Staufen (kobinet)
Was bedeutet der rote Teppich?
Hohe Politiker gehen über rote Teppiche.
Politiker arbeiten in der Politik.
Die Bürger wählen die Politiker.
Das passiert bei wichtigen Terminen.
Aber woher kommt dieser rote Teppich?
Die Geschichte geht sehr weit zurück.
Ein blinder Erzähler hat darüber geschrieben.
Ein Erzähler ist eine Person.
Diese Person erzählt Geschichten.
Der Erzähler kann sprechen oder schreiben.
Der Erzähler hieß Homer.
Homer war ein Mann aus Griechenland.
Er lebte vor sehr langer Zeit.
Homer hat berühmte Geschichten geschrieben.
Homer war behindert.
Er konnte nicht sehen.
Aber Homer erzählte tolle Geschichten.
Homer erzählte von einem Krieg-Führer.
Ein Krieg-Führer ist ein Mann.
Er führt Soldaten im Krieg an.
Er gibt den Soldaten Befehle.
Der Krieg-Führer hieß Agamemnon.
Agamemnon war ein König aus Griechenland.
Er lebte nur in den Geschichten von Homer.
Agamemnon führte die Griechen in den Krieg.
Der Krieg war in Troja.
Nach dem Krieg kam Agamemnon nach Hause.
Er brachte eine Gefangene mit.
Gefangene sind Menschen.
Sie können nicht weg-gehen.
Jemand hält sie fest.
Die Gefangene hieß Kassandra.
Kassandra war eine Frau aus Troja.
In der Geschichte konnte sie die Zukunft sehen.
Agamemnons Frau wartete zu Hause.
Die Frau hieß Klytaimnestra.
Klytaimnestra war die Königin.
Sie war Agamemnons Ehe-Frau.
Klytaimnestra war sehr wütend auf ihren Mann.
Agamemnon hatte ihre Tochter getötet.
Die Tochter hieß Iphigenie.
Er opferte sie vor dem Krieg.
Opfern bedeutet: Etwas wichtiges weg-geben.
Man gibt es für einen Gott weg.
Das Opfer war für einen Meer-Gott.
Ein Meer-Gott ist eine Fantasie-Figur.
Menschen früher glaubten: Er lebt im Meer.
Jetzt war Klytaimnestra noch wütender.
Ihr Mann brachte eine andere Frau mit.
Agamemnon ging in sein Bad.
Klytaimnestra wartete auf ihn.
Sie hatte einen Liebhaber bei sich.
Ein Liebhaber ist ein Mann.
Er liebt eine Frau sehr.
Die Frau ist nicht seine Ehe-Frau.
Zusammen töteten sie Agamemnon.
Sie schlugen ihn mit einem Beil.
Das Blut floss aus dem Bad heraus.
Das Blut lief die Treppen hinunter.
Es war wie ein roter Teppich.
Das Blut kam aus dem Palast.
Ein Palast ist ein sehr großes Haus.
Dort wohnen reiche und wichtige Menschen.
So entstanden die ersten roten Teppiche.
Ein anderer Erzähler heißt Alexander Kluge.
Er sagt: Rote Teppiche erinnern an Blut.
Alle Herrscher haben Blut an den Händen.
Ein Herrscher ist eine Person mit viel Macht.
Diese Person bestimmt über andere Menschen.
Macht bringt immer Gewalt mit sich.
Macht bedeutet andere Menschen beeinflussen können.
Manche Menschen haben mehr Macht.
Gewalt bedeutet: Jemand tut anderen Menschen weh.
Gewalt ist nicht erlaubt.
Das war schon früher so.
Homer erzählte noch eine andere Geschichte.
Ein Held hieß Odysseus.
Odysseus war ein König aus Griechenland.
Er war sehr schlau und mutig.
Odysseus kam auch aus dem Krieg zurück.
Er war lange weg von zu Hause.
Seine Frau hieß Penelope.
Penelope war eine Königin.
Sie war die Ehe-Frau von Odysseus.
Penelope wartete auf ihn.
Viele Männer wollten Penelope heiraten.
Sie dachten: Odysseus ist tot.
Die Männer lebten in seinem Palast.
Odysseus kam zurück und war wütend.
Er tötete alle diese Männer.
Wieder floss viel Blut die Treppen hinunter.
Homer war ein behinderter Erzähler.
Er konnte uns viel lehren.
Wir Behinderte heute sollten nach-denken.
Wir sollen nicht dumm und stumm bleiben.
Wir müssen auf-passen bei den Herrschern.
Herrscher machen oft Gewalt.
Wir sollen ihnen dabei nicht helfen.
Wir können versuchen die Gewalt zu stoppen.
Das ist schwer aber wichtig.
Homer hätte das auch gewollt.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Was hat es eigentlich mit dem roten Teppich auf sich, über den hohe Herrschaften so gerne schreiten wie dieser Tage in Alaska? Um an den Ursprung des roten Teppichs zu gelangen, muss man zu den mythischen Anfängen der Herrschaftsgeschichte zurückgehen. Von dort berichtet uns ein Behinderter, der blinde Erzähler Homer unter anderem folgendes.
