissen gebündelt und neue Angebote entwickelt. Dazu zählt unter anderem das 2015 eröffnete Sengelmann Institut für Medizin und Inklusion als eines der bundesweit ersten Medizinischen Zentren für erwachsene Menschen mit Behinderung. In 2020 wurde am Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf der bundesweit erste Qualitätsvertrag zur Versorgung von Menschen mit Behinderung im Krankenhaus abgeschlossen, der im September 2022 mit dem MSD-Gesundheitspreis für herausragende Gesundheitslösungen ausgezeichnet wurde.