Fladungen (kobinet)
Die Aktion Mensch hat ein neues Computer-Programm gemacht.
Computer-Programm bedeutet: Das ist eine Anweisung für Computer.
Der Computer macht dann bestimmte Aufgaben.
Das Programm heißt ABLE.
Hier könnt ihr mehr über ABLE lesen.
ABLE soll Chat-Bots prüfen.
Chat-Bot bedeutet: Das ist ein Computer-Programm.
Es kann mit Menschen schreiben.
Es antwortet automatisch auf Fragen.
ABLE soll böse Sprache finden.
Die böse Sprache richtet sich gegen Menschen mit Behinderung.
Das nennt man Ableismus.
Ableismus bedeutet: Menschen mit Behinderungen werden schlecht behandelt.
Andere denken: Menschen mit Behinderungen können weniger.
Das ist falsch.
Die Aktion Mensch will damit Chat-Bots besser machen.
Das klingt erst mal gut.
Aber es gibt ein großes Problem.
Die Aktion Mensch macht einen wichtigen Fehler.
Sie denkt: Böse Wörter finden ist Ableismus bekämpfen.
Das ist falsch.
Böse Sprache kann man gut erkennen.
Das sind Wörter die verletzen.
Ableismus ist aber viel mehr.
Ableismus ist ein System von Macht.
System von Macht bedeutet: Einige Menschen haben viel Macht.
Andere Menschen haben wenig Macht.
Die mächtigen Menschen bestimmen über andere.
Auch höfliche Wörter können ableistisch sein.
Die Aktion Mensch zeigt Beispiele für Ableismus.
Die Beispiele findet ihr hier.
Zum Beispiel: Trotz seiner Behinderung macht er das gut.
Solche Sätze sind wirklich ableistisch.
Aber ABLE wird für ganz andere Chat-Bots gemacht.
Diese Chat-Bots sind in Ämtern.
Oder sie sind in Online-Shops.
Dort reden Menschen nicht über Behinderung.
Dort geht es um Service.
Service bedeutet: Jemand hilft anderen Menschen.
Die Person bekommt dafür Geld.
Die Menschen fragen nach Informationen.
Oder sie wollen etwas kaufen.
ABLE kann nicht überall arbeiten.
Es funktioniert nicht bei Chat-GPT.
Es funktioniert auch nicht bei Facebook.
Dort passiert Ableismus aber viel öfter.
Da schreiben Menschen private Nachrichten.
Da gibt es oft schlimme Vor-Urteile.
Vor-Urteile bedeutet: Menschen haben schlechte Gedanken über andere.
Diese Gedanken entstehen ohne Wissen.
Das ist unfair.
Aber genau da kann ABLE nicht helfen.
Bei Service-Chat-Bots sind andere Probleme wichtiger.
Zum Beispiel: Die Antworten sind schwer zu verstehen.
Oder die Chat-Bots benutzen schwere Wörter.
Oder die Internet-Seite funktioniert nicht für alle Menschen.
Das sind die echten Probleme.
Die Aktion Mensch macht hier einen Widerspruch.
Widerspruch bedeutet: Jemand sagt zwei verschiedene Sachen.
Die Sachen passen nicht zusammen.
Das verwirrt andere Menschen.
Erst sagen sie: Service-Chat-Bots können ableistisch sein.
Dann erklären sie Ableismus mit Beispielen aus Zeitungen.
Am Ende zeigen sie ein Programm.
Das Programm findet nur böse Wörter.
Die wichtigen Macht-Strukturen von Ableismus ignorieren sie.
Macht-Strukturen bedeutet: Einige Menschen haben mehr Macht.
Diese Menschen treffen wichtige Entscheidungen.
Andere haben weniger Rechte.
Das kann unfair sein.
Das ist kein Zufall.
Die Aktion Mensch macht das öfter.
Hier steht mehr über solche Probleme.
Sie nehmen wichtige Wörter wie Inklusion.
Dann verändern sie die Bedeutung.
So bekommen sie Aufmerksamkeit.
Aber die echten Probleme lösen sie nicht.
ABLE kann vielleicht helfen.
Es kann grobe Beleidigungen in Chat-Bots finden.
Das ist nicht schlecht.