Der siegreiche Heerführer der Griechen Agamemnon kehrt nach dem Endes des trojanischen Krieges nach Griechenland zurück. Als Beute und Bettschatz führt er die trojanische Seherin Kassandra mit sich. Im heimischen Palast zu Mykene empfängt ihn seine Gattin Klytaimnestra. Sie zürnt ihm, seitdem er vor seiner Abreise nach Troja die gemeinsame Tochter Iphigenie dem Meeresgott Poseidon geopfert hat. Und nun zürnt sie ihm einmal mehr wegen der mitgeführten Beute. Sobald der Heimgekehrte in das ihm bereitete Bad gestiegen ist, nimmt Klytaimnestra Rache an ihm. Zusammen mit ihren Geliebten erschlägt sie ihren Gatten Agamemnon mit dem Beil. Das Blut des im Bad Getöteten rinnt nach draußen über die Stufen des Palastes hinab.
Die Erinnerung an diese aus den Herrscherpalästen rinnende Blutspur hat sich in verdeckter Weise bis auf den heutigen Tag im roten Teppich erhalten, wie er aller Orten den Herrschenden entrollt wird. So der Geschichtenerzähler Alexander Kluge. Es gibt keine unblutige Herrschaft. Blut in unterschiedlichen Mengen klebt an den Händen sämtlicher Herrschenden.
Der ebenfalls aus Troja in seinen Palast auf Ithaka nach jahrzehntelanger Abwesenheit zurückkehrende Odysseus (ein weiterer Heerführer aus der panhellenistischen Koalition der zu kriegerischem Blutvergießen Willigen), ehe er sich seiner treuen Gattin Penelope zu erkennen gibt und mit ihr das Ehelager besteigt, richtet unter den zahlreich im Palast versammelten Brautwerbern zunächst ein Massaker an. Auch hier fließt das Blut einem roten Teppich gleich die Stufen des Palastes hinab.
Eingedenk unserer Altvorderen, allen voran der Blinde Homer, sollten wir heutige Behinderte uns nicht ohne Not dumm und stumm stellen, sondern darüber nachdenken, ob und wie wir vermeiden können, den heute Herrschenden beim Anrichten von Blutbädern nicht Vorschub zu leisten. Einen Versuch wenigstens sollte es uns wert sein.

Foto: Hubertus Thomasius
Staufen (kobinet) Was hat es eigentlich mit dem roten Teppich auf sich, über den hohe Herrschaften so gerne schreiten wie dieser Tage in Alaska? Um an den Ursprung des roten Teppichs zu gelangen, muss man zu den mythischen Anfängen der Herrschaftsgeschichte zurückgehen. Von dort berichtet uns ein Behinderter, der blinde Erzähler Homer unter anderem folgendes.
Der siegreiche Heerführer der Griechen Agamemnon kehrt nach dem Endes des trojanischen Krieges nach Griechenland zurück. Als Beute und Bettschatz führt er die trojanische Seherin Kassandra mit sich. Im heimischen Palast zu Mykene empfängt ihn seine Gattin Klytaimnestra. Sie zürnt ihm, seitdem er vor seiner Abreise nach Troja die gemeinsame Tochter Iphigenie dem Meeresgott Poseidon geopfert hat. Und nun zürnt sie ihm einmal mehr wegen der mitgeführten Beute. Sobald der Heimgekehrte in das ihm bereitete Bad gestiegen ist, nimmt Klytaimnestra Rache an ihm. Zusammen mit ihren Geliebten erschlägt sie ihren Gatten Agamemnon mit dem Beil. Das Blut des im Bad Getöteten rinnt nach draußen über die Stufen des Palastes hinab.
Die Erinnerung an diese aus den Herrscherpalästen rinnende Blutspur hat sich in verdeckter Weise bis auf den heutigen Tag im roten Teppich erhalten, wie er aller Orten den Herrschenden entrollt wird. So der Geschichtenerzähler Alexander Kluge. Es gibt keine unblutige Herrschaft. Blut in unterschiedlichen Mengen klebt an den Händen sämtlicher Herrschenden.
Der ebenfalls aus Troja in seinen Palast auf Ithaka nach jahrzehntelanger Abwesenheit zurückkehrende Odysseus (ein weiterer Heerführer aus der panhellenistischen Koalition der zu kriegerischem Blutvergießen Willigen), ehe er sich seiner treuen Gattin Penelope zu erkennen gibt und mit ihr das Ehelager besteigt, richtet unter den zahlreich im Palast versammelten Brautwerbern zunächst ein Massaker an. Auch hier fließt das Blut einem roten Teppich gleich die Stufen des Palastes hinab.
Eingedenk unserer Altvorderen, allen voran der Blinde Homer, sollten wir heutige Behinderte uns nicht ohne Not dumm und stumm stellen, sondern darüber nachdenken, ob und wie wir vermeiden können, den heute Herrschenden beim Anrichten von Blutbädern nicht Vorschub zu leisten. Einen Versuch wenigstens sollte es uns wert sein.




