Villmar - Weyer (kobinet)
Kobinet-Nachrichten ist eine Internet-Seite.
Dort stehen Nachrichten über Menschen mit Behinderungen.
Kobinet bedeutet: Büro für behinderte Menschen im Internet.
Die kobinet-Nachrichten berichten meist über große Städte.
Das sind Berlin, München und Bremen.
Oder über Städte mit viel Behinderten-Politik.
Das sind Marburg, Kassel und Hannover.
Dort ist die Behinderten-Bewegung sehr aktiv.
Die Behinderten-Bewegung sind viele Menschen mit Behinderungen.
Sie kämpfen zusammen für ihre Rechte.
Sie wollen mit-bestimmen in der Gesellschaft.
Aber wie lebt es sich in kleinen Orten?
Zum Beispiel im nördlichsten Land-Kreis von Bayern.
Ein Land-Kreis ist ein Gebiet mit vielen Städten und Dörfern.
Der Land-Kreis kümmert sich um diese Orte.
Dieser Land-Kreis liegt zwischen Hessen und Thüringen.
Dort sind die Parteien CSU und AFD stark.
Oder in einer Klein-Stadt im Breis-Gau.
Das kann ich mir nur schwer vorstellen.
Ich lese zwischen den Zeilen von Ralph Milewski.
Ich lese auch zwischen den Zeilen von Hans-Willi Weis.
Sie berichten aus solchen Orten.
Dort gibt es wohl **Ignoranz** und Aus-Grenzung.
Ignoranz bedeutet: Jemand beachtet andere Menschen nicht.
Die Person tut so als gäbe es die anderen nicht.
Menschen werden schlecht behandelt.
Das sind noch die harmlosen Sachen.
Es gibt auch An-Feindungen und Bedrohungen.
Es gibt sogar körperliche Angriffe.
Ich habe das in Mittel-Hessen noch nicht erlebt.
Mittel-Hessen ist meine behinderten-politische **Diaspora**.
Diaspora bedeutet: Wenn Menschen weit weg von zu Hause leben.
Sie leben in einem fremden Gebiet.
In Mittel-Hessen ist alles mittel-mäßig.
Der Name sagt es schon: so mittel!
Hessen liegt in der Mitte von Deutschland.
Das Bundes-Land ist nicht besonders gut.
Es ist aber auch nicht besonders selbst-bewusst.
Hessen hat es sich gemütlich gemacht.
Die Rodgau Monotones singen seit 1977:
Unser David Bowie heißt Heinz Schenk.
Aber Heinz Schenk kam aus Mainz.
Mainz liegt in Rheinland-Pfalz.
Von uns Hessen geht keine **Vorreiter**-Rolle aus.
Ein Vorreiter macht etwas Neues zuerst.
Andere Menschen machen es dann auch.
Von uns geht auch keine Gefahr aus.
Erbarmen, die Hessen kommen?
Menschen mit Behinderungen haben wenig Mit-Sprache.
Das gilt für die **kommunal**-politische Teil-Habe.
Kommunal bedeutet: Es geht um die Stadt oder Gemeinde.
Kommunal-politisch bedeutet: Politiker in der Stadt treffen Entscheidungen.
Teil-Habe bedeutet: mit-bestimmen können.
Das ist in Mittel-Hessen im unteren Mittel-Feld.
Im Vergleich zu anderen Teilen von Deutschland.
Auch für die Politiker ist das Thema nicht wichtig.
Es steht weit unten auf ihrer **Prioritäten**-Liste.
Prioritäten bedeutet: was ist wichtig.
Eine Prioritäten-Liste zeigt: Was ist am wichtigsten?
Es gibt ein paar Arbeits-Kreise zu dem Thema.
In einigen Land-Kreisen gibt es Behinderten-Vertretungen.
In einigen Städten gibt es **Beiräte**.
Beiräte sind Gruppen von Menschen.
Sie beraten die Politiker.
Einige von diesen Vertretern sind zurück-getreten.
Andere haben ihren Rück-Tritt angekündigt.
Sie sagen noch nicht öffentlich warum.
Aber man hört: Die Kommunen schätzen sie nicht.
Kommunen bedeutet: Städte und Gemeinden.
Die Kommunen arbeiten nicht gut mit ihnen zusammen.
Die **Notwendigkeit** von Beiräten wird in Frage gestellt.
Notwendigkeit bedeutet: Das muss sein.
Man braucht das unbedingt.
Vor allem das Antrags-Recht wird in Frage gestellt.
Antrags-Recht bedeutet: Anträge stellen können.
Das soll in kommunalen Parlamenten passieren.
Ein SPD-Politiker sagte mir vor kurzem:
Jede Bürgerin und jeder Bürger hat ein Recht.
Sie können ihre Anliegen vor-tragen.
Sie können das einem Abgeordneten sagen.
Sie können ihn von einem Antrag überzeugen.
Das gilt für alle Menschen.
Ich antwortete ihm:
Weil das so mittel läuft, brauchen wir keine **UN-BRK**!