Aber es ist falsch zu sagen:
Damit bekämpfen wir Ableismus.
Wer böse Sprache und Ableismus gleich-setzt macht einen Fehler.
So wird der Begriff Ableismus verwässert.
Verwässert bedeutet: Die ursprüngliche Bedeutung wird schwächer.
Das wichtige Wort verliert seine Kraft.
Menschen verstehen es nicht mehr richtig.
Die echten Probleme werden nicht gelöst.
Achtung: Dieser Text ist nur die Meinung vom Autor.
Die kobinet-Redaktion denkt vielleicht anders.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Jüngst hat Aktion Mensch die KI-Anwendung ABLE vorgestellt. Das Tool soll Chatbots auf ableistische Sprache überprüfen und damit digitale Kommunikation inklusiver machen. Der Ansatz klingt vielversprechend, enthält jedoch einen gravierenden Kategorienfehler. Es wird so getan, als sei die Analyse diskriminierender Sprache gleichbedeutend mit dem Erkennen von Ableismus. Genau das ist falsch und führt zu einem verzerrten Bild. Diskriminierende Sprache beschreibt Formulierungen, die herabsetzen, ausschließen oder stereotype Zuschreibungen enthalten. Solche Marker sind technisch vergleichsweise leicht erkennbar. Ableismus dagegen ist ein strukturelles Machtverhältnis. Er wirkt auch dann, wenn Sprache äußerlich neutral erscheint.
Die Beispiele und Erklärungen zum Begriff Ableismus, die Aktion Mensch anführt, stammen überwiegend aus journalistischen und alltäglichen Erzählungen, etwa die Formulierung „trotz seiner Behinderung“. Solche Phrasen sind zwar ableistisch, in Chatbots von Behörden oder Online-Shops aber kaum zu erwarten. Dort geht es um Service-Dialoge, Auskünfte oder einfache Anliegen. Das Tool richtet sich ausdrücklich an institutionelle und kommerzielle Chatbots, die in Verwaltungen, Serviceportalen oder Online-Shops eingesetzt werden. Es geht um standardisierte Dialoge, bei denen Bürgerinnen oder Kundinnen Informationen abfragen oder Anliegen bearbeiten. Im privaten Bereich, etwa bei KI-Assistenten wie ChatGPT, in sozialen Medien oder im persönlichen Austausch, kann ABLE gar nicht eingesetzt werden. Gerade dort, wo erfahrungsgemäß deutlich häufiger ableistische Zuschreibungen und stereotype Redewendungen auftreten, greift das Tool also nicht. Relevant sind eher unklare Antworten, unverständliche Fachsprache oder fehlende Barrierefreiheit.
Damit zeigt sich ein Widerspruch. Zunächst heißt es, Service-Chatbots könnten ableistisch sein. Dann wird Ableismus mit Zuschreibungen wie „trotz Behinderung gute Leistung“ erklärt. Am Ende präsentiert man ein Tool, das lediglich diskriminierende Sprache erkennt. Strukturelle Zuschreibungen, die den Kern des Ableismus ausmachen, bleiben außen vor.
Dass Aktion Mensch hier Begriffe vermischt, ist kein Zufall. Der Verein ist geübt darin, Deutungshoheit über zentrale Begriffe zu beanspruchen und sie kommunikativ so zu besetzen, dass der ursprüngliche Sinn verloren geht. Aufmerksamkeit wird erzeugt, ohne dass die tieferen Machtstrukturen, die echte Teilhabe verhindern, ernsthaft adressiert würden.
ABLE mag hilfreich sein, um grobe sprachliche Diskriminierungen in Chatbot-Dialogen sichtbar zu machen. Doch es ist irreführend, daraus abzuleiten, dass damit Ableismus bekämpft wird. Wer Diskriminierung und Ableismus gleichsetzt, verfehlt den Kern der Problematik und trägt zur Verwässerung des Begriffs bei.
Disclaimer: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors wieder und entspricht ggf. nicht der Haltung der Redaktion der kobinet-nachrichten.

