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Warum sich Susanne Hüttenrauch für das Persönliche Budget einsetzt

Junge Frau in weißem Pullover mit roten Querstreifen und Jeanshose in einem Rollstuhl. Auf der linken Schulter sitzt eine kleine Katze
Susanne Hüttenrauch in ihrer Wohnung
Foto: Verband für Inklusion und Teilhabe Thüringen (VITT)

URLEBEN (kobinet) Der Verband für Inklusion und Teilhabe Thüringen (VITT) erarbeitet einen Ratgeber zum Persönlichen Budget für Menschen mit Beeinträchtigungen. Mitglied des aus Peer-Personen bestehenden Redaktionsteams ist auch Susanne Hüttenrauch. Die junge Frau aus Urleben im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis wünscht sich, dass das Thema Persönliches Budget mehr in die Öffentlichkeit kommt. "Ohne Kampf zu seinem Recht kommt man in Deutschland zu selten", sagt sie und fährt fort: "Aber immerhin gilt seit 2008 der Rechtsanspruch auf ein persönliches Budget. Menschen mit Behinderungen erhalten dann Geld statt Sachleistungen und können selbst entscheiden. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum selbstbestimmten Leben." Doch der Weg dahin ist steinig. Aber es lohnt sich, weiß auch Susanne Hüttenrauch aus Urleben, die seit ihrer Geburt mit einer inkompletten Querschnittslähmung lebt.

Seit 2021 hat Susannne Hüttenrauch ein Persönliches Budget. Ihre Lebensqualität hat sich damit erheblich verbessert, nicht nur was die Schlafenszeit betrifft. „Wohnungen, die rollstuhlgerecht und bezahlbar sind, gibt es nicht“, weiß Susanne Hüttenrauch. Ohne persönliches Budget wären sie und ihre 88-Jährige Mutter im Heim gelandet: Nichts mehr mit eigenem Garten, Haustieren und Besuch zu empfangen. Sie müssten dann vielleicht, weil es ein Arbeitsablauf oder jemand so bestimmt, um 18.30 Uhr ins Bett.

Nicht immer war sie mit der Pflege so ganz zufrieden, aber: „Der Pflegedienst kann da aber nichts dafür“, betont Susanne Hüttenrauch und lobt das persönliche Engagement vieler Pflegekräfte, „Da steht wirklich der Mensch in Vordergrund. Aber Pflegekräfte sind an gesetzliche Zeitvorgaben gebunden und haben bei mir oft genug beide Augen zugedrückt.“ Der Fehler liegt eindeutig im System. Dafür kann weder Pflegedienst noch die Behörden im Unstrut-Hainich-Kreis was“, so die Analyse der ausgebildeten Bürokauffrau. Strukturelles Defizit, nennt man dieses Phänomen in der Wissenschaft. Jetzt, mit persönlicher Assistenz, ist vieles für Susanne Hüttenrauch besser geworden: „Ich kann jederzeit auf Hilfe zurückgreifen, vor allem bei scheinbar banalen Sachen, wie dem Gang zu Toilette“. Kurzum: Mit persönlichem Budget und persönlicher Assistenz lebt es sicher besser und vor allem selbstbestimmter.

Ein besonders dicker Brocken auf dem Weg zum persönlichen Budget war für Susanne Hüttenrauch das Ausfüllen des ITP, des Integrierten Teilhabeplans samt Ergänzungsbögen. Der ist in Thüringen aber die zentrale Grundlage, um persönliches Budget beantragen zu können. „Das muss dringend einfacher gestaltet werden“, fordert Susanne Hüttenrauch. Keine leichte Aufgabe, aber mit Kämpferinnen wie Susanne Hüttenrauch und einem Optimus des Tuns, absolut möglich.

Eben aus dieser Erfahrung heraus möchte Susanne Hüttenrauch diesen Ratgeber und Praxisleitfaden für das persönliche Budget mit erarbeiten: Von und für Menschen mit Behinderungen. „Schließlich sind sie die besten Expertinnen und Experten in eigener Sache.“ stellt sie abschließend fest.