UN-BRK bedeutet: **UN-Behinderten-Rechts-Konvention**.
Ein Vertrag für Menschen mit Behinderungen.
Viele Länder haben unterschrieben.
Deutschland hat dieses Papier auch unterschrieben.
Das ist ein wichtiges Gesetz für Menschen mit Behinderungen.
Dann musste er zu einem anderen Termin.
Ich frage mich:
Sind solche Diskussionen typisch für Mittel-Hessen?
Gibt es sie auch in Berlin, Bremen oder München?
Und ich frage mich noch etwas:
Ändert sich die Mittel-Mäßigkeit in Hessen?
Wenn Eintracht Frankfurt nächstes Jahr Deutscher Fußball-Meister wird?
Stephan Laux August 2025

Foto: Ralph Milewski
Villmar - Weyer (kobinet) In den kobinet Nachrichten finden sich überwiegend Berichte, Ankündigungen und Termine aus den Metropolen der Republik. Berlin, München und Bremen oder behindertenpolitischen Hotspots, wie Marburg, Kassel und Hannover. Hier steppt der aktivistische Bär der Behindertenbewegung.
Aber wie lebt es sich als beeinträchtigter Mensch und/oder Aktivist z.B. im nördlichsten Landkreis des Freistaats Bayern, eingeklemmt zwischen Hessen und Thüringen, wo sich CSU und AFD gute Nacht sagen oder in einer Kleinstadt im Breisgau, in der das größte Kompliment an eine Hausfrau „siehst abgeschafft aus!“ sein soll?
Das kann ich mir nur ansatzweise vorstellen, wenn ich zwischen den Zeilen der Berichte von Ralph Milewski oder Hans – Willi Weis lese.
Ignoranz, Ausgrenzung und Verunglimpfung scheinen da noch die harmlosen Begleiterscheinungen zu sein. Anfeindungen, Bedrohungen und sogar tätliche Angriffe habe ich persönlich bis jetzt in meiner mittelhessischen, behindertenpolitischen Diaspora noch nicht erlebt.
In Mittelhessen empfinde ich alles, wie der Name schon sagt: so mittel!
Hessen liegt etwa in der Mitte Deutschlands. Das Bundesland ist weder ein Musterländle noch besonders selbstbewusst.
Hessen hat es sich in der Mitte Deutschlands gemütlich gemacht. „Unser David Bowie heißt Heinz Schenk“ singen die Rodgau Monotones nun schon seit 1977, obwohl der aus dem rheinland-pfälzischen Mainz stammte.
„Erbarmen, die Hessen kommen?“
Von uns Hessen geht weder eine Vorreiterrolle noch eine Gefahr aus.
Der Stand der kommunalpolitischen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der mittelhessischen Provinz bewegt sich, Sie ahnen es, im Vergleich zum Rest der Republik, so im unteren Mittelfeld.
Wie auch die Rangfolge dieses Themas auf der Prioritätenliste der politisch Verantwortlichen. Es gibt ein paar Arbeitskreise zum Thema, und in einigen Landkreisen, Städten und Gemeinden wurden Behindertenvertretungen und Beiräte ernannt.
Von denen sind unlängst einige von Ihren Ämtern zurückgetreten oder haben Ihren Rücktritt angekündigt. Noch äußern sie sich offiziell nicht dazu. Es ist jedoch von mangelnder Wertschätzung und Kooperationsbereitschaft seitens der Kommunen die Rede.
Auch die Notwendigkeit und vor allem das Antragsrecht solcher Beiräte und Vertretungen in kommunalen Parlamenten würden stark infrage gestellt.
„Jede Bürgerin und jeder Bürger hat das Recht, seine Anliegen einem oder einer Abgeordneten des Parlaments vorzutragen und sie oder ihn von der Notwendigkeit eines Antrages zu überzeugen. Egal, ob behindert oder nicht!“ entgegnete mir vor Kurzem ein Kommunalpolitiker von der SPD zum Thema.
„Und weil das so ist und eher ‚so mittel‘ läuft, brauchen wir auch keine UN-BRK!“ war meine Antwort, bevor er zu einem anderen wichtigen Termin aufbrechen musste.
Ich frage mich, ob solche Diskussionen typisch mittelhessisch sind oder ob es sie auch in Berlin, Bremen oder München gibt?
Und ob sich das mit der Mittelmäßigkeit in Hessen ändert, wenn Eintracht Frankfurt im nächsten Jahr Deutscher Fußballmeister wird?
Stephan Laux August 2025

Foto: Ralph Milewski
Villmar - Weyer (kobinet) In den kobinet Nachrichten finden sich überwiegend Berichte, Ankündigungen und Termine aus den Metropolen der Republik. Berlin, München und Bremen oder behindertenpolitischen Hotspots, wie Marburg, Kassel und Hannover. Hier steppt der aktivistische Bär der Behindertenbewegung.
Aber wie lebt es sich als beeinträchtigter Mensch und/oder Aktivist z.B. im nördlichsten Landkreis des Freistaats Bayern, eingeklemmt zwischen Hessen und Thüringen, wo sich CSU und AFD gute Nacht sagen oder in einer Kleinstadt im Breisgau, in der das größte Kompliment an eine Hausfrau „siehst abgeschafft aus!“ sein soll?