Foto: Ralph Milewski
Fladungen (kobinet) Jüngst hat Aktion Mensch die KI-Anwendung ABLE vorgestellt. Das Tool soll Chatbots auf ableistische Sprache überprüfen und damit digitale Kommunikation inklusiver machen. Der Ansatz klingt vielversprechend, enthält jedoch einen gravierenden Kategorienfehler. Es wird so getan, als sei die Analyse diskriminierender Sprache gleichbedeutend mit dem Erkennen von Ableismus. Genau das ist falsch und führt zu einem verzerrten Bild. Diskriminierende Sprache beschreibt Formulierungen, die herabsetzen, ausschließen oder stereotype Zuschreibungen enthalten. Solche Marker sind technisch vergleichsweise leicht erkennbar. Ableismus dagegen ist ein strukturelles Machtverhältnis. Er wirkt auch dann, wenn Sprache äußerlich neutral erscheint.
Die Beispiele und Erklärungen zum Begriff Ableismus, die Aktion Mensch anführt, stammen überwiegend aus journalistischen und alltäglichen Erzählungen, etwa die Formulierung „trotz seiner Behinderung“. Solche Phrasen sind zwar ableistisch, in Chatbots von Behörden oder Online-Shops aber kaum zu erwarten. Dort geht es um Service-Dialoge, Auskünfte oder einfache Anliegen. Das Tool richtet sich ausdrücklich an institutionelle und kommerzielle Chatbots, die in Verwaltungen, Serviceportalen oder Online-Shops eingesetzt werden. Es geht um standardisierte Dialoge, bei denen Bürgerinnen oder Kundinnen Informationen abfragen oder Anliegen bearbeiten. Im privaten Bereich, etwa bei KI-Assistenten wie ChatGPT, in sozialen Medien oder im persönlichen Austausch, kann ABLE gar nicht eingesetzt werden. Gerade dort, wo erfahrungsgemäß deutlich häufiger ableistische Zuschreibungen und stereotype Redewendungen auftreten, greift das Tool also nicht. Relevant sind eher unklare Antworten, unverständliche Fachsprache oder fehlende Barrierefreiheit.
Damit zeigt sich ein Widerspruch. Zunächst heißt es, Service-Chatbots könnten ableistisch sein. Dann wird Ableismus mit Zuschreibungen wie „trotz Behinderung gute Leistung“ erklärt. Am Ende präsentiert man ein Tool, das lediglich diskriminierende Sprache erkennt. Strukturelle Zuschreibungen, die den Kern des Ableismus ausmachen, bleiben außen vor.
Dass Aktion Mensch hier Begriffe vermischt, ist kein Zufall. Der Verein ist geübt darin, Deutungshoheit über zentrale Begriffe zu beanspruchen und sie kommunikativ so zu besetzen, dass der ursprüngliche Sinn verloren geht. Aufmerksamkeit wird erzeugt, ohne dass die tieferen Machtstrukturen, die echte Teilhabe verhindern, ernsthaft adressiert würden.
ABLE mag hilfreich sein, um grobe sprachliche Diskriminierungen in Chatbot-Dialogen sichtbar zu machen. Doch es ist irreführend, daraus abzuleiten, dass damit Ableismus bekämpft wird. Wer Diskriminierung und Ableismus gleichsetzt, verfehlt den Kern der Problematik und trägt zur Verwässerung des Begriffs bei.
Disclaimer: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Meinung des Autors wieder und entspricht ggf. nicht der Haltung der Redaktion der kobinet-nachrichten.





Fakt ist, dass der Ableismus seit Jahrzehnten tief in der Gesellschaft zu finden ist. Dabei wird er nicht nur gegen Menschen mit Behinderungen eingesetzt. In den zwanziger Jahren war es eine Clara Josephine Zetkin, welche sich für die Rechte der Frauen einsetzte. Aber auch in den sechziger Jahren, wurden ihnen Leistungen wie Autofahren aberkannt. Das gleiche galt, eigene Entscheidungen über ihr Leben treffen zu können. Wie richtig angemerkt geht es um Aufrechterhaltung von Machtverhältnissen. Selbstbewusste Menschen sind in solchen Gefügen unerwünscht.
Hm, ist das nicht auch das Geschäftsmodell der Sozialhelden/Leidmedien? Irgendwelche Leute anprangern, die halt nicht so gut mit Sprache umgehen können wie sie und denen Diskrminierung unterstellen, während die echten Diskriminierer davon kommen?