Boppard (kobinet)
Mein Name ist Mathias Kruck.
Ich arbeite ehren-amtlich mit Medien.
Ehren-amtlich bedeutet: Eine Person arbeitet ohne Geld.
Sie bekommt keinen Lohn.
Sie macht das freiwillig.
Ich helfe Projekten für das Gemein-wohl.
Gemein-wohl bedeutet: Das ist gut für alle Menschen.
Es hilft der ganzen Gesellschaft.
Ich war viele Jahre in der Rhein-werkstatt Boppard.
Das ist eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen.
Früher war ich Rettungs-helfer.
Das war mein Lieblings-beruf.
Dann bekam ich eine seelische Krankheit.
Seelische Krankheit bedeutet: Die Seele ist krank.
Die Gefühle sind krank.
Zum Beispiel: sehr traurig sein.
Deshalb konnte ich den Beruf nicht mehr machen.
Ich habe eine Internet-seite gemacht.
Sie heißt "Inklusion by Müselmulm".
Die Internet-seite findest du hier.
Auf der Seite schreibe ich über Inklusion.
Inklusion bedeutet: Alle Menschen machen mit.
Niemand wird ausgeschlossen.
Ich schreibe auch über Teil-habe.
Teil-habe bedeutet: Bei etwas mit-machen.
Man kann mit-bestimmen.
Ich schreibe über schlechte Erfahrungen.
Meine Lebens-gefährtin heißt Janina.
Wir waren 8 Jahre in der Reha.
Reha bedeutet: Eine Person wird wieder gesund gemacht.
Das passiert nach einer Krankheit.
Ärzte helfen dabei.
Janina wurde sexuell belästigt.
Sexuell belästigt bedeutet: Eine Person fasst eine andere Person an.
Die andere Person will das nicht.
Das ist verboten.
Ein Chef-mitarbeiter hat das gemacht.
Chef-mitarbeiter bedeutet: Eine Person mit mehr Macht.
Sie sagt anderen, was sie tun sollen.
Das war sehr schlimm für sie.
Mir ging es auch schlecht in der Reha.
Andere Menschen haben mich ausgegrenzt.
Ausgegrenzt bedeutet: Eine Person gehört nicht dazu.
Andere Menschen lassen sie nicht mit-machen.
Sie wollten nicht mit mir arbeiten.
Sie haben meine Arbeit schlecht gemacht.
Niemand hat mir geholfen.
Meine Ideen waren ihnen egal.
Wir haben um Hilfe gebeten.
Wir wollten über die Probleme sprechen.
Aber niemand hat uns geholfen.
Die Einrichtung hat geschwiegen.
Deshalb schreiben wir jetzt selbst.
Wir machen die Probleme öffentlich.
Auf unserer Internet-seite stehen viele Texte.
Wir erzählen von unseren Erfahrungen.
Wir schauen kritisch auf die Politik.
Wir kritisieren die Werkstätten.
Wir schreiben über neue Gesetze.
Wir wollen etwas verändern.
In Akten stehen oft nicht alle Informationen.
Auf unserer Seite schreiben wir alles auf.
Wir erklären die Verbindungen.
Verbindungen bedeutet: Wie Dinge zusammen-gehören.
Was hat mit was zu tun.
Wir schreiben über unsere Gefühle.
Wir stellen einfache Fragen:
- Warum schreibt die Einrichtung sexuelle Gewalt nicht in die Akten?
- Warum hört niemand auf kritische Menschen?
- Warum gibt es Teil-habe nur in der Theorie?
- Warum schützt Schweigen die Täter?
Wir wollen nicht nur berichten.
Wir wollen Menschen verbinden.
Andere sollen auch ihre Erfahrungen erzählen.
Sie sollen sich verstanden fühlen.
Unsere Seite ist noch kein großes Forum.
Forum bedeutet: Ein Ort im Internet.
Dort können Menschen mit-einander sprechen.
Sie schreiben ihre Meinungen auf.
Aber vielleicht wird sie das später.
Sie ist ein Ort für Widerstand.
Widerstand bedeutet: Man schützt sich vor einem Angriff.
Man wehrt sich gegen Gewalt.

Foto: Mathias Kruck,
Boppard (kobinet) Mein Name ist Mathias Kruck, ich engagiere mich ehrenamtlich mit meinen Talenten im Bereich Mediengestaltung für verschiedene Gemeinwohlprojekte – und war viele Jahre Rehabilitand in der Rheinwerkstatt Boppard, nachdem ich meinen geliebten Beruf als Rettungsassistent aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht mehr ausüben konnte.