Das kann ich mir nur ansatzweise vorstellen, wenn ich zwischen den Zeilen der Berichte von Ralph Milewski oder Hans – Willi Weis lese.
Ignoranz, Ausgrenzung und Verunglimpfung scheinen da noch die harmlosen Begleiterscheinungen zu sein. Anfeindungen, Bedrohungen und sogar tätliche Angriffe habe ich persönlich bis jetzt in meiner mittelhessischen, behindertenpolitischen Diaspora noch nicht erlebt.
In Mittelhessen empfinde ich alles, wie der Name schon sagt: so mittel!
Hessen liegt etwa in der Mitte Deutschlands. Das Bundesland ist weder ein Musterländle noch besonders selbstbewusst.
Hessen hat es sich in der Mitte Deutschlands gemütlich gemacht. „Unser David Bowie heißt Heinz Schenk“ singen die Rodgau Monotones nun schon seit 1977, obwohl der aus dem rheinland-pfälzischen Mainz stammte.
„Erbarmen, die Hessen kommen?“
Von uns Hessen geht weder eine Vorreiterrolle noch eine Gefahr aus.
Der Stand der kommunalpolitischen Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in der mittelhessischen Provinz bewegt sich, Sie ahnen es, im Vergleich zum Rest der Republik, so im unteren Mittelfeld.
Wie auch die Rangfolge dieses Themas auf der Prioritätenliste der politisch Verantwortlichen. Es gibt ein paar Arbeitskreise zum Thema, und in einigen Landkreisen, Städten und Gemeinden wurden Behindertenvertretungen und Beiräte ernannt.
Von denen sind unlängst einige von Ihren Ämtern zurückgetreten oder haben Ihren Rücktritt angekündigt. Noch äußern sie sich offiziell nicht dazu. Es ist jedoch von mangelnder Wertschätzung und Kooperationsbereitschaft seitens der Kommunen die Rede.
Auch die Notwendigkeit und vor allem das Antragsrecht solcher Beiräte und Vertretungen in kommunalen Parlamenten würden stark infrage gestellt.
„Jede Bürgerin und jeder Bürger hat das Recht, seine Anliegen einem oder einer Abgeordneten des Parlaments vorzutragen und sie oder ihn von der Notwendigkeit eines Antrages zu überzeugen. Egal, ob behindert oder nicht!“ entgegnete mir vor Kurzem ein Kommunalpolitiker von der SPD zum Thema.
„Und weil das so ist und eher ‚so mittel‘ läuft, brauchen wir auch keine UN-BRK!“ war meine Antwort, bevor er zu einem anderen wichtigen Termin aufbrechen musste.
Ich frage mich, ob solche Diskussionen typisch mittelhessisch sind oder ob es sie auch in Berlin, Bremen oder München gibt?
Und ob sich das mit der Mittelmäßigkeit in Hessen ändert, wenn Eintracht Frankfurt im nächsten Jahr Deutscher Fußballmeister wird?
Stephan Laux August 2025





Das Beunruhigende hinsichtlich dessen, was wir Behinderte wo und wie landauf landab, gegenwärtig erleben, sehe ich darin:
Nach dem Ende des für uns formalrechtlich (zuletzt der UN-BRK) und bewusstseinsfortschrittlich (Inklusion als Label für Behindertengleichstellung ins allgemeine Bewusstsein vorgedrungen) relativ erfolgreichen halben Jahrhunderts beobachte ich mit der politischen „Zeitenwende“ und der speziell behindertenpolitischen Zäsur, die ich mit „After Inclusion“ kennzeichne, nunmehr eine generelle Einschränkung demokratischer Mitwirkungsmöglichkeiten und eine Zunahme milieu- und klassenegoistischer Selbstbehauptungskämpfe.
Dies sind Rahmenbedingungen innerhalb derer die gesellschaftlich Schwächeren und Marginalisierten sehr schlechte Karten haben. Desto mehr, wenn sich die Verhärtung rings um uns her auch im Innern des eigenen Milieus durchsetzt. „Deliberation“ als das Herzstück von Demokratie meint sprachliche Aushandlung, die wiederum Kritik, Dissens und Konfliktaustragung auf herrschftsfreier und gleichrangiger Begegnungsebene miteinschließt.
Was ich nun unter behindertenpolitischen Akteuren mit Besorgnis registriere, ist die Bereitschaft auch intern dieses demokratische Kernprinzip der Deliberation einzuschränken. Raul Krauthausen hat sich bereits explizit für die interne Abschaffung der Deliberation ausgesprochen, indem er öffentliche Kritik an Peers für Tabu erklärt (sie als „angekackt werden“ diskreditiert).
Noch hoffe ich, eine solche Absage an die offene behindertenpolitische Debatte setzt sich bei den kobinet-Nachrichten nicht durch. Versuchen wir unser Bestes!
Hans-Willi Weis