Meine Website „Inklusion by Müselmulm“ ist ein persönlicher, aber zugleich strukturkritischer Blog über Inklusion, Teilhabe und das, was daraus in der Realität manchmal gemacht wird. Die Seite ist aus dem Bedürfnis entstanden, das Schweigen zu brechen – über das, was meiner Lebensgefährtin Janina und mir in acht Jahren Reha widerfahren ist.
Sie wurde Opfer sexueller Übergriffe durch einen leitenden Mitarbeiter. Ich selbst erlebte Ausgrenzung, Abwertung, Nichtbeachtung, fehlende Förderung und strukturelle Entwertung meiner kreativen Arbeit.
Wir haben mehrfach um Aufarbeitung gebeten – und stattdessen institutionelles Schweigen erlebt. Heute dokumentieren wir. Auf unserer Seite. Öffentlich. Mit Haltung. Und mit der Hoffnung, dass Sichtbarkeit Veränderung anstoßen kann – oder zumindest das Verdrängen unmöglich macht. „Inklusion by Müselmulm“ vereint Erfahrungsberichte, politische Beobachtung, Kritik an Werkstättenstrukturen, Reaktionen auf Gesetzesinitiativen – und den Versuch, in Sprache etwas zu schaffen, das bleibt. Denn was in Akten oft fehlt, findet hier Raum: Kontexte, Zusammenhänge, Emotionen – und ganz einfache Fragen:
- Warum dokumentiert eine Einrichtung sexualisierte Gewalt nicht in der Rehabilitandenakte?
- Warum werden kritische Stimmen systematisch ignoriert?
- Warum ist Teilhabe oft nur Theorie – und Schutz ein Schweigekonstrukt?
Wir möchten mit unserer Seite nicht nur berichten, sondern verbinden. Uns ist wichtig, dass auch andere ihre Erfahrungen sichtbar machen können – und sich in dem wiederfinden, was wir teilen. „Inklusion by Müselmulm“ ist keine Plattform im klassischen Sinne – noch nicht. Aber vielleicht wird sie eine. Sie ist ein Ort, an dem Sprache zum Widerstand wird. Und an dem das, was lange im Dunkeln lag, ans Licht darf.
www.mueselmulm.de
Kontakt: [email protected]

Foto: Mathias Kruck,
Boppard (kobinet) Mein Name ist Mathias Kruck, ich engagiere mich ehrenamtlich mit meinen Talenten im Bereich Mediengestaltung für verschiedene Gemeinwohlprojekte – und war viele Jahre Rehabilitand in der Rheinwerkstatt Boppard, nachdem ich meinen geliebten Beruf als Rettungsassistent aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht mehr ausüben konnte.
Meine Website „Inklusion by Müselmulm“ ist ein persönlicher, aber zugleich strukturkritischer Blog über Inklusion, Teilhabe und das, was daraus in der Realität manchmal gemacht wird. Die Seite ist aus dem Bedürfnis entstanden, das Schweigen zu brechen – über das, was meiner Lebensgefährtin Janina und mir in acht Jahren Reha widerfahren ist.
Sie wurde Opfer sexueller Übergriffe durch einen leitenden Mitarbeiter. Ich selbst erlebte Ausgrenzung, Abwertung, Nichtbeachtung, fehlende Förderung und strukturelle Entwertung meiner kreativen Arbeit.
Wir haben mehrfach um Aufarbeitung gebeten – und stattdessen institutionelles Schweigen erlebt. Heute dokumentieren wir. Auf unserer Seite. Öffentlich. Mit Haltung. Und mit der Hoffnung, dass Sichtbarkeit Veränderung anstoßen kann – oder zumindest das Verdrängen unmöglich macht. „Inklusion by Müselmulm“ vereint Erfahrungsberichte, politische Beobachtung, Kritik an Werkstättenstrukturen, Reaktionen auf Gesetzesinitiativen – und den Versuch, in Sprache etwas zu schaffen, das bleibt. Denn was in Akten oft fehlt, findet hier Raum: Kontexte, Zusammenhänge, Emotionen – und ganz einfache Fragen:
- Warum dokumentiert eine Einrichtung sexualisierte Gewalt nicht in der Rehabilitandenakte?
- Warum werden kritische Stimmen systematisch ignoriert?
- Warum ist Teilhabe oft nur Theorie – und Schutz ein Schweigekonstrukt?
Wir möchten mit unserer Seite nicht nur berichten, sondern verbinden. Uns ist wichtig, dass auch andere ihre Erfahrungen sichtbar machen können – und sich in dem wiederfinden, was wir teilen. „Inklusion by Müselmulm“ ist keine Plattform im klassischen Sinne – noch nicht. Aber vielleicht wird sie eine. Sie ist ein Ort, an dem Sprache zum Widerstand wird. Und an dem das, was lange im Dunkeln lag, ans Licht darf.
www.mueselmulm.de
Kontakt: [email protected]




